Ein strahlend schöner Sommermorgen im Chiemgau. Garten- und Landschaftsbauer Thomas Dolinski sitzt am Schreibtisch mit einem Glas Wasser. Für Kaffee ist es schon um neun Uhr zu heiß an diesem nicht ganz normalen Arbeitstag. Wo sonst vier Personen konzentriert arbeiten, herrscht jetzt munteres Treiben: Video-Interview zum Thema Digitalisierung um neun Uhr im Büro, anschließend Baustellenbegehung in Rosenheim mit Fotoshooting – so steht es im Kalender des erfolgreichen Familienunternehmers. Doch es kommt anders. Plötzlich brummt Dolinskis Smartphone.
Wenn der Plan nicht zur Realität am Bau passt
Die Kollegen auf der Baustelle in Rosenheim haben ein Problem: Das frisch ausgehobene Loch für das Fundament eines Fahrradständers liegt 20 cm zu weit vom Gebäude entfernt, dessen Außenanlagen Dolinskis Firma derzeit gestaltet. Also muss das Interview warten, die Ursachenforschung beginnt – zunächst am Schreibtisch: Stimmen die Daten des Architektenplans mit dem vor Beginn der Arbeiten erstellten Aufmaß überein? Mit wenigen Mausklicks legt Dolinski am PC mit den beiden großen Bildschirmen Flurplan, Architektenplan und das anhand seiner eigenen Messungen mit der Hard- und Software von Leica Geosystems erstellte Digitale Geländemodell (DGM) übereinander. Hier gibt es keine Abweichungen. Wurde also vielleicht das Gebäude, ein Neubau in Containerbauweise, nicht genau nach Plan errichtet? Oder misst die automatische Maschinensteuerung im Bagger nicht korrekt? Eigentlich müsste der Chef jetzt selbst zur Baustelle, um nachzumessen – mit dem GNSS-Rover-Stab »iCG70«. Zum Glück ist Patrick Schneider von Leica Geosystems ebenfalls vor Ort. Er betreut den Baumaschinenhändler Tradler aus Traunstein, bei dem Dolinski seine Baumaschinen kauft – zuletzt einen 9-t-Bagger von Kubota inklusive digitaler 3D-Maschinensteuerung »MC1 excavator« von Leica. Schneider greift sich den Rover und fährt zur Baustelle.
Nachmessen mit dem Rover schafft Klarheit
Kurz darauf sein Anruf: Der Vergleich von Rover- und Baggerdaten hat ergeben, dass Dolinskis korrekte Plandaten von seinem Baggerführer vor Ort perfekt umgesetzt wurden. Das Haus steht falsch um 20 cm versetzt gegenüber dem Plan. »Das kommt öfter vor, als man meint«, sagt Dolinski. »Und weil der Fahrradständer freisteht, ist es hier auch kein Problem.« Etwas anderes wäre es, wenn die Überdachung des Fahrradständers an das Haus anschließen sollte. So jedoch können die Arbeiten weitergehen, während der Garten- und Landschaftsbauer von seinen Erfahrungen mit der Digitalisierung im Arbeitsalltag berichtet.
Vor den ersten Erdarbeiten erledigen Dolinski und drei Angestellte im Büro bei jedem Projekt eine Fülle administrativer Tätigkeiten. Da sind Anfragen zu prüfen, Aufmaße zu erstellen, Angebote zu kalkulieren, Auftragsbestätigungen zu versenden, Pläne zu verwalten und Material zu bestellen. »Mit dem Auftrag bekommen wir immer einen Plan, den wir sofort digital erfassen«, erklärt Dolinski. Oft sind es gleich mehrere: Flurplan, Architektenplan oder Ausführungspläne anderer Gewerke. Qualität und Nutzen der Zeichnungen sind recht unterschiedlich. Manche sind schlecht lesbar, ungenau oder veraltet. Deshalb hat es sich bewährt, das zu bearbeitende Gelände selbst zu vermessen. Dabei setzt Dolinski auf digitale Technik. »Mit der Totalstation ›iCR70‹ kann ich allein das Urgelände innerhalb kurzer Zeit präzise aufnehmen.« Präzise bedeutet: mit genauen GNSS-Koordinaten- und -Höhenangaben. Diese erlauben eine Berechnung des Volumens von Aushub und Aufschüttungen.