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MBI Deutschland: Die Nähe zum Anwender ist eine schwierige Aufgabe in Corona-Zeiten

Wichtige Großveranstaltungen, wie zuletzt die Steinexpo, mussten aufgrund der andauernden Covid-19-Pandemie abgesagt werden. Zur Folge hat das einen gewaltigen finanziellen Schaden – gleichzeitig müssen Aussteller auf den Kontakt zu Kunden und Händlern verzichten. Auch der Anbaugeräte-Spezialist MBI Deutschland vermisst diese Events schmerzlich: »Veranstaltungen wie die Steinexpo oder Bauma sind für uns wichtige Plattformen, um mit unseren Anwendern über neue Produkte und Weiterentwicklungen zu diskutieren«, sagt Thomas Fischer, Geschäftsführer und Gründer von MBI Deutschland. Im Gespräch mit bauMAGAZIN-Redakteur Dan Windhorst verrät er, wie sich das zumindest vorübergehend kompensieren lässt. Denn: Die Geschäfte der Hersteller laufen im Baugewerbe ausgesprochen gut. Die Auftragsbücher von MBI sind bis in den August hinein prall gefüllt. Damit das aber auch so bleibt, so Thomas Fischer, müsse man »am Ball bleiben« und trotz ausbleibender Messeveranstaltungen »aufmerksam in den Markt hineinhören«.

Von Dan Windhorst

Technisches Know-how und jahrelange Praxiserfahrung eines Anwenders sind durch nichts zu ersetzen. Als Hersteller von Anbaugeräten für Abbruch und Recycling nutzt MBI Deutschland das Fachwissen seiner Kunden seit Jahren, um die Erfahrungswerte in Planung und Entwicklung neuer Lösungen einfließen zu lassen. Wie schmerzlich der Wegfall großer Präsenzmessen tatsächlich ist, zeigt sich laut Thomas Fischer gerade bei Veranstaltungen wie der Steinexpo: »Kaum ein anderes Event ist so nah am Anwender dran und derart praxisbezogen. Die Steinexpo, aber auch die Bauma in München sind wichtige Gratmesser für uns und dienen als Diskussionsplattform, um gemeinsam mit dem Anwender über unsere Pläne und Entwicklungen zu sprechen.«

Und eben dieser direkte Draht zum Kunden macht laut Thomas Fischer auch den Erfolg von MBI Deutschland und dessen italienischem Mutterkonzern Mantovanibenne aus. Man sei aus Tradition eng mit dem Anwender verbunden und gehe gezielt auf die Kundenanforderungen ein, um so praxisnah wie möglich entwickeln zu können. »Von der Planung bis zur Entwicklung hören wir auf das, was die Praxis fordert«, so Thomas Fischer weiter. »Ein gutes Beispiel dafür ist unser Multisystem MS140, ein Anbaugerät, das für spezielle Abbrucharbeiten entwickelt wurde und über austauschbare Gebisse verfügt. Die Kunden teilen uns mit, wo wir nachjustieren sollten und welchen Anforderungen die Maschine gerecht werden muss.«

Andere Mittel und Wege finden

Inmitten der Covid-19-Pandemie stehen Hersteller wie MBI jedoch vor einem gewaltigen Problem: Bleiben die klassischen Messeveranstaltungen aus und sind direkte Gespräche vor Ort mit den Kunden nicht möglich, müssen andere Mittel und Wege gefunden werden, um den Kontakt zum Anwender weiter aufrecht zu erhalten. In die Pflicht nimmt Thomas Fischer hier vor allem die digitalen Lösungen: Mit Beginn der Krise habe MBI verstärkt auf Social-Media-Lösungen wie Facebook und Instagram gesetzt und sich personell verstärkt, um die Gesprächsfrequenz am Telefon zu erhöhen: »Gerade jetzt konzentrieren wir uns auf die digitalen Kanäle und vermehrte Einzelgespräche am Telefon, um den Wegfall der Veranstaltungen im vergangenen, aber auch in diesem Jahr zu kompensieren«, betont der MBI-Geschäftsführer.


Eine Rückkehr zur Normalität?

Fakt ist aus Sicht des Branchenkenners aber auch, dass das kein Dauerzustand bleiben kann. Gerade die Bauwirtschaft lebe, im Großen wie im Kleinen, vom direkten Miteinander. Für viele bedeuten Events wie die Steinexpo oder die Bauma weit mehr als eine reine Fachinformationsveranstaltung: »Das ganze Messe-Erlebnis und die vielen Besucher fehlen uns in Corona-Zeiten natürlich sehr. Aktuell planen wir vorsichtig mit der Teilnahme an der Nordbau. Das ist für uns eine absolute Traditionsveranstaltung, und wir hoffen natürlich sehr, dass die Messe wir geplant im September stattfinden kann.«

Selbiges gelte aber auch für das kommende Bauma-Jahr: 2022 ist München mit der weltweit größten Messe wieder Dreh- und Angelpunkt für die Baumaschinenindustrie. »Wie zu jeder Bauma ist die Erwartungshaltung gewaltig. Wir freuen uns riesig auf das Event, wissen aber auch, dass die Messe in München vom ›Bauma-Feeling‹ lebt«, sagt Thomas Fischer.

»Bei der Bauma geht es um persönliche Gespräche, um das Zusammensein. Neben den Ausstellungen und Veranstaltungen treffen sich die Leute zu Standpartys und Einzelgesprächen, was die Bauma zu einer offenen Messe mit einem ganz einmaligen Miteinander macht. Eine Bauma mit Maskenpflicht, Abstandsregeln und dem Verbot, Ausstellungsstücke zu berühren, ist da nur schwer vorstellbar. So würde die Messe enorm an dem verlieren, was sie eigentlich ausmacht. Aber wir sind ge­spannt und guter Dinge, dass wir alle eine möglichst normale Bauma erleben dürfen.«

Entwicklungsarbeit läuft auf Hochtouren

Und gerade weil die Bauma im kommenden Jahr ansteht, steckt MBI Deutschland bereits mitten in den Vorbereitungen. Aktuell hat der Anbaugerätespezialist diverse Weiterentwicklungen in der Pipe­line. »Im Mittelpunkt stehen dabei unsere CC-Combicutter-Linie sowie die drehbaren Pulverisierer RP- und RP-IT«, erklärt Thomas Fischer. Ein herausstechendes Merkmal der Combicutter-Serie sind die austauschbaren Zähne sowie längere Messer.

Entwickelt wurde diese Lösung für den Ab­bruch von hochbewehrtem Beton sowie Metallkonstruktionen. Eine »einzigartige Kinematik«, das patentierte Geschwindigkeitsventil sowie die hydraulische 360°-Rotation und eine wartungsfreundliche Konstruktion sind laut Fischer die besonderen Merkmale. Die Serie reicht vom CC25R (25 t bis 30 t) bis zum CC90R für die 75-t- bis 90-t-Klasse und vereint dabei die Funktionen von Abbruchzange und Pulverisierer.

Ein ebenfalls bewährtes System stellen der RP- und der RP-IT-Pulverisierer von MBI Deutschland dar. Beide Serien bieten ebenfalls eine hydraulische 360°-Rotation und sind auf den Primär- und Sekundärabbruch ausgelegt. Im Mittelpunkt stehen bei beiden Varianten sowohl Kraft als auch Ausdauer. Beide Anbaugeräte besitzen einen doppelt gelagerten Drehkranz, der für Stabilität und erhöhte Sicherheit sorgen soll.

Die RP-Serie verfügt über wechselbare Zähne, eine verstärkte Metallstruktur sowie austauschbare Verschleißteile. Wie etwa die obere Zahnplatte, die aus zwei auswechselbaren Teilen besteht. Insgesamt besteht die RP-Serie aus vier Modellen: RP07 (7 t bis 10 t), RP16 (16 t bis 20 t), RP18 (21 t bis 26 t) sowie RP25 (27 t bis 35 t).

Die Serie um den RP-IT-Pulverisierer hingegen wird mit festen Zähnen konstruiert und weist eine extrem verstärkte Struktur auf, um eine lange Lebensdauer zu ermöglichen. Auch das Herausfallen des zerkleinerten Materials wird dadurch erleichtert. Laut MBI Deutschland sorgen austauschbare Messer dafür, dass der RP-IT besonders wartungsfreundlich daher kommt. Sieben verschiedene Modelle umfasst die Serie: Von der RP10-IT-Ausführung, die auf die Klasse von 10 t bis 15 t ausgelegt ist, reicht sie bis zum RP80-IT-Modell, das den Bereich von 70 t bis 95 t abdeckt.

Gute Umsätze trotz Corona

Neben der erfolgreichen Entwicklungsarbeit kann MBI Deutschland derzeit aber auch auf gute Umsatzzahlen setzen. Gerade in Deutschland war und ist die Bauwirtschaft weniger bis kaum von der Corona-Krise betroffen. »Aufgrund der Corona-Situation war unser Werk im März und April geschlossen. Rund sechs bis sieben Wochen konnte daher keine Ware ausgeliefert werden«, so Thomas Fischer. »Berücksichtigt man das, können wir durchaus von einem sehr guten Jahr sprechen, da wir 2020 trotzdessen nur leicht unterhalb des Niveaus von 2019 lagen. Was 2021 betrifft, sind wir optimistisch: Die aktuelle Auftragslage reicht bis in den August hinein. Stand heute liegen wir im Vergleich über dem Niveau von 2019 und rechnen daher mit einem Zuwachs von 10 % bis 15 %.«    d

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