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12. Oktober 2017

Oilquick Deutschland: Größte Investition in der Firmengeschichte

Oilquick Deutschland: Größte Investition in der Firmengeschichte

Mit dem Bau einer neuen Firmenzentrale auf einer Fläche von rund 7 000 m² will OilQuick als weltweiter Marktführer bei der Entwicklung und Produktion von vollhydraulischen Schnellwechselsystemen vornehmlich für Bagger und Radlader seine Erfolgsgeschichte fortschreiben. »Das ist die größte Investition in der Firmen­geschichte«, erklärten Franz und Stefan Schauer im Gespräch mit dem bauMAGAZIN, die zusammen mit ihrer Schwester Brigitte das von Franz Schauer Senior gegründete Familienunternehmen im bayerisch-schwäbischen Steindorf leiten. In rund zweieinhalb Jahren soll im neuen Werk die Produktion aufgenommen werden. »Dann können wir die Stückzahlen, die der Markt bis dahin fordert, problemlos produzieren«, so Franz Schauer. Seit der Einführung des ersten OilQuick-Schnellwechslers 1996 und der Gründung der OilQuick Deutschland GmbH 2001 sind bis heute 20 000 Systeme zuzüglich der entsprechenden Adaptionen im Markt platziert worden. In diesem Jahr sollen 3 000 Systeme dazu kommen.

Wenn der 45-jährige Franz Schauer und sein jüngerer Bruder Stefan (39) erklären sollen, wie sich innerhalb von rund 20 Jahren in der tiefsten bayerisch-schwäbischen Provinz – ge­nauer gesagt in der 900 Einwohner zählenden Gemeinde Steindorf, 20 km südlich von Augsburg gelegen – aus der deutschen Vertretung eines schwedischen Unternehmens der größte Hersteller von vollhydraulischen Schnellwechselsystemen entwickelt konnte, dann lautet eine der Kernaussagen sicherlich: »Wir sind ein unabhängiger Lieferant von Schnellwechslern, der für alle Marken offen und somit die unabhängige Schnittstelle für den Kunden ist. Wir sind an keinen Hersteller gebunden, weder bei den Träger­maschinen, noch bei den Anbaugeräten.«

Neben diesem Grundsatz bestimmen aber noch weitere Faktoren – wie technische Alleinstellungsmerkmale, bestehende und eingereichte Patente oder Kundennähe – den Erfolg des Familienunternehmens. »OilQuick ist seit dem ersten Tag auf eine spielfreie Verbindung zwischen Trägermaschine und Anbaugerät und dabei auf höchstmögliche Betriebssicherheit ausgelegt«, sagt Stefan Schauer, der den Bereich Fertigung und Entwicklung verantwortet, während Franz Schauer für den Vertrieb und Innovationen und Brigitte Schauer für den kaufmännischen Bereich zuständig ist. »So haben wir einen technischen Standard definiert, der unseren Kunden die langfristige Kompatibilität unserer Systeme garantiert.« Was bedeutet: Der allererste OilQuick-Kunde in Deutschland, der Baggerbetrieb Josef Fendt in Ramsau bei Berchtesgaden, hat diesen Schnellwechsler heute immer noch im Einsatz. Mittlerweile hängt dieser an Bagger Nummer vier und hat insgesamt rund 40 000 h auf dem Buckel. »Das zeigt, wie langfristig wir denken und arbeiten«, sagt Stefan Schauer.

Hohe Kompetenz bei der Anbaugeräteanbindung

Deshalb würden auch alle Kernkomponenten in Steindorf von OilQuick entwickelt und produziert. »Im Gegensatz zu anderen kaufen wir diese Teile nicht hinzu«, so Franz Schauer und nennt als Beispiel dafür die Kupplungen. »Das ist eine absolute Schlüsselkomponente. Deshalb entwickelt und baut OilQuick die Kupplungen samt der Peripherie selbst. OilQuick hat dafür die Kompetenz, sowohl in der Produktion als auch in der Montage.« Ein anderes Beispiel seien die Zylinder. »Diese werden von OilQuick in Schweden exakt nach unseren Vorgaben hergestellt. Was für alle Bauteile gilt, die wir aus Schweden beziehen. Aber 80 % aller Teile produzieren wir in Steindorf. Ferner stehen wir für die ständige Weiterentwicklung unseres Systems in engem Kontakt zu unseren Kunden und deren Anforderungen.« Mit der schwedischen Eigentümerfamilie Sonerud habe man »ein freundschaftlich, familiäres Verhältnis«, so Franz Schauer und man ergänze sich gut.


Ebenfalls ausschlaggebend für die Stellung von OilQuick im Markt »ist unsere hohe Kompetenz hinsichtlich der Anbindung der Anbaugeräte auf das System«, so Franz Schauer. »Wir bieten zu jedem Anbaugerätehersteller die optimierte Schnittstelle und können jedes Anbaugerät auf den passenden OilQuick-Schnellwechsler adaptieren.« Sei es ein Löffel, ein Hammer, ein Greifer, ein Verdichter, ein Separator, ein Tiltrotator oder ein sonstiges beliebiges Gerät. »Deshalb rüsten namhafte Maschinenhersteller ihre Mietparks mit OilQuick-Produkten aus.« Für ihn ein Beweis dafür, dass der Markt die Frage nach der Attraktivität eines Produktes beantwortet. »Die hohe Akzeptanz, die unsere Schnellwechsler haben, kommt von zufriedenen Endkunden«, betont Franz Schauer. »Wir sind uns unserer Verantwortung voll bewusst, sind wir doch mit unseren Schnellwechslern quasi im ›Blutkreislauf‹ eines Baggers oder Radladers.«

Sehr enge Kundenbeziehungen

Die Hauptursache für die erfolgreiche Entwicklung von OilQuick sind – neben den technischen Grün­den – für Franz und Stefan Schauer aber die sehr engen Kundenbeziehungen. »Auf zufriedenen Kunden basiert der komplette Erfolg von OilQuick«, betonen sie. »Dabei machen wir keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Kunden. Für uns ist jeder gleich wichtig.« Nie habe man sich hauptsächlich für Stückzahlen interessiert, sondern dafür, wie man aus Anwendersicht die bestmögliche Lösung realisieren könne. »Bei uns gab es nie einen Hype. »Wir haben unsere Wechsler Anwendung für Anwendung kontinuierlich weiterentwickelt.«
Auch »maßgeschneiderte« Lösungen bietet OilQuick an, beispielsweise für Zwei-Wege-Bagger. Oder den Longfront-Wechsler für Abbruch-Bagger, den OilQuick zusammen mit Hitachi und Kiesel entwickelt hat und dafür mit dem »World Demolition Award« ausgezeichnet wurde. Andere Beispiele sind die Schnellwechsler OQ 90 und OQ 120 für Bagger mit einem Einsatzgewicht von bis zu 120 t. »Die haben wir vor gut zehn Jahren zusammen mit der Eberhard Bau AG in Zürich-Kloten entwickelt«, so Franz Schauer.

»Niemand betreut weltweit eine höhere Stückzahl«

Diese Fähigkeit, Visionen umzusetzen und innovative Produkte zu entwickeln, seien weitere Gründe dafür, »warum OilQuick 20 000 Systeme im Markt hat«, so Franz Schauer. »Den gravierenden Unterschied machen dabei unsere Mitarbeiter aus, die in einer Art und Weise hinter den Produkten stehen, die man nicht kopieren kann. Sie gewährleisten, dass diese 20 000 Systeme täglich funktionieren. Niemand betreut weltweit eine höhere Stückzahl von vollhydraulischen Schnellwechslern als OilQuick Deutschland.«
Bis man diese Marktdurchdringung erreicht habe, so Franz Schauer weiter, sei es aber ein harter und langer Weg gewesen. »Unser Vater war der erste, der außerhalb Skandinaviens erkannt hat, wie sich diese Idee eines vollhydraulischen Schnellwechslers weiterentwickeln könnte. Er hat das Potenzial gesehen, als die Schweden 1996 einen Partner für Deutschland suchten.«

Liebherrs Einstieg bringt Akzeptanz

Die potenziellen Kunden seien damals allerdings »sehr konservativ« gewesen. Dementsprechend mühsam habe man sich Kunde für Kunde erarbeiten müssen. »Zu dieser Zeit war gerade der mechanische Schnellwechsler neu auf dem Markt, und dann sind wir mit einem vollhydraulischen System gekommen«, erinnert sich Franz Schauer. »Das ist in etwa so, als wenn man sich gerade das erste Nokia-Handy gekauft hat, und dann kommt schon das iPhone auf den Markt.« Man habe die schwedischen Modelle nach und nach weiterentwickelt, sei über die Dörfer getingelt. Der Bauma-Auftritt 1998 sorgte dann für einen ersten kleinen Popularitätsschub. »Doch erst als Liebherr sein Likufix-System auf den Markt brachte, gab es so etwas wie eine Akzeptanz für vollhydraulische Schnellwechsler in Deutschland«, so Franz Schauer.

»Auf einmal hieß es: Wenn ein Unternehmen wie Liebherr solch ein Produkt anbietet, dann kann das ja kein Blödsinn sein«, so Franz Schauer über die seinerzeitige Stimmung unter den Bauunternehmern. »Somit hat der Einstieg eines namhaften Baumaschinenherstellers, neben dem im Markt weitgehend unbekannten Unternehmen Schauer/OilQuick, dem Gedanken vollhydraulischer Schnellwechselsysteme schneller zu einer allgemeinen Akzeptanz verholfen.« Dabei hat auch eine Rolle gespielt, dass sich der Automatisierungsgrad in der Bauindustrie in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht habe, so Franz Schauer. »Der Wettbewerb in Deutschland ist sehr hart. Damit ist auch der Druck hoch für die Unternehmen, effizienter und produktiver zu arbeiten. Um dies zu ermöglichen – beispielsweise in der Bodenaufbereitung, der Verdichtung oder im Abbruch – ist OilQuick der Schlüssel.«

»Wachstumsmarkt Kompaktbaggerbereich«

Heute bietet OilQuick Deutschland 16 vollhydraulische Schnellwechsler für Bagger an und jeweils drei Modelle für Radlader und Gabelstapler. Dabei setzt das Unternehmen im Bagger-Bereich zwischen 16 t und 32 t die meisten Geräte ab und »hat in diesem Segment eine hohe Marktdurchdringung«, so Franz Schauer. Weshalb man bei OilQuick künftig vermehrt den Kompaktbaggerbereich zwischen 5 t bis 15 t im Blick hat. »Dort sehen wir in den kommenden Jahren den Wachstumsmarkt.« Wobei sich die »OilQuick-Welt« nicht nur um Bagger in der Erdbewegung drehe: »Unser Radlader-Bereich wächst kontinuierlich und wir bieten Innovationen für den Schrott-Umschlag.«

Deshalb ist der Neubau der Firmenzentrale eigentlich schon überfällig. »Mit einer Produktionsfläche von 1 500 m² platzen wir aus allen Nähten«, sagt Stefan Schauer. Allerdings wird es aus baurechtlichen Gründen noch geschätzt zweieinhalb Jahre dauern, bis die neuen Produktionsstätten genutzt werden können. Die Zeit bis dahin wird mit einer zusätzlich angemieteten Produktionsstätte überbrückt. Ende 2019 stehen dann zusätzliche 3 500 m² zur Verfügung, »und wir können die Stückzahlen problemlos produzieren, die der Markt bis dahin fordert«.

Bei diesen Aussichten ist es deshalb nicht verwunderlich, dass immer wieder mal Übernahmeangebote ins Haus flattern. »Wir hätten schon vor 15 Jahren verkaufen können«, sagt Franz Schauer, »und haben abgelehnt. Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben und sind deshalb unverkäuflich.«    ß

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