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Humbaur: Eine Million verkaufte Anhänger – ein Meilenstein in Zeiten von Corona

Eine Million Anhänger – das ist eine gewaltige Zahl. Und wäre die Covid-19-Pandemie nicht gewesen, hätten die Mitarbeiter von Humbaur guten Grund gehabt, sich dank dieser historischen Marke freudestrahlend in den Armen zu liegen. Statt aber guter Dinge in das Geschäftsjahr 2020 zu starten, kam am 15. März dann der flächendeckende Lockdown. Auch Humbaur schickte seine Angestellten in die Kurzarbeit – ohne zu wissen, was die kommenden Wochen und Monate mit sich bringen würden. Was danach passierte, hätte zu diesem Zeitpunkt niemand geahnt: Die Nachfrage an Anhängerlösungen stieg deutlich, weshalb das Unternehmen aus dem bayerischen Gersthofen in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von rund 15 % rechnen kann. Auch und gerade in Zeiten von Corona ist die Freude bei Humbaur darüber groß: »Wir haben in der Krise zusammen gestanden, die Lage bitterernst genommen und dennoch den Mut gehabt, vereint nach vorn zu blicken«, so Geschäftsführer Christian Dieminger, der im Gespräch mit bauMAGAZIN-Redakteur Dan Windhorst davon berichtet, mit welcher Strategie das Unternehmen der Pandemie begegnet ist und was die Gründe für den jüngsten Erfolgskurs sind.

Von Dan Windhorst

bauMAGAZIN: Herr Dieminger, ein Ereignis steht bei Humbaur aktuell im Mittelpunkt: Das Unternehmen hat jüngst die Rekordmarke von einer Million verkaufter Anhänger geknackt und damit einen beeindruckenden Meilenstein erreicht. Um was für einen Anhänger handelt es sich dabei und was bedeutet diese Zahl für Humbaur?

Christian Dieminger: In erster Linie waren wir überrascht. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir die Zahl so schnell erreichen würden. Trotz anhaltender Corona-Krise konnte Humbaur 2020 eine bemerkenswerte Stückzahl produzieren und viele Produkte weiterentwickeln. Eine Million Anhänger – mit einer solchen Zahl wird man nur selten konfrontiert, weshalb wir auch unglaublich stolz darauf sind. Der 1 000 000. Anhänger ist ein HTK-Tandemkipper aus der 3-t-Klasse, den wir zu diesem Anlass mit einem besonderen Design versehen haben. Es hätte keinen besseren Repräsentanten dafür geben können: die Baureihe ist eines unserer großen Erfolgsträger. Aber es sind auch andere Modelle für die Million verantwortlich, weshalb wir zwei weitere Anhänger in den Mittelpunkt rücken möchten: Nummer 999 999 war zum Beispiel unser Pferdeanhänger Maximus Deluxe. Der Dritte im Bunde – Nummer 1 000 001 – ist ein vierachsiger Tieflader, dem wir ebenfalls ein einmaliges Aussehen verpasst haben. Ich denke, dass die drei Modelle den Erfolg von Humbaur toll repräsentieren und uns gebührend an diesen besonderen Meilenstein erinnern werden.

bauMAGAZIN: Trotz der Erfolgsmarke kommt man in diesem Jahr aber nicht umhin, die Corona-Krise anzusprechen: Wie hat Humbaur das laufende Geschäftsjahr als Unternehmen erlebt? Was hat sich verändert?

Dieminger: Als am 15. März der Lockdown kam, haben wir natürlich, wie alle anderen auch, erst einmal alles auf Eis gelegt: Für vier Wochen hat Humbaur seine Tore dicht gemacht. Erstaunlich war aber, wie schnell wir nach den Lockerungen zurückkehren konnten. Wir haben mit Vollgas weiter gemacht und bei einem Wachstum von mehr als 30 % eine steile Kurve hinter uns. Der Vorteil für Humbaur war und ist der große Nachholbedarf: Nach dem weltweiten Shutdown hat uns die hohe Nachfrage für Pkw-Anhänger weit nach vorn gebracht, da viele Deutsche auf Urlaub im eigenen Land setzen haben. Gleiches gilt für die starke Nachfrage aus der Bauindustrie, die im Gegensatz zu anderen Branchen bisher gut durch die Krise gekommen ist. Seit Juni befinden wir uns nun im Drei-Schicht-Betrieb und aus rein wirtschaftlicher Sicht betrachtet, lassen wir uns von Corona nicht einschüchtern. Die Auftragslage ist überraschend gut, weshalb wir glauben, dass Humbaur gestärkt aus dieser Krise gehen kann. Covid-19 hat uns allen aber auch gezeigt, wie wichtig eine vorausschauende Planung ist: Gerade jetzt stehen die Lieferketten für viele Hersteller auf dem Prüfstand. Ein ganz wesentlicher Punkt in diesen Zeiten ist aber auch, wie wir als Unternehmen selbst mit dem Virus umgehen. Wir haben Wert auf umfangreiche Hygienemaßnahmen gelegt und darüber hinaus auf Schnelltests für Urlaubsrückkehrer gesetzt. Unser Ziel ist es, mit einem konsequenten Konzept durch die Corona-Krise zu gehen und unsere Mitarbeiter bestmöglich zu schützen.


bauMAGAZIN: Im Anhängerbereich bietet Humbaur ein breitgefächertes Portfolio an Lösungen. Vom Bauunternehmer über Logistiker und GaLaBauer ist da bis hin zum Handwerksbetrieb ein breites Anwenderspektrum vertreten – auch und gerade, weil Sie gleichzeitig private Pkw-Nutzer, die Landwirtschaft, Messebauer oder die Reitsportbranche abdecken. In welchem Sektor ist das Unternehmen nach wie vor am stärksten vertreten?

Dieminger: Grundsätzlich kommen wir aus dem Pkw-Bereich und der ist umsatzmäßig nach wie vor unser stärkstes Zugpferd. Gleichwohl muss da unterschieden werden: Der Bereich ist untergliedert in gebremste und ungebremste Anhänger und deckt generell ein gewaltiges Spektrum an Einsatzmöglichkeiten ab. Unsere stärkste Kompetenz liegt im gebremsten Bereich – sowohl bei privaten Nutzern als auch bei Profis. Wahnsinnig gefragt sind da unsere Kippanhänger. In den vergangenen Jahren hat sich außerdem gezeigt, dass dreiachsige Anhänger und Speziallösungen verstärkt nachgefragt werden. Ein gutes Beispiel sind dafür unsere Kabeltrommelanhänger: Sie ermöglichen ein einfaches Abwickeln der Kabel und damit flexibleres und effizienteres Arbeiten, was gerade beim deutschlandweiten Digitalausbau gefragt ist. Und dann sind da natürlich noch unsere »Schwergewichte«: Die Schwerlastanhänger stellen für uns ein zweites Standbein dar, weshalb Humbaur hier mittlerweile auch ein großes Produktportfolio vorweisen kann. Wichtige Meilensteine sind hier die Entwicklung der Tieflader und die vielen Neu- und Weiterentwicklungen in den Bereichen Kipper, Baumaschinentransporter oder Multifunktionsanhänger. Viel Potenzial sehe ich außerdem bei unseren FlexBox-Aufbauten. Dieses Segment hat sich stark im Umsatz entwickelt und steht in erster Linie für hohe Flexibilität.
Humbaur bietet hier eine breite Palette an Fahrzeugaufbauten für Trocken-, Kühl- und Tiefkühltransporte an und dazu passende Anhänger. Das System ermöglicht die Montage auf einem beliebigen Fahrzeug, weshalb wir auch hier möglichst viele Anwendergebiete abdecken können.

bauMAGAZIN: Jetzt steht für das bauMAGAZIN natürlich der Bausektor im Mittelpunkt. Worauf kommt es hier bei der Entwicklung von Anhängerlösungen besonders an?

Dieminger: Im Bausektor müssen hohe Anforderungen erfüllt werden – gerade was Robustheit, Langlebigkeit und Effizienz betrifft. Für die Baubranche setzen wir bei unseren Anhängern auf besonders robust geschweißte Bauteile. Die Schwierigkeit besteht darin, gleichzeitig ein möglichst geringes Gewicht zu erzielen und dabei eine hohe Robustheit zu gewährleisten. Unter anderem nutzen wir Stahlblechbrücken sowie Böden aus hochfestem Stahl. Dazu kommt, dass wir bei der Entwicklung neuer Anhänger auch Radstand und Laufwerkbreite im Blick behalten müssen, um den speziellen Bedingungen auf Baustellen gerecht zu werden. Gerade in der internationalen Baubranche sind vor allem unsere Tandemanhänger gefragt. Umfangreich ist im Bausektor natürlich auch das Schwerlastprogramm – zum Transport von Material oder Baumaschinen. Einen besonders hohen Stellenwert nimmt allerdings die Ladungssicherung ein: Gerade weil im Bausektor mit tonnenschweren Maschinen hantiert wird, muss das Equipment darauf ausgerichtet sein. Wir produzieren beispielsweise Gitteraufsätze, Schienensysteme oder ausfahrbare Sicherungspunkte, damit selbst auf Sand- oder Kiesgrund für den notwendigen Halt gesorgt ist.

bauMAGAZIN: Zum Abschluss eine Frage, die angesichts der noch immer andauernden Covid-19-Pandemie sicherlich schwer zu beantworten sein dürfte: Was wird 2021 passieren? Können Sie für Humbaur bereits eine Prognose abgeben?

Dieminger: Wir alle müssen mit einer Rezession rechnen. Und auch für uns wird es keinen Anstieg wie in den vergangenen Jahren geben. Aber wir gehen davon aus, dass sich die Lage weiter entspannt. Für uns spricht das überraschend gute Auftragspolster, was uns für 2021 Rückenwind geben wird. Der Bedarf ist weiterhin da und das Niveau, auf dem wir uns befinden, hoch. Dazu kommen unsere Neuentwicklungen, mit denen wir bestens aufgestellt sind. Ein gutes Beispiel ist unser HKPA-Fahrzeugtransporter für den Freizeit- und Pkw-Sektor – einem Bereich, der gerade massiv wächst. Für die Baubranche haben wir wiederum den »HD18 Baustoff« – eine Kombination aus Pritsche und Drehschemel-Anhänger (das bau­MAGAZIN berichtete in Heft 10/20, Seite 99) sowie einen vierachsigen Multitransporter und neue Tieflader für den Baumaschinentransport konzipiert. Kurzum: Wir sind vorbereitet und blicken optimistisch auf das neue Jahr. Trotzdem müssen wir alle unsere Haus­aufgaben machen und als Unternehmen flexibel auf die Veränderungen der nächsten Monate rea­gieren.    d

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