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Zeppelin: »Wir haben uns sehr gut geschlagen und sind mehr als zufrieden«

Von Michael Wulf

Trotz der Corona-Pandemie hat der Zeppelin-Konzern als einer der größten Caterpillar-Händler weltweit Umsatz und Ertrag im Jahr 2020 stabil halten können. Laut Konzernchef Peter Gerstmann erwirtschaftete das Unternehmen bei einem Umsatz von 3,272 Mrd. Euro einen Jahresüberschuss von 91,5 Mio. Euro, der damit nur geringfügig unter dem Wert des Vorjahres von 92,4 Mio. Euro lag. »Obwohl die Corona-Krise auch an uns nicht spurlos vorbei gegangen ist, bewegen wir uns immer noch auf einem sehr hohen Niveau«, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH auf der virtuellen Bilanzpressekonferenz. »Wir haben uns sehr gut geschlagen und sind mehr als zufrieden.« Und weil Zeppelin mit einem Auftragsbestand in Höhe von rund 1 Mrd. Euro ins neue Jahr gestartet sei, könne man zudem »sehr zuversichtlich« für 2021 sein. »Wir sind exzellent für die Zukunft aufgestellt, was unsere Finanzzahlen betrifft und unsere strategische Ausrichtung.«

Auch Michael Heidemann, Gerstmanns Stellvertreter als Vorsitzender der Geschäftsführung, rechnet im Bereich der Baumaschinen für dieses Jahr mit einem ähnlichen Absatz wie 2020 und verwies in diesem Zusammenhang auf den starken Partner Caterpillar. Als äußerst positives Beispiel dafür nannte er die Entwicklung der Umschlagbagger, von denen Zeppelin mittlerweile fast 1 000 Maschinen in den deutschen Markt gebracht habe. Zudem sei es gelungen, im vergangenen Jahr in Deutschland mit 4 048 so viele Gebrauchtmaschinen abzusetzen wie noch nie. »Das ist Rekord«, so Michael Heidemann. »Und dazu haben wir noch rund 5 100 Neumaschinen im Markt platziert, und das trotz Corona.«

Mit einem Umsatz von 1,864 Mrd. Euro war Deutschland für Zeppelin mit seinen sechs strategischen Geschäftseinheiten (SGE) – Baumaschinen Zentraleuropa (1,373 Mrd. Euro), Baumaschinen Nordics (258 Mio. Euro), Baumaschinen Eurasia (494 Mio. Euro), Rental (528 Mio. Euro), Power Systems (407 Mio. Euro) und Anlagenbau (306 Mio. Euro) – wieder mit Abstand der wichtigste Markt, obwohl man einen Rückgang von 6 % im Vergleich zu 2019 hinnehmen musste. Auf Platz zwei folgten die anderen europäischen Märkte mit insgesamt 721 Mio. Euro (+ 70 %) sowie Russland mit 325 Mio. Euro (+ 1 %).

Oberste Priorität: Arbeitsplatzsicherung

Der Grund für den Umsatzsprung in Europa ist die neue SGE »Baumaschinen Nordics«, die nach der Übernahme der Vertriebs- und Servicegebiete von Caterpillar und Mak in Schweden, Dänemark, Grönland und den Färöer Inseln zum Jahresbeginn 2020 gegründet wurde (das bauMAGAZIN berichtete in Heft 2/20, Seite 14) und die mit rund 700 Mitarbeitern 258 Mio. Euro Umsatz beisteuerte. Bereinigt um den Umsatzzuwachs dieser Akquisition ist der Gesamtumsatz des Konzerns aufgrund der Einflüsse durch die Pandemie um 5 % zurückgegangen.

Dass Zeppelin die Corona-Krise bislang so gut gemeistert hat, ist aber auch auf die deutlichen Kosteneinsparungen zurückzuführen. So wurden die Investitionen von 376 Mio. Euro im Jahr 2019 auf 203 Mio. Euro im Jahr 2020 um nahezu 50 % reduziert. »Wir sind auf die Kostenbremse getreten«, so Peter Gerstmann. Gleichzeitig habe man aber allen Mitar­beitern schon zu Beginn der Pandemie deutlich gemacht, dass die Arbeitsplatzsicherung oberste Priorität habe. »Wir wollten keinen Mitarbeiter aufgrund der Krise verlieren.«

»Im schwierigen Umfeld im Markt behauptet«

Zu diesem »werteorientierten Krisen-Management« gehörte neben der Arbeitsplatzsicherung, so Peter Gerstmann weiter, der Gesundheitsschutz (»Jeder Mitarbeiter soll unbeschadet durch die Pandemie kommen«), die Unternehmenssicherung (»Finanzielle Unabhängigkeit unter Wahrung der Interessen von Kunden und Partnern«) sowie die Kundenorientierung (»Jeder Cent Umsatz ist besser als ein gesparter Cent durch Kurzarbeit«). Auf Grundlage dessen habe Zeppelin »vielleicht einiges besser gemacht als der eine oder andere Wettbewerber«, betonte Peter Gerstmann. »Zu keiner Zeit war ein Arbeitsplatz bedroht, musste kein Mitarbeiter, trotz zeitweiliger Kurzarbeit, auf mehr als 4 % seines Gehalts verzichten.«


Die Erfahrungen, die Zeppelin während der Finanzkrise 2008/09 gemacht habe, und die Strategie, die man daraus entwickelt habe, seien die wesentlichen Gründe dafür, dass Zeppelin die Situation so gut gemeistert habe, erläuterte Peter Gerstmann. »Umsatz und Ergebnis im Jahr 2020 beweisen, dass sich der Konzern in einem schwierigen Umfeld im Markt behauptet und eine verlässliche Größe für Kunden und Geschäftspartner ist.«

Das unterstrich auch Christian Dummler als Geschäftsführer und Finanzchef der Zeppelin GmbH. Man habe sehr schnell auf die neue Situation reagiert und ein Krisen-Management zur Sicherstellung des Leistungsangebots für die Kunden sowie zur Absicherung der internen Leistungsfähigkeit in den Bereichen Personal, Finanzen, IT-Service und Infrastruktur eingerichtet. Die hervorragende Zusammenarbeit der Krisenstäbe, des Managements und mit den Arbeitnehmervertretern sowie dem Aufsichtsrat habe die guten Ergebnisse des Geschäftsjahres 2020 möglich gemacht«, so Dummler weiter. »Die Creditreform Rating AG sieht das genauso und hat den Zeppelin-Konzern auch im Herbst 2020 überdurchschnittlich mit der ›Note A‹ beurteilt. Wir sehen uns auf unserem Weg bestätigt.«

»Herausforderungen angenommen«

Lob gab es dafür von Andreas Brand, als Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen Vorsitzender des Aufsichtsrats des Zeppelin-Konzerns. »Es zeichnet Zeppelin aus, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam die Herausforderungen der Covid-19-Pandemie angenommen und die erforderlichen Maßnahmen konsequent und zügig umgesetzt haben«, sagte er. »Im Mittelpunkt standen die Sicherung unserer operativen Handlungsfähigkeit als Unternehmen, der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die finanzielle Unabhängigkeit unseres Unternehmens.

Insgesamt sei der Zeppelin-Konzern auf unterschiedlichste Weise von der Pandemie betroffen gewesen, erläuterten Peter Gerstmann und Michael Heidemann. Die zeitweise Verunsicherung in den Märkten, schleppende Vergabe öffentlicher Aufträge und geschlossene Baustellen aufgrund von Teil-Lockdown in einigen der für Zeppelin relevanten Märkte führten zu einem merklichen Markt- und Absatzrückgang von Baumaschinen. Der Wegfall von Großveranstaltungen und die verzögerte Vergabe von Aufträgen im Autobahnbau beeinflussten das Mietgeschäft nachteilig. Zudem beeinträchtigte der Stillstand im Bereich der Kreuzfahrtschiffe Zeppelins Geschäft mit Motoren und Antriebsaggregaten deutlich.

Betroffen von »politischen Interdependenzen«

Die Märkte in Osteuropa und Russland waren – zusätzlich zur Corona-Pandemie – stark von Sanktionen und geopolitischen Spannungen aufgrund der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan, den innenpolitischen Auseinandersetzungen in Weißrussland und den »politischen Interdependenzen« in Russland betroffen, heißt es im Geschäftsbericht. Der Rückgang in den Märkten machte an verschiedenen Stellen des Zeppelin-Konzerns zeitweise Kurzarbeit notwendig. Sehr früh nutzte das Unternehmen die Möglichkeiten flexibler Arbeitszeitmodelle und ermöglichte mobiles Arbeiten als Lösung, um Pandemie und Beschäftigungsausfällen zu begegnen.

Trotz der widrigen Umstände hat Zeppelin seine Geschäftsfelder weiterentwickelt und mit der Übernahme der Aktivitäten der Energyst Rental Solutions sein Angebot im Bereich temporäre Energie- und Klimalösungen erweitert. Mit der Teilübernahme der MTI Mischtechnik wird das Lösungsangebot für das Mischen und die Aufbereitung von hochwertigen Schüttgütern im Bereich der Spezialchemie gestärkt.

Den Konzern sieht Peter Gerstmann für das kommende Jahr »bestens gerüstet«. Die Umsätze im Januar und im Februar (insgesamt 408 Mio. Euro) entsprächen bereits wieder den Werten von 2020, als das Unternehmen noch nicht von der Krise beeinträchtig gewesen sei. Der Auftragseingang in den ersten beiden Monaten Januar und Februar sei im Vergleich zum Vorjahr sogar um 13 % auf nun 586 Mio. Euro gestiegen. Insbesondere im Anlagenbau für den Bereich Lebensmittel sowie in den Bereichen Wohnungs- und Straßenbau rechnet Zeppelin für 2021 mit steigenden Umsätzen.

Service und Ersatzteilgeschäft »über dem Niveau des Vorjahres«

Service und Ersatzteilgeschäft  »über dem Niveau des VMit einem Anteil von 40,8 % am Gesamtumsatz in Höhe von 3,272 Mrd. Euro war die Strategische Geschäftseinheit »Baumaschinen Zentraleuropa« auch 2020 der mit Abstand größte Umsatzbringer des Zeppelin-Konzerns. Trotz des Rückgangs von 1,470 Mrd. Euro im Jahr 2019 auf 1,373 Mrd. Euro ist für Fred Cordes als Leiter dieser Geschäftseinheit zum Jahresende »ein sehr erfreuliches positives Ergebnis« erreicht worden.orjahres«

Im Geschäftsbericht verwies Fred Cordes auch darauf, dass die Corona-Restriktionen die Baubranche aufgrund des anhaltenden guten Auftragsbestands, guter Hygienebedingungen und dem »Arbeiten unter freiem Himmel« weniger hart getroffen hätten als andere Branchen. »Das gewährleistete hohe Maschinenauslastungen, sodass der Service und das Ersatzteilgeschäft sogar über dem Niveau des Vorjahres lagen«, erläuterte Fred Cordes.

Moderater Marktrückgang

Für das Geschäft mit neuen Baumaschinen sei zwar ein moderater Marktrückgang gegenüber dem Vorjahr verzeichnet worden, doch habe man – auch durch den steigenden Exportanteil im Gebrauchtmaschinengeschäft – dieses »sehr erfreuliche positive Ergebnis« erreicht. »Das ist eine sehr bemerkenswerte Leistung unserer Mitarbeiter«, so Fred Cordes weiter, »die Vertrieb und Service am Laufen hielten.«    m

Optimistischer Blick in die Zukunft

Laut Zeppelin wird die Entwicklung der weltweiten Konjunktur in erheblichem Maße von der Eindämmung der Corona-Pandemie und den Regelungen zu den weltweiten Handelsstreitigkeiten und Sanktionen abhängen. Geopolitische Spannungen und der volatile Ölpreis beeinflussten darüber hinaus einige der für Zeppelin wichtigen Märkte. Dennoch blickt der Konzern verhalten optimistisch in die Zukunft. So rechnet man mit einer Stabilität der für den Konzern relevanten regionalen Geschäfte und damit, von dem erwarteten weltweiten Wachstum der Rohstoffmärkte zu profitieren.

Die erwartete Marktstabilisierung wird nach Ansicht von Zeppelin durch erhöhte öffentliche Investitionen in Zentraleuropa sowie der Fortsetzung von staatlichen Infrastrukturprojekten in Russland und der Ukraine getragen. Neue Wachstumschancen böten die Einführung der neuen Generation von Mobilbaggern und Umschlaggeräten durch den Herstellerpartner Caterpillar.

Zusätzlich werde der Vertrieb von Anbaugeräten und Komponenten ausgebaut und die bereits bewährte Service-Offensive von Kompaktgeräten fortgeführt. Auch durch die Positionierung von Produkten und Services im Bereich der Notstromaggregate für Data Center in den Märkten in Nord- und Osteuropa erwarte man Wachstumsimpulse.

»Digitaler Service-und Lösungsanbieter«

Die in Skandinavien eingeschlagene Wachstumsstrategie will Zeppelin 2021 unter anderem mit dem Ausbau von Finanzierungslösungen für Kunden und der Eröffnung neuer Standorte fortsetzen. Das Jahr steht zudem im Zeichen der operativen Anbindung der neu erworbenen Gesellschaften Energyst Rental Solutions und der Integration wesentlicher Teile der MTI Mischtechnik.

Im Bereich der Digitalisierung investiert Zeppelin weiterhin in den Aufbau einer globalen Dateninfrastruktur als elementare Grundlage für die weitere Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und Plattformen, um Kunden-Services und -Angebote an den zukünftigen Anforderungen auszurichten.

»Wir werden uns weiterhin intensiv mit der Digitalisierung auf der Baustelle beschäftigen«, kündigte Peter Gerstmann an, »und uns noch stärker als digitaler Service- und Lösungsanbieter positionieren.«    M

Zeppelin-Belegschaft erhält »Corona-Prämie«

Weil für das Geschäftsjahr 2020 trotz der schwierigen Umstände aufgrund der Covid-19-Pandemie ein solides Ergebnis vorgelegt werden konnte, bedankt sich der Zeppelin-Konzern bei seinen Mitarbeitenden für ihren Einsatz mit der Zahlung einer »Corona-Prämie«.

Wir haben die Covid-19-Pandemie bisher hervorragend gemeistert. Das ist vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit zu verdanken, die sich sehr flexibel gezeigt haben und sich unermüdlich mit Ideenreichtum für unsere Kunden eingesetzt haben, um passende Lösungen für die verschiedensten Herausforderungen zu finden«, kommentierte Peter Gerstmann als Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH die Entscheidung von Konzerngeschäftsführung, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertretern, den weltweit rund 10 000 Mitarbeitenden eine einmalige »Corona-Prämie« zu zahlen. »Ich freue mich daher, dass wir als Wertschätzung dieser Leistung unseren Mitarbeitenden eine Corona-Prämie auszahlen.«

Der Zeppelin-Konzern zahlt allen Mitarbeitenden mit dem Mai-Gehalt eine Anerkennungsprämie aus, die sich in Deutschland auf 600 Euro für Arbeitnehmer in Vollzeitverträgen beläuft und für Teilzeitkräfte entsprechend anteilig berechnet wird. Auszubildende erhalten in Deutschland pauschal 200 Euro. Die Prämie wird in den anderen Ländern und Regionen, in denen der Konzern tätig ist, entsprechend der örtlichen Kaufkraft angepasst.    m

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