Aktuelles Bau- und Nutzfahrzeuge

TomTom Telematics: Automatische Tourenplanung, Digital-Tachograf und Forecasting

Zum Kundenkreis von Gerdes + Landwehr zählen im Logistik- und Baustoffbereich typischerweise Baustoffproduzenten. Bereits seit 2006 setzt das Unternehmen auf Webfleet von TomTom. Im Zusammenspiel mit dem Transportleitstand Opheo von Initions disponiert Gerdes + Landwehr seit Februar diesen Jahres nun mit einer vollautomatischen Tourenplanung, einem digitalen ­Tachografen und einer ­Forecasting-Funktion.

Gerdes + Landwehr ist spezialisiert auf staubförmige Produkte – »also auf alles, was am Bau an zementgebundenen oder kalkgebundenen Produkten bis hin zum Fliesenkleber benötigt wird«, umreißt John-Henrik Landwehr, Geschäftsführer des Unternehmens, das Tätigkeitsfeld. Gearbeitet wird in Deutschland und den Benelux-Ländern von Sulingen und Beckum aus. Insgesamt 100 Fahrzeuge – fast ausschließlich Silo-Fahrzeuge und einige wenige Kipper – sind mit Driver-Terminals des Typs TomTom Pro 8275 und den Fahrzeugortungsgeräten TomTom Link 510 ausgestattet.

Gerdes + Landwehr begann frühzeitig, die Vorteile durch Webfleet für sich arbeiten zu lassen. Ausschlaggebend für die Partnerschaft war 2006 eine eigene Marktanalyse. Ein Jahr zuvor hatte TomTom als Anbieter mobiler Navigationsgeräte die Leipziger Datafactory mit ihrem Telematik-Know-how übernommen. Geschäftskunden konnten ab diesem Zeitpunkt präzise Navigation und durchdachte Telematik auf Basis von Webfleet nutzen.


Verfügbare Programme keine Hilfe für Disponenten

Bereits vor zehn Jahren machte Gerdes + Landwehr erste interne Studien zum Thema Dispositionsunterstützung. Die damals verfügbaren Programme konnten zwar eine beachtliche Rechenleistung vorweisen, aber den Disponenten nicht helfen. Es fehlte schlicht an den nötigen Informationen. Erst als mit der zunehmenden Digitalisierung über Remote-Download-Tools Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten in Echtzeit an jedem Ort zur Verfügung standen, lohnte sich für Landwehr 2017 eine erneute Recherche.

»Algorithmen, die eben auch alle gesetzlichen Lenk- und Ruhezeitthematiken für die Zukunft abarbeiten, waren lange nicht verfügbar. Wir wollten aber den Disponenten von der handwerklichen Kopfrechnerei entlasten und ihm ein Hilfstool geben«, so Landwehr. Bei 60 Fahrzeugen am Tag ist ein Mitarbeiter nicht mehr in der Lage, tausende Varianten im Kopf zu planen, zu berechnen und zu prüfen – jeweils mit exakten Kilometern und Lenk- und Ruhezeiten. Darüber hinausgehend lag das Augenmerk von Gerdes + Landwehr darauf, in der Disposition schlummernde Potenziale zu entdecken und zu heben. »Wenn Sie eine große Berechnung im Kopf durchführen, sind Sie immer langsamer. Und je komplexer das Thema ist, auch uneffektiver.« Das bedeutet, Optimierungsmöglichkeiten gehen am Ende verloren oder der Disponent entscheidet aufgrund von hohem Zeitdruck falsch.

Lösung

Anfang 2017 gab es dann die erste Kontaktaufnahme mit Initions. Nach einer Vorstellung des Transportleitstands Opheo fiel die Entscheidung bei Gerdes + Landwehr im Herbst 2017 schnell. Neben dem Opheo-Dispo-Cockpit und Opheo-Mobile, der auf den Driver-Terminals von TomTom installierten Liefer-App, nutzt Gerdes + Landwehr heute drei Opheo+-Dienste, die für die Automatisierung der Dispo von zentraler Bedeutung sind: »Da ist der IxOptimizer, der für die automatische Tourenplanung eingesetzt wird«, erläutert Stefan Anschütz, Vorstandsmitglied und Gründer von Initions. »Hinzu kommen Echtzeit-Tachodaten, die wir im Zusammenspiel mit Webfleet einsetzen, um die Daten aus den digitalen Tachografen für Opheo und damit für die Disposition nutzen zu können. Und schließlich die Forecasting-Funktion, mit der Gerdes + Landwehr – auch basierend auf den Webfleet-Daten – vorausschauend planen kann.« So ermittelt Opheo die Statussituation der Fahrer für die nächsten Stunden und kann unter anderem prüfen, ob die Lenkzeit des Fahrers für die geplante Tour noch ausreicht.

Im Zusammenspiel mit Webfleet kann Opheo minütlich eine komplette Disposition durchplanen und kalkulieren. »Wenn ich das 60 Sekunden laufen lasse, ­errechnen die Algorithmen 60 000 Dispositionspläne, die sich einem Optimum annähern«, schätzt Landwehr ein. Damit lasse sich über den gesamten Tagesverlauf prüfen, wie der Auslastungsgrad aller Fahrzeuge ist. Relevant sei das insbesondere, weil Kunden im Baustoffbereich heute zu 80 % für morgen bestellten. Entsprechend müsse Gerdes + Landwehr mit einer relativ volatilen und damit unstetigen Auftragsmasse umgehen.

Die Transportbetonindustrie macht über 50 % des Zementverbrauchs in Deutschland aus. »Die überlegen weitestgehend heute für morgen. Das ist ein Produkt, das nicht gelagert und erst in dem Moment produziert wird, wenn es die Baustelle braucht«, so Landwehr. Für ihn ist dies die größte Herausforderung. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass die Disposition frühzeitig erkennen kann, wie ausgelastet der Fuhrpark und das Fahrerteam sind. Seit ­Februar hilft Opheo dabei erheblich, indem es aktiv darauf hinweist, wann eine Zeitüberschreitung droht.

Optimierte Tourenplanungauf Knopfdruck

Die Transportaufträge werden bei Gerdes + Landwehr im ERP-System Navision von Microsoft (Microsoft Dynamics NAV) verarbeitet. Via Schnittstelle greift Opheo darauf zu und erfasst alle Aufträge. Die Disponenten planen anschließend die einzelnen Touren über die Software. »An dieser Stelle kommt der Opheo+-Dienst IxOptimizer zum Einsatz. Er erstellt auf Knopfdruck automatisch einen Tourenvorschlag – also welches Fahrzeug übernimmt den Transport, in welcher Reihenfolge etc.«, erklärt Anschütz das Grundprinzip.

Vor Einführung von Opheo mussten die Disponenten alle möglichen und unmöglichen Optionen im Kopf durchspielen. Heute kann der Disponent die Planung nicht nur einmal machen, sondern einfach – wenn zwei, drei Stunden vergangen und weitere Aufträge eingetroffen sind – erneut einen optimierten Tourenvorschlag generieren.

Wenn die Tourenplanung abgeschlossen ist, gehen die Daten digital von Opheo über das ­Mobilfunknetz an die Opheo-­Mobile-App auf die TomTom-Driver-Terminals in den Fahrzeugen. Wenn ein Fahrer seine Tour beginnt, kann er darüber den Auftrag durchführen und die ­Adressdaten des nächsten Stopps jeweils mit einer Fingerberührung aus der Mobile-App von Opheo in die TomTom-Navigation übernehmen. Während er das tut, sammelt Webfleet im Hintergrund die Informationen zum Fahrzeug, dessen Position und zum Status des digitalen Tachografen im Silo-Fahrzeug. Dieses gesammelte Wissen gibt Webfleet an Opheo zurück.

Webfleet und Opheo kompatibel

Der Disponent kann in Opheo nicht nur sehen, wie viel Restlenkzeit der Fahrer noch hat. Opheo prüft für ihn auch, ob die Planung weiterhin Bestand hat und weist ihn auf mögliche Lenkzeit-Engpässe in den nächsten Stunden hin. Darüber hinaus warnt Opheo über sich anbahnende Verzögerungen und verspätete Auslieferungen. So kann der Disponent den Kunden informieren oder – wenn noch möglich – eine Umplanung vornehmen und ein anderes Fahrzeug pünktlich zum Kunden schicken. »Opheo reichert die ursprüngliche Planung permanent mit den Ist-Daten aus Webfleet an und gibt dem Disponenten damit wichtige Entscheidungshilfen«, fasst Anschütz zusammen. Webfleet und Opheo sind kompatibel und darüber hinaus auch in das bei Gerdes + Landwehr eingesetzt ERP-System von Navision integriert. Die bei der Auftragsannahme in Navision erfassten Daten muss anschließend niemand wieder in die Hand nehmen.

Digitale Lieferscheine und ­Begleitpapiere entlasten Fahrer

Der Fahrer wird zudem bei seiner täglichen Arbeit entlastet, da der gesamte Prozess digital abläuft. Primär geht es darum, ob er an der Entladestelle bereits entladen kann oder noch warten muss. Alle weiteren Statusänderungen werden automatisch über Geo-Fencing erkannt. Für eine Übergangszeit lässt Gerdes + Landwehr alle Begleitpapiere und Lieferscheine noch parallel mitlaufen. »Das machen wir auch noch eine Weile, weil es in Deutschland ein notwendiges Begleitpapier für den Transport ist«, so Landwehr. Wenn die Transportunterlagen überall vollständig elektronisch akzeptiert sind, unterschreibt der Kunde auf dem TomTom-Pro-Driver-Terminal, so wie man das vom Paketboten kennt.     §

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