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Schüttflix: »Haben einen echten Mehrwert für die Branche geschaffen«

Der Digitalisierungsprozess der Bauindustrie nimmt weiter Fahrt auf: Mit Schüttflix ist Anfang 2019 eine App online gegangen, die als digitale Logistikdrehscheibe fungiert. Wer Sand, Kies oder Schotter für sein neues Bauprojekt benötigt, muss künftig nur noch sein Smartphone zücken und lässt sich das Schüttgut innerhalb weniger Stunden an den gewünschten Ort liefern – ohne Papierkram, telefonische Absprache oder zeitintensive Umwege. Gleiches gilt aber auch für den Schüttguterzeuger und den Lieferanten, der eine Schüttgutanfrage in Echtzeit bearbeiten und digital abwickeln kann. Im Gespräch mit bauMAGAZIN-Redakteur Dan Windhorst erklärt Christian Hülsewig, CEO und Gründer der Schüttflix GmbH, wie genau die App funktioniert, was es mit dem ambitionierten »Deutschland-Ziel« bis Ende 2020 auf sich hat und warum die Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla letztlich nicht nur prominente Markenbotschafterin, sondern auch tatkräftige Gesellschafterin des Unternehmens geworden ist.

Von Dan Windhorst

bauMAGAZIN: Schüttgut per App bestellen und innerhalb weniger Stunden an den Wunschstandort liefern lassen – binnen kürzester Zeit hat Ihr Unternehmen damit den Schüttgutmarkt digitalisiert. Wie kommt man auf solch eine Idee?
Christian Hülsewig: Genau genommen aus Frust. Mit der Schüttgutbranche war ich zu Beginn noch als Kunde konfrontiert. Ich habe mich geärgert, dass das Schüttgut nie genau da angeliefert wurde, wo es eigentlich hin sollte. Aber neben klassischen Fehlabladungen waren mir einfach der gesamte Prozess zu intransparent und die Abwicklung zu umständlich. Da ich mehr als zehn Jahre im Logistik-Management für arvato und Microsoft tätig war, kenne ich die Notwendigkeit, aber eben auch das Potenzial einer gut funktionierenden Logistik.
Nehmen Sie DHL – der Schlüssel ist ein flächendeckendes Logistiknetzwerk in Kombination mit einer komplett digitalisierten Abwicklung. So etwas gab es in der Schüttgutbranche zu diesem Zeitpunkt einfach nicht. Der Markt war unglaublich fragmentiert, dezentral und regional stark eingegrenzt. Dazu kommt ein gewaltiges Digitalisierungspotenzial. Nach meiner Rückkehr aus den USA ist dann die Idee für Schüttflix entstanden. Wir haben einen Prozess eingeleitet, den ich als extrem wichtigen Schritt für die Branche betrachte.

bauMAGAZIN: Schüttflix ist jetzt seit einem Jahr am Start. Wie beurteilen Sie das erste Geschäftsjahr, haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Hülsewig: Die Erwartungen wurden übertroffen. Offiziell begonnen haben wir mit Schüttflix im Januar 2019. Ungefähr acht Monate bevor wir an den Markt gegangen sind, wurde das Unternehmen von mir und Thomas Hagedorn gegründet. In dieser Zeit haben wir die App gebaut. Das ging also alles sehr schnell. Was folgte, war einfach unglaublich. Die App ist extrem gut angelaufen und hat sich rasant weiterentwickelt.

bauMAGAZIN: Wie schwierig war es, die dazu notwendigen Kooperationen mit den Schüttguterzeugern und Lieferanten zu realisieren? War man anfangs eher skeptisch oder wurde das Potenzial von Schüttflix schnell erkannt?
Hülsewig: So etwas ist nie ein Selbstläufer, keine Frage. Aber trotzdem war es erstaunlich, wie viele Erzeuger und Lieferanten unsere Logistik-App nach so kurzer Zeit angenommen und für sich nutzbar ge­macht haben. Das reicht vom familiengeführten Kleinunternehmen bis zu großen Firmen, die seit Jahrzehnten, oft sogar seit Generationen, am Markt etabliert sind. Wir glauben, das liegt in erster Linie an der unkomplizierten Abwicklung der einzelnen Prozesse. Natürlich sind viele Nutzer bei solchen Neuerungen anfangs skeptisch – man will schließlich nichts falsch machen.
Fakt ist aber, dass Schüttflix durch Zuverlässigkeit überzeugt und bislang analoge Prozesse alltagstauglich in das digitale Zeitalter getragen hat. Es hat sich gezeigt, dass auch die kleineren Spediteure von der App begeistert sind. Einerseits, weil die Abwicklung innerhalb kürzester Zeit erfolgt – von der Auftragserteilung über die Abwicklung bis zur Überweisung des Umsatzes noch am gleichen Tag. Und andererseits, weil sie auf Aufträge zugreifen können, die vorher vielleicht gar nicht in ihrem Blickfeld lagen. Sei es der Lieferant, der Abnehmer oder der Schüttgut-Erzeuger: Jeder profitiert von einer übersichtlichen, schnellen und sicheren Abwicklung.

bauMAGAZIN: Mit Blick auf einen riesigen Markt wie Deutschland dürfte die Logistik trotzdem ein wahrer Albtraum sein – gerade dann, wenn das Versprechen von wenigen Stunden Lieferzeit erfüllt werden soll. Wie kann Schüttflix die Reichweite und Verfügbarkeit gewährleisten?
Hülsewig: Das ist eine Herausforderung, die wir gerne annehmen. In der Logistik geht es immer um das Zusammenspiel vieler Faktoren. Wir gewinnen jeden Tag neue Werke und Spediteure dazu. Die Verfügbarkeit von Schüttgut und die Lieferreichweiten auf unserer Plattform steigen deshalb immer weiter an. Auf unserer Homepage gibt es eine Übersichtskarte, auf der alle über die App verfügbaren Anbieter in Deutschland angezeigt werden. In NRW sind wir mittlerweile so gut aufgestellt, dass wir eine Lieferzeit von nur vier Stunden zusichern – im Laufe des Jahres bauen wir das sogar noch weiter aus.


bauMAGAZIN: In der Bauindustrie ist die Digitalisierung erst seit wenigen Jahren eines der bestimmenden Themen, mit der Umsetzung hapert es allerdings noch. Wie sieht es innerhalb der Schüttgut-Branche aus: Ist die Schüttflix-App ein eher beratungsintensives Geschäftsmodell?
Hülsewig: Im Gegenteil – die Beratungsintensität ist tatsächlich gering. Am Bau arbeiten überwiegend Profis. Da weiß man, worum es geht – am eigentlichen Produkt, dem Schüttgut, ändert sich ja nichts. Nur die Abwicklung ist anders. Im Laufe des ersten Jahres haben wir außerdem festgestellt, dass es da erstaunlich wenig Berührungsängste mit der App gibt. Sie ist quasi selbsterklärend. Der Anwender wird Schritt für Schritt durch den Bestellvorgang geführt. Diese Prozesse laufen bei Schüttflix komplett digital. Wenn trotzdem Fragen aufkommen, helfen die Mitarbeiter aus unserem Kundenservice – schnell und unkompliziert. Außerdem ist das System Schüttflix transparent gehalten: Neben den Preisen kann der Nutzer sich frei für einen der von uns errechneten fünf optimalen Lieferanten für sein Bauvorhaben entscheiden oder er holt das Schüttgut gleich selbst vom Werk ab.

bauMAGAZIN: Wie beurteilen Sie das Marktpotenzial für Schüttflix: Gerade mit Blick auf die immense Zeitersparnis in einem Geschäftsfeld, das für Bauunternehmer seit jeher viel Aufwand bedeutet hat? Oder anders gefragt: Wo sehen Sie Schüttflix in fünf Jahren?
Hülsewig: Tja, fünf Jahre sind weit gedacht – gerade, weil wir im ersten Jahr weitaus mehr erreichen konnten, als wir erwartet haben. Aber wir sind extrem optimistisch: Wir wollen Deutschland noch in diesem Jahr »dicht machen«. Das heißt, bis Jahresende wollen wir im gesamten deutschen Raum als Marktplatz für Schüttgut agieren und dabei ein System zur Verfügung stellen, das allen Beteiligten die Arbeit einfacher macht. Wichtig ist aber auch der Spaß an der Sache. Es gibt zum Beispiel nichts Besseres als Leute, die auf uns zukommen und sich für diese »geile Idee« bei uns bedanken.

bauMAGAZIN: Kommen wir zum praktischen Teil: Wie genau habe ich mir den Bestellvorgang als Kunde vorzustellen? Ich stehe auf meiner Baustelle mitten im Nirgendwo und brauche Nachschub an Sand, Kies oder Schotter: Was genau muss ich jetzt machen?
Hülsewig: Smartphone rausholen, App öffnen, auswählen – fertig! Nein, natürlich ist das Ganze etwas umfangreicher, aber die Abwicklung ist tatsächlich mit wenigen Klicks erledigt: Zuerst kurz das Bauvorhaben anlegen, dabei wählen wir schon den aktuellen Standort vor. Es kann aber auch jede Adresse wie bei Google gewählt werden. Der Kunde muss dann noch die Befahrbarkeit festlegen, also ob wir mit dem Sattelschlepper oder doch nur mit dem Vierachser liefern können und schon kann es losgehen. Sie wählen das gewünschte Schüttgut sowie die Menge in der App aus und erhalten eine Auflistung der fünf besten Angebote. Daraus wird sofort ersichtlich, wer die gewünschte Materialmenge pünktlich liefern kann und welcher Preis dafür aufgerufen wird. Dann machen Sie kurz noch ein Foto vom gewünschten Abladeort und setzen ein digitales Fähnchen, um den Standort genau zu definieren – möglich ist das auch über Google-Maps.
Fertig ist die Bestellung. Und die landet dann direkt beim ausgewählten Lieferanten auf dessen Smartphone. Der hat jetzt zwei Stunden Zeit, um zu entscheiden, ob er die Tour fahren möchte. Läuft die Frist ab oder gibt er den Auftrag frei, weil er bereits andere Touren angenommen hat, dürfen die über 300 anderen Transporteure den Auftrag annehmen – einer kann immer. Sobald der zuständige Spediteur die Ware geladen hat und sich auf dem Weg zum Kunden befindet, kann man die Lieferung per Live-Tracking mitverfolgen.
Ist alles am Zielort abgeladen, macht der Fahrer über die App ein Foto. So erkennt der Kunde sofort, dass sein Schüttgut angekommen ist. Der Clou: Es entsteht kein zusätzlicher Aufwand. Auch die komplette Zettelwirtschaft entfällt. Der Kunde be­kommt automatisch einen PDF-Lieferschein zugeschickt, und der Spediteur freut sich noch am selben Tag über eine Überweisung, für die Schüttflix in Vorleistung geht. Der komplette Abwicklungsprozess ist transparent, spart unglaublich viel Zeit und macht vor allem ökonomisch und ökologisch viel mehr Sinn.

bauMAGAZIN: Abschließend noch eine Frage zu Ihrem Schüttflix-Team: Mit der Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla haben Sie nicht allein eine Gesellschafterin, sondern auch eine prominente Markenbotschafterin ins Boot geholt: Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Hülsewig: Wir haben uns die Frage gestellt: Wie kommen wir am besten in die Köpfe der Leute? Wir wollten eine möglichst große Präsenz am Markt aufbauen, ohne dabei viel Zeit zu verlieren. Sophia Thomalla polarisiert. Und, sie ist ein absoluter Medienprofi mit enormer Reichweite. Sie anzusprechen war daher für uns absolut naheliegend. Was uns ehrlich überrascht hat, waren ihre Eigeninitiative und ihre Neugier an unserem Produkt. Sophia war sofort im Thema. Wir haben uns getroffen, über die App diskutiert und sie hat viele Fragen gestellt. Sie wollte wissen, wie der Markt funktioniert und welches Potenzial die App mit sich bringt. Sophia ist Überzeugungstäterin und weiß genau, was sie will. Und der Job als reine Markenbotschafterin war ihr schlichtweg zu wenig. Sophia wollte mit ins Boot und helfen, Schüttflix langfristig und nachhaltig nach vorne zu bringen, sie ist eine Macherin, das passt zu uns.
Das gilt für das komplette Team – wir sind stolz darauf, dass wir Schüttflix in Eigenregie aufgebaut haben und miterleben dürfen, wie das Projekt immer weiter wächst. Wir sind überzeugt davon, mit unserer Idee einen echten Mehrwert für die Branche geschaffen zu haben.    d

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