Kiesel GmbH Mechanisierung der Baustelle: »Einen neuen Standard generieren«

Lesedauer: min | Bildquelle: Kiesel
Von: Dan Windhorst

»Alles, was wir tun, dreht sich in erster Linie um den Menschen«, erklärte Toni Kiesel, geschäftsführender Gesellschafter der Kiesel GmbH, kürzlich gegenüber der bauMAGAZIN-Redaktion bei einem Besuch in Stockstadt am Rhein. »Unsere Aufgabe ist es, innovative Lösungen zu entwickeln, die einen Mehrwert für Anwender schaffen.« Gemeinsam mit Harald Thum, Geschäftsführer bei KTEG, stellte Kiesel unter diesem Gesichtspunkt die KTEG P-Line und damit einen »neuen Standard« vor, der als »Schlüssel zum Glück« die Mechanisierung der Baustelle signifikant vorantreiben soll.

Zur Wahrheit gehört, dass die Kiesel Gruppe aufgrund ihrer vier strategischen Geschäftsfelder dazu in der Lage ist, Systemlösungen wie die KTEG P-Line groß zu denken: Als exklusiver Hitachi-Händler und Hersteller eigener Produkte hält Kiesel gleichzeitig wichtige Anteile an innovativen Unternehmen wie beispielsweise Makineo oder EmiControls und greift damit auf einen vielschichtigen Technologie- und Wissenspool für die hauseigene Entwicklung zurück. Gleichzeitig kann Kiesel als einer von vielen Partnern im ­Coreum eine reichweitenstarke Branchen-Bühne nutzen: Seien es Messe-, Akademie- oder Even­tveranstaltungen – in Stockstadt am Rhein lassen sich neue Maschinen und Geräte einem breiten Publikum präsentieren. Im Gegenzug können die Besucher alle Neuentwicklungen direkt vor Ort begutachten und unter realistischen Arbeitsbedingungen testen. Zur DNS von Kiesel gehört aber auch, dass das im Jahr 1958 als 2-Mann-Betrieb gegründete Unternehmen bis heute in Familienhand geblieben ist. »Während der Senior dieser Tage seinen 91. Geburtstag feiert, war meine Tochter Kathrin praktisch von den Windeln an mit dabei. Im Klartext: Wir sind noch immer da. Wir bleiben greifbar und füllen dieses Unternehmen auch weiterhin mit Leben«, so Toni Kiesel.

Toni Kiesel, geschäftsführender Gesellschafter der Kiesel GmbH
»Unsere Aufgabe ist es, ­innovative Lösungen zu entwickeln, die einen Mehrwert für Anwender schaffen.«

KTEG P-Line: »Wir generieren einen neuen Standard«

Ein zentraler Grund für die Entwicklung der KTEG P-Line, die aus einem Rotationsschnellwechsler und einer ganzen Fülle an Anbaugeräten besteht, war laut Toni Kiesel, eine Antwort auf den Fachkräftemangel und die gestiegenen Gesamtkosten zu finden: »Wer die Alterspyramide etwas genauer betrachtet, weiß, welche Gefahr tatsächlich vom Fachkräftemangel ausgeht«, so Toni Kiesel. Letztlich spitze sich das Problem auf deutschen Baustellen immer weiter zu, während die grundsätzlichen Kosten für Baumaterial und -maschinen deutlich steigen. »Mit der KTEG P-Line stellen wir die Mechanisierung klar in den Mittelpunkt«, ergänzte Harald Thum. »Entwickelt haben wir die KTEG P-Line, um einen neuen Standard in der Bau-, Umschlag- und Kompaktindustrie zu generieren, der die Produktivität auf der Baustelle um bis zu 100 % erhöhen kann.« In den Fokus rücke dabei laut Thum jeder kleine wie ­mittelständische Bauunternehmer: »Die KTEG P-Line ist das erste System, dass unterschiedliche Zielgruppen ganzheitlich erfasst: Es bindet den Maschinisten ebenso ein wie den Werkstattmitarbeiter, den Bauleiter und den Geschäftsführer. Das Produktportfolio dieser Serie stellt eine maßgeschneiderte Branchensystemlösung dar, die außergewöhnliche Flexibilität mit hoher Effizienz verbindet.«

Die KTEG P-Line: Der Bagger wird zum Multi-Tool- Carrier durch den Rotationsschnellwechsler  sowie eine Vielzahl an Anbaugeräten.

Zwischen Effizienzsteigerung  und »Playstation-Generation«

Erklärte Zielsetzung für die KTEG P-Line ist die Prozessoptimierung. Einzelne Arbeitsabläufe auf der Baustelle sollen vereinfacht, die Handhabung erleichtert und der Zeitaufwand verringert werden. »Die KTEG P-Line ist so konzipiert, dass Hilfskräfte jede Baumaschine problemlos bedienen können – damit wirken wir dem Fachkräftemangel aktiv entgegen«, so Toni Kiesel. Und genau das stellte er direkt vor Ort unter Beweis: Kurzerhand durfte ein junger Auszubildender mit wenigen Wochen Berufserfahrung Platz im Kompaktbagger nehmen, der mit dem Schnellwechsler sowie mehreren Anbaugeräten aus der KTEG P-Line ausgestattet war. Ergeben hat das zwei Dinge: Zum einen konnte der ambitionierte Kieselnachwuchs seine Schaufel in unter 10 Sekunden gegen einen Greifer wechseln. Zum anderen gelang es ihm mit erstaunlicher Leichtigkeit und Präzision, damit nach schmalen Randsteinen zu greifen, um diese umzupositionieren. Kurzum: »Ein tolles Beispiel dafür, dass auch eine noch ungelernte Hilfskraft schnell mit diesem System klarkommen kann.« In diesem Zusammenhang erklärte Toni Kiesel überdies, dass die Bauindustrie dabei auch von einer technikaffinen und technologieoffenen Generation profitiert: »Mich begeistert, wie feinfühlig, intuitiv und präzise die jungen Leute mit einem tonnenschweren Bagger arbeiten. Die Bedienung mittels Joystick fällt der Playstation-Generation unglaublich leicht – für die Baubranche ist das von unschätzbarem Wert.«

Harald Thum,  Geschäftsführer bei KTEG
»Entwickelt haben wir die P-Line, um einen neuen Standard in der Bau-, Umschlag- und Kompaktindustrie zu generieren.« 

Bagger als multifunktionalen Geräteträger verwenden

Die KTEG P-Line – kurz und knapp erklärt: Der Bagger dient als Multi-Tool-Carrier und kann in Kombination mit dem KTEG OQR, einem vollhydraulischen Rotationsschnellwechsler, alle Anbaugeräte um 360° drehen – und in Sekundenschnelle wechseln. Grundsätzlich spricht Harald Thum hier von Performance-Optimierung: »Das Zusammenspiel zwischen Geräteträger, digitalen Assistenzsystemen, Schnellwechsler und den jeweiligen Anbaugeräten ergibt ein ganzheitliches System. Durch die Reduzierung der Prozesskosten um mindestens 30 % und das Minimieren von Maschinenstillstand bei weniger Handarbeit gelingt uns gleichzeitig eine Prozessoptimierung.« Ebenso ging Thum auf die gesteigerte Produktivität ein: »Die mit der KTEG P-Line ausgestatteten Maschinen steigern die Effizienz durch die vereinfachte Handhabung der digitalen Assistenten. Ergänzt wird das durch eine weit effizientere Auslastung des Personals. Und dank einer offenen Plattform lassen sich weitere Applikationen zu jedem Zeitpunkt integrieren. Letztlich kann der Bauunternehmer seinen Profit steigern, indem er seine Reparatur- und Personalkosten deutlich reduziert.«

Baggern – aber elektrisch: Kiesel und KTEG stellten ihren batterieelektrischen Hydraulikbagger ZE85 vor. Mit PowerTree bietet sich außerdem eine Ladelösung.

Was die KTEG P-Line letztlich »anders macht«

Zu hinterfragen gilt ohne jeden Zweifel auch, was die KTEG P-Line von bewährten Lösungen unterscheidet. In erster Linie dürfte das System aus technischer Sicht überzeugen: Die 360° Drehbarkeit, der Einsatz eines vollhydraulischen Rotationsschnellwechslers sowie die Fülle an verfügbaren Anbaugeräten stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die insgesamt sechs verschiedenen Baugrößen des OQR-Wechslers, der für Bagger von 2 t bis 20 t entwickelt wurde. »Aber auch hier wissen wir, dass die KTEG P-Line noch längst nicht zu Ende gedacht ist. Unser Ziel für die kommenden Jahre ist es, das Sortiment an Anbaugeräten ständig zu erweitern – die Pläne dafür liegen längst auf dem Tisch«, teilte Toni Kiesel mit. Interessant ist in diesem Zusammenhang der KTEG CoPilot: Mit ihm soll ein nahtloser Informationsfluss von der Fahrerkabine bis ins Backoffice möglich sein. Der CoPilot Professional, so KTEG, bündle zudem die komplette Kommunikation und integriere alle erforderlichen Systeme wie eine dynamische Waage, Fencing, 2D sowie das Smart Attachment Control für OilQuick und Kinshofer. »Ebenso soll der Einsatz von Assistenzsystemen die Sicherheit am Bau erhöhen. Und mit dem KTEG Tool ­Tracker sind alle Anbaugeräte jederzeit zu lokalisieren, während der Fahrer merklich entlastet wird«, fügte Harald Thum an.


Zu den Highlights der verfügbaren Anbaugeräte zählt unter anderem die »6 in 1«-Klappschaufel, mit der Planierarbeiten ebenso gelingen wie Ladespiele – auch präzises Verfüllen von Gräben ist laut KTEG problemlos möglich. Die Bandbreite an verfügbaren und geplanten Anbaugerätelösungen ist erstaunlich vielfältig. Für das kommende Jahr haben Toni Kiesel und Harald Thum bereits angekündigt, dass die KTEG P-Line bewusst in den Fokus gerückt wird. »Alle Arbeiten mit nur einer Maschine und einem Fahrer erledigen: Genau das möchten wir im Rahmen von Anwendungstrainings, die ab 2024 im Coreum angeboten werden, für Anwender erlebbar machen«, so Toni Kiesel abschließend.d


Die Kiesel Group: Vier strategische Geschäftsfelder

Was im Jahr 1958 als 2-Mann-Unternehmen seinen Anfang nahm, mündet heute in der international agierenden Kiesel Group mit über 1 200 Mitarbeitern an 45 Standorten in Europa. Im Geschäftsfeld Handel übernehmen Maximilian Schmidt und Lars Kirchner seit 2023 die Geschäftsführung der Kiesel Trade GmbH & Co. KG. Beide sind bereits seit vielen Jahren im Management des Familienunternehmens tätig. Maximilian Schmidt, Geschäftsführer der Kiesel Trade: »Es geht uns um die optimale Beratung und die umfassende Betreuung unserer Kunden vor Ort. Als Systempartner bieten wir ein flächendeckendes Vertriebs-, Miet- und Servicenetzwerk in Deutschland und Teilen Europas an.«

Die Kiesel Trade ist Generalimporteur für Hitachi und Exklusivpartner für Bell in Deutschland, Österreich und Polen. Als Exklusivpartner für Fuchs werden viele europäische Länder betreut und für Giant der deutsche Markt bearbeitet. Hinzu kommen weitere Topmarken wie auch Weltmarktführer, die Teil des Partnernetzwerks der Kiesel Trade sind. »Kiesel Used« hingegen bietet als eigenständige Tochtergesellschaft eines der größten herstellerübergreifenden Gebrauchtmaschinenportfolios in Europa. Ergänzt wird die Dienstleistungskompetenz durch die zentralen Bereiche Customizing, Teile und Zubehör in Stockstadt. Hier werden die Maschinen kundespezifisch ausgerüstet.

Das firmeneigene Logistikzentrum mit 60 000 lagernden Teilen garantiert eine schnelle Ersatzteilverfügbarkeit für die Kunden der gesamten Kiesel Group. Im Geschäftsfeld Hersteller agiert die KTEG GmbH als Innovator für Schlüsselmaschinen und Technologien rund um die Baustelle. Harald Thum, Geschäftsführer der KTEG: »Wir profitieren ganz klar von der Innovationskraft der Kiesel Group. Gleiches gilt für unser Joint Venture mit Hitachi Construction Machinery.« Das dritte Geschäftsfeld der Kiesel Group ist die Coreum GmbH, sie feierte ihr fünfjähriges Jubiläum bei den Praxistagen im Oktober (das bauMAGAZIN berichtet darüber in dieser Ausgabe ab Seite 118). Mittlerweile hat das Coreum über 55 Partnerunternehmen, zur eigenen Gastronomie kam im Frühjahr das Coreum Hotel hinzu. Zahlreiche Wechselausstellungen gibt es im Forum und Expo-Park Bau. In der Coreum Akademie werden täglich Maschinisten, Poliere, kaufmännische Mitarbeiter und Führungskräfte geschult.

Als Eventlocation hat sich das Coreum seit seiner Gründung auch außerhalb der Branche etabliert. Kathrin Kiesel und Björn Hickmann sind Geschäftsführer des Coreum. »Gastfreundschaft und Herzlichkeit sind uns wichtig. Eine einladende und freundliche Atmosphäre zu schaffen, in der sich unsere Kunden und Mitarbeiter willkommen und geschätzt fühlen, das ist unser Anspruch und die Basis für produktive und innovative Stunden bei uns im Coreum«, so Kathrin Kiesel. Im Geschäftsfeld Beteiligungen dreht sich alles um Unternehmen, die das Produktportfolio ergänzen. Ludwig Vetter ist als Geschäftsführer für diesen Bereich verantwortlich: »Im Geschäftsfeld Beteiligungen finden sich viele interessante Unternehmen und Start-ups, die sich mit Innovationen in unserem Bereich beschäftigen und neue Impulse für die Branchen, in denen wir tätig sind, setzen. Hierzu zählen zum Beispiel Makineo und EmiControls Europe.«   d

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