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Liebherr-International: Liebherr vor weiterem Rekordjahr - »Die ›Baustelle der Zukunft‹ ist digital«

Aufgrund der erneut positiven Umsatzentwicklung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit einem Plus von 12,4 % auf 5,729 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und eines Auftragseingangs in Rekordhöhe blickt man bei der Firmengruppe Liebherr optimistisch in die Zukunft und erwartet nach dem Rekordjahr 2018 mit einem Umsatz von 10,5 Mrd. Euro eine Fortsetzung dieses Wachstums auch im Jahr 2019. Das hat Andreas Böhm als Mitglied des Direktoriums der Liebherr-International AG im Rahmen der traditionellen Liebherr-Informationsfahrt für die internationale Baufachpresse erklärt.

Von Michael Wulf

Bei dieser Veranstaltung Ende Oktober an den Standorten Kirchdorf/Iller (Baden-Württemberg) und Nenzing (Vorarlberg/Österreich) wurden zudem diverse Neuheiten präsentiert, wie der neu konstruierte knickgelenkte 30-t-Dumper TA 230, der von April an das Mietflotten-Angebot erweitert (das bauMAGAZIN wird in der kommenden Ausgabe darüber berichten), oder das weltweit erste akkubetriebene Großdrehbohrgerät LB 16 unplugged (siehe auch Seite 82).

Vorgestellt wurden diese Innovationen, genau­so wie das vergangenes Jahr in Kirchdorf eröffnete 12,8 ha große Entwicklungs- und Vorführzentrum (EVZ), von Rudolf Arnold (Vertrieb) und Werner Seifried (Technik), Geschäftsführer der Liebherr-Hydraulikbagger GmbH Kirchdorf, sowie von Holger Streitz (Technik Baumaschinen) und Gerhard Frainer (Vertrieb), Geschäftsführer der Liebherr-Werk Nenzing GmbH. Während beispielsweise Werner Seifried die Entwicklungs- und Testmethoden für Erdbewegungsmaschinen am Beispiel der neuen Baureihe knickgelenkter Muldenkipper dezidiert erläuterte, stellte Rudolf Arnold den Standort Kirchdorf als Kompetenzzentrum in der Sparte Erdbewegung vor. Einen Blick hinter die Kulissen der Entwicklung des Großdrehbohrgeräts LB 16 unplugged sowie alternativer Antriebskonzepte und auf neue digitale Lösungen gaben Holger Streitz und Gerhard Frainer (siehe auch Seite18).

Dem freien Handel verpflichtet

Dass Liebherr bei der Entwicklung neuer Technologien stets »die bestmögliche Kombination von Kundennutzen, Umweltverträglichkeit und Effizienz« anstrebe bei der Realisierung der Vision von der »Baustelle der Zukunft«, das betonte Andreas Böhm. Gleichzeitig fühle sich Liebherr als globales Unternehmen dem freien Handel verpflichtet: »In den vielen Branchen, in denen wir tätig sind, ist der freie Handel ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg.«

Trotz der weltweiten wirtschaftlichen Unsicherheit wegen der verstärkten Handels- und Technologiespannungen zwischen den USA und China sowie des Brexit und der daraus resultierenden Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums im ersten Halbjahr 2019 könne die Unternehmensgruppe Liebherr, so Andreas Böhm weiter, dank der dezentralen Unternehmensstruktur und der ausgeprägten Diversifikation flexibel auf Veränderungen im weltweiten Wettbewerb reagieren und konjunkturelle Schwankungen in einzelnen Branchen oder Märkten ausgleichen. »Die aktuellen Aufträge sind weiterhin auf einem hohen Stand. Dies ist ein Indikator dafür, dass es den von uns belieferten Branchen gut geht und sie sich weiterhin an uns wenden, um ihren Bedarf zu decken.«

Positive Entwicklung erwartet

In der Baumaschinenbranche erwartet Liebherr eine positive Entwicklung sowohl im Baumaschinen- als auch im Mining-Sektor sowie in anderen Produktbereichen. »Insbesondere in den Sparten Erdbewegung und Mining rechnen wir mit einem spürbaren Wachstum«, sagte Andreas Böhm. »Insgesamt verzeichnen wir eine stabile Nachfrage, die sich in den kommenden Monaten fortsetzen wird.«

Dabei basierten die Prognosen für »ein weiteres Rekordjahr« auf den Betriebsergebnissen der Vergangenheit und könnten sich aufgrund der globalen Entwicklungen ändern. »Wenn wir uns aber die aktuellen Zahlen und unsere 70-jährige Wachstumsgeschichte unabhängig von der globalen Konjunkturschwäche ansehen, sind wir zuversichtlich für ein erfolgreiches Jahr 2019.«


Dafür sprechen – neben dem Rekordwert von 5,689 Mrd. Euro bei den Auftragseingängen – auch die Zahlen der ersten sechs Monate. So erhöhte sich in der traditionell umsatzstärksten Geschäftseinheit »Baumaschinen und Mining« der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,8 % auf 3,806 Mrd. Euro, wobei alle Unternehmenssparten zulegen konnten: Erdbewegung 1,489 Mrd. Euro (+ 14,9 %), Mining 542 Mio. Euro (+ 13,6 %), Mobilkrane 1,35 Mrd. Euro (+ 14,9 %), Turmdrehkrane 328 Mio. Euro (+ 14,3 %) und Betontechnik 97 Mio. Euro (+ 22,8 %).

Europa weiter die umsatzstärkste Marktregion

Die umsatzstärkste Region für Liebherr ist mit 3,527 Mrd. Euro weiter Europa (+ 9,5 %), gefolgt von Nordamerika (836 Mio. Euro; + 33,3 %), Asien/Ozeanien (812 Mio. Euro; + 9,3 %), Afrika/Naher- und Mittlerer Osten (303 Mio. Euro; – 1,9 %) sowie Zentral- und Südamerika (251 Mio. Euro; + 26,1 %). Weltweit wird die Unternehmensgruppe zum Jahresende voraussichtlich 49 052 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen (Vorjahr 46 169).

Mit knapp 600 Mio. Euro seien die Investitionen in die Produktionswerke sowie in das Vertriebs- und Servicenetz in 2019 zwar etwas geringer als in der Jahren zuvor, erläuterte Andreas Böhm, dafür aber immer noch bedeutend höher als im Branchendurchschnitt. Zu den Investitionsschwerpunkten gehört der chinesische Markt mit gleich drei Gründungen: der Liebherr-Transportation Systems (China) Co., Ltd. (Komponenten und Systeme für das Transportgeschäft von Liebherr in China), ein neues Fertigungswerk zum Fräsen und Schleifen von Zahnrädern in Yongchuan in der Sparte Verzahntechnik und Automationssysteme und eine Kooperation zwischen Liebherr-Components und der Shanghai Diesel Engine Co. Ltd. für die Lieferung von hydraulischen Einspritzsystemen zur dezentralen Stromerzeugung im Bereich Hochleistungs-Off-Highway-Motoren.

Den technologischen Fortschritt vorantreiben

Bei seinem »Blick in die Zukunft« betonte Andreas Böhm, dass Liebherr den technologischen Fortschritt vorantreibe und heute an den Innovationen arbeite, mit denen die Herausforderungen von morgen gelöst werden können. »In unserer Vision der ›Baustelle der Zukunft‹ bringen wir schnellere, sicherere und vor allem effizientere Prozesse durch Digitalisierung, Vernetzung und Maschinenautomation ein. Die ›Baustelle der Zukunft‹ sollte auch weniger Emissionen verursachen und so klimaneutral wie möglich sein. Obwohl wir ständig nach Innovation und Effizienz streben, darf dies nie zu Lasten der Sicherheit der Maschinenbediener oder der Umwelt gehen.«

Die »Baustelle der Zukunft« umfasse Lösungen, so Andreas Böhm weiter, für eine effiziente Nutzung aller Ressourcen, unter anderem von Energie, Personal, Material, Zeit und Geld. »Wir realisieren dies durch die Entwicklung energieeffizienter Motoren, optimal abgestimmter Antriebskomponenten, Konzepte für die Energierückgewinnung, Assistenzsysteme und weiterer Lösungen für ein ermüdungsfreies, umweltfreundlicheres und sichereres Arbeiten.«

Vom Maschinenhersteller zum Systemanbieter

Vorbei seien zudem die Zeiten, in denen Bagger, Muldenkipper oder Raupen über eine schier unendliche Vielzahl von Tastern und Schaltern mechanisch und hydraulisch bedient worden seien. »Das war einmal«, sagte Andreas Böhm. »Die ›Baustelle der Zukunft‹ ist digital. Als Vorreiter in der Baumaschinentechnologie hat sich Liebherr vom Maschinenhersteller zum Systemanbieter für digitale Services und Lösungen weiterentwickelt, die auf die Verbesserung der Leistungsstärke, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit unserer Maschinen abzielen.« Zudem biete die Digitalisierung die Möglichkeit, vor- und nachgelagerte Prozesse auf der Baustelle zu optimieren und komplexe Projekte besser zu planen.

Zu den von Liebherr entwickelten Lösungen gehörten unter anderem das mit dem Bauma-Innovationspreis ausgezeichnete adaptive Bedienkonzept INTUSI, verschiedene intelligente Assistenzsysteme oder umfassten zukunftsweisende Technologien wie Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR). »Der Einsatz von AR- und VR-Lösungen hat das Potenzial, die Art und Weise, in der wir arbeiten, völlig neu zu gestalten«, sagte Andreas Böhm. »Wir erwarten, dass diese Lösungen in der Baubranche bald gängige Praxis werden.« Diese seien bereits integrale Bestandteile bei einigen der neuesten Liebherr-Innovationen, wie bei der App AR Experience (siehe Seite 18).

»Local Zero Emission eröffnet neue Anwendungsfelder«

Zur Vision von der »Baustelle der Zukunft« gehört laut Andreas Böhm aber auch die Reduktion schädlicher Emissionen und die ständige Verbesserung der Arbeitssicherheit. Zu den Niedrigemissions-Produkten von Liebherr gehörten beispielsweise eine neue Serie von Fahrmischern mit elektrischem Antrieb, eine elektrisch angetriebene stationäre Betonpumpe, elektrisch angetriebene Ma­terialumschlagmaschinen, XPower-Radlader mit leistungsverzweigtem Fahrantrieb, ein dieselelektrischer Mining Truck, ein zu einhundert Prozent elektrischer Mining-Bagger oder, ganz aktuell, mit dem LB16 unplugged das weltweit erste akkubetriebene Drehbohrgerät.

»Diese neuen Technologien sind nur einige Beispiele dafür«, so Andreas Böhm, »wie Liebherr die bestmögliche Kombination von Kundennutzen, Umwelt­verträglichkeit und Effizienz anstrebt, und wie wir mit ›Local Zero Emission‹ neue Anwendungsfelder eröffnen.«    m

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