Liebherr-Hydraulikbagger GmbH Die digitalisierte Baustelle

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Liebherr-Hydraulikbagger

Eine Pressefahrt, zwei Standorte und eine wahre Flut an innovativer Technologie. Anlässlich seiner traditionellen Pressefahrt, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feierte, hat Liebherr die internationale Fachpresse nach Ulm in das Liebherr-Digital Development Center (LDC) sowie nach Bad Schussenried ins Liebherr Mischtechnik-Werk geladen, um zwei Dinge in den Mittelpunkt zu stellen – Digitalisierung und neue Antriebstechnologie. Das bauMAGAZIN hat sich mit beiden Welten auseinandergesetzt und stellt fest: Statt blindlings eine prunkvolle Riege an Weltneuheiten aus dem Hut zu zaubern, hat Liebherr sich auf Tatsachen fokussiert und kommt dabei mit einer erstaunlich anwendernahen Entwicklungsarbeit um die Ecke. Viele der digitalen Tools wirken maßgeschneidert, während die Nutzung alternativer Antriebstechnik klug weitergedacht ist.

Das Liebherr-Digital Development Center in Ulm – eine Ideenschmiede, die nicht nur mit-, sondern eben auch weiterdenken möchte. Zehren kann Liebherr hier insbesondere von den Erfahrungswerten seiner Software-Experten und -manager, die ihre Fähigkeiten laut Heinz Klemm, Head of global eDevelopment im LDC, seit mitunter 25 Jahren mit einbringen. »Das LDC ist ein Ort, der digitale Tools entwickelt, um das Arbeiten mit unseren Maschinen zu verbessern, sie smarter zu machen und weit effizienter zu gestalten.« Und genau dafür hatte ­Liebherr in Ulm zahlreiche Beispiele im Gepäck, die nachfolgend noch einmal im Detail dargestellt werden. Grundsätzlich verfolgt ­Liebherr die Strategie, die Digitalisierung als Schlüssel zur künftigen Baustelle zu betrachten. Zum einen sollen die Tools die Effizienz ganzer Prozesse steigern, zum anderen, so Heinz Klemm weiter, eröffne »neue Informationstechnologie samt digitaler Vernetzung die Möglichkeit, Maschinen und Services kontinuierlich weiterzuentwickeln, um kundenzentrierte Lösungen zu schaffen«. Oder wie Mark Figel, Geschäftsführer Vertrieb bei Liebherr-Mischtechnik, hinzufügte: »Liebherr hat das Ziel, mit seinen digitalen Lösungen einen messbaren Mehrwert zu schaffen, der beim Anwender ebenso ankommt wie im Büro des Bauunternehmers.« Gelingen soll das durch vernetzte Plattformen, die eine herstellerübergreifende Integration in die Systeme der Kunden erlauben und damit ganzheitlich gedacht sind.

Kompakt gebündelte Vielfalt

Um einen ganzheitlich gedachten Ansatz bei digitalen Lösungen umsetzen zu können, bedarf es in erster Linie einer starken Basis. Geschafft hat das die Unternehmensgruppe mit MyLiebherr: Das Portal macht alle digitalen Services und Produkte für den Anwender zugänglich und umfasst eine Vielzahl an Anwendungen. Gleichwohl ­bietet MyLiebherr aber auch Trainings für Fachkräfte, diverse Telematik-Lösungen sowie Site-Monitorings und integrierte Funktionalitäten für aktuelle Maschineninformationen.

MyJobsite: Die digitale Lösung wurde gezielt für den Spezialtiefbau konzipiert und ermöglicht, relevante Prozess-, Maschinen-, Baustellen- sowie Positionsdaten zu erfassen.

Den richtigen Kran finden

Gerade im Kran-Bereich stellte Liebherr eine interessante Bandbreite an digitalen Tools vor – dazu zählten das Tower Crane Portal und der Crane Finder: Letzterer hilft dabei, das exakt für den jeweiligen Einsatz benötigte Kranmodell ausfindig zu machen. Angefüttert mit allen relevanten Daten zur Last, der benötigten Höhe sowie der ­Ausladung, zeigt der Finder alle empfohlenen Krane auf. Auf diese Weise, so Liebherr, kann der Kranfahrer direkt auf der Baustelle alle relevanten Informationen für den anstehenden Hub abrufen. Verfügbar ist die Anwendung für Mobil- und Raupen­krane. Interessant ist in diesem Zusammenhang ist außerdem die 3D-Software Crane Planner 2.0 für die Kraneinsatzplanung. Jeder, der einen Schwerlasthub oder vermeintlich einfache Hebearbeiten mit Mobil- und Raupen­kranen planen muss, weiß, dass sich das als anspruchsvolle Aufgabe erweist. Der Crane Planner soll den Anwender dabei unterstützen, alle Arbeitsschritte und Eventualitäten zu berücksichtigen. Genutzt wird hierfür eine Kombination aus einer 3D-­­Benutzeroberfläche und den exakten Maschinendaten der Lastmomentbegrenzung. Die im Tool angezeigten Daten, so Liebherr, werden dabei von exakt der identischen Berechnungslogik ermittelt wie die Livedaten der real eingesetzten Krane. Ermitteln lassen sich gleichzeitig wichtige Daten zum Bodendruck, zur Stützkraft oder den Traglasten und jeweiligen Schwerpunkten. Ein weiterer Clou: Ändern sich Last, Geometrie oder Konfigurationen, führt das System eine neue Berechnung aus. Last but not least hat ­Liebherr sein überarbeitetes Tower Crane Portal vorgestellt. Übersichtlicher strukturiert und intuitiv bedienbar, soll es die Integration der Maschinendokumentation in die Vertriebs- und Produkt-Informationsdatenbank ermöglichen. Alle Dokumente zur jeweiligen Maschine lassen sich so über nur eine Oberfläche durchsuchen. Enthalten ist zudem eine überarbeitete Kran-Suche mittels Produktname oder Werknummer, um alle Informationen zum Kranmodell zu erhalten.

Heinz Klemm,  Head of global eDevelopment bei Liebherr
»Das LDC ist ein Ort,  der digitale Tools entwickelt, um das Arbeiten mit unseren Maschinen zu verbessern sowie smarter und  effizienter zu gestalten.« 

MyGuide for Earthmoving

Vorgestellt wurde in Ulm außerdem eine neue App für Erdbewegungs- und Materialumschlagmaschinen – die MyGuide for Earthmoving. Sie soll alle wichtigen Informationen und Neuigkeiten aus beiden Maschinensegmenten im Newsbereich zur Verfügung stellen. Der Maschinist, Branchenfan oder Entscheider erfährt damit alles Wissenswerte über neue Maschinen und deren Ausstattungsmöglichkeiten und erhält Einblick in detaillierte Einsatzberichte. Der Anwender verfügt darüber hinaus über ein eigenes Dashboard, in welchem alle zuletzt aufgerufenen Inhalte einsehbar sind. Ebenso lässt sich mit dem integrierten Earthmoving Configurator über die MyGuideApp eine individuelle Wunschmaschine zusammenstellen.

Mobile Stromversorgung

Eine Liebherr-Entwicklung, die sowohl mit einem digitalen Helfer als auch alternativer Antriebstechnologie einhergeht, ist der Liduro Power Port (LPO). Bestehend aus einem mobilen Stromversorger und einer zugehörigen ­Überwachungs-App, lässt sich das System künftig als integrierte oder autarke Stromquelle für Elektrofahrzeuge und Maschinen am Bau nutzen – und das mit begrenzter oder gar keiner Netzversorgung. Am Standort in Bad Schussenried hatte Liebherr das Modell LPO 80 vorgestellt. Die Leistung soll bei bis zu 130 kW liegen – die Variante LPO 100 kommt sogar auf 160 kW. Beim Liduro Power Port Monitoring handelt es sich wiederum um eine intelligente Überwachungseinheit, die mittels App bedient wird. Damit lassen sich Steuerfunktionen verwalten und Status, Standort sowie Zustand überprüfen. Abrufbar sind dabei die verbleibende Leistungszeit, die berechnete Ladezeit, die Ladeleistung sowie Batteriestand und Temperatur. Die LPO-App liefert allerdings auch alle notwendigen Verbrauchsdaten und kann Hinweise zumAkkustand, der Leistungsabgabe und -aufnahme geben.

Im Kran-Segment bietet Liebherr eine große Bandbreite an digitaler Unterstützung auf, etwa das TowerCrane Portal, den Crane Planner 2.0 sowie den Crane Finder, der bei der Wahl des richtigen Kranmodells behilflich ist.

Baustelle 4.0: MyJobsite

Viel Aufmerksamkeit erhält Liebherr derweil aber auch für MyJobsite: Die digitale Lösung wurde gezielt für den Spezialtiefbau konzipiert und ermöglicht, relevante Prozess-, Maschinen-, Baustellen- sowie Positionsdaten zu erfassen. Gleichzeitig kann die Anwendung diese Daten darstellen, analysieren, verwalten und bei Bedarf auswerten. Abrufbar sind diese Informationen über einen Webbrowser. Möglich machen soll MyJobsite beispielsweise die normgerechte Berichterstellung nach DIN 1536, die für die »Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau im Bereich Bohrpfähle« steht. Sparen soll die Anwendung vor allem aber Zeit: Durch die Verwendung von Vorlagen und der Tatsache, dass alle relevanten Baustellenkennzahlen einsehbar sind, wird unnötige Zusatzarbeit vermieden. Erstellen lässt sich über MyJobsite allerdings auch das Baustellentagebuch mittels Ereigniseingabe, durch aktive Benachrichtigungen sind alle Teilnehmer zudem immer auf dem aktuellsten Stand. Kurzum: Abrufbare Planungs- und Livedaten, ein übersichtliches Dash­board sowie die Arbeitsprozessansicht und das integrierte Baustellentagebuch machen ­MyJobsite durchaus zu einem umfassenden Helfer im Spezialtiefbau – abhängig ist das natürlich, wie bei allen aktuell am Markt vertretenen digitalen Lösungen auch, vom Nutzungsverhalten des Anwenders. Der Mehrwert einer solchen Digitalunterstützung dürfte hier allerdings außer Frage stehen, da MyJobsite die Möglichkeit bietet, jede Baustelle fortlaufend im digitalen Blick zu behalten, was zweifellos viel Aufwand, Zeit und damit auch Kosten spart.

Vom Container aus bedienen

Etwas, das bereits auf der Bauma 2022 für Aufsehen gesorgt hatte, war Liebherr Remote Control, kurz LiReCon: Damit lassen sich beispielsweise schwere Planierraupen oder auch ein Kran bequem vom Baustellencontainer aus bedienen. Der Grund: Gerade beim Umgang mit tonnenschwerem Gerät in gefährlichem oder schwer zugänglichem Terrain kann LiReCon idealen Schutz für den Bediener bieten. Gleichzeitig ist der Anwender nicht den typisch hohen Vibrationen und der Lautstärke einer Planierraupe ausgesetzt. Bei der Nutzung von LiReCon für Krane kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Der Kranfahrer muss nicht mehr mühselig in die Krankabine klettern. Interessant ist der Einsatz einer solchen Bedieneinheit bei Kranen aber auch deshalb, weil das Arbeiten dadurch völlig neu gedacht werden kann. Durch die Steuerung des Turmdrehkrans vom Boden aus ist ein direkter Kontakt zwischen Polier und Kranfahrer möglich. Gleichzeitig könnte LiReCon künftig dazu führen, dass Krane auch von jenen bedient werden, die die Anforderungen der Höhentauglichkeit oder körperlichen Fitness nicht erfüllen. In Zeiten des Personalmangels kann ein solches System gewaltige Vorteile mit sich bringen.

Auch in der Sparte der Mobilkranlösungen setzt Liebherr auf digitale Unterstützung,  die das Arbeiten übersichtlicher, sicherer und vor allem effizienter gestalten soll.

Keine Schnellschüsse riskieren

Zur Wahrheit gehört bei all den aktuell vorgestellten digitalen Helfern aber auch, dass wirklich innovative Ideen nicht gerade an der nächsten Straßenecke lauern. Auch ein Schwergewicht wie Liebherr muss neue Denkansätze und Technologien erst einmal finden. Um das »Aufspüren« zu verbessern, setzt Liebherr eigenen Angaben zufolge »auf eine neue Innovationslogik«: Ein Open-Innovation Team soll bereichsübergreifende interne und externe Innovationspotenziale prüfen, während Kooperationen mit Start-ups und Hochschulen ausgeweitet werden. Auf diese Weise soll ein innovatives Ökosystem entstehen, das über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg denkt. Unterstützt wird das Ganze allerdings auch digital: Mit dem Trend Radar lassen sich laut Liebherr »strategisch relevante Technologiefelder ausmachen, Forschungsprojekte aufsetzen oder eine zukunftssichere Lösungsarchitektur erarbeiten«. Unabhängig davon, wie das »Suchen und Finden« in Zukunft gelingt, möchte Liebherr aber an einer alten Tradition festhalten und bewusst auf »Schnellschüsse« verzichten. Wie etwa bei der Entwicklung neuer Baumaschinen ist Liebherr seit jeher dafür bekannt, sich aus gutem Grund genügend Zeit zu lassen: »Die Digitalisierung«, so Heinz Klemm, »wird bei Liebherr langfristig gedacht. Neue Technologien müssen eine digitale Reife mit sich bringen, ehe wir sie auf den Markt bringen.« Gleichzeitig müsse ­Liebherr bei allen Entwicklungen immer auch den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Daten sowie die notwendige Cybersicherheit gewährleisten.

Mark Fligel,  Geschäftsführer Vertrieb  bei Liebherr-Mischtechnik
»Das erklärte Ziel ist es, mit unseren digitalen Lösungen einen messbaren Mehrwert für den Anwender zu schaffen.« 

Schweres Gerät aufgefahren

Nachdem Liebherr am ersten Tag der Pressefahrt alle relevanten digitalen Tools im LDC in Ulm vorgestellt hatte, drehte sich am Folgetag alles um alternative Antriebstechnik: Auf einer Freifläche am Liebherr-Mischtechnik-Werk in Bad ­Schussenried fuhr die Unternehmensgruppe elektrisch betriebene Radlader, Bagger und Mobilkrane sowie neue Betonmischanlagen auf, um zu zeigen, wie sich Liebherr eine emissionsfreie Baustelle in Zukunft vorstellen kann. Den Anfang machten hierbei der MK 88-4.1 sowie der Kompaktkran LTS 1050-3.1. Letzterer kann die Fahreigenschaften eines klassischen All-Terrain-Krans aufbieten. Er ist mit einer Fahrzeugbreite von gerade einmal 2,55 m ziemlich kompakt aufgebaut und lässt sich auch auf engem Raum gut einsetzen. Dazu nutzt er unter anderem die VarioBase-Abstützung mit unterschiedlich ausfahrbaren Schiebholmen, weshalb auch beengte Einsatzverhältnisse kein Hindernis darstellen dürften. Ebenso sorgt die integrierte Liftkabine für gute Rundumsicht – verfahren lässt sich der Kran ­allerdings auch von außen mittels RemoteDrive-Funkfernsteuerung. Der Kompaktkran wurde überdies mit einem Elektromotor ausgestattet, wodurch sich Kranbewegungen optional mit Strom ausführen lassen. Der kompakte 50-Tonner soll damit die Voraussetzungen für den Betrieb auf Zero-Emission-Baustellen erfüllen. Zu beachten gilt aber: Bei einer ausreichenden Stromversorgung ist die Leistung im Elektrobetrieb durchaus vergleichbar mit der Leistung des Verbrenner-Pendants. Ist die Stromversorgung allerdings reduziert, verringert sich auch die Leistung des Krans entsprechend. Die maximale Traglast liegt bei 50 t, die Hubhöhe bei 38 m und die maximale Ausladung bei rund 39 m. Der ebenfalls vorgestellte MK 88-4.1 repräsentierte hingegen die 48-t-Klasse mit hybridem Antriebskonzept. Nutzen lässt sich der Mobilbaukran mittels HVO – einsetzen lässt er sich bei Kranarbeiten dann außerdem elektrisch oder mittels Dieselantrieb. Die maximale Tragfähigkeit liegt bei 8 t, während die Hakenhöhe 30 m beträgt.

E-Radlader und -Mobilbagger

Genauer unter die Lupe genommen wurde im Übrigen auch der L507 E und damit der erste batterie­elektrische Radlader aus dem Hause ­Liebherr, der »besonders leise, lokal und emissionsfrei bei gewohnt hoher Arbeitseffizienz« auf Baustellen unterwegs ist. Aufgrund der bekannten Stereolenkung weist die Maschine einen extrem geringen Wenderadius auf. Zudem gilt der L507 E zu Recht als flexibler Allrounder, da er viele verschiedene Einsatzgebiete abdeckt. Der Radlader der 8. Generation siedelt sich im 6-t-Segment an und kommt auf eine geknickte Kipplast von bis zu 3,7 t bei einem Schaufelvolumen von 1,6 m3. Gezeigt wurde ebenso der Mobilbagger A 916 E mit batterieelektrischem Antrieb, der seinem Dieselpendant im Bereich der Leistungsdaten ebenbürtig sein soll. Die Maschine bewegt sich in der 18-t-Klasse und gilt als echtes Kraftpaket, das enorme Produktivität mit Kompaktheit verbinden soll. Im Inneren verbirgt sich eine Batterie mit 130 kWh Leistung. Drei in Serie geschaltete Batterien mit einer Gesamtleistung von weiteren 130 kWh sind rechts am Oberwagen verbaut worden. Je nach Einsatzort, so der Hersteller, lasse sich der A 916 E bis zu neun Stunden in Betrieb nehmen. Wie für Mobilbagger üblich, besticht auch der A 916 E mit hoher Flexibilität und Geschwindigkeit. Erhältlich ist die Maschine bislang laut Liebherr in ausgewählten europäischen Ländern und hat sich bereits bei ersten Kundeneinsätzen bewähren können.

Neues im Betonsegment

Fehlen durften in Bad Schussenried zweifelsohne auch nicht die elektrischen Fahrmischer sowie die neue Generation an Betonmischanlagen. Hierfür hatte Liebherr beispielsweise die ETM-Fahrmischer-Baureihe vorgestellt. Als hybride Version zeigte sich mit dem ETM eine Maschine, die mit konventionellem Dieselfahrgestellen kombiniert werden kann. Die Fahrt zur Baustelle erfolgt demnach per Dieselantrieb, während das Warten mit drehender Trommel, das Aufmischen oder das Abladen elektrisch erfolgen kann. Gespeist wird der elektrische Trommelantrieb hierbei von einer Batterie – das Nachladen, so die Liebherr-Logik, erfolgt dann in der Regel während der Hin- und Rückfahrt. Das Laden an einer Ladesäule soll bei typischen Liefertouren nicht notwendig sein. Eine Besonderheit: Die ETM-Fahrmischer-Baureihe kann auch auf vollelektrischen Fahrgestellen realisiert werden. Hierbei wird der elektrische Trommelantrieb von der Chassis-Traktionsbatterie mit Energie versorgt. Eine Variante mit Gas-Zugmaschine wurde laut Liebherr ebenfalls realisiert. Im Bereich der Betonmischanlagen konnte ­Liebherr genauso aus dem Vollen schöpfen: Immerhin hat die Unternehmensgruppe in diesem Segment weit mehr als 60 Jahre Branchen­erfahrung vorzuweisen. Die neuen Mischanlagen-Serien Betomix und Mobilmix lassen sich komplett aus einem modularen Baukasten generieren. Das soll Lieferzeiten verringern, mehr Konfigurationsmöglichkeiten bieten und eine schnellere Montage gewährleisten. Laut Aussage von ­Liebherr benötigt die neue Anlagengeneration bis zu 30 % weniger Energie als deren Vorgänger. Erreichen lasse sich das durch Frequenzumrichter für die Antriebe an Mischer und Beschicker-Aufzug – ebenso ließen sich Stromspitzen vermeiden. Darüber hinaus hat Liebherr viel Wert auf einen geringeren Verschleiß gelegt: Die Mechanik soll durch einen sanfteren Anlauf und behutsameres Stoppen der Antriebe stärker geschont werden. Zusätzlich könne die Drehzahl des Doppelwellenmischers aufgrund des Frequenzumrichters während des Mischprozesses verändert und der benötigten Betonrezeptur angepasst werden. Große Aufmerksamkeit erhält hierbei aber auch der Zement selbst: Die Umrichter erlauben laut Liebherr bei der Dosierung von Zement eine Genauigkeit von +/- 0,5 %. Bei einer typischen Rezeptur mit 300 kg Zement könnte das bis zu 7,5 kg pro 1 m3 Beton einsparen. Bei einer jährlichen Ausstoßleistung von 50 000 m³ Beton entspricht das immerhin der Einsparung von 375 t Zement pro Jahr. Oder anders gesagt: Die neue Mischanlagengeneration von Liebherr spart bei dieser Rechnung bis zu 220 t CO₂ pro Jahr, was auch unter Branchenkennern als beachtlicher Beitrag zu stärkerem Umweltschutz gilt.


Kompakter Wasserstoffmotor

Last but not least hat Liebherr die Veranstaltung in Bad Schussenried genutzt, um auf seinen H966 und damit auf einen 6-Zylinder-Wasserstoffmotor mit 13,5 l Hubraum aufmerksam zu machen. Und dieses Projekt nimmt immer mehr Gestaltung an: Liebherr hatte den H966 bereits im vergangenen Jahr in der ersten Maschine verbaut, dem Kettenbagger R9XX H2. Das Modell der 8. Generation soll die identische Gesamtleistung aufbieten wie eine Version mit Dieselmotor – und das laut Liebherr sowohl bezüglich der angegebenen Leistung als auch der Motordynamik und des Ansprechverhaltens des Motors. Dieser ist im Übrigen mit Saugrohreinspritztechnologie (PFI) ausgestattet, was bei einem Druck von unter 20 bar direkt im Ansaugsystem erfolgt. Laut Liebherr ist die Leistungsdichte aufgrund der Luftverdrängung rund 20 bis 30 % niedriger als bei einem vergleichbaren Dieselmotor. Ebenso interessant: Saugrohrinjektoren kommen unter weniger anspruchsvollen Betriebsbedingungen zum Einsatz, sodass eine leichtere Bauweise ausreicht.

Die Bauzukunft: ein Fazit

Alles in allem hat Liebherr ein kraftvolles Bild von der Baustelle der Zukunft gezeichnet. Die digitalen Tools wirken ausgereift und weisen, wie eingangs erwähnt, eine anwendernahe Handschrift auf. Und das ist auch bei einem Baumaschinen-Giganten wie Liebherr nicht als selbstverständlich zu betrachten. Zweifelsohne fällt es leicht zu behaupten, eine solche Innovationsflut sei vom Marktführer zahlreicher Segmente schlichtweg erwartbar. Das Gegenteil ist der Fall: Die vergangenen Jahre haben durchaus gezeigt, dass große Namen allein nicht ausreichen, um Großes hervorbringen. Liebherr ist das, objektiv betrachtet, tatsächlich gelungen. Die digitalen Unterstützer wirken schlüssig sowie durchdacht und haben den Vorteil, die Lücke zwischen Anwender und Maschine zu schließen. Und gerade weil Hauptkomponenten wie MyLiebherr als Bindeglied funktionieren, wirkt der »Traum von der digitalisierten Baustelle« ein Stück weit glaubwürdiger. Denn, und auch das gehört zur Wahrheit, mit dem Endnutzer ist das so eine Sache: Die
Baubranche ist nicht unbedingt für große Begeisterungsstürme bekannt, wenn es um Veränderungen geht. Und die Digitalisierung bzw. die digitale Unterstützung ganzer Arbeitsprozesse stellt eine sogar ziemlich große Veränderung dar. Umso wichtiger ist es, und das scheint Liebherr an dieser Stelle ernst genug genommen zu haben, dass der tatsächliche Profi am Bau auch wirklich »mitgenommen« wird.d

Unternehmen

Seit 1954 entsteht am Standort Bad Schussenried bei der Liebherr-Mischtechnik GmbH ­vielfältige Betontechnik. Aktuell sind rund 830 Mitarbeiter dort beschäftigt – nutzen kann ­Liebherr hier eine Gesamtfläche von 261 500 m2, rund 68 700 m2 davon sind überbaute Fläche. Seit 1967 entstehen am Standort Bad Schussenried auch Fahrmischer für den Betontransport. 2005 wurde die Fahrmischerproduktion auf eine hochmoderne Fließfertigung umgestellt. Die neuen Anlagen erlauben noch höhere Qualitätsstandards bei jährlichen Stückzahlen von bis zu 4 500. Die Liebherr-Mischtechnik GmbH fertigt in Bad Schussenried ein breites Programm von mobilen und stationären Betonmischanlagen. Darüber hinaus fungiert sie als eine der elf Spartenobergesellschaften der Firmengruppe Liebherr und koordiniert alle Aktivitäten im Bereich Betontechnik. Hochwertige Betonsorten herzustellen, zu transportieren und auf der Baustelle einzubringen erfordert innovative Maschinen mit besonders verschleißfester Technik. Das umfangreiche Programm für Betonmischanlagen der Liebherr-Mischtechnik GmbH wird den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht. Die Bandbreite reicht von der kompakten Mobilanlage bis hin zur leistungsstarken Mischanlage für Massenbeton mit bis zu 10 000 m³ Ausstoßleistung pro Tag. Seit 2019 werden am Standort Bad Schussenried Betonpumpen hergestellt. Liebherr ist somit Komplettanbieter in diesem Bereich. Die neuen Produktionsanlagen erlauben höchste Qualitätsstandards.

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