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VDBUM-Seminar: »Integrative Ansätze statt Insellösungen«

Der Fachkräftemangel und die damit verbundene Frage, wie vor allem junge Menschen für die Baubranche begeistert werden können, standen mit im Mittelpunkt des 48. VDBUM-Seminars Mitte Februar in Willingen, das mit rund 1 200 Teilnehmern wieder sehr gut besucht war. Unter dem Motto »Innovation durch Motivation« wurde diese Thematik intensiv diskutiert, vor allem auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung in der Branche. Für diese forderte Peter Guttenberger als Präsident des Verbandes der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) in seiner Eröffnungsrede »integrative Ansätze statt Insellösungen«. Nicht jeder Baumaschinenhersteller dürfe »sein eigenes Süppchen kochen«. Vielmehr sei ein »kooperatives Miteinander« gefragt, Eigeninteressen müssten zurückgestellt werden. Peter Guttenberger: »Den integrierten Lösungen, die den gesamten Prozess abbilden, gehört die Zukunft.«

Von Michael Wulf

Dass diese beiden Themen – Digitalisierung und Fachkräftemangel – derzeit zu den größten Herausforderungen in der Bau- und Baumaschinenbranche gehören, wurde vor allem bei der VDBUM-Podiumsdiskussion, aber auch bei den gut 50 Fachvorträgen sowie bei den Gesprächen in der Fachausstellung immer wieder ­deutlich. So waren sich die Diskutanten auf dem mit Michael Heidemann (Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung bei Zeppelin), Thomas Bauer (Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer AG) und Michael Ziegler (Director Human Resources bei Total) hochkarätig besetzten VDBUM-Podium einig, dass Innovation eine absolute Notwendigkeit sei und dabei die digitale Transformation in den Unternehmen in Zukunft eine wichtige Rolle spiele.

»Kein Sprint, sondern ein Marathon«

So bedürfe es einer Innovationskultur im Unternehmen, die es gestatte, Fehler zu machen und daraus zu lernen. »Man muss neuen Ideen eine Chance geben und auch Fehlschläge in Kauf nehmen«, sagte beispielsweise Thomas Bauer, und Michael Ziegler ergänzte mit Blick auf das eigene Unternehmen: »Digitalisierung ist ein langwieriger Prozess, also kein Sprint, sondern ein Marathon.« Als eine »zentrale Herausforderung der Zukunft« bezeichnete Michael Heidemann den Fachkräftemangel. Dieses Problem zu lösen, dabei könnten neue Technologien helfen, aber auch moderne und komfortablere Maschinen mit Assistenzsystemen. Damit könnten Arbeiten signifikant erleichtert oder mangelnde Erfahrung beim Bediener ausgeglichen werden.

»Für das Berufsfeld Bau begeistern«

Für enorm wichtig erachtet es Michael Heidemann zudem, »junge Menschen wieder für das Berufsfeld Bau zu begeistern, denn in den vergangenen Jahren ist unsere Branche etwas herunter geredet worden«. Ein wichtiger Faktor, wie das Interesse für die Branche geweckt werden könne, sei neben den neuen Technologien aber auch eine gute Atmosphäre am Arbeitsplatz.

Dass sich die Ansprüche junger Arbeitnehmer grundlegend gewandelt hätten, darauf verwies der Bauunternehmer Friedrich Duensing. So spiele die Bezahlung heute nicht mehr die entscheidende Rolle, lautet eine seiner Erfahrungen. Vielmehr legten die jungen Arbeitnehmer vermehrt großen Wert darauf, dass das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit ein ausgewogenes sein müsse. Als Vertreter dieser jungen Arbeitnehmergeneration plädierte Jakob Mertens in der Diskussion dafür, dass wieder mehr junge Menschen in die Ausbildung gehen sollten.


Vier Preisträger in drei Kategorien

Mit einer der Höhepunkte des Branchentreffs in Willingen war die Verleihung des mit jeweils 2 500 Euro dotierten »VDBUM-Förderpreises« in den drei Kategorien »Innovationen aus der Praxis«, »Entwicklungen aus der Industrie« und »Projekte aus Hochschulen und Universitäten«. Bei dieser inzwischen siebten Auflage gab es erneut mehr als 30 Einreichungen, 26 davon wurden für die Bewertung zugelassen. Eine Besonderheit in diesem Jahr war, dass in der Kategorie »Entwicklungen aus der Industrie« aufgrund exakt gleicher Punktezahl zwei ­Einreichungen ausgezeichnet wurden.

Die »VDBUM-Preisträger 2019« sind die Firmen Ernst Wagener Hydraulikteile mit dem GRIFAsoftstep, Bergmann Maschinenbau mit der 2-Wege-Einbaumaschine 4035 mit Dyn-Control, das Unternehmen Naturspeicher GmbH mit dem PiPECrawler sowie das Teilinstitut Mobima des KIT Karlsruher Institut für Technologie für die Entwicklung eines Carbon Capture Storage (CCS) für Baumaschinen (siehe auch Kasten auf Seite 378).     ß

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