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Daimler: »Hochspezialisierter Alleskönner« für die Bauwirtschaft

Der neue Arocs, das Flaggschiff für den Bauverkehr von Mercedes-Benz Trucks, bleibt seinen Tugenden treu und zeichnet sich weiterhin durch Kraft, Robustheit und Effizienz aus – egal, ob als schwerer Kipper, Betonmischer, Baustofftransporter, Sattelzugmaschine oder Sonderfahrzeug. Das hat Michael Dietz, Leiter Globales Marketing Mercedes-Benz Lkw, auf der Bauma-Pressekonferenz des Unternehmens erklärt und betont: »Wir sind sehr stolz darauf, mit dem Arocs mit insgesamt 58 Modellen, 15 Motoren- und 19 Kabinenvarianten sowie mehreren Achskonfigurationen eine komplett eigenständige Baureihe für die Bauwirtschaft anbieten zu können.« Das wirke sich, auch angesichts der florierenden Baukonjunktur in Deutschland, äußerst positiv auf die Arocs-Nachfrage aus. »Wir sind wirklich sehr gut im Baugeschäft positioniert«, sagte Michael Dietz im Gespräch mit dem bauMAGAZIN.

Von Michael Wulf

Im Zuge der Entwicklung des neuen Actros haben die Entwicklungsingenieure bei Mercedes-Benz Trucks auch den Arocs umfangreich erneuert. Fast alle Produkt-Highlights aus dem Actros sind auf Wunsch auch für die neue Arocs-Generation zu haben (das bauMAGAZIN berichtete in Heft 3/19, Seite 162). So verfügt beispielsweise jeder Arocs – bis auf den Betonmischer – serienmäßig über den vorausschauenden Tempomaten Predictive Powertrain Control (PPC) in verbesserter Form. Das PPC kann seine Stärken insbesondere im Bauverkehr mit vielen, oft nur kurzen Überlandfahrten ausspielen. Hier entlastet das System den Fahrer und hilft ihm, dauerhaft Treibstoff zu sparen.

Zahlreiche Optionen

Zusätzlich sind optional die MirrorCam, der Active Brake Assist 5 (nur in Verbindung mit Frontunterfahrschutz bei Zwei- und Dreiachsern) und das Multimedia-Cockpit auch für den Arocs verfügbar. Optional lassen sich Arocs und Actros mit Reifendruck-Kontrollanlage samt neuem Anzeigekonzept ausstatten (in Deutschland Serie für Actros und Arocs). Hier wird der Soll-Ist-Druck im Reifen in Abhängigkeit der Temperatur angezeigt.

Auch die ohnehin schon vorhandene Aufbauherstellerfreundlichkeit wurde nochmals gesteigert. So können jetzt unter anderem einzelne, nicht sicherheitsrelevante Bedienfunktionen der Aufbauten in das neue Multimedia Cockpit integriert werden. Das bringt Aufbauherstellern, Fahrern und Transportunternehmern eine Reihe von Vorteilen.

Große Auswahl

Mit der großen Auswahl an Fahrerhäusern, Motoren, Antriebsvarianten und Radformeln gilt der Arocs als ein »hochspezialisierter Alleskönner« für die Bauwirtschaft und bietet seit seiner Premiere vor sechs Jahren breites, ständig wachsendes Fahrzeug-Programm. So gibt es den Arocs als Fahrgestell und Sattelzugmaschine mit allen denkbaren Radformeln. Sie reichen als Zweiachser von 4x2 bis 4x4, als Dreiachser von 6x2 mit Nach- oder Vorlaufachse, 6x4 bis 6x6 und als Vierachser von 8x2 mit Nachlaufachse, 8x4 (auch mit Nachlaufachse) bis zu 8x6 oder 8x8.

Besondere Varianten sind eingeschlossen, etwa Vierachser mit drei Hinterachsen oder Vierachser-Pritschenwagen mit einer angetriebenen und einer gelenkten Hinterachse. Im Angebot sind verschiedene Fahrerhäuser, unterschiedliche Rahmen je nach Einsatz überwiegend auf der Straße oder im Gelände, zahlreiche Radstände, Stahl- oder Luftfederung sowie drei Allradsysteme.

Niedriges Gewicht, hohe Nutzlast

Vorkonfektionierte Fahrzeuge sollen dabei den Kunden die Auswahl erleichtern. Der Arocs Loader zielt auf niedriges Eigengewicht und hohe Nutzlast, was ihn zum Favoriten bei zweiachsigen Sattelzugmaschinen und Betonmischern macht. Das berührt unter anderem Fahrerhaus, Fahrgestell, Motorisierung, Achsen und Bereifung. Der Arocs Grounder ist das robuste Pendant für besonders harte Einsätze. Dafür hat er einen hochstabilen Rahmen, Mehrblatt-Parabelfedern mit harter Federkennlinie, speziell abgestimmte Stoßdämpfer, Außenplanetenachsen und besonders langlebige Felgen und Reifen mit hoher Tragkraft.

Vom kompakten S-Fahrerhaus ClassicSpace über das etwas längere M-Fahrerhaus bis zur geräumigen L-Kabine BigSpace erfüllt der Arocs jeden Kunden- und Fahrerwunsch. Das gilt auch für Spezialitäten wie Fahrerhäuser mit abgesenktem Dach. Wenn sich der Arocs auf Baustellen und an Einfahrten klein machen muss, bietet sich das 2,3 m breite Classic-Space-Fahrerhaus in M- und L-Ausführung mit Low-Roof an. Es ist 100 mm niedriger als die Standardversion. Der Kunde kann zudem zwischen den beiden optionalen Ausstattungslinien »StyleLine« und »TrendLine« wählen.

Vier verschiedene Motoren

Für den Antrieb im Arocs sorgen vier moderne Reihensechszylindermotoren mit 7,7 l, 10,7 l, 12,8 l und 15,6 l Hubraum. Insgesamt stehen 18 Leistungsstufen von 175 kW (238 PS) bis 460 kW (625 PS) und von 1 000 Nm bis 3 000 Nm zur Wahl. Hervorzuheben ist die Spitzenausführung des OM 470 mit 335 kW (456 PS) Leistung und einem Drehmomentmaximum von 2 200 Nm.

Serienmäßig übernehmen vollautomatisierte Getriebe der Baureihe Mercedes PowerShift 3 mit 8, 12 oder 16 Gängen die Kraftübertragung. Drei Fahrprogramme – Economy/Standard und Power oder Offroad – sind Serie. Die Fahrprogramme »Offroad« oder »Power« mit jeweils mehreren Fahrmodi stellen sich auf den Fahrbetrieb ein. Zusatzfunktionen wie der Freischaukel-Modus unterstützen den Fahrer bei Traktionsproblemen im Gelände. Die Direktschaltung vom ersten in den Rückwärtsgang erlaubt außerdem schnelles Rangieren. Optional gibt es auch manuelle Schaltgetriebe.

Für den Offroad-Bereich bietet Mercedes-Benz drei unterschiedliche Varianten an. Stehen Nutzlast und Kraftstoffverbrauch im Vordergrund, ist der zuschaltbare Allradantrieb die richtige Wahl. Ist maximale Traktion gefordert, heißt die Lösung permanenter Allradantrieb plus Geländeuntersetzung. Weiter gibt es für alle 2- und 3-Achser beim Actros und Arocs (außer für SZM mit Vorlaufachse) die zuschaltbare hydraulische Anfahrhilfe »Hydraulic Auxiliary Drive« (HAD) mit vergleichsweise geringem Mehrgewicht. HAD deckt mit zuschaltbaren Radnabenmotoren an der Vorderachse den straßenorientierten Einsatz mit gelegentlich erhöhten Traktionsanforderungen ab.


Mit Turbo-Retarder-Kupplung

Wer mit hohen Gewichten besonders feinfühlig und verschleißfrei anfahren oder bei niedrigsten Geschwindigkeiten rangieren muss, wählt die Turbo-Retarder-Kupplung (TRK). Sie kombiniert eine hydraulische Anfahrkupplung und einen Retarder in einer Komponente. Die Turbo-Retarder-Kupplung ist in allen Arocs 6x4- bis 8x8-Fahrgestellen kombinierbar. Auch im allradgetriebenen Vierachskipper für maximal 41 t Gesamtgewicht macht sich auf schwerem Terrain eine solche Kupplung bezahlt. Als Primärretarder entwickelt die TRK eine Bremsleistung von 350 kW (476 PS). Gemeinsam mit der bis zu 475 kW (646 PS) starken High Performance Engine Brake sorgt die TRK für höchste Sicherheit.

Bis zu 250 t Gesamtzuggewicht

Prädestiniert für den Einsatz der Turbo-Retarder-Kupplung sind auch die Schwerlastzugmaschinen Actros SLT und Arocs SLT von Mercedes-Benz. Mit drei oder vier Achsen bestückt, erlauben diese spektakulären Giganten bis zu 250 t Gesamtzug­gewicht. Zwei angetriebene Achsen oder Allradantrieb, starke Motoren mit bis 460 kW (625 PS) Leistung und 3 000 Nm Drehmoment sowie fein abgestufte 16-Gang-Mercedes PowerShift-Getriebe stehen bei den SLT in den technischen Daten. Ein verkleideter Kühlturm hinter dem Fahrerhaus vereint Kühlanlage, Hydraulikanlage, Kraftstofftank mit 900 l Volumen, Druckluftkessel und weitere Komponenten.

Anders als der luftgefederte Actros SLT stützt sich der Arocs SLT auf Stahlfedern. Die Basis bildet der Arocs Grounder mit den Fahrerhäusern StreamSpace in 2,3 m Breite oder BigSpace in 2,5 m Breite (nicht für Allradfahrzeuge). Für den Transport schwerer Bau­maschinen greift die Bauwirtschaft oft auf den Arocs Semi-SLT zurück. Hier beschränkt sich das zulässige Gesamtzuggewicht auf maximal 120 t (Dreiachser) bzw. 180 t (Vierachser).      ß

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