SSAB Die Zukunft des Stahls neu erfinden

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: SSAB
Von: Dan Windhorst

Die traurige Wahrheit ist, dass sich jede noch so gut gemeinte Null-Emission-Strategie in die sprichwörtliche Tonne treten lässt, wenn alternative Antriebskonzepte zwar den CO₂-Ausstoß einer Baumaschine lokal verringern, die Herstellung der eigentlichen Maschine nebst derer Teile aber eine emissionsschleudernde Angelegenheit bleibt. Der in Schweden ansässige Stahlkonzern SSAB ist seit Jahren darum bemüht, auf diesen Zustand hinzuweisen und hat hohe Investitionen getätigt, um die weltweit erste fossilfreie Stahlerzeugungstechnologie zu entwickeln, die praktisch keinen CO₂-Fußabdruck hinterlässt. Johan Anderson, Global Strategy Projects, und Benedikt Figura, Regional Marketing Manager bei SSAB, haben mit bauMAGAZIN-Chefredakteur Dan Windhorst über die Notwendigkeit sowie Vorzüge fossilfreien Stahls gesprochen.

Um tonnenschwere Bagger, Muldenkipper oder Walzen überhaupt produzieren zu können, ist eine gewaltige Menge an Stahl vonnöten. Und genau hier beginnt das Problem mit dem Entstehen erheblicher CO₂-Emissionen. Das Stahlunternehmen SSAB nimmt das seit einigen Jahren zum Anlass, um für die eigenen Bestrebungen der fossilfreien Stahlproduktion zu werben. Gleichzeitig versucht der Stahlkonzern aber auch, zielgerichtete Aufklärungsarbeit zu betreiben. Und genau das zeigt sich in einer für diese Branche nicht immer ganz typischen Offenheit, indem wichtiges und zuweilen internes Wissen frei zugänglich mit Außenstehenden geteilt wird. »Sinn und Zweck ist es, einen Dialog zu führen. Wir möchten, dass die Entwicklung nicht nur bei uns stattfindet, sondern eine größere Allgemeingültigkeit erhält«, so Johan Anderson. »Geht es um das Ziel, so viel Emission einzusparen wie möglich, gibt es keine zwei Meinungen, weshalb wir auch bereit sind, unser Wissen mit anderen zu teilen. Natürlich sind unsere Ideen über das Patent geschützt. Wir haben aber ein generelles Interesse daran, dass andere Stahlproduzenten und Hersteller mitziehen«, ergänzte Benedikt Figura.

Ein langer Weg bis zum erklärten Ziel

Dass SSAB eines Tages dazu in der Lage war, fossilfreien Stahl zu produzieren, ging mit einer inten­siven Wegstrecke einher: Bereits 2016 schlossen sich der Stahlkonzern SSAB, der Eisenerzproduzent LKAB sowie das Energieunternehmen Vattenfall zusammen und gründeten mit Hybrit eine Initiative, die die Stahlerzeugung revolutionieren soll. Bei dieser Technologie, so SSAB, wird die Kokskohle, die traditionell für die erzbasierte Stahlerzeugung benötigt wird, durch fossilfreien Strom und Wasserstoff ersetzt, wodurch Wasserdampf anstelle von CO₂ freigesetzt wird. Das Ergebnis ist die weltweit erste fossilfreie Stahlerzeugungstechnologie, die praktisch keinen Kohlenstofffußabdruck hinterlässt. Das überhaupt erste Stahlblech wurde Mitte 2021 bei SSAB mit wasserstoffreduziertem Eisenschwamm hergestellt. Erster Abnehmer war damals die Volvo-Gruppe, die damit anschließend ihre ersten Maschinen fertigen konnte (das bauMAGAZIN berichtete in Heft 10/22, Seite 329). Dabei handelte es sich um einen knickgelenkten A30G-Dumper, der an den Baukonzern NCC übergeben wurde. Neun Monate nachdem Volvo das weltweit erste Fahrzeugkonzept aus fossilfreiem Stahl bekannt gegeben hatte, erfolgte die Auslieferung. »Um die Dekarbonisierung der Bauindustrie erfolgreich zu gestalten, müssen die Akteure in der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten und gemeinsam handeln«, so Melker Jernberg, Präsident bei Volvo Construction Equipment.

Mit Johan Anderson (Global Strategy Projects) und Benedikt Figura (Regional Marketing Manager) haben zwei erfahrene SSAB-Stahlspezialisten die Bauma-Besucher über die Vorzüge von fossilfreiem Stahl informiert. Gleichzeitig stellten die beiden SSAB-Experten bewährte Hardox- sowie Strenx-Lösungen vor.

Dekarbonisierung der Stahlindustrie

Im industriellen Maßstab möchte SSAB den Markt bereits in vier Jahren mit seinem fossilfreien Stahl bedienen. Ein hehres Ziel, keine Frage, aber laut Johan Anderson »notwendig und machbar, da bis 2026 unglaublich viel passieren wird.« Der Stahl­experte nimmt Bezug darauf, dass die Verwendung von fossilfreiem Stahl künftig nicht nur bei Baumaschinenherstellern relevant sein dürfte, sondern gleichzeitig auch die Bauherren großer Städte sowie Automobilhersteller tangiert: Ein rein batteriebetriebenes Elektrofahrzeug (BEV) zu entwickeln und dadurch emissionsfrei zu fahren ist das Eine. Geht es jedoch um die Nutzung von ebenfalls emissionsfrei produziertem Strom sowie der Verwendung emissionsfrei hergestellter Materialien, die zur Karosserie- und Teilefertigung benötigt werden, sind laut Anderson bislang viele Fragen ungeklärt. Grundsätzlich, so Anderson und Figura, nehme SSAB eine Vorreiterrolle bei der Dekarbonisierung der Stahlindustrie ein. »Eine fossilfreie Wertschöpfungskette zu schaffen, die von der Erzmine bis zum Endprodukt reicht, ist ohne Frage eine echte Mammut-Aufgabe, aber sie muss genau jetzt angegangen werden«, sagte Johan Anderson. Zu Recht bekräftigt er, dass die Welt nun mal mit Stahl gebaut sei und die weltweite Nachfrage jährlich ansteige. Da die Stahlunternehmen der Welt jedoch nach wie vor erhebliche CO₂-Emissionen verursachen, seien nachhaltige Lösungen nicht nur zwingend, sondern eben auch dringend erforderlich.


Zum Stand der Dinge

Eine weltweit einmalige Pilotanlage im schwedischen Lulea wurde bereits im Sommer 2020 fertiggestellt. Der nächste Schritt besteht darin, 2025 eine Demonstrationsanlage in Betrieb zu nehmen, zeitgleich mit der Umstellung der Hochöfen von SSAB im schwedischen Oxelösund. Dadurch ist SSAB eigenen Angaben zufolge dazu in der Lage, ab 2026 eisenerzbasierten, fossilfreien Stahl für den kommerziellen Einsatz zu produzieren.

Hybrit, so das Unternehmen weiter, habe das Potenzial, die CO₂-Emissionen um 10 % in Schweden und 7 % in Finnland zu reduzieren und einen Beitrag zu nachhaltigen Lösungen für die Stahlproduktion zu leisten. Der Konzern SSAB hat überdies verkündet, bis etwa 2030 die Kohlendioxidemissionen aus dem eigenen Betrieb weitgehend zu eliminieren. Das Hybrit-Projekt ist eine strategische Initiative für SSAB und spielt eine wichtige Rolle beim Übergang Schwedens und Finnlands zu einer fossilfreien Wirtschaft der Zukunft.     d