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Neuer CEO Domenic Ruccolo: »Wirtgen bleibt Wirtgen. Punkt!«

Neben der Weltpremiere der Hamm-Gummiradwalze GRW 280i von Hamm, dem neuen Fräsaggregat der W 150 CF/W 150 CFi oder dem neuen Big-MultiPlex-Ski von Vögele standen bei den »Road Technology Days« der Wirtgen Group in Ludwigshafen das Zusammenspiel der Fräs-, Einbau- und Verdichtungstechnologien sowie entsprechende Synergieeffekte für Straßenbauunternehmen im Mittelpunkt (das bauMAGAZIN berichtete in Heft 5/18, Seite 141). Unter dem Motto »Synergies powered by Wirtgen Group« zeigten die Marken Wirtgen, Vögele und Hamm auf einer Fläche von rund 3 000 m² abgestimmte Maschinen- und Anwendungstechnologien im Einsatz, präsentierten 3D-Anwendungen und erläuterten die Vorzüge vernetzter Baustellenprozesse. Dabei waren rund 4 000 Kunden und Straßenbau-Experten aus mehr als 80 Ländern der Einladung der drei Weltmarktführer gefolgt, die auf dem 370 000 m² großen Werksgelände der Joseph Vögele AG in Ludwigshafen praxisnahe Einblicke gaben in aktuelle Entwicklungen aus den Sparten Kaltfräsen, Kaltrecycling, Bodenstabilisierung, Einbauen und Verdichten. Gleichzeitig betonte Domenic Ruccolo als neuer CEO der Wirtgen Group, dass die zum Ende des vergangenen Jahres vom US-amerikanischen Konzern John Deere übernommene deutsche Unternehmensgruppe »hervorragend« in den Bereich Bau von John Deere passe und man »nicht abweichen« werde von der nachhaltigen Investitionsstrategie. »Wirtgen bleibt Wirtgen. Punkt!«, erklärte Domenic Ruccolo. Die Wirtgen Group sei ein herausragendes Unternehmen mit herausragenden Mitarbeitern. Zu den Zielen des fusionierten Unternehmens in diesem Jahr gehöre es, so Domenic Ruccolo weiter, den Umsatz um 29 % zu steigern, wozu die Wirtgen Group 12 % beitragen solle.

Für den neuen CEO der Wirtgen Group steht es außer Frage, dass die Unternehmensgruppe in ihrer Struktur, mit ihren Marken und ihren Werken so weiter arbeiten wird wie in der Vergangenheit. »Wir wollen bei der Wirtgen Group nicht den Hirsch von John Deere draufkleben«, beteuerte Domenic Ruccolo. So seien zu den »hochqualifizierten 8 200 Mitarbeitern der Wirtgen Group nach der Fusion »gerade einmal sechs Leute« von John Deere gekommen, »und mehr müssen es meiner Ansicht nach auch nicht sein«. Beide Unternehmen passten perfekt zusammen, hätten eine ähnliche Philosophie.


»Nachhaltige Investitionsstrategie«

Domenic Ruccolo kündigte außerdem an, dass man von der »nachhaltigen Investitionsstrategie« auch in Zukunft nicht abweichen werde. So würden wie geplant insgesamt rund 90 Mio. Euro in die Erweiterung des Wirtgen-Stammsitzes in Windhagen investiert. Bei der Hamm AG in Tirschenreuth beläuft sich die Investition insgesamt auf rund 30 Mio. Euro mit dem Ziel, die Produktionskapazität auf etwa 12 000 Walzen pro Jahr zu erhöhen.

Auch beim Brecher- und Siebhersteller Kleemann in Göppingen steht die Erweiterung der Produktion im Fokus, und zwar um rund 50 %. Dafür werden etwa 50 Mio. Euro investiert. Die größte Investition der Wirtgen Group ist derzeit aber der Neubau des Benninghoven-Werkes. Für den Asphaltmischanlagenhersteller wird in Wittlich für insgesamt rund 130 Mio. Euro eine neue Fabrik gebaut, die im Sommer diesen Jahres in Betrieb gehen soll.

Auch bei der Josef Vögele AG in Ludwigshafen, Weltmarktführer bei der Produktion von Straßenfertigern, wird weiter investiert. Insgesamt sind es rund 34 Mio. Euro, unter anderem in den Bau der 22 000 m² großen Auslieferungshalle oder in eine neue Werkshalle zur Erweiterung der Endmontage. Außerdem erweitert Vögele sein weltweites Netz an Schulungscentern, und zwar von derzeit 13 auf 19 CTT (Centre for Training and Technology).

»Das sind für uns sehr wichtige Einrichtungen«, sagte Vögele-Vorstand Bernhard Düser, »können wir doch so unserer Devise ›immer nahe am Kun­den zu sein‹, gerecht werden«. Mit diesem »in un­serer Branche einzigartigen« CTT-Konzept schule Vögele aber nicht nur die eigenen Mitarbeiter vor Ort. »Das ist auch ein Angebot an unsere Kunden, das hervorragend angenommen wird.«

»Viele Möglichkeiten« für Synergien

Bernhard Düser und Domenic Ruccolo erläuterten zudem, in welchen Ländern man in den kommenden Jahren das größte Wachstumspotenzial für Vögele-Fertiger sieht. »Die Wachstumsmärkte für uns sind Nordamerika, Indien und China. Vor allem in den USA ist es unser Ziel, zum dortigen Marktführer Caterpillar aufzuschließen, und zwar mit speziell abgestimmten Maschinen.«

Auf die aus der Fusion resultierenden mög­lichen Synergieeffekte angesprochen, nannte Domenic Ruccolo vor allem vier Bereiche: Lieferketten, Motoren, Telematiksysteme und Komponenten. »Dort bieten sich uns viele Möglichkeiten«, sagte er. Vor allem im Bereich der Telematiksysteme werde man sehr eng zusammenrücken, denn diese würden hinsichtlich Effizienz und Produktivität der Maschinen immer wichtiger. »John Deere verfügt dabei über langjährige Erfahrungen im Agrarsektor, die Wirtgen Group hat die Anwendungsexpertise im Bereich Straßenbau. Dieses Wissen können wir jetzt zwischen beiden transferieren.«

In diesem Zusammenhang verwies Domenic Ruccolo darauf, dass die Wirtgen Group globaler aufgestellt sei als John Deere, das in Europa beispielsweise bislang nur in den Bereichen Landtechnik, Forstmaschinen, Motoren- und Antriebstechnik sowie Rasen- und Landschaftspflege präsent sei. »Wir wollen künftig weltweit die Sparte Erdbaumaschinen stärken, allerdings gibt es für Europa in dieser Hinsicht derzeit noch keine konkreten Pläne.« Es sei jedenfalls nicht daran gedacht, dafür das Vertriebsnetz der Wirtgen Group zu nutzen. Beim Bauma-Auftritt der Wirtgen Group werde es allerdings eine »John-Deere-Komponente« geben.

»Ideale Wissens- und Austausch-Plattform«

Bei den »Road Technology Days« konnten die rund 4 000 Besucher an zwei Tagen neben zahlreichen Fachvorträgen sowie Technologie-Ausstellungen unter anderem Live-Demonstrationen, Werksführungen und eine Maschinen-Ausstellung mit rund 70 Exponaten erleben. Festlicher Höhepunkt war ein Gala-Abend in der neuen 22 000 m² großen Versandhalle des Vögele-Stammwerks. »Der persönliche und fachliche Austausch mit unseren internationalen Kunden ist uns sehr wichtig«, sagte Domenic Ruccolo. »Nur so können wir in einer Branche mit so vielfältigen, hoch diversifizierten Anforderungen passgenaue länder- und kundenspezifische Lösungen entwickeln. Die ›Road Technology Days‹ sind deshalb eine ideale Wissens- und Austausch-Plattform.«

Bei zwei Live-Demonstrationen frästen, be­schick­ten, asphaltierten und verdichteten insgesamt 25 Maschinen auf einer Fläche von rund 3 000 m². »Mit den Live-Demos präsentieren wir nicht nur modernste Technologien und Lösungen für den Straßenbau. Unsere Kunden erleben auch, wie die Maschinen der Wirtgen Group in der Praxis zusammenarbeiten und welche Synergien sich dadurch für den gesamten Straßenbauprozess ergeben», sagte Roland Schug, Marketingleiter der Joseph Vögele AG und gesamtverantwortlich für die diesjährigen »Road Technology Days«. »Die Live-Demos sind deshalb immer das Herzstück unserer Technologietage.«

Neueste 3D-Lösungen vorgestellt

Der moderne Straßenbau fordert eine hohe Präzision, einwandfreie Qualität und effiziente Abläufe. Die »Road Technology Days« boten deshalb auch Einblicke in digitale Mess- und Steuerungssysteme: Bei zwei Technologiepräsentationen zeigten Wirtgen, Vögele und Hamm neueste 3D-Lösungen. Der Gleitschalungsfertiger SP 15i von Wirtgen beispielsweise kann dank GPS-basiertem Autopiloten selbst kleinste Radien vollautomatisiert einbauen. Mit der 3D-Lösung Navitronic Plus von Vögele lassen sich Einbaustärke, -lage und -richtung des Straßenfertigers ebenfalls automatisch steuern. Und das HCQ-System von Hamm misst die wichtigsten Verdichtungsparameter und zeigt dem Walzenfahrer auf dem Display direkt an, wo noch Bedarf besteht.

Bei den Fachvorträgen und in den Technologie-Ausstellungen erhielten die Besucher zudem einen Ausblick auf aktuelle und künftige Entwicklungen im Straßenbau. So zeigte Wirtgen präzise Nivellier-, wirtschaftliche Schneid- und moderne Recyclingtechnologien. Vögele präsentierte das software­basierte Prozessmanagementsystem »Witos Paving«. Die Telematiklösung vernetzt unter an­derem Straßenfertiger, Mischanlage und Lkw und ermöglicht so eine exakt koordinierte Misch­gut­zufuhr. Alle beteiligten Akteure können auf sämtliche Daten wie Betriebsinformationen der Maschinen oder Be- und Entladezeitpunkte der Lkw in Echtzeit zugreifen und die Abläufe so genau aufeinander abstimmen. Hamm zeigte intelligente Lösungen für die Verdichtung, unter anderem das intuitive Bedienkonzept Easy Drive und das Prinzip der Oszillation. Dabei werden tangentiale statt vertikale Schubkräfte in das zu verdichtende Material geleitet. Die Bandage bleibt in ständigem Bodenkontakt und ermöglicht so eine besonderes schnelle Verdichtung.

Blick hinter die Kulissen von Vögele

Neben aktuellen Technologien, Maschinen und Branchenausblicken boten die »Road Technology Days« auch einen Blick hinter die Kulissen von Vögele und damit in das modernste Straßenfertigerwerk der Welt, das 2010 errichtet wurde. Eine interaktive Sonderausstellung zum Thema Qualitätssicherung zeigte anhand von Schautafeln, Videos und Exponaten außerdem, welchen Vorgaben die Bauteile entsprechen und welche Kontrollen sie bis zur Endmontage und Anlieferung beim Kunden durchlaufen müssen. »Die Qualität im Straßenbau beginnt bei uns«, betonte Bernhard Düser. »Nur mit technisch ausgereiften, einwandfreien Produkten können unsere Kunden auch hochwertige Straßen bauen.«

Mehrere Neuheiten präsentiert

Neben der Gummiradwalze GRW 280i von Hamm (Seite 32), die in Ludwigshafen ihre Weltpremiere feierte, wurden bei den »Road Technology Days« weitere Neuheiten präsentiert. Unter anderem die Wirtgen-Fräse W 150 CF/W 150 CFi, deren Fräswalzengehäuse dank eines Verbreitungskits jetzt um 300 mm auf 1 800 mm erweitert werden kann, wodurch sich das Anwendungsspektrum der Fräse nochmals erweitert. Mit dem für die WR-Baureihen ebenfalls neuen Fräs- und Mischrotor Duraforce bietet Wirtgen jetzt eine Lösung an, die im Kaltrecycling und bei der Bodenstabilisierung selbst extreme Anforderungen zuverlässig meistern soll. Das bauMAGAZIN berichtet über beide Entwicklungen in einer der nächsten Ausgaben.

Den Anwendern die Arbeit erleichtern, das sollen auch die Nivelliersensoren der neuen Generation von Vögele. Sie sollen einzeln oder in Kombination mit dem neuen Big-MultiPlex-Ski für optimale Ergebnisse beim Asphalteinbau sorgen. Denn von engen Radien beim Bau von Kreisverkehren bis hin zu langen Geraden beim Fernstraßenbau – die Anforderungen an Nivelliersensoren sind je nach Einsatz höchst unterschiedlich.

Neue Generation der Nivelliertechnik

Darauf reagiert Vögele mit einem umfangreichen Sensorenprogramm, das verschiedene mechanische und Ultraschallsensoren sowie das Sensorsystem Big-MultiPlex-Ski umfasst. Das soll maximale Ebenheit und Profilgenauigkeit im Einsatz sicherstellen, die für die Qualität im Asphalteinbau eine zentrale Rolle spielen. Die neue Generation der Nivelliertechnik integriert laut Vögele innovative praxistaugliche Details und vereinfacht das Anschließen und Einsetzen der Sensoren.

Der Big-MultiPlex-Ski von Vögele ist ein weltweit häufig eingesetztes Sensorensystem. Es ist für Einsätze prädestiniert, bei denen es auf absolute Ebenheit in Längsrichtung ankommt. Nun haben die Vögele-Ingenieure den Big-MultiPlex-Ski vollkommen neu entwickelt. Dabei lag das Hauptaugenmerk auf der Vereinfachung von Montage, Handling und Transport. So kann eine Person den kompletten Aufbau in nur sieben Minuten bewerkstelligen.

Werkzeugfreier Aufbau

Dafür sorgen vor allem die neu entwickelten Klemmverschlüsse, die einen komplett werkzeugfreien Aufbau ermöglichen. Damit alle Teile jederzeit griffbereit sind und sicher transportiert werden, gibt es für den neuen Big-MultiPlex-Ski eine komfortable Transportbox.

Der Big-MultiPlex-Ski misst standardmäßig mit drei Ultraschall-Multi-Sensoren, die an einem 5 m bis 13 m langen Träger befestigt sind. Dort können, je nach Anwendung, bis zu fünf Sensoren angeschlossen werden. Aus den ermittelten Messwerten bildet die Vögele-Nivellierautomatik Niveltronic einen Mittelwert über den gesamten Messbereich hinweg und gleicht so auch langgestreckte Unebenheiten aus.

Die neuen Klemmverschlüsse gibt es nicht nur beim Big-MultiPlex-Ski, auch die Halter für einzelne Sensoren setzen auf diese Technik. So können jetzt alle Sensoren der neuen Generation – ob in der mechanischen Ausführung als Ski-Taster oder dem kontaktlos arbeitenden Ultraschallsensor – ganz einfach und ohne Werkzeug am Seitenschild der Super-Fertiger befestigt werden.

Auch die neuen Sensoren selbst tragen mit Verbesserungen dazu bei, den Anwendern die Arbeit zu erleichtern. Über den korrekten Abstand zur Referenz informiert eine Einrichthilfe in Form eines LED-Bands an den Sensoren: Leuchten die beiden mittleren LED auf, ist die korrekte Position erreicht. Das Anschließen an die Vögele-Nivellierautomatik Niveltronic Plus bzw. Niveltronic Basic ist einfach. Es erfolgt nach dem Plug & Play-Prinzip an die Bohlen-Bedienkonsolen.

Während des Einbaus sorgen zwei weitere Highlights der neuen Sensoren dafür, dass sich die Bohlenbediener voll und ganz auf den Einbau konzentrieren können: Die am Sensor angebrachte LED-Anzeige, sogenannte Nivellierkreuze, informieren permanent darüber, ob die Soll- und Ist-Werte übereinstimmen. Bei schwierigen Lichtverhältnissen oder in der Nacht unterstützt zudem eine ebenfalls in den Sensor integrierte Power-LED die Bohlenbediener, in dem sie die abzutastende Referenz sehr hell ausleuchtet.    ß

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