Coreum GmbH »Das Coreum-Konzept basiert auf Zuhören«

Lesedauer: min | Bildquelle: Coreum
Von: Dan Windhorst

Auf dem Papier ist das Coreum ein Treffpunkt für die Bau-, Materialumschlag- und Recyclingbranche. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir es in Stockstadt am Rhein mit einem millionenschweren Großprojekt zu tun haben, für das es in Europa nichts Vergleichbares gibt. Auf knapp 120 000 m2 Fläche lassen sich 365 Tage im Jahr Hunderte Exponate vor Ort testen, Anwendertrainings abhalten und Veranstaltungen besuchen, die branchenübergreifendes Netzwerken ermöglichen. Nicht zu vergessen: ein hauseigenes Hotel, riesige Seminarräume, voll ausgestattete Werkstätten, eine weitläufige Expo-Halle, 50 feste Partnerschaften und ein 572 m3 fassender »Inhouse-Sandkasten«, in dem sogar ein haushoher 50-t-Kettenbagger Platz finden würde. Das alles wirkt gewaltig – und das ist es auch. Mittlerweile ist die feierliche Eröffnung des Coreums knapp acht Jahre her. Und im Gespräch mit den beiden Geschäftsführern Björn Hickmann und Kathrin Kiesel stellte sich die Frage: »Ist der Plan wirklich aufgegangen?«

Zur Wahrheit gehört: In den Anfängen klang die Vision vom Coreum ein Stück weit nach Größenwahn. Ein riesiges Kompetenz- und Erlebniszentrum für Baumaschinen und Bauprozesse, das 365 Tage im Jahr geöffnet hat – und das mitten in Deutschland. Mit Blick auf die beachtlichen Umsatz- und Besucherzahlen wollte das bauMAGAZIN erfahren, was das Coreum letztlich so erfolgreich macht. Wir wollten wissen: Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass sich diese professionelle »Spielwiese« für Maschinen und Technik derart stark halten kann?

»Im Coreum gibt es eine Sache, die man hier ganz sicher nicht findet: ein Schild, auf dem ›Bitte nicht anfassen‹ steht«, so Björn Hickmann. Im Mittelpunkt des Konzepts stehe, dass jedermann die Maschinen und Technik direkt vor Ort erleben und testen kann. »Aus Erfahrung wissen wir, dass ein Maschinist oder Bauunternehmer die Praxis braucht: Um herauszufinden, wie sich Arbeitsprozesse durch neue Technik und Verfahren weit effizienter gestalten lassen, muss man die Dinge selbst erleben – und genau dafür haben wir das Coreum aus dem Boden gestampft«, wie Kathrin Kiesel anfügt.

Was auf der »Tageskarte« steht

Im Repertoire hat das Coreum seit seiner Gründung das »365«-Format: Das ganze Jahr über ­können sich Interessierte kostenlos anmelden und das Gelände erkunden – mit allen Maschinen und allen Geräten, die von den insgesamt 50 Partnern permanent im Expo-Park ausgestellt werden. Hinzu kommt, dass das »Bitte nicht anfassen«-Schild tatsächlich nicht existiert: Man darf testen – und deshalb lässt sich das Coreum auch nicht nur als Informationszentrum, sondern vielmehr als Erlebniswelt begreifen. »Mit ›365‹ haben wir ein Format gefunden, das sehr gut angenommen wird: Unterschiedlichste Firmen nehmen das in Anspruch – vom kleinen Zweimann-Betrieb über Mittelständler bis zum Großkonzern. Sie alle wollen gleichermaßen wissen, wie sich die Maschine oder das Gerät unter realistischen Einsatzbedingungen verhält. ›365‹ hat sich dadurch wirklich positiv entwickelt«, wie Kathrin Kiesel klarstellt. »Ein Beispiel: Vor wenigen Tagen war ein Baumaschinenhändler vor Ort, um sich digitale Lösungen anzuschauen, sich beraten zu lassen und die Systeme auszuprobieren.« Gleichzeitig müsse man das Coreum als Treffpunkt für die eigenen Events begreifen, beispielsweise für die jährlich stattfindenden »Praxistage«, an denen die Branche in Stockstadt zusammenfindet, um innovative Neuentwicklungen aufzuzeigen. Flankiert werde das mit der alle zwei Jahre stattfindenden »Zukunftskonferenz«: Neben Impulsvorträgen, die sich beispielsweise mit aktuellen Themen wie der Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Elektrifizierung befassen, lässt sich das, worüber auf der Bühne philosophiert wird, direkt im Anschluss im Freigelände ausprobieren. »Das war von Beginn an ein Eckpfeiler für uns: Wir wollten alte Muster aufbrechen und einen Ort schaffen, wo Theorie und Praxis knallhart aufeinandertreffen«, sagt Björn Hickmann. Er fügt an: »Und dieses Konzept wird angenommen. Seit mittlerweile acht Jahren verzeichnen wir starke Besucherzahlen – im vergangenen Jahr hatten wir rund 20 000 Besucher im Coreum.«

Akademie mit hohem Zulauf

Seit Jahren profitiert das Coreum allerdings auch von guter Akademie-Arbeit. Die Rede ist von praxisnaher Weiterbildung: »Die Idee für unsere Akademie ist, dass wir neueste Technik, echte Maschinenpower und Expertenwissen aufeinanderprallen 
lassen. Wir bieten Trainings für jedermann an – vom Maschinisten, Mechaniker und Servicearbeiter über den Polier bis zum Geschäftsführer«, so Björn Hickmann. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Akademie laut Kathrin Kiesel über 2 000 Teilnehmer: »Durch die vielen Rückmeldungen der Teilnehmer wissen wir: Die Mischung macht's. Unsere Ausbilder kommen selbst aus der Praxis und können neben unserem modernen Schulungszentrum auf einen Maschinenpark zurückgreifen, der aus über zwölf verschiedenen Themenwelten und Aktionsflächen besteht.« Tatsächlich gelingt es der Akademie, jede Theorieeinheit mit einer kräftigen Praxisnote zu »würzen«. Und seien wir mal ehrlich: Über einen Bagger, ein Anbaugerät oder digitale Tools zu philosophieren, ist etwas anderes, als diese auch tatsächlich unter realistischen Einsatzbedingungen vor Ort zu testen. »Unabhängig davon, ob wir nun von einem Event, einem Training, den ›Praxistagen‹ oder einem Rundgang sprechen: Wichtig ist, dass die Besucher wiederkommen – und das tun sie«, wie Kathrin Kiesel klarstellt. »Das begründet sich zum einem im Coreum selbst, zum anderen aber auch stark in den Partnern und der Veranstaltungsvielfalt. Wir bilden eine breite Palette an Themen und Lösungen aus der Branche ab. Die größte Stärke im Coreum ist aus meiner Sicht aber das Wohlfühlen: Man wird mit einem freundlichen Lächeln empfangen, man kümmert sich und schafft eine glaubwürdige und angenehme Atmosphäre.«

Existiert ein Zehn-Jahres-Plan?

Auf die Frage hin, ob es weitere Pläne für das Coreum gibt oder ob das Projekt an sich abgeschlossen sei, antworteten die beiden Geschäftsführer mit einem großen Lächeln: »Ich glaube, die Arbeit wird uns so schnell nicht ausgehen. Das Coreum hat im Grunde gerade erst angefangen«, so Kathrin Kiesel. »Die Zukunft ist geplant: Wir halten an unserer Zielsetzung ›2030‹ fest – das beinhaltet weitere Partner und die Erweiterung unserer Themenwelt durch mineralisches Recycling sowie Transport und Mobilität. Wir möchten diese Teilbereiche in Zukunft im Coreum abbilden, um eine realistische Kreislaufwirtschaft aufzuzeigen«, ergänzte Hickmann. Mut dürfte in diesem Zusammenhang auch machen, dass die Branche offenbar explizit nach Orten wie dem Coreum sucht. »Dadurch, dass wir so anwendernah arbeiten, erhalten wir direktes Feed­back und wissen, dass gerade Bauunternehmer und Maschinisten keine nett klingende Produktbroschüre brauchen: Sie wollen die Maschinen und Geräte live vor Ort erleben und genau wissen, worauf sie sich da einlassen«, so Kathrin Kiesel. »Und das ist gerade in unsicheren Zeiten ein zentraler Faktor«, wie Hickmann ergänzt. »In den vergangenen Jahren musste die Baubranche durchaus Federn lassen, weshalb die Betriebe ganz genau hingeschaut haben, wenn es um die Investitionen in neue Technik ging. Wir erleben im Coreum, dass sich die Unternehmen für die Zukunft wappnen.« Festzumachen sei das an zwei Dingen: Zum einen werde in den Trainings der Akademie explizit nach State-of-the-Art-Lösungen gefragt, um die Produktivität des eigenen Fuhrparks bei möglichst hoher Kosteneffizienz zu steigern. Zum anderen investiere man in das eigene Personal, um die eigenen Fachkräfte aus- und weiterzubilden.

Zum Stand der Dinge

Im Gespräch mit der Geschäftsführung wurde klar, dass die Weichen für das Coreum gestellt sind. Die Events sind gut besucht, die vorhandenen Partnerschaften gefestigt und auch die Akademie wächst von Jahr zu Jahr. Kurzum: Das Coreum funktioniert. »Was man in diesem Zusammenhang aber nicht vergessen darf: Auch wir müssen uns ständig weiterentwickeln. Das Coreum basiert auf ›Zuhören‹ und passt sich der Marktentwicklung und den Anforderungen an, die unsere Besucher an uns stellen«, sagt Kathrin Kiesel. Aktuell erlebt die Bau- und Baumaschinenbranche einen Aufwind. Aus den Gesamtzahlen des Baujahrs 2025 ist ersichtlich, dass die Bauwirtschaft erstmals nach fünf Jahren wieder ein solides Umsatzplus von (preisbereinigt) 2,5 Prozent verzeichnet hat. Das bekommt natürlich auch das Coreum zu spüren. »Die Auftragslage der Unternehmen ist gut. Wir spüren, dass die Branche wieder stärker in Bewegung gerät und das Coreum gezielt ansteuert, um sich über das eigene Entwicklungspotenzial sowie technische Neuerungen zu informieren«, wie Björn Hickmann abschließend zusammenfasst.d


 

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