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VDBUM: Digitalisierung in der Baubranche: »Müssen den Dialog zwischen Herstellern und Kunden intensivieren«

Mit insgesamt rund 1 200 Teilnehmern und 103 Ausstellern sowie wieder mehr als 50 Fachvorträgen sind beim 47. VDBUM-Großseminar in Willingen die Rekordmarken des vergangenen Jahres übertroffen worden. Im Zentrum des »Premiumtreffs ›Nummer 1‹ der Baubranche sowie der Maschinen- und Umwelttechnik«, so VDBUM-Vorsitzender Peter Guttenberger in seiner Eröffnungsrede, stand das Thema Digitalisierung, das aus den ­unterschiedlichsten Blickwinkeln vorgestellt und diskutiert wurde. Gastredner des Großseminars mit den Schwerpunktpartnern Komatsu, Wacker Neuson und Sennebogen war Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fußballbundes, der über die »gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs« referierte. Zu den Höhepunkten der Veranstaltung gehörte außerdem die Verleihung der VDBUM-Förderpreise, die in diesem Jahr an die BeMo Tunneling GmbH, an die MOBA Mobile Automation AG sowie an die Putzmeister Concrete Pumps GmbH zusammen mit dem KIT – Karlsruher Institut für Technologie gingen.

Wie wichtig mittlerweile das Thema Digitalisierung ist, das manifestierte sich in Willingen nicht nur durch das Seminar-Motto »Menschen, Umwelt und Maschinen im digitalen Bauprozess«, sondern auch bei einer sehr informativen Podiumsdiskussion sowie bei den vielen Fachvorträgen. Wie die »richtige« Baumaschine ein entscheidender Faktor sein kann für Bauunternehmen oder Rohstoffproduzenten, das beispielsweise erläuterte Hans Schuller, Bereichsleitung Steine und Erden der Schlüter Baumaschinen GmbH, anhand des OFR-Programms von Komatsu, das die unterschiedlichsten Maschinendaten so verarbeitet, um den Einsatz der Maschinen zu optimieren.

»Ziel ist es, unproduktive Leerlaufphasen auf­zuzeigen, die Bedienung und Nutzung einer Bau­maschine zu optimieren und dabei die erforderliche Einbindung der Maschinen in den Arbeits­prozess im Blick zu haben«, so Hans Schuller. »Übergeordnet soll so ein Vorschlag erarbeitet werden, wie unter den Prämissen des Betriebsalltages die Kapazität der Maschine bestmöglich genutzt und die spezifischen Kosten im Sinne von Aufwand zu Leistung reduziert werden können.«

Veränderte Arbeitsprozesse

Wie durch intelligente Maschinenkontrolle die Produktivität gesteigert wird, wie sich Arbeitsprozesse verändern aufgrund von technologischen Entwicklungen, das schilderte Karsten Elles als Business Development Manager von Komatsu Europe am Beispiel der Planierraupe D61PXi-24 oder des Raupenbaggers PC210LCi-11. So habe man bei der Raupe eine Produktivitätssteigerung von 25 % bei einer gleichzeitigen Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs pro Kubikmeter um 10 % ermittelt, erläuterte Elles. Auch beim Bagger PC210LCi habe man eine signifikante Produktivitätssteigerung gemessen: Plus 23 % beim Aushub, plus 26 % beim Planum auf dem Damm und plus 33 % bei der Böschungsprofilierung.

»Riesige Vielfalt an Möglichkeiten«

Gleichermaßen illuster wie hochkarätig besetzt war die von Alexandra von Lingen moderierte ­Podiumsdiskussion zum Leitthema »Digitalisierung in der Baubranche«. Dabei waren sich VDBUM-Vorsitzender Peter Guttenberger, Erich Sennebogen (Sennebogen Maschinenfabrik), Marco Maschke (Ko­matsu), Andreas Lohner (Wacker Neuson), Ingo Junker (Bauunternehmung Aug. Prien), Alfons Trautner (Strabag), Franz-Josef Paus (Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen) und Prof. Manfred Helmus (Bergische Universität Wuppertal) einig darüber, dass die Digitalisierung eine »riesige Vielfalt an Möglichkeiten« biete. Allerdings müsse jedes Unternehmen für sich erkennen, welchen Mehrwert ihm die Digitalisierung überhaupt bringe.

Dass dabei »der Dialog zwischen Maschinenhersteller und den Bauunternehmen als Kunden intensiviert werden muss«, das forderte beispielsweise Ingo Junker. Schließlich seien die Ansprüche dieser beiden Parteien »total unterschiedlich«. Während Alfons Trautner und Peter Guttenberger auf die Problematik der fehlenden offenen Schnittstellen und gemeinsam zu nutzenden Telematik-Plattformen verwiesen und Marko Maschke sowie Andreas Lohner für ein »digitales Denken« auch im Vertrieb plädierten, mahnte Erich Sennebogen, bei aller Begeisterung für die neuen Technologien eines nicht zu vergessen: »Wir dürfen Maschinen nicht mit Technik überfrachten und zu kompliziert machen.«

»Ideen und Lösungen müssen baustellengerecht sein«

Auch die Nutzung der derzeit oft zitierten Methode BIM (Building Information Modeling) wurde kritisch hinterfragt. »Die viele Ideen und Lösungen müssen auch baustellengerecht sein«, merkte Ingo Junker an und bekam Zuspruch von Prof. Manfred Helmus, der sich als Leiter des BIM-Instituts an der Bergischen Universität Wuppertal schon seit Jahren mit der Digitalisierung der Wertschöpfungskette in der Bauwirtschaft wissenschaftlich be­schäftigt. »OB BIM für ein Bauunternehmen mit 20 Mitarbeitern Sinn macht, ist eher fraglich«, sagte er und forderte stattdessen: »Viel wichtiger ist es, seine Prozesse in den Griff zu be­kommen. Dann kann man sich um die Digitalisierung kümmern.« Zu den Höhepunkte des Groß­seminars ge­hör­ten ferner die Verleihung des VDBUM-Förderpreises in den drei Kategorien »Innovationen aus der Praxis«, »Entwicklungen aus der Industrie« und »Projekte aus Hochschulen und Universitäten«, der jeweils mit 2 500 Euro dotiert ist.     ß

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