Aktuelles Erdbewegung

Caterpillar bei Zeppelin: Massen bewegen Massen bei Cottbus

Nordöstlich von Cottbus wird der Tagebau Cottbus-Nord zum »Cottbuser Ostsee«, dem vorerst größten Bergbaufolgesee Deutschlands, um­gestaltet, der von der Lausitz Energie Bergbau (LEAG) mit 280 Mio. m³ Wasser – umgerechnet 1,5 Mrd. Badewannenfüllungen – in einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren, je nach Wasserangebot der Spree, geflutet wird. Für den künstlich angelegten See auf 1 900 ha Fläche müssen bis Ende August nächsten Jahres rund 17 Mio. m³ Boden gelöst, geladen, transportiert und wieder eingebaut werden. Im Einsatz sind auch zehn Cat-Raupen, 13 Cat-Kettenbagger sowie fünf Cat-Dumper.

Vor Ort ist nicht nur eine riesige Flotte an Baumaschinen in der Massenbewegung gefordert, es bedarf auch einer ausgeklügelten Baustellenlogistik. Sie erbringt die Arge Cottbus Nord, bestehend aus Bickhardt Bau ­(federführend), Bickhardt Bau Thüringen und V& C Metzner. ­Ihre Aufgabe ist der Abtrag der Abbausektoren und die Ver­füllung der Kohlebahnausfahrt. ­Dabei greifen sie auf eine Großgeräteflotte an 140 Mietmaschinen zurück, die das Unternehmen Manfred Hoffmann Baumaschinen Industrieservice aus Dorsten/Schwarzheide stellt, darunter zehn Cat-Raupen D8T, 13 Cat-Kettenbagger vom Typ 336 bis 374 sowie fünf Cat-Dumper 730C.


»Nichts dem Zufall überlassen«
»2011 haben wir beim Flughafen Kassel-Calden zusammengearbeitet und gezeigt, dass wir einen Flughafen termingerecht realisieren können«, so Bauleiter Michael Schmidt von Bickhardt Bau. Bei diesem Projekt gab es eine Wiederholung der Zusammenarbeit. »Wir haben am Anfang bei der Planung und Kalkulation viel Energie reingesteckt, um das Projekt überhaupt erst zum Laufen zu bringen. Dann ging es um die Feinjustierung«, meint der Bauleiter.
Als sich die Bauma 2016 zu Ende neigte, stand fest, dass mit dem ausgearbeiteten Konzept die Ausschreibung gewonnen wurde. »Wir konnten dann noch auf der Messe Bestellungen, insbesondere Großbagger, wie einen Cat 374FL und mehrere 352FL, bei Zeppelin in Auftrag geben«, erinnert sich Barbara Hoffmann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Manfred Hoffmann. Für dessen Baumaschinenlieferanten, die Zeppelin-Niederlassung Köln, hieß das, in kurzer Zeit die Geräte zu liefern und die entsprechenden Transportgenehmigungen in die Wege zu leiten. »Die Cat-Baumaschinen stammten aus Zeebrügge, wo Caterpillar sein Europa-Lager unterhält. Wir mussten uns dort wegen der geforderten Ausrüstung eng abstimmen«, so Zeppelin-Niederlassungsleiter Stefan Lanio.


Seit der Gründung in den 1980er-Jahren durch Manfred und Ingrid Hoffmann, den Eltern von Barbara Hoffmann, setzt das auf die Vermietung von Großgeräten inklusive umfassendem Full-Service spezialisierte Unternehmen auf die Marke Caterpillar. Sukzessive wurde seitdem der Bestand an schweren Maschinen ausgebaut. »Auch wenn wir uns herstellerneutral aufgestellt haben, ist Caterpillar stark vertreten, was auf die langjährige, gewachsene Zusammenarbeit sowie die Kundenbetreuung und den Service durch Zeppelin zurückzuführen ist«, hebt Barbara Hoffmann hervor. Eng betreut wird einer der größten Kunden seit über 20 Jahren von Kay-Achim Ziemann, Zeppelin Vertriebsdirektor von NRW.


Infrastruktur schaffen
Um die logistischen Voraussetzungen für den Maschineneinsatz rund um den Cottbuser Ostsee zu schaffen, musste erst die Infrastruktur inklusive Stromversorgung plus Betankung mitten im stillgelegten Tagebau geschaffen werden. Seit Mai letzten Jahres sind 50 Großbagger, Raupen, Grader, Walzen und Fräsen im Einsatz, um zunächst ein Straßennetz herzustellen. Auf ihnen ­frequentieren immer wieder drei Wasserwagen, um der starken Staubbildung vorzubeugen. Aber auch bei Regen muss das Streckennetz befahrbar sein. Darum wurde es mit Zement befestigt. Stark befahrbare Abschnitte wurden asphaltiert. Auf ihnen rollen bis zu 100 Dumper. Die Fahrten der Dumper ergeben noch einen weiteren Effekt, den sich Bickhardt Bau zunutze macht – der Untergrund wird gleich mit verdichtet.


Beladen werden die Dumper von großen Kettenbaggern, wie den Cat 374 FL, Cat 374D L, Cat 352F und 349E L. Geschachtet wird von außen nach innen. Im Fall der ehemaligen Ausfahrt der Braunkohlebahn muss ein Höhenausgleich erfolgen, um den Grubenausgang der früheren Kohlezugstrecke zu schließen. Dabei muss so viel Material aufgeschüttet werden, dass dieser Bereich die neue Uferlinie wird und oberhalb des späteren Wasserspiegels liegt.


Die Dumper sind fortwährend im Kreisverkehr unterwegs: Den Abraum bringen sie von den Kippenflächen im Zentrum in die künftige Bärenbrücker Bucht. Gewaltige Kippenmassen sind in der Innenkippe, wo bisher die Kohle gefördert wurde, abzutragen, damit daraus der Ostsee als Erholungsgebiet entsteht. Schließlich muss eine Mindestwassertiefe von 2 m in den sogenannten Randschläuchen entstehen, die aufgrund der Tagebautechnologie entstanden sind. Der Ostsee wird bis zu 40 m tief sein.


»Wir sind alle Partner«
Für Bickhardt Bau ist das Projekt das größte in seiner Firmengeschichte. Bauleiter Michael Schmidt und sein Kollege Gerhard Mötzung, Oberschachtmeister bei Bickhardt Bau, haben von Anfang an die Abläufe im Blick, die sie genau geplant haben. Jede Minute kostet bei diesen Massen Zeit und Geld, zumal man das auf die Masse an Geräten multiplizieren muss. So hat der Oberschachtmeister den Ladezyklus genau berechnet – mit drei gehäuften Löffeln werden die Dumper beladen. Es geht dabei um jeden Zentimeter, Kubikmeter und jede Tonne. Zusammen mit Jens Groschischka, verantwortlicher Mitarbeiter bei Manfred Hoffmann, kümmern sich Bauleiter und Oberschachtmeister um die komplette Organisation. Ihr Verständnis: »Die Zusammenarbeit funktioniert seit vielen Jahren. Im Fall des Cottbuser Ostsees haben wir wieder eine leistungsstarke Truppe aufgestellt und sind der Zeit voraus, was nicht zuletzt der Maschinentechnik von Manfred Hoffmann geschuldet ist«, unterstreicht Gerhard Mötzung. Dabei konnte das Unternehmen durch Erfahrung überzeugen. »Mein Vater hat relativ schnell erkannt, dass es nicht bei Dumpern und Baggern bleiben wird, und darum Raupen in der Größenordnung einer Cat D8T für den Einsatz empfohlen«, berichtet Barbara Hoffmann.


Kalkulation künftiger Projekte
Der Oberschachtmeister sieht eine der Grundvoraussetzungen für den bisherigen Erfolg darin, auf bewährte Technik zu setzen, mit der Erfahrungen vorliegen. »Bevor wir neue Anbauteile und Maschinentypen in den Mietpark aufnehmen, wird vorab getestet«, macht Barbara Hoffmann deutlich. So soll in absehbarer Zeit auch ein Cat-Dumper 730C2 neuester Generation vorgeführt werden. Oberschachtmeister Mötzung hat jede Maschine ausprobiert, bevor er sie in den Einsatz nahm. Um auf ungeplante Ausfälle vorbereitet zu sein, stehen für alle Maschinen Stand-By-Geräte bereit. Weil bei dem Einsatz viele Konstanten gleich bleiben und die Geräte viele Betriebsstunden anhäufen, wird der Maschineneinsatz für den Ostsee zu Testzwecken genutzt. Erkenntnisse aus dem Maschinenvergleich dienen der Kalkulation zukünftiger Projekte und sind die Grundlage für Investitionen in den eigenen Fuhrpark von Bickhardt Bau. So sollen Rückschlüsse auf Leistungsdaten der Baumaschinen, etwa in Bezug auf den Kraftstoffverbrauch, gewonnen werden. Diese werden mit Diesel ohne Bioanteil betankt. »Die eingesetzten Maschinen der neuen Motorengeneration haben Feinfilter – der Bioanteil würde sich darin absetzen und das würde zu einem Stillstand führen«, so Gerhard Mötzung. 80 % aller Geräte greifen auf Adblue zurück – auch dafür wurden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Das frostempfindliche Adblue wird bei niedrigen Temperaturen in eigenen Zelten erwärmt und dann erst in die Maschinen eingefüllt.


Bevor ein Maschinist in der Massenbewegung für den Ostsee arbeiten darf, wird er von einem Fahrlehrer eingewiesen. Denn er muss erst einmal einen Tag Probe fahren und beweisen, dass er die Abläufe der Baustelle versteht.


Der Service-Aufgabe gerecht werden
Eine weitere Aufgabe, die zu bewältigen ist: den Service für die ganzen Großgeräte zu erbringen. Damit bedient Manfred Hoffmann in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal, weil das Unternehmen Mietmaschinen ab 20 t aufwärts inklusive umfassender Reparatur- und Wartungsdienste anbietet, mit garantierter Verfügbarkeit und Ersatzgeräten. Vor Ort unterhält Manfred Hoffmann einen Servicestützpunkt in Form einer überdachten Werkstatt, die bis zu zwei Dumpern nebeneinander Platz bietet. Es gibt einen eigenen Waschplatz mit Ölabscheider und Auffangbehälter – die Entsorgung wird genauso ernst genommen, wie bei einem gewöhnlichen Werkstattbetrieb.    §

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