Schwing GmbH Schachtverfüllung Zeche Zollverein

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Schwing

Im Herzen des Ruhrgebiets in Essen (NRW) liegt das Gelände der Zeche Zollverein, ein bis 1986 aktives Steinkohlebergwerk, das inoffiziell auch »Eiffelturm des Ruhrgebiets« genannt wird. Seit 2001 ist die Zeche Zollverein Unesco-Weltkulturerbe und zählt damit auch offiziell zu den bedeutendsten Kulturgütern der Welt. Im Zuge der Planung der Verfüllung der Schächte II und XII auf Zeche Zollverein kam Thyssen Schachtbau 2018 auf Schwing mit der Bitte um ein Beton-Förderkonzept zu.

 »Wir sind stolz, gemeinsam mit unserem Partner Thyssen Schachtbau und allen weiteren beteiligten Firmen für die Ruhrkohle AG und das Land NRW an einem solch spannenden Projekt teilnehmen zu können. Für uns als ortsansässiges Unternehmen aus Herne ist dies ein Referenzprojekt Wir haben kurze Wege zur Baustelle und die Zusammenarbeit symbolisiert den Zusammenhalt des Ruhrgebiets.« Dennis Feldbrügge, Projektingenieur Baustellentechnik bei Schwing.

Die Schächte sollten aus Gründen der Standsicherheit verfüllt werden. Zudem sollte weiterhin die Möglichkeit bestehen, das Grubenwasser weiterhin dauerhaft vom Grundwasser trennen zu können. Hierzu werden Hüllrohre in den Schacht eingelassen, welcher ringsum mit Beton verfüllt wird. So kann das Grubenwasser über Hochdruckpumpen jederzeit aus dem Schacht gepumpt werden. Insgesamt werden so rund 95 000 m³ Beton gepumpt, wovon 55 000 m³ auf Schacht XII und weitere 40 000 m³ auf Schacht II entfallen. Die Verfüllung der Schächte sollte bei laufendem Museumsbetrieb stattfinden, höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechen und möglichst in die Landschaft des Weltkulturerbes passen. Hierzu waren zahlreiche Maßnahmen erforderlich, die in mehreren Jahren Planungsleistung durch Thyssen Schachtbau und Schwing realisiert wurden.

Über 150 m lange Förderleitung

Insbesondere für die Verfüllung von Schacht XII ergaben sich besondere Anforderungen. So sollte die übertägige Betonförderung von der Pumpstation bis zur Übergabestation am Schacht mit einer stationären Betonpumpe über eine 150 m lange Förderleitung erfolgen. In der Pumpstation wurde eine SP 2800 E, eine stationäre Betonpumpe mit 132 kW elektrischer Antriebsleistung und einem maximalen Betonförderdruck von 108 bar, installiert. Auch für die Verfüllung von Schacht II wurde eine SP 2800 E installiert. Aus Lärmschutzgründen für den Museumsbetrieb bekamen die Stationärpumpen Schalleinhausungen. Das Förderleitungskonzept beinhaltet, dass bei eventuellen Komplikationen in jedem Fall eine Redundanz gegeben ist und auch die Reinigung oder Betonage-Abbruchkonzepte im Hinblick auf die Rückförderung des Betons zur Pumpstation wirtschaftlich ermöglicht werden. Zudem darf für den Fall einer defekten oder beschädigten Förderleitung kein austretender Beton das Gelände des Weltkulturerbes verschmutzen oder die Besucher gefährden. Realisiert wurde dies mit einer 3-strängigen Betonförderleitung sowie zwei Versorgungsleitungen für Druckluft und Wasser. Die gesamte Förderleitung wurde in sogenannten Rohrleitungswannen eingehaust und zu Wartungszwecken mit Öffnungsklappen zugänglich gemacht. Ebenfalls wurden aus Lärmschutzgründen Dämmelemente innerhalb der Rohrleitungswannen eingebaut.

Im Dauereinsatz: einer der Stetter-Fahrmischer beim Abladen.

Verschleiß verringern

Die Pumpstation wurde so konzipiert, dass von der elektrisch angetriebenen stationären Betonpumpe SP 2800 E durch alle drei Betonförderleitungen Beton gepumpt werden kann. Zur Verringerung des Förderleitungsverschleißes war dies eine sinnvolle Lösung, welche durch die Anordnung von insgesamt vier Rohrweichen realisiert wurde. So sollen im Zuge des Gesamtprojekts an Schacht XII durch jeden Strang der Förderleitung etwa 20 000 m³ Beton gepumpt werden. Es entstand in Zusammenarbeit mit Thyssen Schachtbau ein aufwändiger Betonförderschaltplan. Auch das Zurückfördern des Betons in einen Förderleitungsgalgen wurde so ermöglicht. So kann der Beton im Notfall auch zurück in den Betonmischer gepumpt werden. Die Verfüllung der Schächte erfolgt mittels selbstverdichtenden Betons (SVB), da der Betoneinbau in 1 000 m Tiefe mittels extern zugeführter Verdichtungsenergie durch Rüttler unmöglich ist. Ebenfalls soll der Beton bei der Abwärtsförderung in den Schacht nicht entmischen und so das bestmögliche Einbauergebnis erzielen. Im Vorfeld der Ausführung dieses Projekts wurden unter Anwesenheit aller beteiligten Firmen inklusive dem Auftraggeber Ruhrkohle AG einige Pumpversuche durchgeführt. Absicht war die Erkenntnis von Pumpbarkeit und dem individuellen Reibwert des vorgesehenen Betons. Der Reibwert faktorisiert den Widerstand des Betons in der Förderleitung und ermöglicht eine Extrapolation des Betondrucks auf die Dimensionen eines Betonpump-Vorhabens.


Beste Ergebnisse geliefert

Die Pumpversuche lieferten jede Menge Aufschluss, wodurch im Nachgang dieser Versuche der Beton immer weiter optimiert werden konnte. Ergebnis ist ein aufwändiger selbstverdichtender Beton (SVB) der Betongüte C30/37 mit einem Größtkorn von 8 mm. Hinsichtlich der Pumpbarkeit erzielt der Beton nach mehrfacher Optimierung beste Ergebnisse. Die Betonpumpen fördern den Beton mit einer Geschwindigkeit von ca. 60 m³/h über eine Distanz von 150 m. Jede Betonage verfüllt durchschnittlich 6,50 m des Schachts. Das entspricht 31 bis 33 Fahrmischer à 7,5 bis 10 m³ Beton, in Summe 232 bis 247 m³. Angeliefert wird der Beton von der BAV aus Herne und der AVG aus Gelsenkirchen.d

 

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