Im Blickpunkt Titelstory Verkehrswegebau – Tiefbau

»Der ›starke Standort‹ Hameln zeigt, wie wichtig der Bereich Straßenbaumaschinen für Volvo CE ist«

Von Michael Wulf

Seit der Übernahme der 1945 gegründeten ABG Allgemeinen Baumaschinen Gesellschaft mbH durch Volvo CE im Jahr 2007 hat sich der Standort trotz der Krise 2008 und 2009 stetig weiter entwickelt, so Dirk Heusing. So hat Volvo in dem Werk, in dem gut 500 Mitarbeiter beschäftigt sind und das über eine Gesamtfläche von 120 000 m² verfügt, eine Vielzahl von Investitionen vorgenommen und dabei in Gebäude, Anlagen und Produktionsprozesse investiert. So ist für die Montage der Walzen, die neben den Fertigern in Hameln produziert werden, eine rund 5 000 m² große Halle neu gebaut worden.

14 Fertiger und sieben Walzen

Insgesamt produziert Volvo derzeit in Hameln elf Ketten- und drei Radfertigermodelle sowie As­phaltwalzen (zwei Modelle) und Erdbauwalzen (sieben), darüber hinaus Bohlen und Sonderanfertigungen.

Ziel in den kommenden Jahren sei es, so Dirk Heusing, die derzeit »sehr fragmentierte Fertigung« auf diesem großen Gelände zu konzentrieren. »Wir wollen in Zukunft hier in Hameln so etwas wie einen Campus schaffen«, erläuterte Dirk Heusing. Wie schnell diese Pläne umgesetzt werden können, hänge aber auch von der Entwicklung der Märkte ab und davon, welche Investitionsmittel Volvo CE zur Verfügung stelle. Nicht gedacht sei daran, in Zukunft die Produktpalette in Hameln auszuweiten, so Dirk Heusing. Das Portfolio an Fertigern und Walzen werde man aber natürlich weiterentwickeln, zumal die Fertigungstiefe sehr hoch sei. »Wir entwickeln und produzieren eine Vielzahl der Komponenten hier im Werk.« Darüber hinaus ist das Hamelner Werk das globale Trainingscenter für Fertiger sowie für Erdbau- und Asphaltwalzen und damit Teil des weltweiten Schulungsnetzwerkes von Volvo CE.


Exportanteil bei 80 bis 85 Prozent

Dessen »technische Kapazität« liege derzeit, so Dirk Heusing weiter, bei 900 Fertigern und 1 500 Walzen pro Jahr. Wie viele Einheiten tatsächlich in Hameln produziert werden, das allerdings wollte der Geschäftsführer nicht verraten. »Stückzahlen geben wir nicht bekannt«, erklärte er auf Nachfrage. Nur so viel: Etwa 80 % bis 85 % der in Hameln produzierten Maschinen gehen in den Export. Ähnlich zurückhaltend kommentierte Dirk Heusing die Übernahme von Dynapac durch die Fayat-Gruppe (Bomag). »Aus meiner Sicht ist das ein weiterer Schritt der Konsolidierung in diesem Industrie-Bereich, der nicht überraschend kam«, sagte er auf die Frage des bauMAGAZIN.

Im Mittelpunkt bei der Entwicklung der jetzt neu vorgestellten Straßenfertiger der D-Serie stan­den vor allem die Bedienerfreundlichkeit, die Kraftstoffeffizienz, die vielseitigen Bohlen-Anwendungsmöglichkeiten sowie die zahlreichen Features, von denen das neue Electronic Paver Management (EPM 3) mit zu den revolutionärsten Teilen beim P6820D ABG und beim P7820D ABG gehört, wie Frank Dörrie als Global Product Manager für Straßenfertiger erläuterte. So verbessere EPM 3 die Maschinensteuerung und optimiere den Fertiger für die jeweiligen Baustellenanforderungen. Das System verfügt über im Layout der Vogelperspektive angeordnete Bedientasten, die den Bediener intuitiv durch individuelle Arbeitsfunktionen führen. Mit dem ergonomisch positionierten Jog-Wheel lassen sich notwendige Einstellungen schnell auswählen und vornehmen. Die kompakte Bauweise bietet dem Bediener eine gute Sicht zur Fertigerfront und gewährt ein hohes Maß an Beinfreiheit. Die bewährte Einstellbarkeit des Teleskop­arms für die Hauptbedienkonsole auf der Bedienerplattform wurde zudem ergonomisch verfeinert.

 

Gleichbleibend hohe Qualität

Für einzelne Projekte speichert der Settings-Manager kundenspezifische Einstellungen innerhalb des EPM 3, sodass der Bediener die ge­speicherten Parameter bei ähnlichen Einsätzen jederzeit wieder abrufen kann. Diese Funktion vereinfacht die Vorbereitungen für die nächste Baustelle, bei der bereits vorhandene Voreinstellungen auf Knopfdruck aufgerufen werden können. Eine Feinabstimmung kann der Bediener bei Bedarf vornehmen, sobald er nach Einbaubeginn feststellt, dass weitere Optimierungen in dieser Situation sinnvoll sind. Grundsätzlich sorgt der Settings-Manager dafür, eine gleichbleibend hohe Produktivität sowie Qualität mit jedem Einbaustart gewährleisten zu können.

EPM 3 informiert den Bediener über den Einbauprozess, zeigt auf dem Display an, wenn die Bohlenbediener die Förder- oder Schneckenfunktionen übersteuern und meldet beispielsweise anstehende Wartungen. Darüber hinaus überwacht das System neben dem Einbauprozess auch diverse Funktionen im Hintergrund wie etwa Bohlentemperatur und Motorparameter sowie baustellenbezogene Projektdaten. EPM 3 gibt einen Überblick über die Einbaustrecke, den Kraftstoffverbrauch und andere Daten bezogen auf einzelne Projekte oder auf Tagesbasis.

Bohlenkonsolen mit neuem Design

Die neuen Bohlenkonsolen weisen ein völlig neues Design auf. Auf dem großen Farbdisplay lassen sich die Informationen einfach ablesen und Einstellungen einfach vornehmen. Die Anordnung der Bedientasten wurde optimiert und der Funktionsumfang erweitert. Der Bohlenbediener hat zum Beispiel die Möglichkeit, die gegenüberliegende Bohlenseite bei Bedarf zu steuern. Durch eine zusätzliche Drehbarkeit des Halters lässt sich die Bohlenkonsole immer auf die bestmögliche ergonomische Position einstellen.

Neben der modernen Maschinensteuerung und dem hohen Fahrerkomfort ist der ebenso effiziente wie leistungsstarke Volvo-Motor eine zentrale Komponente der neuen Fertiger P6820D ABG und P7820D ABG. Er ist speziell auf das Hydrauliksystem abgestimmt und sorgt durch die Kombination aus hohem Drehmoment im niedrigen Drehzahlbereich für eine hohe Produktivität bei geringem Kraftstoffverbrauch. Das System verfügt über einen adaptiven Eco-Modus, der die benötigte Motorleistung stets an die jeweiligen Baustellenanforderungen anpasst und damit eine branchenführende Leistung bietet. Mit dem neuen Eco-Modus lassen sich Geräusche und der Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 % reduzieren, heißt es bei Volvo.

Optimierte Leistungsverteilung

Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, haben die Volvo-Ingenieure eine optimierte Leistungsverteilung zwischen Motor und Hydraulik umgesetzt. Es wird immer genau so viel Kraft bereitgestellt, wie gerade benötigt wird, und bei Bedarf kann auch jederzeit die maximale Leistung angefordert werden. Auch bei hohen Umgebungstemperaturen gewährleistet eine durchdacht gestaltete Geometrie des Motorraums und der Motorhaube ausreichend Platz für eine kontinuierliche Luftzirkulation, sodass Motor und Hydraulik effektiv gekühlt werden. »Volvo-Fertiger mit Volvo-Motoren aus einer Hand bieten eine einzigartige Kombination aus höchster Effizienz und den Vorteilen eines One-Stop-Volvo-Service«, betonte Frank Dörrie. »Dadurch muss beispielsweise die Wartung des Motors nicht durch einen Drittanbieter veranlasst werden.«

Bei der Konstruktion der Bohlen hat man in Hameln besonderes Augenmerk darauf gelegt, eine hochwertige Fahrbahnqualität mit gleichmäßigem Oberflächenbild und Ebenheit zu erzielen. Der P6820D ABG und der P7820D ABG sind vielseitig und effizient in Einbaubreiten bis zu 11 m einsetzbar. Die speziell entwickelten Stampferleisten von Volvo erreichen eine gleichmäßig hohe Materialverdichtung über die gesamte Arbeitsbreite und sind für eine lange Haltbarkeit ausgelegt.

Wahl zwischen Einzel- oder Doppelstampfer-Bohlen

Je nach Anwendung und Einbaubedingungen können die Kunden zwischen Einzel- oder Doppel­stampfer-Bohlen wählen, um die passende Verdichtungsleistung zu erzielen. Die vollständig gehärteten Stampferleisten verlängern die Lebensdauer dieser Bauteile erheblich und erhöhen die Betriebsdauer. Die Doppelstampfer-Bohlen bieten laut Volvo für das Material den bestmöglichen Verdichtungsgrad, der beim Einbau von hohen Schichtstärken von Asphalt oder hydraulisch gebundenen Tragschichten (HGT) wesentlich ist.

Die Vario-Bohlen sorgen zudem mit ihrer kompakten Bauweise für eine komplette Rundumsicht, erlauben eine komfortable Sicht auf den Materialfluss und ermöglichen einen leichten Zugang zur Bedienerplattform. Ein hohes Maß an Stabilität verleihen acht Führungsstangen dem zweistufigen Ausfahrsystem – vier für jedes hydraulische Ausfahrteil. Gemeinsam verhindern die stabilen Stangen, dass sich die Bohlenverlängerungen verdrehen, wenn hohe Kräfte auf sie einwirken.

»Die patentierte Bohlenbelastung oder die patentierte Bohlenspannvorrichtung unterstützen das Einbauteam automatisch, um schwierige Einbausituationen zu bewältigen und hochwertige Straßenbeläge zu realisieren«, erläuterte Frank Dörrie. »Zwei Heizstäbe pro Bohlensegment gewährleisten eine herausragende Performance bei gleichmäßiger Temperaturverteilung. Eine intelligente Steuerung überwacht, welches Segment wieder aufgeheizt werden muss, da alle Abschnitte unabhängig voneinander parallel beheizt werden können.«

Wechsel mit Schnellkupplungssystem

Darüber hinaus kann die Fertiger-Mannschaft verschiedene Baustellenanforderungen durch einfaches Hinzufügen oder Entfernen von zusätzlichen Bohlenanbauteilen erfüllen. Das geschieht in wenigen Minuten ohne spezielle Werkzeuge, dank des Schnellkupplungssystems von Volvo. Die Sicherheit und der Bedienkomfort werden durch die neuen hydraulisch gesteuerten Seitenbegrenzungen weiter erhöht. Die Handhabung durch den Bohlenbediener erfolgt schneller und einfacher, und es lässt sich problemlos ein sauberer seitlicher Abschluss insbesondere in beengten Einbausituationen realisieren. Der Bediener kann entscheiden, ob er entweder den Schwimm-Modus (Float Hold) nutzt oder die neue Druck-Funktion (Power Float) aktiviert, die es ermöglicht, dem Untergrund mit einem bestimmten Druck zu folgen.

»Bei der Verlegung von speziellen Dachprofilen für Straßenoberflächen sind die Bohlen VB 79/89 und VDT-V 79/89 die ideale Ergänzung«, so Frank Dörrie weiter. »Die ausfahrbaren Bohlenelemente verfügen über zwei zusätzliche Gelenke und sind nach oben oder nach unten verstellbar. So wird die Möglichkeit geschaffen, ungleichmäßige Profile, wie beispielsweise spezielle Entwässerungsanforderungen oder ballige Formen, mit einfachem Handling, weniger Material und zu geringeren Kosten einzubauen.«

Den Komfort verbessert

Um ein ermüdungsfreies Arbeitsumfeld zu schaffen und damit ein Arbeitsergebnis von hoher Qualität abliefern zu können, hat Volvo bei den neuen Fertigern den Komfort verbessert. So lässt sich für eine schnelle Einbau- oder Transportvorbereitung das Wetterdach auf Knopfdruck problemlos anheben bzw. absenken. Nachdem der Fahrer auf einem der beheizbaren Sitze Platz genommen hat, kann er die flexible Bedienkonsole so anpassen, dass er in der bestmöglichen Sitzposition arbeiten kann und dabei die Beinfreiheit uneingeschränkt ist. Auch der Wechsel der Sitzplatzposition zwischen links und rechts ist mit dem leicht verstellbaren Teleskoparm für die Bedienkonsole sehr schnell und einfach machbar.

Zu einer komfortablen Maschine gehört bei den Volvo-Fertigern auch eine integrierte Schalldämmung unter dem Wetterdach. Das leise Arbeitsumfeld des Fertigers ermöglicht eine problemlose Verständigung mit dem restlichen Einbauteam. Für eine verbesserte Kommunikation mit dem Lkw-Fahrer zeigt Smart Dock leicht verständlich an, was für die Beschickung des Kübels zu tun ist. Die Einbaucrew entscheidet, welches Teammitglied ihr Smart-Dock-System kontrollieren soll. Die mitgelieferte Fernbedienung gestaltet diese Aufgabe sehr flexibel. Eine optionale Bitumendampfabsaugung sorgt für den Bediener auf der Plattform für stets saubere Luft.

Von der Bedienerplattform aus hat der Fahrer eine Rundumsicht. Diese erstreckt sich auf den gesamten Fertiger, den Kübel, den Schneckenkanal und die Bohle. So kann der Fahrer die Materialversorgung auf einen Blick kontrollieren und hat zudem bei Bedarf Blickkontakt zu den Bohlenbedienern. Vor allem der neu gestaltete flache Motorraum bietet dem Fahrer einen perfekten Blick auf die gesamte Kübelfront.

Größere Sichtbarkeit

Die bei der D-Serie verglasten Flächen auf beiden Seiten der Plattform sorgen für größere Sichtbarkeit und erhöhen die Baustellensicherheit. Da­rüber hinaus wurden serienmäßig konvexe Spiegel unterhalb der beiden Dachverlängerungen installiert. Damit ist der Fahrer der Maschine immer in der Lage zu erkennen, wenn sich jemand auf der gegenüberliegenden Seite des Fertigers aufhält. Auf Wunsch ist optional auch das Smart View System von Volvo erhältlich, das dem Bediener auf einem zusätzlichem Monitor seine Maschine aus der Vogelperspektive zeigt.

Auch bei schlechten Lichtverhältnissen können die Bediener dank sechs Standard-Arbeitsleuchten, optionalen LED oder Balloon-Lights präzise Einbauergebnisse erzielen. Um die Sicherheit zu optimieren, verfügt die Beleuchtung für die Bedienerplattform, die sich unterhalb des Wetterdachs befindet, eine Homelight-Funktion. So werden Bedienerplattform und Stufen drei Minuten lang beleuchtet, sobald der Hauptschalter eingeschaltet ist und auch nach Ausschalten der Zündung. Ein sicherer Ein- und Ausstieg zur bzw. von der Plattform ist damit auch bei Dunkelheit gewährleistet.

Optimierung durch Co-Pilot

Optimiert werden kann die tägliche Arbeit mit dem Fertiger oder der Walze durch den Volvo Co-Pilot und dessen Systemen Pave Assist und Compact Assist. Beim Volvo Co-Pilot handelt es sich um ein Android-basiertes Display in Form eines Tablet-PCs, mit dessen Hilfe sich Maschinenbediener und Unternehmer in Echtzeit über Qualität und Arbeitsfortschritt auf der Baustelle auf dem Laufenden halten können. Beispielsweise enthält Pave Assist eine Familie von Anwendungen, die unter anderem Parameter automatisch erfassen, die heute im Straßenbau noch von Hand aufgezeichnet werden müssen. Pave Assist verbindet die Module Thermal Profiling, Weather View, Material Manager und als Ergänzung Volvo Smart View. Die wirkungsvolle Zusammenstellung dieser Werkzeuge erhöht laut Volvo die Produktivität, Qualität und Übersicht auf der Straßenfertiger-Baustelle signifikant (Co-Pilot und die Assistenzsysteme Pave Assist und Compact Assist werden in einer der kommenden Ausgaben des bauMAGAZIN ausführlich vorgestellt).

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