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Epiroc: »Gut ist uns nicht gut genug!«

Es wäre für Epiroc als einer der führenden Anbieter von Maschinen, Geräten und Dienstleistungen im Bau- und Bergbaugeschäft die Premiere gewesen auf der Steinexpo. Wie der schwedische Konzern auf die coronabedingte Absage der in diesem Jahr bedeutendsten Messe im Bereich der Roh- und Baustoffindustrie reagiert, wie sich die Marktpräsenz seit der Bauma-Premiere im vergangenen Jahr entwickelt hat und warum in Deutschland und den angrenzenden Ländern Erkat-Fräsen jetzt auch im Epiroc-Design erhältlich sind, das hat im bauMAGAZIN-Interview Dominik Faupel erläutert. Der 37-Jährige leitet bei der Vertriebsgesellschaft Epiroc Deutschland GmbH mit Sitz in Essen den Geschäftsbereich Hydraulische Anbauwerkzeuge DACH und BeNeLux.

Von Michael Wulf

bauMAGAZIN: Epiroc wollte auf der Steinexpo diverse Neuheiten präsentieren. Nun ist die in diesem Jahr be­deu­tendste Messe im Bereich der Roh- und Baustoffindustrie wegen Corona auf das kommende Jahr verschoben worden. Welche Konsequenzen hat das für Epiroc, und wie managed Ihre Organisation derzeit die Corona-Krise?
Dominik Faupel: Grundsätzlich ist es erst einmal schade, dass so eine besondere Messe nicht stattfinden kann. Die Steinexpo bietet gerade einer so vielseitigen Firma wie Epiroc die ideale Möglichkeit, seinen Kunden das gesamte Leistungsspektrum zu präsentieren. Doch wir nehmen uns der aktuellen Situation an und stehen mit unseren Kunden auf unterschiedlichsten Wegen in Kontakt. So nutzen wir Webinare oder andere digitale und interaktive Plattformen für Meetings. Des Weiteren haben wir unsere Demo-Maschinenflotte aufgestockt, um noch mehr Vorführungen – unabhängig von ur­sprünglich geplanten Veranstaltungen – zu ermöglichen.

bauMAGAZIN: Wie ist in der derzeitigen Situation der Service organisiert, können Werkzeuge, Ausrüstungen oder Ersatzteile fristgerecht ausgeliefert werden?
Faupel: Hier merken wir so gut wie keinen Einfluss durch die aktuelle Situation. Wir haben unseren Servicebereich in Teams aufgeteilt, die zeitversetzt dem Kunden zur Verfügung stehen oder räumlich getrennt voneinander arbeiten, um so den Kontakt untereinander einzuschränken. Der Innendienst arbeitet größtenteils aus dem Homeoffice oder ebenfalls zeitversetzt im Büro unter Berücksichtigung der entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Unsere Werkstätten sind besetzt, und die Servicemonteure im Außendienst arbeiten ebenfalls wie gewohnt. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, flexible Lösungen zu finden. Dies ermöglicht uns, den Mitarbeitern die nötige Sicherheit zu geben und den Kundenanforderungen nachzukommen. Dadurch, dass sich unser Hauptwerk für die Anbauwerkzeuge in Essen befindet, hatten wir auch keine zusätzlichen Herausforderungen hinsichtlich der Logistik.

bauMAGAZIN: Epiroc hat erst im April seine Concrete-Buster-Reihe CB um die Modelle CB 5500 und CB 7500 erweitert. Welche Maschinen und Anbaugeräte wären beim Auftritt auf der Steinexpo im Fokus gestanden?
Faupel: Grundsätzlich fokussiert sich die Steinexpo auf das Kundensegment »Gesteinsabbau«. Somit stehen Übertagebohrgeräte mit den dazugehörigen Bohrkronen sowie das Serviceangebot, beispielsweise in den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung, auf dieser Messe für Epiroc klar im Fokus. Dieses Segment runden wir mit unseren Anbauwerkzeugen ab, in erster Linie mit Erkat-Fräsen und Hydraulikhämmern. Allerdings haben wir festgestellt, dass auch vermehrt andere Anbauwerkzeuge, wie z. B. Abbruchscheren, auf der Steinexpo ausgestellt werden. Da unser Portfolio in diesem Segment einiges an bewährten Produkten sowie Neuheiten vorzuweisen hat, runden wir in der Regel die Palette unserer Ausstellungsstücke damit ab. Daher war es unser erklärtes Ziel, die Beton-Abbruchzange CB 5500 auf der Messe zu präsen­tieren.


bauMAGAZIN: In der Region DACH und BeNeLux ist Epiroc vor allem mit seinen Baggeranbaugeräten – wie Hydraulikhämmer, Pulverisierer, Abbruchzangen, Greifer, Backenbrecher- und Sieblöffel oder auch Fräsen – sehr erfolgreich. Hat Epiroc seine Marktanteile bei den Baggeranbaugeräten seit der Bauma 2019 ausbauen können?
Faupel: Wir sind im Bereich der Hydraulikhämmer klarer Marktführer in unserer Region. Bei den Abbruchwerkzeugen waren wir in der Lage, die Marktanteile teils deutlich auszubauen. Besonders im Bereich der Abbruchzangen und Fräsen waren wir sehr erfolgreich. Zur Bauma haben wir unser neues Abbruch- und Sortiergreifer-Programm vorgestellt und auch in diesem Produktsegment anschließend ordentlich zugelegt. Abschließend kann man sagen, dass wir ein sehr erfolgreiches Jahr 2019 hatten.

bauMAGAZIN: Die Reduzierung von Lärm- und Staubemissionen gilt im Bereich der Bagger-Anbaugeräte als eines der wichtigsten Entwicklungsziele. Wie ist der Stand der Dinge bei Epiroc?
Faupel: Unsere Hydraulikhämmer sind die »leisesten« Hämmer am Markt, und das beweisen sie unter den verschiedensten Herausforderungen. Zur Staubbindung haben wir in diesem Jahr ein Staubbindesystem für die Anbauwerkzeuge herausgebracht. Dies wurde in enger Zusammenarbeit mit Kunden und Geschäftspartnern entwickelt. Für unsere Fräsen haben wir ebenfalls ein Sprühsystem im Programm.

bauMAGAZIN: Die Elektrifizierung von Maschinen und Geräten ist in diesem Zusammenhang ein weiteres Schlüsselthema. Wie sieht sich Epiroc in diesem Bereich positioniert?
Faupel: Im Bereich der Bohrgeräte sind wir bereits mitten in der Digitalisierung. Wir sind in der Lage, Epiroc-Maschinen über die Remote-Funktion überall in der Welt zu steuern. Auch geben uns diese Maschinen Rückmeldung über diverse Maschinenparameter, sodass wir den bestmöglichen Service gewährleisten können. Im Bereich der Anbauwerkzeuge haben wir gerade die Neuheit HATCon präsentiert. Mit diesem Feature können unsere Kunden ihre Maschinen per GPS tracken. Des Weiteren können damit beispielsweise auch Arbeitsstunden erfasst werden. Somit erhält man exakte Informationen über die Auslastung der Maschine und ist so in der Lage, den Service proaktiv zu planen. Gleichzeitig ist eine volle Kostentransparenz gewähr­leistet.

bauMAGAZIN: Die Anbaufräsen der Marken Erkat gehören seit rund dreieinhalb Jahren zur Produkt-Range von Epiroc. Wie wichtig ist Erkat für Epiroc – und wie hat sich die Marke in ihrem speziellen Wettbewerbsumfeld seitdem entwickelt?
Faupel: Epiroc hat mit dieser Akquisition das beste Produkt am Markt gekauft und sein Anbauwerkzeugportfolio perfekt ergänzt. Das Produktportfolio der Fräsen wiederum hat durch die weltweite Präsenz von Epiroc nachweislich profitiert. Wir nehmen wahr, dass gerade in den vergangenen Jahren, auch durch neue Hersteller, einige Bewegung in den Fräsenmarkt gekommen ist. Dies bestätigt unser Handeln umso mehr, da die Anwendungsmöglichkeiten der Fräsen und somit ihr Einsatzpotenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist.

bauMAGAZIN: Bleibt es bei Erkat beim Multibranding-Ansatz für bestimmte Märkte, wie z. B. Deutschland?
Faupel: Wir fahren zweigleisig. Es gibt Länder, in denen die Marke Erkat nicht bekannt ist. Hier werden die Fräsen seit Beginn an als Epiroc gebrandet. In Deutschland und den angrenzenden Ländern ist Erkat eine starke Marke. Daher haben wir uns entschieden, hier die Marke weiterzuführen. Dies stellt uns teilweise vor Herausforderungen, gerade auch, weil es einen Marktbegleiter gibt, der an unserem Erfolg partizipieren möchte. Doch mittlerweile können auch die Kunden unserer Region die Erkat-Fräse auf Wunsch im Epiroc-Design erwerben.

bauMAGAZIN: Digitalisierung und Automatisierung sind Begriffe, die immer wieder genannt werden, wenn über Zukunftsthemen in der Branche diskutiert wird. Epiroc bietet unter anderem das Anlagensteuersystem RCS oder mit HATCon eine App zur Fernüberwachung von Abbruchhämmern oder Anbaufräsen an. Wie werden diese Angebote von den Kunden angenommen?
Faupel: Wir sind gerade dabei, HATCon in den Markt zu bringen. Kunden aus den verschiedensten Bereichen interessieren sich dafür, und wir stehen im engen Austausch, um das ganze Potenzial auszuschöpfen. Gemeinsam mit unseren Partnern lernen wir jeden Tag dazu.

bauMAGAZIN: Effizienz, Produktivität und Sicherheit gehören zu den entscheidenden Kriterien bei der Anschaffung einer Maschine. Inwieweit unterscheiden sich Epiroc-Produkte von denen der Wettbewerber?
Faupel: Es würde zu weit führen, hier eine umfassende Aussage zu allen unseren Produkten zu geben. Unsere Kernwerte – Innovation, Commitment und Collaboration – beschreiben es eigentlich sehr gut und stehen für alle unsere Produkte und für unser Handeln. Wir fokussieren uns auf Innovation. Gut ist uns nicht gut genug! Und wir versuchen, unser Angebot immer weiter zu verbessern. Wir fühlen uns verpflichtet, die Herausforderungen, die an uns gestellt werden, zu erfüllen und auch noch einen Schritt weiterzugehen. Und dies immer zusammen mit unseren Kunden und Geschäftspartnern. Dies erreichen wir durch enge Partnerschaften, da wir in engem Austausch mit unseren Kunden stehen sowie intern mit unseren Kollegen aus anderen Ländern und Bereichen. Wir belegen diese Verpflichtung zur Innovation durch ständige Produktneuvorstellungen und Verbesserungen sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Dienstleistungen. Somit können wir unseren Kunden einen wirklichen Mehrwert liefern.

bauMAGAZIN: Schlussfragen: Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass die Corona-Krise bald beendet ist? Was sind Ihrer Ansicht nach die entscheidenden Hebel, mit denen die Politik die Voraussetzungen dafür schaffen kann, dass die enormen Einbrüche der Wirtschaft in Deutschland und in Europa so schnell wie möglich kompensiert werden können?
Faupel: Ich bin kein Politiker und möchte auch nicht in deren Haut stecken. Für den Bereich Construction sehen wir, dass in vielen Teilen unserer Region die Baustellen weiterlaufen. Die Investitionsbereitschaft ist etwas verhalten. Aber ich bin davon überzeugt, wenn die Lockerungen greifen und der Schutz der Bevölkerung gewährleistet ist, werden wir mit diesem Jahr noch unseren Frieden finden.    m

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