Coreum GmbH »Hier können wir von- und miteinander lernen«

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Coreum
Von: Tobias Haslach
Von: Dan Windhorst

Die »Bits and Machines« (BAM) – eine Zukunftskonferenz, bei der zwei Welten aufeinanderprallen. Einerseits gespickt mit zahlreichen Vorträgen, andererseits umflochten mit Live-Demonstrationen, hat das Event den Spagat zwischen Theorie und Praxis geschafft. »Die zweite Auflage der BAM war für uns alle ein voller Erfolg mit wichtigen Impulsvorträgen, vielen Teilnehmern und der fantastischen Atmosphäre des Coreum«, wie Björn Hickmann, Geschäftsführer der Coreum GmbH, resümierte. Die bauMAGAZIN-Redaktion war in Stockstadt am Rhein dabei, um die Leitthemen der nunmehr zweiten Auflage der BAM zu hinterfragen.

Letztlich hat die BAM in aller Deutlichkeit gezeigt, dass eine zukunftssichere Branche nicht allein von guten Vorsätzen lebt – es bedarf der richtigen Stellschrauben. »Die aktuellen Herausforderungen zeigen, dass wir als Branche zukunftsfähige Ideen liefern müssen. In erster Linie ist dafür aber ein offener Dialog notwendig – nur so können wir von- und miteinander lernen«, so Björn Hickmann. Tatsächlich erwies sich die BAM als Plattform, wo genau das auch passiert: »Ich war begeistert davon, dass die Teilnehmer jede Gelegenheit zwischen den Vorträgen genutzt haben, um zu netzwerken: Hinterfragt wurde, wie Nachhaltigkeit auf Baustellen eigentlich auszusehen hat, welche Vernetzungslösungen die Branche effizienter gestalten und wie wichtig echte Innovationen im Bereich der Baumaschinen und -geräte sind.« Positiv von den Teilnehmern aufgenommen wurde allerdings auch, dass das Coreum als Veranstaltungsort sowohl im Innenbereich mit seiner Indoor-Demoarena, dem »Sandkasten«, als auch im weitläufigen Außengelände zahlreiche Möglichkeiten bot, um selbst tonnenschwere Baumaschinen live im Einsatz zu erleben.

Die beiden Geschäftsführer Björn Hickmann und Kathrin Kiesel haben viel Herzblut in das Coreum investiert und zeigten sich begeistert vom großen Interesse an der Bits and Machines.

Die »Zero Emission«-Baustelle

Geht es um Nullemissionen am Bau, ruft das in der Regel eher Skeptiker auf den Plan: zu teuer, zu umständlich – und an der Praxis vorbei gedacht. Felix Hornstein, Konstruktionsleiter bei KTEG, sowie Stefan Schneider, Geschäftsführer bei Suncar, haben sich dieser kritischen Stimmen entgegengestellt und im Rahmen der BAM aufgezeigt, wie sich die »Zero Emission«-Baustelle in der Praxis bewährt. »Und sie bewegt sich doch«, war der Grundsatz, gefolgt von einer einfachen Gegenrechnung, die zeigt, dass sich der Einsatz von Elektrobaggern mit Blick auf die Betriebs- und Wartungskosten durchaus lohnt.

Gegenüber standen sich zwei 15 t schwere Mobilbagger – einer dieselbetrieben, der andere elektrisch. Während der Dieselverbrauch bei rund 12 l/h und damit bei rund 20 Euro lag, kam die Elektrovariante auf rund 40 kWh und acht Euro pro Stunde. Auf das Jahr gerechnet entstehen Dieselkosten von 23 731 Euro, während der Strombedarf mit gerade einmal 9 888 Euro zu Buche schlägt. Hinzu kommen die jährlichen Wartungskosten (über Lebensdauer) von 173 000 Euro beim Diesel und 112 476 Euro bei der Elektromaschine. Insgesamt, so rechneten Felix Hornstein und Stefan Schneider vor, betrage die Differenz der Betriebs- und Wartungskosten insgesamt 198 996 Euro. Und obwohl eine solche Berechnung die Vorzüge von E-Maschinen verdeutlicht, weisen die beiden Branchenkenner bewusst auf die derzeit sinnvollen Einsatzgebiete hin. Zum einen eignen sich elektrisch betriebene Baumaschinen überall da, wo eine zuverlässige Stromversorgung gegeben ist. Vorteile sehen Felix Hornstein und Stefan Schneider insbesondere durch die lokale Emissionsfreiheit hinsichtlich der Abgase, die reduzierte Ge­räuschemission und die damit einhergehende verbesserte Ak­zeptanz der Anlieger. Gerade im städtischen Bereich, beim Einsatz in geschlossenen Räumen oder auf Baustellen mit strengen Emissionsregulierungen sind elektrisch angetriebene Modelle klar im Vorteil. »Die kurz- und mittelfristigen Herausforderungen sind jedoch noch immer die geringen Anschlussleistungen und eine geringe Verbreitung von Hochvoltsystemen. Ziele müssen u. a. eine dezentrale Stromerzeugung und die Verringerung technischer Hürden sein«, so Felix Hornstein.

Das Coreum als idealer Veranstaltungsort für die Bits and Machines: Die großzügig gestalteten Räumlichkeiten boten viel Platz für die Impulsvorträge sowie Demonstrationen.

Eine einheitliche, digitale Sprache sprechen

Hinterfragt wurde außerdem die Digitalisierung der Bauwirtschaft – insbesondere mit Blick auf die Arbeitsgemeinschaft Machines in Construction (MiC) 4.0. Erklärtes Ziel ist es, eine einheitliche, herstellerübergreifende und maschinenunabhängige digitale Sprache zu schaffen. Darius Soßdorf erklärte als Geschäftsführer der MiC 4.0: »Jeder Maschinenhersteller nutzt noch immer sein eigenes Datenformat, somit existiert keine Vereinheitlichung innerhalb der Branche. Zu hinterfragen galt, welche Daten für die einzelnen Prozesse benötigt werden und was das einheitliche Format darstellt.« Die Arbeitsgemeinschaft bringt alle relevanten Partner an einen Tisch, formuliert die individuellen Lösungswünsche für Maschinen, Aufgaben und Arbeitsprozesse und kann auf Experten zurückgreifen, die die erforderlichen Übertragungsprotokolle entwickeln. Ein großer Vorteil: MiC 4.0 baut auf bereits vorhandene Normen wie ISO 15143 auf. »Damit gelingt es, den Anwendern ihre Maschinendaten einheitlich zu liefern, um die Baustellenorganisation oder auch das Flottenmanagement zu erleichtern. Gleichzeitig lassen sich Baufortschritte überwachen, Qualitätsvorgaben einhalten sowie Leistungsdaten digital erfassen.«

Ein fester Bestandteil im Coreum: In der »Sandkiste« dürfen die Besucher tonnenschwere Baumaschinen begutachten und austesten. Im Rahmen der BAM erwies sich die in den Innenbereich des Coreums integrierte Test- und Demonstrationsfläche als ideal, um Theorie direkt mit der Praxis zu verknüpfen.

Baumaschinen automatisieren

Mit der »Rooftop Box« von Gravis Robotics rückte hingegen die Automatisierung von Baumaschinen in den Mittelpunkt. Im Rahmen der BAM erklärte CTO Dominic Jud, wie das System funktioniert und was die wichtigsten Vorzüge dieser Technik sind. Basierend auf Sensorik (Kamera, Lidar, IMU und GPS) soll das auf dem Dach befestigte »Gravis Autonomy Kit« überall dort eine nahtlose Maschinensteuerung bieten, wo Menschenleben gefährdet sind. Zur Verfügung stellen soll die Box letztlich eine sichere Kommunikation mit den ferngesteuerten Baumaschinen. »Zu den unterstützenden Funktionen zählen autonomes Manövrieren, Selbststabilisierung und eine erweiterte Sicht. Damit kann der fernsteuernde Bediener genauso effizient agieren wie ein Fahrer, der direkt in der Kabine sitzt«, so Dominic Jud. Erhöhen soll die Gravis-Lösung aber auch die Sicherheit – zudem sollen künftig lange Fahrten zu entlegenen Einsatzorten überflüssig gemacht werden. Möglich sei zudem, dass der Bediener aus der Ferne die Produktivität steigert, indem er zwischen mehreren Maschinen mit geringer Auslastung wechseln kann. Wie das System funktioniert, hat Gravis bereits bei mehreren Baggermodellen gezeigt, darunter der 323 von Caterpillar, der ZE85 von KTEG, der M545 von Menzi Muck oder der TB290-2 von Takeuchi.

Start-ups als treibende Kraft

Etwas, das auf der BAM ebenfalls großes Interesse weckte, war der Start-up-Zusammenschluss ConTech Association: Ziel dieser Partnerschaft soll die Digitalisierung und Etablierung neuer Technologien innerhalb der Bauwirtschaft sein. Aktuell besteht ConTech aus den Unternehmen Qiky, die mit der Entwicklung von digitalen Typenschildern für das Informationsmanagement stehen, Sodex Innovations, die mit ihren automatisierten Echtzeit-Vermessungen neue Prozesse optimieren, Vigram, die mit GNSS Rover & Scanner für smarte Datendokumentation zuständig sind, sowie Recalm, die mit ihrer aktiven Lärmreduzierungseinheit Ancor auf den Schutz von Maschinisten setzen, und Digando mit seinem B2B-Marktplatz für die digitale Baumaschinenmiete, um Ressourcenoptimierung zu betreiben. Vertreten durch Ralf Pfefferkorn, Geschäftsführer und Mitgründer von Sodex Innovations, wurden die Gründe für diesen Zusammenschluss vorgestellt. »Im Vordergrund steht die Nachhaltigkeit auf der Baustelle – und das geht weit über CO₂-Emissionen hinaus. Unter anderem müssen wir den nachhaltigeren Einsatz von Materialien und Werkzeugen fokussieren, müssen nachhaltige Produktlösungen schaffen und auch nachhaltig mit Daten umgehen«, so Ralf Pfefferkorn. Zu den derzeitigen Herausforderungen der Branche zählt er die gestiegenen Rohstoff- und Servicepreise, den Fachkräftemangel, fehlendes Know-how für effiziente Nutzung sowie die schleppende Digitalisierung am Bau. Um das zu erreichen, brauche es ein gemeinsames Handeln, gegenseitiges Unterstützen sowie eine sinnbringende Feedback-Kultur. »Zum einen müssen wir uns innerhalb der Branche mit gemachten Erfahrungen, Finanzen und Feedback unterstützen, zum anderen sollten wir Fehler eingestehen und Lösungen schaffen. Sich den heutigen Herausforderungen anzupassen setzt aber voraus, dass wir offen miteinander sprechen.« Für eine nachhaltige Bauwirtschaft brauche es die Digitalisierung, das Auseinandersetzen mit der Wiederverwertung von Rohstoffen sowie einer Kultur, die Kooperation statt Wettbewerb erzeugt.

Abseits der Vorträge konnten die BAM-Teilnehmer auch mit den Herstellern und Coreum-Partnern in Kontakt treten.

Mit R-Beton und 3D-Drucker

Direkt daran anknüpfen konnten die Redner Jan Graumann, CFO & CCO bei Peri 3D Construction, sowie Sebastian Rauscher vom K3 Kompetenzzentrum und Projektleiter bei Heinrich Feeß. Letzterer befasste sich mit der mineralischen Kreislaufwirtschaft und der Frage, warum diese gerade in Zeiten des Klimaschutzes so wichtig geworden ist. »Wer Umweltschutz will, braucht mehr nachhaltige Kreislaufwirtschaft, denn die Städte und Gebäude sind die Rohstoffvorkommen der Zukunft«, so Sebastian Rauscher. Ein großes Augenmerk legte der Experte etwa auf R-Beton, bei dem die Gesteinskörnung teilweise durch recycelten Bauschutt ersetzt wird. Genutzt werden soll das K3 Kompetenzzentrum, um Vertrauen bei Entscheidern für mehr Kreislaufwirtschaft durch Wissenstransfer zu schaffen und Seminare anzubieten.

Bei Jan Graumann von Peri 3D Construction hingegen drehte sich alles um die Nutzung von 3D-Druck auf Baustellen. »Hierbei geht es um schnellere Fertigstellungszeiten, geringere Kosten, eine größere Freiheit bei der Gestaltung, die Behebung des Fachkräftemangels und das Einsparpotenzial von Baumaterial.« Am Beispiel eines mittels 3D-Druck gebauten Hauses zeigte Jan Graumann das Potenzial dieser Technik auf. Ein zweistöckiges Haus mit rund 160 m² Wohnfläche wurde mit einer reinen Druckzeit von 100 Stunden erzeugt und erhielt eine offizielle Baugenehmigung. Möglich macht ein BOD2-Betondrucker eine 1 m² Hohlwand in etwa fünf Minuten. Das System ist zudem materialoffen und bietet flexibel einstellbare Lagenhöhen und -breiten. Das modulare Drucksystem erreicht maximal 15 m Breite und 10 m Höhe. »Der 3D-Baudruck hat das Potenzial, die Bauindustrie zu revolutionieren«, so Jan Graumann, der durchaus darauf hinweist, dass es sich um eine noch junge Technologie handelt, die Innovatoren als »Early Mover« braucht, doch es sei an der Zeit, die Vorzüge dieser innovativen Lösung zu nutzen.


Die BAM – ein Fazit

Vor dem Hintergrund, dass die BAM in erster Linie mit seinen Impulsvorträgen neue Denkanstöße liefern wollte, hat sich gezeigt, dass die Veranstaltung gleichermaßen genutzt wurde, um Kontakte zu knüpfen und neue Produktentwicklungen direkt vor Ort auszutesten. »Die Bauindustrie besteht aus Machern: Trockene Theorie allein reicht da nicht aus«, so Björn Hickmann. »Die BAM hat, ebenso wie unsere Praxistage, Trainings und Events, gezeigt, dass die Besucher gerade diese Vielfalt im Coreum schätzen.« Was dem Coreum als Veranstaltungsort in Zukunft zusätzlich in die Karten spielen dürfte, ist das kürzlich eröffnete Coreum-Hotel. »Gerade wenn es um mehrtägige Veranstaltungen, Weiterbildungen oder Tagungen geht, ist das für unsere Besucher natürlich unglaublich praktisch. Wir sind froh, dass wir diese zusätzliche Investition getätigt haben«, so Hickmann.

Abseits der hauseigenen Akademie, die das ganze Jahr über verschiedene Trainings für Baumaschinenführer, Techniker, Mechaniker, Vertriebler und Führungskräfte anbietet, dürfte das Coreum insbesondere im Herbst erneut einen großen Besucheransturm erwarten: Zu den Praxistagen, die vom 13. bis 15. Oktober im Coreum stattfinden, treffen die Teilnehmer auf mittlerweile 54 ausstellende Partner und können neben aktuellen Maschinen und Anbaugeräten auch die zugehörigen Technologien für die Bereiche Bau, Materialumschlag und Recycling begutachten und live ausprobieren. Die Praxistage bieten einen Austausch auf Augenhöhe: Erfahrene Anwendungsberater und Technikspezialisten stehen zur Verfügung, um über die neuesten Maschinen zu fachsimpeln. Gleichzeitig ist das Testen aller Maschinen und Geräte ausdrücklich erwünscht.    d

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