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Daimler Trucks: Rekorde über Rekorde und ein noch ungelöstes Rätsel

Mit Bestwerten bei Absatz, Umsatz und Ertrag hat Daimler Trucks im vergangenen Jahr seine führende Position als weltweit präsenter Lkw-Hersteller unterstrichen. Trotz des »erfolgreichsten Jahres in der Geschichte von Daimler Trucks« und einem positiven Ausblick auf 2019 mahnte Martin Daum, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Trucks & Buses, bei der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen »auch das ökonomische Rätsel zu lösen«. Auf der Jahrespressekonferenz von Daimler Trucks im »Unimog-Museum« im badischen Gaggenau kündigte Stefan Buchner als Leiter Mercedes-Benz Trucks zudem einen Praxistest mit dem vollelektrischen eActros an. »Es spricht viel dafür, dass wir mit dem Konzept des eActros auf dem richtigen Weg sind«, sagte Buchner und verwies zudem auf die Integration der bisherigen Daimler Fleetboard GmbH in den Geschäftsbereich Mercedes-Benz Lkw. Seine Kompetenz im Off-Road-Bereich wird Daimler Trucks außerdem auf der Bauma in München mit insgesamt 22 Fahrzeugen demonstrieren (das bauMAGAZIN berichtete in Heft 3/19, Seite 162).

Die Lkw-Sparte von Daimler hat 2018 den Absatz um 10 % auf 517 300 Einheiten gesteigert – der höchste bislang jemals erreichte Lkw-Absatz bei Daimler Trucks. In den wichtigen Märkten und Regionen wie NAFTA (USA, Kanada und Mexiko), Brasilien sowie Indien konnte Daimler Trucks beim Absatz zweistellige Wachstumsraten verbuchen. Der Umsatz stieg auf 38,3 Mrd. Euro, ebenfalls deutlich im Vergleich zum Vorjahreswert (35,8 Mrd. Euro). Dabei wurde ein Ertrag (EBIT) von 2,753 Mrd. Euro erwirtschaftet, der um 16 % über dem Vorjahreswert von 2,383 Mrd. Euro liegt. Die Umsatzrendite betrug 7,2 % (Vorjahr 6,7 %).

Umsatzrendite zwischen sieben und neun Prozent

Die positive Ergebnisentwicklung sei im Wesentlichen auf einen höheren Absatz in der NAFTA-Region sowie auf die konsequente Umsetzung von Effizienzverbesserungen zurückzuführen, so Martin Daum. Daimler Trucks hat bis Ende 2018 ergebniswirksame Verbesserungen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro erreicht, die im Jahr 2019 voll ergebniswirksam werden. Für dieses Jahr rechnet man bei Daimler Trucks mit einem leichten Anstieg, obwohl die Märkte weiterhin »sehr fragil« seien und man bei den »Sorgenkindern Türkei und Argentinien« noch kein Licht am Ende des Tunnels sehe, erklärte ­Martin Daum. »Trotzdem sollte es uns gelingen, bei der Umsatzrendite im Bereich von 7 % bis 9 % zu liegen.« Daimler Trucks sieht sich für 2019 in den wichtigsten Märkten und Regionen weltweit gut aufgestellt. In Nordamerika steht man als unangefochtener Marktführer vor der Einführung des neuen Freightliner Cascadia – des ersten Serien-Lkw mit der Fähigkeit zum teilautomatisierten Fahren in den USA. Mit der Einführung des neuen Actros im Juni 2019 unterstreicht Mercedes-Benz zudem seine führende Position in Europa.

Mehr als 100 000 Trucks in China abgesetzt

Auch in Indien ist man mit der Marke BharatBenz erfolgreich und hat seit Fertigungsbeginn im Jahr 2012 mehr als 100 000 Nutzfahrzeuge aus dem Werk in Chennai ausgeliefert. Der Fuso Super Great erhält von November an wie seine Markenbrüder von Mercedes-Benz und Freightliner die Fähigkeit zum teilautomatisierten Fahren (Level 2). In China, dem größte Lkw-Markt der Welt, hat Daimler Trucks gemeinsam mit seinem Joint-Venture-Partner Foton im vergangenen Jahr mehr als 100 000 lokal gefertigte Auman Trucks verkauft.

Daimler Trucks sieht sich zudem als führender Anbieter bei der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen. Dabei erprobt das Unternehmen gemeinsam mit seinen Kunden Einsatzmöglichkeiten, in denen e-Mobilität wirtschaftlich sinnvoll und ohne öffentliche Infrastruktur möglich ist. »Wir müssen bei der e-Mobilität auch das ökonomische Rätsel lösen«, sagte Martin Daum, »denn unsere Kunden verdienen ihr Geld mit unseren Fahrzeugen. Wenn uns das gelingt, dann ist der Schritt vom Verbrennungsmotor hin zum E-Motor ganz einfach.« Das allerdings werde nicht über Nacht passieren.

Praxistest mit dem eActros startet

Einen Praxistest mit einem eActros startet Mercedes-Benz Lkw gemeinsam mit der Spedition Logistik Schmitt auf der B 462 bei Rastatt (Baden-Württemberg). Ein Jahr vor Inbetriebnahme der Teststrecke für Oberleitungs-Lkw in der Region legt der 25-Tonner von Mercedes-Benz dabei im Drei-Schicht-Betrieb eine Tagesstrecke von rund 168 km emissionsfrei zurück. In einem nächsten Schritt sollen dann Vergleichstests des eActros als Sattelzugmaschine mit höherer Tonnage und Reichweite mit dem im Frühjahr 2020 beginnenden Oberleitungsprojekt eWayBW erfolgen.


»Es spricht alles dafür, dass wir mit dem Konzept des eActros auf dem richtigen Weg sind«, sagte Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Trucks. »Wir sind gespannt auf weitere interessante Erkenntnisse aus der Betriebspraxis, auch im Hinblick auf die späteren Vergleichstests mit dem Oberleitungs-Projekt.«

»Auf Augenhöhe mit einem Diesel-Lkw«

Stefan Buchner erläuterte zudem, dass der eActros seit Juni 2018 auf öffentlichen Straßen unterwegs sei und bereits mehr als 30 000 rein batterieelektrisch gefahrene Kilometer zurückgelegt habe. Seine 200 km Reichweite hätten sich bisher als »absolut realistisch« erwiesen. Der eActros absolviere seinen Transportauftrag völlig unabhängig von Strecke oder sonstigen Gegebenheiten. Der Aufwand für die Installation jeweils einer Ladestation pro Kunde sei dabei vergleichsweise gering. »Unser Ziel ist es«, so Stefan Buchner, »vom Jahr 2021 an lokal emissionsfreies und leises Fahren in Städten auch mit schweren Serien-Lkw zu realisieren – und das betriebswirtschaftlich auf Augenhöhe mit einem Diesel-Lkw.«

Daimler Trucks verfügt derzeit als einziger global agierender Lkw-Hersteller über vollelektrische Trucks in allen Segmenten: vom Fuso eCanter im leichten Segment über den Freightliner eM2 im mittelschweren Segment bis hin zum Mercedes-Benz eActros, Freightliner eCascadia und E-Fuso Vision One im schweren Segment. Seit Juni letzten Jahres hat die Sparte alle e-Aktivitäten für Trucks & Buses übergreifend unter dem Dach der E-Mobility Group gebündelt.

Level 4 ist das nächste Ziel

Diese definiert marken- und spartenübergreifend die Strategie für sämtliche Elektrokomponenten sowie komplette Elektrofahrzeuge. Darüber hinaus erarbeitet die E-Mobility Group eine weltweit einheitliche Architektur, vergleichbar mit der erfolgreichen globalen Plattformstrategie bei konventionellen Antrieben und Aggregaten. Auch das automatisierte Fahren mit dem Lkw hat Daimler Trucks 2018 auf das nächste Level gehoben. Mit dem neuen Mercedes-Benz Actros präsentierte das Unternehmen im Rahmen der IAA Nutzfahrzeuge den ersten Serien-Lkw mit teilautomatisierten Fahrfunktionen (Level 2). Nach der Einführung des teilautomatisierten Fahrens (Level 2) konzentriert sich Daimler Trucks jetzt auf die Entwicklung hochautomatisierter Lkw (Level 4).

In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen bekanntgegeben, in den kommenden Jahren 500 Mio. Euro in die Entwicklung hochautomatisierter Lkw (Level 4) zu investieren und binnen eines Jahrzehnts mehr als 200 neue Arbeitsplätze zu schaffen, um hochautomatisierte Lkw zur Marktreife zu bringen.

»Haben die Kraft und das Durchhaltevermögen«

»Wir halten das für realistisch«, sagte dazu Martin Daum. »Wenn wir feststellen, dass es funktioniert, dann haben wir auch die Kraft und das Durchhaltevermögen, diesen Weg fortzusetzen.« Schließlich investiere man jedes Jahr rund 1,4 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung. Und Stefan Buchner ergänzte: »Sei es das autonome, das vernetzte oder das elektrische Fahren: Wir entwickeln Technologien, die Transporte nachhaltiger und effizienter machen.«    Michael Wulf  ß

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