volvo ce: Bagger im Anflug für den Tunnelbau

Der Einsatzort eines Volvo-Kurzhecktunnelbaggers ECR145EL liegt 18 m in der Tiefe. Hier gräbt die Tunnelbauabteilung des Schweizer Bauunternehmens Implenia einen neuen Fluchtstollen für den Tunnel Schoren in St. Gallen in der Ostschweiz – ein nicht alltägliches Projekt, für das auch tonnenschwere Maschinen der Schwerkraft trotzen müssen.

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Mit rund 700 Schlägen pro Minute gräbt sich der 1 t schwere Hammer des Volvo-Tunnelbaggers ECR145EL durch den Fels. Am Joystick in der Fahrerkabine sitzt Rene Tröger, der konzentriert profilgenau von oben nach unten das Gestein weg meißelt, damit das Gewölbe der neuen Fluchtröhre am St. Galler Schoren-Tunnel Formen annimmt. Dank der Hammerwucht lösen sich große Brocken fast kinderleicht, kleinere Steinchen spritzen zur Seite. In kurzer Zeit liegt ein ansehnlicher Haufen Geröll vor dem Kettenbagger. Damit der Vortrieb weiter gehen kann, wird der Hammer gegen den Felslöffel getauscht. Vorsichtig lässt Kranführer Manfred Hägele den Felslöffel herunter und schnell sind die Werkzeuge gewechselt. Wenig später schwebt eine Mulde voller Geröll in den Himmel. Rund 4 m von insgesamt 13 m des ersten Abschnitts des Quertunnels sind geschafft. Nach jedem Meter werden ein Gitter montiert, ein Gitterbogen gestellt und anschließend mit Spritzbeton versiegelt.

Sanierung Stadtautobahn

Zweck der neuen Fluchtröhre ist die Einhaltung der vorgeschriebenen Fluchtweglängen. Das Projekt ist Teil der Sanierung der Stadtautobahn von St. Gallen. Das Schweizer Bundesamt für Strassen hat die »ARGE Stadtautobahn« – bei der die Bau- und Immobiliengesellschaft Implenia mit 30 % beteiligt ist – mit der Sanierung zwischen den Anschlüssen St. Gallen-West und St. Gallen-Ost beauftragt. Im vergangenen April wurde mit dem Aushub eines 18 m tiefen Schachts begonnen, von dem aus der westliche Fluchtweg zum Tunnel Schoren vorangetrieben wird.

»Normalerweise verbindet man die Tunnel mit einem kleinen, horizontal verlaufenden Stollen. Die Autobahnröhren liegen jedoch nicht auf gleicher Höhe, da der östliche im Tagebau gebaut wurde, der westliche im Tunnelbau. Weil man den Betrieb nicht stören wollte, ist der Plan, über einen Schacht mit Treppenturm die zwei Röhren zu verbinden«, erklärt der Bergbau-Ingenieur und Bauführer Dieter Lange. Wenn der westliche Querschlag und Innenausbau vollendet ist, wird der Schacht um weitere 12 m ausgehoben und dann in östlicher Richtung der zweite, 15 m lange, Querschlag zur anderen Röhre in Angriff genommen.


Kraft in engem Raum

Lediglich 10 m breit ist der 18 m tiefe Schacht, in dem Rene Tröger rangieren muss, noch weiter verengt durch den provisorischen Treppenaufgang und die Frischluftröhre. »Der Volvo-Kettenbagger ECR145EL ist äußerst bedienungsfreundlich und sehr leichtfühlig. Er bewegt sich genauso, wie man es will«, so Tröger. »Der kurze Arm macht den ECR145EL wirklich besonders, man kann so nah am Bagger arbeiten. Und aufgrund des kurzen Hecks gibt es keinen großen Schwenkradius. Es ist einfach schön mit der Maschine zu arbeiten, die Kraft ist immer da.«

Lösung nicht von der Stange

Baumaschinen wie der Volvo ECR145EL müssen starker Belastung standhalten, eine höhere Standsicherheit aufweisen sowie größeren Schutz bieten. Den Umbau des Volvo-Baggers ECR145E zur Tunnelausführung hat das Unternehmen Schöller Special Machines (SSM) vorgenommen. Dort hat man sich auf Sonderfertigungen spezialisiert und zählt sich zu den Weltmarktführern des Bereichs. SSM hat die Bagger durch den Umbau verstärkt und mit speziellen Hydraulikzylindern deren Lebensdauer verlängert.

Schutzeinrichtungen für Stützschildzylinder, verstärkter Kettenablaufschutz und Rammschutz sowie eine Feuerlöschanlage sind zusätzliche Bestandteile der Tunnelausstattung der Bagger. Aufgrund des kurzen Hecks des ECR145EL eignet sich die Maschine gut für Projekte mit engen Platzverhältnissen. Diese Kompaktheit des ECR145EL in der Tunnelversion war einer der Gründe, warum sich Implenia-Bauführer Dieter Lange für die Maschine entschieden hat. »In Stuttgart habe ich den Bagger bei den Arbeiten im Albvorlandtunnel kennen und schätzen gelernt. Er war für uns der einzige, der auf dieser speziellen Baustelle in Frage kam.«

Alles abgestimmt

Durch den kurzen Arm ist es möglich, das Profil des Stollens von oben nach unten zu profilieren. Und mit seinen vergleichsweisen geringen 18 t Gesamtgewicht lässt sich der Bagger leicht in den Schacht hinein und heraus heben. Polier Martin Tiepner weißt noch auf einen weiteren Vorteil hin: »Man benötigt, um solche Maschinen anzuheben, in der Regel ein Dreier- oder Vierer-Gehänge und ein Joch, damit man die Kabine nicht zusammendrückt. Dass der Volvo ECR145EL nur eine Huböse hat, ist ideal.« Besonderes Augenmerk richtete Dieter Lange auf den Hammer. Denn nur wenn Bagger und Anbauwerkzeuge harmonieren, kommen die Arbeiten voran. Der Hammer EHB13BA, mit dem der Bagger ausgerüstet wurde, erfüllt alle Erwartungen. »Der Fels ist mit hartem Sandstein versetzt. Da muss der Hammer richtig Power haben«, betont Dieter Lange.    t