Iveco: Lkw für schwere Offroad-Einsätze vorgestellt

Robust, geländetauglich und besonders belastbar – mit dem T-Way hat Iveco seine Systemfamilie kürzlich weiter ausgebaut. Auf den klassischen Fernverkehrs-Lkw S-Way sowie den X-Way aus der mittelschweren Klasse folgt mit dem T-Way ein Fahrzeug, das für schwere Geländeeinsätze konzipiert wurde und Offroad auf der Baustelle mit hoher Leistungskraft und Wirtschaftlichkeit punkten soll (das bauMAGAZIN berichtete in Heft 6/21, Seite 114). Auf der Iveco-Teststrecke in Maulbronn bei Ulm und im Steinbruch konnte unsere Redaktion einen ersten Blick auf das neue Modell werfen und beobachten, wie sich der T-Way auch unter realen Arbeitsbedingungen abseits der Straße schlägt.

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Konzipiert wurde der neue T-Way für den Einsatz unter Extrembedingungen. Auffällig ist, dass der Offroad-Lkw um bis zu 325 kg leichter ist als das Vorgängermodell Trakker, aber dessen Robustheit des 10 mm starken Leiterrahmens mit einer Verwindungssteifigkeit von 177 kNm übernommen hat. Gleichwohl verdeutlichte Iveco zahlreiche Neuerungen: Im Mittelpunkt der Produktpräsentation standen beispielsweise das neue automatisierte Hi-Tronix-Getriebe mit speziell für Offroad-Einsätze entwickelten Funktionen, Scheibenbremsen an der Hinterachse sowie eine hochbelastbare Hinterradaufhängung für Tandemachsen und Neuerungen am Fahrerhaus.

Unter der Haube des neu konzipierten T-Way arbeitet ein 510 PS starker Iveco-Cursor-13-Motor – er soll die für Traktion und Nebenantrieb (PTO – Power take-off) notwendige Leistung mitbringen und übertrifft damit die Motorisierung des Trakker-Vorgängermodells. Erhältlich ist der T-Way laut Iveco allerdings auch mit einem Cursor-9-Motor. Ausgelegt ist die neue Motorenbaureihe auf die Erfüllung der Abgasnorm Euro VI/E. Die Motoren werden mit den automatisierten 12- und 16-Gang-Hi-Tronix-Getrieben ausgestattet, die nun auch über neue Funktionen speziell für die verbesserte Off­road-Mobilität verfügen sollen. Dazu gehören laut Iveco eine Hill-Holder-Funktion, die das Anfahren an Steigungen erleichtert, ein Rocking-Mode zur Wiederherstellung der Traktion bei rutschigen Bedingungen und ein Creep-Modus für extrem nied­rige Geschwindigkeiten im Standgas. Für die On­road-Abschnitte im Einsatz soll das hauseigene Hi-Cruise-System die Effizienz des Getriebes weiter steigern. Es umfasst laut Harald Moll, Produkt-Manager für Medium & Heavy Trucks bei Iveco, »vorausschauende Schaltvorgänge, einen vorausschauenden Tempomat und eine Eco-Roll-Funktion, die die Trägheit des Fahrzeugs bei Bergabfahrten nutzt.« Zur verbesserten Kraftstoffeffizienz soll der neue Eco-Modus für die Klimaautomatik beitragen, der unnötige Energieaufnahme vermeidet. Ebenso unterstützen dabei aerodynamische Verkleidungen der A-Säulen, die den Luftstrom um das Fahrerhaus weiter verbessern sollen.


Verbesserte Achseigenschaften

Für eine hohe Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit weist die Vorderachse des neuen T-Way eine maximale Achslast von bis zu 9 t auf – der Radaußenantrieb in Form eines Planetengetriebes an der Hinterachse ist standardmäßig verbaut. Die neue Heavy-Duty-Hinterachsaufhängung für Tandemachsen besteht aus einem zentralen Gussteil mit einem integrierten Querträger. »Der V-Längslenker und das zentrale Gummi-Metall-Lager sollen außerdem die Achsführung des T-Way verbessern«, so Harald Moll. Im Vergleich zum Hinterachstandem des Vorgängermodells kommt im neuen System ein synthetisches Öl zum Einsatz, wodurch sich das Wartungsintervall laut Moll auf rund 400 000 km bzw. auf fünf Jahre erhöht. Für eine verbesserte Geländegängigkeit mit einer größeren Bodenfreiheit, einem besseren Böschungswinkel und einem kurzen Rahmenüberhang soll hingegen eine neue Luftfederung sorgen. Diese, so Iveco, habe Stahlkolben, eine stärkere Federaufhängung, ein gewichtsoptimiertes Gusslenkerschwert und neue Befestigungen sowie eine überarbeitete Achsstabilisatoranordnung.

Voll vernetzt und effizient

Zahlreiche neue Funktionen, ein geringeres Leergewicht, neue Telematikfunktionen und digitale Services sollen den T-Way auf weitaus mehr Effizienz und Leistungsfähigkeit trimmen. Vorgestellt hat Iveco zum Beispiel den hydrostatischen Antrieb Hi-Traction für 6x4-Fahrgestelle und -Sattelzugmaschinen und damit eine kraftstoffsparende Lösung für Einsätze, die einen gelegentlichen Allradantrieb (AWD) erfordern: Er arbeitet bei Geschwindigkeiten bis 25 km/h und wird automatisch aktiviert, um bei Bedarf eine zusätzliche hydraulische Vorderradtraktion bereitzustellen. Der Antrieb verspricht deutliche Vorteile in Bezug auf Kraftstoffverbrauch und Nutzlast im Vergleich zu einer permanenten AWD-Lösung. »Durch die Neukonstruktion des Tandemträgers an den Hinterachsen konnten wir außerdem das Eigengewicht des T-Way gegenüber dem Trakker um 325 kg reduzieren«, fügte Harald Moll an.

Aufgrund der serienmäßig verbauten Connectivity Box verfüge der T-Way zudem über die klassenbeste Konnektivität, die das Markenzeichen der Way-Baureihe von Iveco sei. Das Konnektivitätssystem soll Ferndiagnose und vorausschauende Wartung ermöglichen und es somit Flotten-Managern einfacher machen, die Leistung jedes Fahrzeugs jederzeit online zu überprüfen. »Auf diese Weise lässt sich die Effizienz des T-Way optimieren«, so Harald Moll. Der Iveco-Experte stellte klar, dass sich mit der ausgeklügelten Vernetzung des T-Ways die Handhabung des Lkw deutlich verändere: Unter anderem nennt Moll den Sprachassistenten Driver Pal sowie vernetzte Dienste, wodurch der Fahrer mit dem Fahrzeug interagieren und auf die Steuersysteme, den Control Room und alle Flotten-Management-Funktionen per Sprachbefehl mittels Amazon-Alexa zugreifen könne. Über Myiveco-Skill kann der Fahrer die Bedienelemente im Fahrerhaus aktivieren, das Navigationssystem zur Routenplanung verwenden oder den Zustand des Fahrzeugs überprüfen. Der Iveco Driver Pal, so Harald Moll, ermögliche dem Nutzer darüber hinaus die Kontaktaufnahme mit anderen Fahrern – so ließen sich Nachrichten auf der gemeinsamen Route oder in der Nähe des Ziels austauschen.

Ein umbaufreundliches Modell

Großen Wert hat Iveco bei der Entwicklung des T-Way zudem auf die hohe Flexibilität gelegt: Mit seinen Fahrgestell- und Sattelzugvarianten verfügt er laut Herstellerangaben aktuell über das breiteste Angebot an Antriebsoptionen auf dem Markt: Hinterradantrieb bei den 6x4- und 8x4-Fahrgestellen und 6x4-Sattelzugmaschinen sowie Allradantrieb bei den 4x4- und 6x6-Fahrgestellen und Sattelzugmaschinen sowie bei den 8x8-Fahrgestellen. Die Allradpalette wurde insgesamt um neue Modelle mit 4 m, 4,2 m und 4,5 m Radstand erweitert. Die neue elektrische und elektronische Hi-Mux-Architektur ist voll kompatibel mit den Steuerungssystemen der neuesten Generation. Das neue PTO-Portfolio umfasst unter anderem auch ein neues Hochleistungs-Sandwich-PTO, das laut Iveco ein Drehmoment von bis zu 2 450 Nm liefert. Mit dem T-Way schafft Iveco ein vielseitiges Modell mit enormer Sortimentsbreite und -tiefe, was ihn laut Hersteller für eine Vielzahl an Einsatzgebieten und Aufbauvarianten interessant macht.

Komfortabel und sicher unterwegs

Großen Wert legte Iveco bei der Entwicklung aber auch auf den Fahrerkomfort sowie die Sicherheit im Einsatz: Das Fahrerhaus weist schlanke und aerodynamische Linien auf – erhältlich ist der Lkw in zwei Versionen: als kleines AD (Active Day)-Normalfahrerhaus und als großes AT (Active Time)-Fernfahrerhaus mit Standard- oder Hochdach. Der gesamte Fahrerbereich ist so gestaltet, dass er ein praktisches und einfaches Arbeitsumfeld bietet. Ein ergonomischer Fahrersitz sowie ein neu konzipiertes Multifunktionslenkrad sollen den Komfort für den Bediener deutlich erhöhen. Von der Way-Baureihe bereits bekannt sind hingegen Elemente wie die Frontklappe, die Seitenspiegel  und vollintegrierte Scheinwerfer. Neu sind wiederum die Stahlstoßstange, durchgehende Seitenscheiben in den Türen und ein verbesserter Einstieg.

In puncto Sicherheit setzt Iveco auf hohe Maßstäbe, da der Lkw gerade für den Einsatz unter rauen Bedingungen hohen Schutz bieten soll: Ein Elektronisches Bremssystem (EBS) ist serienmäßig, für die PWD-Modelle sind Scheibenbremsen an der Vorderachse mit 30 kNm Bremsmoment und an der Hinterachse mit 25 kNm Bremsmoment erhältlich, die den Bremsweg entsprechend reduzieren sollen. Zudem sind neue Fahrerassistenzsysteme für die komplette Baureihe verfügbar, die das tägliche Arbeiten im Offroad-Bereich deutlich sicherer gestalten sollen.    d

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