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Liebherr: Erstmals mehr als zehn Milliarden Umsatz

Die Firmengruppe Liebherr wird in diesem Jahr – nach dem Rekordumsatz in Höhe von 9,845 Mrd. Euro im Jahr 2017 – zum ersten Mal in ihrer Firmengeschichte die Umsatzmarke von 10 Mrd. Euro überschreiten und aller Voraussicht nach einen Umsatz von 10,604 Mrd. Euro erzielen.

Von Michael Wulf

Das hat Kristian Koch als Geschäftsführer der Liebherr-International Deutschland GmbH (Biberach/Riß) und Leiter des Bereichs Communication & Brand Management der Firmengruppe im Rahmen der Informationsfahrt für die internationale Baufachpresse im kanadischen Burlington bekannt gegeben. »Wir gehen dabei von einer Verbesserung in allen Produktbereichen aus, wobei das größte Wachstum in den Sparten Mining, Fahrzeugkrane und Erdbewegung erreicht wird«, sagte er. Außerdem wurden in der Kanada-Zentrale von Liebherr mit dem R 922 und dem R 924 die ersten beiden Modelle der komplett neu konzipierten Raupenbagger-Reihe der Generation »8« vorgestellt, die ihre Premiere im kommenden April auf der Bauma in München feiern wird (siehe auch Seite 72). Darüber hinaus kündigte Tim Petersen, Geschäftsführer der Liebherr-Canada Ltd. an, dass man als Vertriebsgesellschaft alle Liebherr-Produkte in Kanada den Umsatz bis zum Jahr 2023 auf umgerechnet rund 335 Mio. Euro erhöhen wolle (siehe Seite 18) – vor allem auch aufgrund designifikanten Wachstums in den Bereichen Mining und Bauwirtschaft.

Nach den von Kristian Koch präsentierten Zahlen hat das weltweit tätige Familienunternehmen im ersten Halbjahr 2018 einen Umsatz von nahezu 5,1 Mrd. Euro erzielt, was im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres einer Steigerung von 6,3 % entspricht, als 4,8 Mrd. Euro erwirtschaftet wurde. »Bisher haben wir in diesem Jahr in den meisten Regionen ein Wachstum verzeichnet, das allerdings in den einzelnen Regionen unterschiedlich stark ausfiel«, sagte Kristian Koch.

So habe es in Fernost und Australien (+ 18,1 %) sowie in Amerika (+ 14,9 %) »ein bedeutendes Wachstum« gegeben, während die Zuwächse im Nahen und Mittleren Osten (+ 8,4 %), in Westeuropa (+ 5,9 %) und in Afrika (+ 1,1 %) »moderat« ausgefallen seien. Zurückgegangen ist hingegen der Umsatz in Osteuropa (– 17,6 %). Der mit Abstand größte Markt für Liebherr ist nach wie vor Westeuropa, in dem die Firmengruppe in den ersten sechs Monaten diese einen Umsatz von insgesamt 2,824 Mrd. Euro erwirtschafte, gefolgt von Amerika (826 Mio. Euro) und Fernost/Australien (736 Mio. Euro).

Traditionell war dabei der Bereich Baumaschinen und Mining mit einem Umsatz von insgesamt 3,314 Mrd. Euro – was einem Plus von 8,7 % im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres entspricht – die stärkste Geschäftseinheit. Den höchsten Umsatz erzielten dort die Sparten Erdbewegung mit 1,296 Mrd. Euro (+ 10 %) und Mobilkrane mit 1,175 Mrd. Euro (+ 4,1 %). Die größte Umsatzsteigerung gab es in der Sparte Mining mit einem Plus von 25,9 % auf 477 Mio. Euro.


834 Millionen Euro an Investitionen geplant

»Um künftiges Wachstum sicherzustellen, investieren wir auch weiterhin nachhaltig in unsere internationalen Fertigungsstätten und in unser Vertriebs- und Servicenetz«, erklärte Kristian Koch. »In diesem Jahr betragen unsere Investitionen insgesamt 834 Mio. Euro, was einer Investitionsquote von 7,2 % entspricht. Rückblickend auf die vergangenen vier Jahre beläuft sich das Investitionsvolumen der Firmengruppe Liebherr auf mehr als drei Milliarden Euro.«

Auch die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde weiter steigen, so Kristian Koch. »Bis Ende 2018 werden über wir 3 000 neue Beschäftigte eingestellt haben, sodass die Firmengruppe Liebherr künftig rund 47 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat.«

Neues Logistikzentrum und Komponentenwerk

Als Beispiel für die kontinuierlichen Investitionen in Produkte und Standort stellte Kristian Koch einige in diesem Jahr begonnene bzw. realisierte Projekte vor, zwei der wichtigsten davon in Kirchdorf an der Iller. Dort ist die Firmengruppe 1949 von Hans Liebherr gegründet worden, werden heute von der Liebherr-Hydraulikbagger GmbH vornehmlich Mobilbagger mit einem Einsatzgewicht von 10 t bis 24 t sowie Materialumschlagmaschinen mit einem Einsatzgewicht von 20 t bis 220 t produziert. So habe dort im Juni die erste Bauphase des Logistikzentrums für die Produktion begonnen. Insgesamt investiere Liebherr rund 35 Mio. Euro in das Projekt, das Ende 2020 fertiggestellt sein soll.

Im nur wenige Kilometer entfernten Kirchdorfer Teilort Oberopfingen habe zudem die Liebherr-Components Kirchdorf GmbH eine neue Produktionsstätte für die Montage von Hydraulikzylindern eröffnet. »Mit dem neuen Standort verdoppelt Liebherr seine Produktionsfläche für Hydraulikzylinder, Dämpfer und Systemlösungen und treibt so das Wachstum im Bereich Hydraulikzylinder voran«, betonte Kristian Koch.

Um die hohen Qualitätsstandards zu erfüllen und Schlüsselkompetenzen im Haus zu halten, habe Liebherr in seinem Fertigungskonzept immer auf eine hohe Fertigungstiefe gesetzt. »Mit der eigenen Komponentenfertigung decken wir die kompletten Antriebs- und Steuerungssysteme für die Baumaschinen der Firmengruppe sowie für andere Einsatzarten ab.«

Neue USA-Zentrale für 45 Millionen Euro

Aber nicht nur in Deutschland, sondern weltweit verfolge die Firmengruppe Liebherr langfristige Ziele und investiere kontinuierlich in die Standorte, so Kristian Koch weiter. Mit Investitionen in Höhe von insgesamt 45 Mio. Euro werde man in Newport News im Bundesstaat Virginia, wo Liebherr USA seit 1970 Großmuldenkipper für die internationale Bergbau-Industrie entwickelt und produziert, eine neue Zentrale mit drei Gebäudekomplexen bauen. »Damit schlagen wir ein neues Kapitel für Liebherr in den USA auf«, sagte Kristian Koch. »Diese neue Zentrale ist für die weitere Entwicklung von Liebherr auf dem amerikanischen Kontinent von großer Bedeutung.«

Abschließend verwies Kristian Koch noch einmal auf die Philosophie der Firmengruppe Liebherr, die sich durch ihren »langfristigen Ansatz« von vielen anderen Unternehmen unterscheide. »Als unabhängiges und familiengeführtes Unternehmen, in dem die zweite und dritte Generation gemeinsam im Management tätig ist, streben wir nach einem hohen Maß an Freiheit in all unseren Entscheidungen und Handlungen.« Die Grundlage dafür sei die finanzielle Unabhängigkeit. »Die erreichen wir durch solide Geschäftsmethoden, die Reinvestition der Gewinne innerhalb der Firmengruppe und natürlich durch die kontinuierliche Unterstützung unserer Familiengesellschafter.«

»Stellen unsere Innovationskraft sicher«

Diese starke finanzielle Basis und die diversifizierte Aufstellung der Firmengruppe, erlaubten es, kontinuierlich in Forschung und Entwicklung, in Schlüsseltechnologien und in Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren. »Dadurch stellen wir unsere Innovationskraft sicher, die wir benötigen, um einen Wettbewerbsvorteil in allen unseren Branchen zu behalten«, sagte Kristian Koch. »Unser Erfolg 2017 und im ersten Halbjahr dieses Jahres zeigt, dass unser Unternehmen für die Zukunft auf einem stabilen Kurs unterwegs ist.«    ß

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