Auf dem weitläufigen Gelände waren Modelle aus dem aktuellen Portfolio an Raupenkranen, Hydroseilbaggern, Ramm- und Bohrgeräten, Anbauwerkzeuge wie Rüttler, Hämmer oder Schlitzwandfräsen sowie begleitende digitale Services und Dienstleistungen zu sehen. Die Brücke zu den Anfängen schlug ein besonderes historisches Highlight: ein 1980 in Nenzing gefertigter und nach 40 Jahren im Dienst aufwendig restaurierter Prototypen des ersten Hydroseilbaggers »HS 870«. Um allen Besuchern den Aufenthalt trotz der hohen Temperaturen so erträglich wie möglich zu machen, wurde eigens für die Veranstaltung eine klimatisierte Halle aufgebaut. Dort fanden Vorträge statt und wurde auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Seilbagger mit unterschiedlichen Antrieben
Liebherr nutzte die Veranstaltung zur Vorstellung neuer Maschinen. Eines der Highlights bei den Feierlichkeiten war der vollelektrische Seilbagger »HS 8100.2 dual power«. Bei diesem sind alle Hauptkomponenten, wie Fahrwerk, Drehwerk, Einziehwerk und die 30-t-Fallwinden, elektrisch. Das im rein elektrischen Betrieb lokal emissionsfrei arbeitende Modell bietet unterschiedliche Antriebsalternativen. Die integrierte Batterie kann auf unterschiedliche Weise gespeist werden. Mit einer Anschlussleistung von 125 A lässt sich der Seilbagger komplett über Baustellenstrom betreiben, während bei 32 A oder 64 A ein Teil der nötigen Energie aus dem Stromnetz stammt und den übrigen Teil ein optionaler Dieselgenerator liefert. Dieser ist in die Maschine integriert und benötigt keinen zusätzlichen Platz. Sollte auf der Baustelle keinerlei Ladeinfrastruktur vorhanden sein, erfolgt der Antrieb komplett über den Dieselgenerator. Zusätzlich kann der Seilbagger dank der Batterie autark auf- bzw. abgebaut oder über eine Strecke von rund 400 m verfahren werden.
Die Einsatzgebiete des »HS 8100.2 dual power« sind laut Liebherr vielfältig – egal ob mit mechanischem Greifer im Spezialtiefbau, mit Schürfkübel für den Materialumschlag oder zum Heben bis 100 t. Die elektrischen Freifallwinden mit einem Seilzug von zweimal 300 kN sollen auf der Baustelle stets für die notwendige Leistung sorgen. Werden diese kraftschlüssig gesenkt, wird Energie zum Laden der Batterie gewonnen. Durch das vollelektrische Antriebskonzept in Kombination mit dieser Energierückgewinnung konnte der Leistungsbedarf laut Hersteller gegenüber der konventionellen Ausführung um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Hinsichtlich des Steuerungskonzepts besteht kein Unterschied zur gesamten HS-Serie, wodurch ein Wechsel auf das neue Gerät einfach möglich ist.
Neue Lösung zum Bodenmischen
Ebenfalls im Fokus standen umweltfreundlichere Verfahren, die bei der Baugrundverbesserung den Lärm reduzieren, vibrationsarmer sind oder den Transport optimieren. Mit dem Fräsmischer »LMC 80« präsentierte Liebherr eine solche Lösung zum Bodenmischen. Für die Anwendung werden die Ramm- und Bohrgeräte »LRB 23« oder »LRB 355« als Träger eingesetzt. Der Fräsmischer kann für alle mischbaren Böden eingesetzt werden, um tragende oder dichtende Elemente zur Baugrundverbesserung zu erstellen. Die vier Fräsräder werden durch ein maximales Drehmoment von zweimal 80 kNm angetrieben und erreichen je nach Boden eine maximale Drehzahl von 30 Umdrehungen pro Minute. Liebherr bietet für die Anwendung sowohl den Fräsmischer als auch die Trägergeräte an: So kann das Ramm- und Bohrgerät »LRB 23« mit Verlängerungsgestänge Bodenmischelemente bis zu einer Tiefe von 36 m herstellen, das größere »LRB 355« bis zu 40 m. In beiden Ausführungen können Lamellen mit einem Querschnitt von 2 800 × 500 bis 1 000 mm umgesetzt werden. Für den flexiblen Einsatz lässt sich der »LMC 80« um 135° in der Mischachse schwenken, ohne den Mäkler zu bewegen. Die Steuerung des Fräsmischers ist dabei in das Bedienkonzept des Trägergeräts integriert.
Die Vertikalitätsmessung zeigt dem Bedienenden am Betriebsmonitor in Echtzeit an, wenn das Mischelement in der Vertikalität abweicht und unterstützt so bei der Umsetzung mit hoher Präzision. Durch das Positionierungssystem »Lipos« können Anwender dank Satellitentechnologien den »LMC 80« laut Liebherr punktgenau im Baufeld ausrichten.
Effizient und vielseitig in der Anwendung
Der »LMC 80« wird im liegenden Zustand an das Trägergerät montiert, was laut Liebherr Zeit spart und besonders sicher ist, da keine Arbeiten in der Höhe ausgeführt werden müssen. Die Vorschubwinde des Trägergeräts hebt die Mischeinheit dann in die Arbeitsposition. Um das »LRB 23« oder »LRB 355« für Ramm- oder Bohranwendungen umzurüsten, muss lediglich das Mischwerkzeug durch Bohrantrieb, Hammer oder Rüttler ersetzt werden. Dadurch sollen sich mit nur einem Trägergerät alle gängigen Anwendungen im Spezialtiefbau umsetzen lassen. Fräsmischen mit dem »LMC 80« hat zudem aus wirtschaftlicher und umweltfreundlicher Sicht weitere Vorteile: Es müssen nur wenige Baustoffe angeliefert und kein Aushub abtransportiert werden, weil nur vorhandenes Bodenmaterial mit Bindemittel-Suspension vermischt wird.
Für anspruchsvolle Mining-Einsätze
Mit dem »LMD 1200« – Liebherr Mining Dragline – bringt das Unternehmen eine speziell für anspruchsvolle Mining-Einsätze entwickelte Maschine zur Gewinnung von Rohstoffen auf den Markt. Ein variables Auslegersystem für den Schürfkübelbetrieb, die einfache Umsetzbarkeit innerhalb der Mine und der robuste Stahlbau sollen für Flexibilität und Zuverlässigkeit sorgen – auch unter extremen Bedingungen und hoher Auslastung. Der »LMD 1200« wurde speziell für Anwendungen mit Schürfkübel für den Nass- oder Trockenabbau entwickelt. Das Auslegersystem kann je nach Einsatzbedingungen flexibel konfiguriert werden, um die optimale Arbeitsleistung zu erzielen. Die maximale Hubkapazität von 30 t bei 40 m Arbeitsradius erfüllt die Anforderungen großer Abbauprojekte und spiegelt sich in der Produktbezeichnung »1200« wider. Durch den robusten Stahlbau ist der Schürfkübelbagger »LMD 1200« laut Liebherr sehr zuverlässig und für Dauereinsätze unter extremen Wetterbedingungen ausgelegt.
Der »LMD 1200« kann mit einem Schürfkübel bis zu 12,25 m³ ausgerüstet werden und Grabtiefen bis zu 25 m umsetzen. Durch die Doppelhydraulikmotoren passt sich die Geschwindigkeit der Winden automatisch an die geforderte Grabkraft an. Dadurch soll eine gleichmäßige und optimale Füllung des Schürfkübels erreicht und die Umschlagleistung deutlich gesteigert werden. Daraus resultieren in Kombination mit den leistungsstarken Drehwerken laut Liebherr kurze Zykluszeiten und eine hohe Produktivität.
Die Grabseilführung des »LMD 1200« besteht aus einem drehbar gelagerten Rollenkopf mit Seilrollen und Leitwalzen sowie der Lagerung und einer automatischen Verfahreinheit. Damit wird das Grabseil schonend auf die Seiltrommel aufgespult. Der große Seildurchmesser und die Standardrillung sollen die Lebensdauer des Seils erhöhen. Das neue Seilschloss ermöglicht einen schnellen Seilwechsel und reduziert Stillstandszeiten. Der integrierte Tank mit 1 000 l Fassungsvolumen und ein 8 270-l-Zusatztank ermöglichen laut Hersteller einen Dauerbetrieb des »LMD 1200« bis zu einer Woche ohne nachzutanken.
Interessant ist das Mobilitätskonzept des »LMD 1200«. Es ermöglicht nach Herstellerangaben ein Verfahren und Umsetzen mit abgesenktem Ausleger innerhalb der Mine. Das stellt nach Einschätzung von Liebherr »einen sehr großen Zeit- und Kostenfaktor in der produktionsintensiven Mining-Branche dar«. Der Auf- oder Abbau des gesamten Schürfkübelbaggers erfolgt innerhalb einer Woche – trotz dieser Größendimension und einem Einsatzgewicht von 360 t. Dazu kommt noch ein hoher Fahrerkomfort in Form einer großzügigen Kabine, die neben einem orthopädischen Fahrersitz ein lärmoptimiertes Design und eine laut Liebherr »ausgezeichnete Übersicht über das Arbeitsumfeld« bietet. Kameras an der Maschine erweitern das Sichtfeld und ermöglichen einen sicheren Rundumblick sowie die Überwachung des Wickelverhaltens der Winden. Für die praxisnahe Einarbeitung neuer Bedienender ist die Kabine zudem mit einem zweiten Fahrersitz ausgestattet.
Erweitertes Portfolio für Rammarbeiten
Der Aufsteckmäkler mit Hydraulikhammer »H 10« ermöglicht Rammanwendungen auch ohne spezifisches Rammgerät, da er sich flexibel an Krane oder Seilbagger montieren lässt. Anwender profitieren von einem deutlich erweiterten Arbeitsbereich: Pfähle lassen sich auch in größerer Entfernung oder hinter Hindernissen einbringen, was insbesondere im Wasser- oder Hafenbau von Vorteil ist. Mit einem Gesamtgewicht von 27 t lässt sich der Mäkler samt Hammer einfach auf den Pfahl aufsetzen, sodass die Arbeiten unmittelbar beginnen können. Das System eignet sich für Pfähle mit einem Gewicht von bis zu 30 t, einem maximalen Durchmesser von 1 220 mm und einer Pfahlneigung von bis zu 1:3. Dank seines modularen Gewichtssystems lässt sich der Hydraulikhammer »H 10« optimal auf unterschiedliche Rammanforderungen abstimmen. Entsprechend der Typenbezeichnung beträgt das maximale Rammgewicht 10 t. Der Schallleistungspegel von vier gleichzeitig betriebenen Liebherr-Hydraulikhämmern bleibt laut Liebherr auf dem Niveau eines einzelnen, konventionellen Hammers ohne Lärmminderung. Neben seinem lärmreduzierten Design bietet der »H 10« nach Herstellerangaben einen Wirkungsgrad von 95 Prozent, mit dem er die Schlagenergie nahezu vollständig auf den Pfahl überträgt. Darüber hinaus ist das Hammer-Modell auch mit den Rammgeräten der Liebherr-Serien »LRB« und »LRH« kompatibel. Für markenfremde Geräte steht eine Stand-alone-Steuerung zur Verfügung.
Hebearbeiten mit Raupenkranen vereinfachen
Das Kippen oder Drehen langer und schwerer Lasten auf Baustellen erforderte bislang meist einen Tandemhub. Mit zwei Raupenkranen auf engstem Raum und zwei Teams, die gut abgestimmt zusammenarbeiten müssen, sind Koordinationsaufwand und Mehrkosten dafür sehr hoch. Beim Tandemhub selbst gelten für die Krane jeweils geringere Traglasten als bei einem Hub mit nur einem Kran. Mit der Pfahlaufrichtvorrichtung von Liebherr sollen solche Einsätze zu einer Ein-Personen-Routine werden. Indem das Standard-Seilrollenpaket am Ausleger ersetzt wird, kann ein einziger Bedienender schwere Komponenten bis 90 t stufenlos über die gewohnte Kransteuerung von 0° (horizontal) bis 90° (vertikal) kippen oder drehen – ohne Schrägzüge auf den Ausleger. Zwei Hubwinden wirken auf getrennte Haken, die synchron oder separat gesteuert werden können. Die gekoppelte Geschwindigkeit der zwei Winden reduziert die Pendelbewegungen der Last. Da die Pfahlaufrichtvorrichtung genau auf derselben Achse wie das Rollenpaket montiert ist, wird sichergestellt, dass die Geometrie des Krans und die Lastmessung nicht beeinflusst werden. Dadurch bleibt die Lastmomentbegrenzung immer aktiv und sorgt laut Liebherr für einen sicheren Hebeprozess ohne Kompromisse in der Traglast.
Der Hebeeinsatz mit der Pfahlaufrichtvorrichtung reduziert die Personenanzahl im Gefahrenbereich und wirkt sich mit Blick auf Dieselverbrauch, Emissionen und Transportkosten nachhaltiger aus. Vor allem in dicht bebauten urbanen Regionen wird der Vorteil deutlich, da für den Anwendungsfall nur Platz für einen Kran anstelle von zwei benötigt wird. Die Pfahlaufrichtvorrichtung kann mit Bolzenverbindungen an alle kompatiblen Raupenkrane der »LR«-Serie mit Traglasten von 130 bis 400 t montiert werden – auch an ältere Gerätegenerationen.
Einsätze auf schwimmenden Konstruktionen
Der Hebebetrieb auf schwimmenden Konstruktionen konfrontiert das Bedienpersonal mit mehreren Herausforderungen: Beim Drehen des Krans und beim Anheben oder Absetzen der Last kommt es durch die Veränderung der Schwerpunktlage und des Gesamtgewichts (Kran plus Last) zu einer Änderung der Barge- oder Pontonneigung (Krängung). Dadurch entstehen Schrägzüge, die zu unkontrolliertem Lastpendeln und zu einer Überlastung des Krans führen können. Beim Absetzen der Last bei kleinem Radius kann aufgrund der Schwerpunktverlagerung des Krans nach hinten der Maximalwinkel des Auslegers überschritten werden, wodurch die Gefahr besteht, dass der Kran kippt.
Anstelle der üblicherweise für den Betrieb auf schwimmenden Konstruktionen eingesetzten Papier-Traglast-Tabellen hat Liebherr eine eigene Betriebsart dafür entwickelt. Diese enthält Lastkurven für unterschiedliche Neigungen (0°, 1°, 2°, 3°) mit entsprechender Absicherung über die Lastmomentbegrenzung. Die Neigung der schwimmenden Konstruktion wird während des gesamten Betriebes überwacht und dem Bedienpersonal angezeigt. Wird der zulässige Grenzwert überschritten, erfolgt eine Warnung. Die Traglastenkurven kann das Bedienpersonal entsprechend der jeweiligen Neigung anpassen. Zusätzlich wird ein Überschreiten des maximalen Auslegerwinkels beim Absetzen der Last verhindert.
Teil des Sicherheitskonzepts ist das Assistenzsystem »Vertical Line Finder«. Dieses sorgt dafür, dass der Auslegerkopf des Krans automatisch über den Schwerpunkt der anzuhebenden Last gefahren wird. Dadurch wird laut Liebherr ein Schwingen der Last und ein mögliches Touchieren von Hindernissen sowie Personen verhindert. Der Bedienende kann per Knopfdruck Schrägzüge vermeiden – insbesondere auch jene, die durch Neigungsveränderungen der schwimmenden Konstruktion infolge der Schwerpunktverlagerung beim Anheben und Absetzen der Last hervorgerufen werden.
Eine in jeder Hinsicht gelungene Veranstaltung
Was Liebherr anlässlich des 50-jährigen Jubiläums in Nenzing auf die Beine gestellt hat, konnte sich wirklich in jeder Hinsicht sehen lassen. Bis ins Detail top organisiert, wurde hier die Messlatte für Veranstaltungen dieser Art sehr hoch gelegt. Sowohl hinsichtlich der Positionierung innerhalb der Liebherr-Gruppe – im Jahr 2025 lag der Umsatz im Produktsegment Maritime Krane bei 1246 Mio. Euro und somit 23,1 Prozent über dem Vorjahresniveau – als auch als lokaler Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb präsentierte sich der Standort hier bestmöglich.s