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Liebherr: Zwei Weltpremieren und ein Rekordumsatz: Die »magische Marke« von zehn Milliarden Euro im Blick

Die Unternehmensgruppe Liebherr kommt der magischen Marke von 10 Mrd. Euro Umsatz immer näher, wird doch in diesem Jahr mit voraussichtlich rund 9,650 Mrd. Euro der höchste Umsatz in der Firmengeschichte erwirtschaftet werden. Diese Ankündigung sowie die Vorstellung von zwei Weltneuheiten und des ersten Praxiseinsatzes des neuen 100-t-Muldenkippers T 236 standen im Mittelpunkt der alljährlichen Liebherr-­Informationsfahrt für die internationale Fachpresse. So präsentierte die Liebherr-Werk Telfs GmbH in Europas größtem Eisenerztagebau in Erzberg in der österreichischen Steiermark in einer Weltpremiere die Planierraupe PR 766 (Seite 18) und acht neue Teleskoplader mit einer Traglast von 3,2 t bis 6 t, die im kommenden Januar auf den Markt kommen. Das bauMAGAZIN wird den neuen Muldenkipper T 236 in der nächsten Ausgabe vorstellen, die neuen Teleskoplader in Heft 2/18.

Die Zahlen der ersten sechs Monate dieses Jahres sind laut Stefan Heissler, der als Direktoriumsmitglied der Liebherr International AG in Bulle (Schweiz) unter anderem für die Unternehmenskommunikation verantwortlich ist, ein klares Indiz dafür, dass die Unternehmensgruppe – nach 9,009 Mrd. Euro im Jahr 2016 und 9,237 Mrd. Euro in 2015, dem bisherigen Bestwert – mit voraussichtlich 9,65 Mrd. Euro in 2017 einen Rekord-Umsatz erzielen wird. Als einer der Hauptgründe dafür nannte Heissler die in diesem Jahr »verbesserten Marktbedingungen, analog zur globalen Wirtschaftslage«, bei der mit einem Plus von 3,7 % gerechnet werde.


So konnte Liebherr allein im ersten Halbjahr 2017 die Umsätze auf 4,795 Mrd. Euro steigern, was ein Plus von 6,4 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet. Dabei entfielen 3,094 Mrd. Euro auf den Bereich Baumaschinen und Mining (+ 11,9 %), die anderen Unternehmensbereiche kamen auf 1,746 Mrd. Euro (– 2,1 %). »Das Wachstum im Bereich Baumaschinen und Mining resultiert zum größten Teil aus der guten Entwicklung in den Märkten West- und Osteuropas mit einem Zuwachs von 9,4 % bzw. 37,7 %«, erläuterte Stefan Heissler.

In Zahlen bedeutet das: In Westeuropa stieg der Liebherr-Umsatz in den ersten sechs Monaten um 230 Mio. Euro auf 2,667 Mrd. Euro, in Osteuropa erhöhte sich der Umsatz um 135 Mio. Euro auf 489 Mio. Euro. Leicht rückgängig mit einem Minus von 6,4 % auf 719 Mio. Euro war hingegen die Umsatzentwicklung auf dem amerikanischen Markt, nach Westeuropa dem zweitgrößten Markt für Liebherr.

Auftragsvolumen von 5,2 Milliarden Euro

Wachstumstreiber waren im ersten Halbjahr 2017 vor allem die Sparten Turmdrehkrane (+ 35,5 % auf 275 Mio. Euro), Mining (+ 21,5 % auf 379 Mio. Euro) und Erdbewegung (+ 19,2 % auf 1,178 Mrd. Euro). »Bis zum Ende des Jahres rechnen wir mit Zuwächsen in fast allen unseren Sparten. Die deutlichsten Zuwächse erwarten wir dabei in den Sparten Erdbewegung, Fahrzeugkrane, Turmdrehkrane, Mining sowie Werkzeugmaschinen & Automationssysteme«, sagte Stefan Heissler und verwies in diesem Zusammenhang auf die außerordentlich gute Auftragslage.

»Im Vergleich zum Jahr 2016 – und auch zu den vorhergehenden Jahren – verzeichnen wir einen starken Anstieg bei den Auftragseingängen. In den vergangenen Jahren lag das Auftragsvolumen in einem Bereich um 4,3 Mrd. bis 4,4 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr 2017 liegen wir bereits bei einem Auftragsvolumen von 5,2 Mrd. Euro.« Angesichts dieser Zahlen rechne man damit, so Heissler weiter, für das Geschäftsjahr 2017 einen Rekordumsatz in Höhe von voraussichtlich 9,65 Mrd. Euro für die Unternehmensgruppe realisieren zu können.

Um weiterhin dauerhaftes Wachstum sicherzustellen, so Stefan Heissler, investiere Liebherr nachhaltig in seine internationalen Fertigungsstätten und sein Vertriebs- und Servicenetz. »Im Jahr 2017 betragen unsere Investitionen insgesamt 733 Mio. Euro«, sagte er. »Das entspricht einer Investitionsrate von 7,4 %. Damit schreiben wir die hohen Quoten der vergangenen Jahre fort.« Zudem werde Liebherr auch weiterhin in die Belegschaft investieren. »Wir rechnen im Jahr 2017 mit insgesamt 2 240 neuen Kolleginnen und Kollegen. Damit beschäftigen wir Ende des Jahres voraussichtlich rund 44 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit.«

Als einen der »zentralen Erfolgsfaktoren der Unternehmensgruppe Liebherr« bezeichnete Heiss­ler die »hohe und langfristige Innovations­fähigkeit«, die schon den Unternehmensgründer Hans Liebherr ausgezeichnet habe und die man durch kontinuierliche Investitionen sicher stelle.

»Unsere finanzielle Unabhängigkeit gestattet es uns, unsere Investitionen stets auf hohem Niveau zu halten», betonte Heissler. »Als Familienunternehmen, das sich zu 100 % in privater Hand der Familie Liebherr befindet, verbleiben die Gewinne im Unternehmen. Auf diese Weise können wir sie voll für Investitionen in unser operatives Geschäft nutzen. Allein in den vergangenen vier Jahren haben wir so mehr als 4 Mrd. Euro in die Firmengruppe investiert.«

»Innovationen fallen nicht einfach vom Himmel«

Innovationen fielen allerdings »nicht einfach vom Himmel«, so Stefan Heissler, »sie werden erschaffen«. Erklärtes Ziel sei es deshalb, die Investitionen zu nutzen, um Innovationen in der gesamten Firmengruppe zu fördern. »Wir verwenden unseren Gewinn, um in die Forschung und Entwicklung und Schlüsseltechnologien zu investieren. Das wiederum sichert die Innovationen der Zukunft und damit auch langfristige Innovationsfähigkeit.«

Spezielle »Start-up-Einheiten«

Wenn es um die Schaffung von Innovations­fähigkeit gehe, bestehe eines der Erfolgsrezepte in der Art und Weise der Organisationen der Entwicklungseinheiten, so Heissler. In der gesamten ­Firmengruppe setze Liebherr sogenannte »Start-up Einheiten« ein – spezielle Expertengruppen, die wie ein Start-up funktionierten und sich um die Entwicklung neuer Produkte und Technologien kümmerten.

»Diese kleinen Start-up-Organisationen haben zahlreiche Vorteile, die allesamt die Innovationsfähigkeit fördern«, sagte Stefan Heissler. »Die Start-up-Teams sind mit ausreichend Mitteln ausgestattet und können sich mit ihrer Energie und ihrem Fachwissen unabhängig von den Standardaufgaben voll und ganz einem einzigen Projekt widmen.«

Als ein Beispiel für eine auf diese Art und Weise entwickelte Innovationen nannte Stefan Heissler die Arbeit im Bereich 3D-Druck von Flugzeugkomponenten im Geschäftsfeld Aerospace & Verkehrstechnik der Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH. »Ein fünfköpfiges Team von Ingenieuren hat die Idee des 3D-Drucks von Komponenten in die Tat umgesetzt. Im März 2017 absolvierte dann eine unserer 3D-gedruckten Komponenten einen Testflug in einem Airbus A 380. Es handelte sich um einen Spoiler-Aktuator, ein Teil der primären ­Flugsteuerung.« Das Ingenieurs-Team werde nun weiter wachsen, um mit der Serienfertigung zu beginnen und neue F&E-Projekte anzugehen, die den 3D-Druckprozess weiter optimieren sollen.

Weitere Start-up-Beispiele seien das »Intelligent Cooling« im Geschäftsfeld Hausgeräte (Liebherr-Hausgeräte Ochsenhausen GmbH), so Stefan Heissler, das in einer Partnerschaft mit Microsoft drei Hardware- und vier Softwareprototypen ­entwickelt habe, deren Serienproduktion gegen Ende des Jahres anlaufen soll, oder der Muldenkipper T 236 im Geschäftsfeld Mining der Liebherr-Mining Equipment Colmar SAS. In der Sparte ­Erdbewegung habe eine Start-up Einheit der ­Liebherr-Werk Bischofshofen GmbH ein neues, intelligentes Beleuchtungssystem entwickelt, das sich dem Bereich um einen Radlader anpasst, um Blendungen oder Schattenwurf während der Arbeiten mit der Maschine zu minimieren – »eine brillante Innovation zur Steigerung der Arbeits­sicherheit und Produktivität«, so Stefan Heissler.

Hohe Fertigungstiefe

Dieses Team forsche nun an neuen Projekten, wie selbstfahrenden Fahrzeugen, Fahrerassistenzsystemen und Fernsteuerung. »Gemeinsam mit den anderen Abteilungen werden sie damit für Technologien verantwortlich sein, die zu einer Steigerung der Sicherheit am Arbeitsplatz, zu einer geringeren Ermüdung der Bediener sowie einer Beschleunigung der Arbeitsprozesse beitragen«, sagte Heissler. »Und die dazu führen, dass Baumaschinen in Zukunft per Fernsteuerung oder gar vollständig autonom betrieben werden können.«

Als weitere »bedeutende Erfolgsfaktoren« der Unternehmensgruppe nannte Stefan Heissler »Kundennähe und Diversifizierung« sowie »die Nutzung der Synergien zwischen den einzelnen Organisationseinheiten« und »strategische Kooperationen« mit anderen Unternehmen. »In der Firmengruppe Liebherr streben wir eine möglichst hohe Fertigungstiefe an. In einigen Produktbereichen fertigen wir mehr als 60 Prozent der Schlüsseltechnologien selbst. Dies setzt sehr grundlegende Innovationspotenziale frei.« In einigen ausgewählten Bereichen schließe man dennoch Partnerschaften mit anderen Unternehmen, so Heissler, »die unsere Werte in Bezug auf Innovationskraft und Leistungsfähigkeit teilen«.    ß

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