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Lehnhoff: »Unser Anspruch ist, auch international der Marktführer zu sein«

Mit einer klaren Ansage hat Michael Koenig als Geschäftsführer von Lehnhoff Hartstahl die Ambitionen des Herstellers von Schnellwechselsystemen und Anbaugeräten für Bagger skizziert, der in den kommenden Jahren nachhaltig expandieren will.

Von Michael Wulf

»Unser Ziel ist es mittelfristig, den Umsatz von derzeit knapp 40 auf etwa 100 Mio. Euro zu steigern«, sagte der 55-jährige Firmenchef beim Redaktionsbesuch des bauMAGAZIN am Firmensitz im Baden-Badener Ortsteil Steinbach. Erreicht werden soll das vor allem dadurch, dass die Produktion und der Absatz von vollhydraulischen Schnellwechselsystemen mehr als verdoppelt wird in den kommenden Jahren und zudem weltweit neue Märkte erschlossen werden. »Die Übernahme durch Komatsu eröffnet uns strategische Möglichkeiten, die wir früher nicht hatten«, so Michael Koenig. »Unser Anspruch ist es, auch international der Marktführer zu sein. Denn der Markt endet für Lehnhoff jetzt eben nicht mehr in Deutschland.«

Bis vor gut drei Jahren war es eher ruhig geworden um den jahrelang unangefochtenen Marktführer Lehnhoff. Der schien als Platzhirsch abgedankt zu haben, nachdem die letzten Patente für mechanische und hydraulische Schnellwechselsysteme 2012 ausgelaufen waren, es zahlreiche Nachbauten gab und vermehrt vollhydraulische Systeme nachgefragt wurden, vor allem im Baggersegment über 15 t.

Weltweit der einzige Full-Liner

Eine Einschätzung, die von Michael Koenig und Gesamtvertriebsleiter Michael Linke so nicht geteilt wird. »Lehnhoff war früher Marktführer in Deutschland und ist es heute immer noch, im Bereich bis 12 t sogar unangefochten«, sagen sie und betonen: »Lehnhoff ist weltweit der einzige Hersteller, der mit drei Systemen – mechanisch, hydraulisch und vollhydraulisch – in den Baggerklassen von 1 t bis 130 t präsent ist. Mit unseren Systemen MS, HS und VL sind wir bei Schnellwechslern weltweit der einzige Full-Liner und bringen zurzeit jedes Jahr rund 15 000 Einheiten in die Märkte.«

Gleichwohl geben beide zu, dass Lehnhoff die Entwicklung vollhydraulischer Schnellwechsler in der Vergangenheit »nicht mit der nötigen Akribie betrieben und dadurch Terrain verloren hat, vor allem an OilQuick«, so Michael Koenig. »Die Entwicklung eines vollhydraulischen Systems ist eine sehr komplexe Geschichte, und das haben wir als Monopolist seinerzeit verkannt. Oder anders formuliert: Wir saßen auf dem hohen Ross.« Zum einen sei Lehnhoff mit seiner Lösung »zwei Jahre zu spät auf den Markt gekommen«, ergänzt Michael Linke. Zum anderen habe man, weil es schnell gehen musste, den Kunden eine »Bastellösung mit vielen Kinderkrankheiten« offeriert, »die unserem Ruf mehr geschadet hat als genutzt«.

Patentiertes Flachventil für höhere Öldurchflüsse

Erst die zweite Generation des Systems Variolock mit insgesamt vier Modellen habe diesen Zustand beendet. Seit Anfang 2017 sei man damit »sehr erfolgreich« und erhalte »viel positive Resonanz«, so Michael Linke weiter. Beispielsweise garantiere das im System Variolock verbaute patentierte Flachventil höhere Öldurchflüsse, es sei gut zu warten und sorge zudem dafür, dass sich das Öl weniger stark erhitze. Was wiederum den Kraftstoffverbrauch des Baggers reduziere. Auch lasse sich das System leicht nachrüsten für jedes vollhydraulische Anbaugerät. »Wir sind der Meinung, dass unser vollhydraulisches System heute das bessere ist«, sagt Michael Linke.

Deshalb ist man bei Lehnhoff auch sehr optimistisch, künftig Marktanteile in diesem Segment hinzugewinnen zu können. »Im Bagger-Bereich über 15 t wollen wir schon in diesem Jahr rund 500 unserer Variolock-Systeme in den Markt bringen«, so Michael Linke weiter, der in diesem Zusammenhang darauf verweist, dass Lehnhoff bei Baggern mit einem Einsatzgewicht von bis zu 12 t der uneingeschränkte Marktführer in Deutschland sei.

Denn Lehnhoff ist Erstausrüster von führenden Baggerherstellern, wie Takeuchi, Kubota, Komatsu oder Wacker Neuson, und zudem bei den großen Vermietern in Deutschland sehr präsent. »Rund 95 % unseres Umsatzes erwirtschaften wir im Erstausrüstergeschäft und mit den Vermietern«, sagt Michael Koenig, wobei rund zwei Drittel auf die Schnellwechsler entfallen und ein Drittel auf die Baggerlöffel. »Das Geschäft mit den Endkunden überlassen wir dem Handel. Dem wollen wir keine Konkurrenz machen. Das ist ein ganz wichtiger Baustein unserer Geschäftspolitik.«

»Für uns sind alle Kunden gleich wichtig

Genauso wichtig ist es für Michael Koenig und Michael Linke, dass Lehnhoff nach dem Verkauf an den japanischen Weltkonzern Komatsu durch den geschäftsführenden Gesellschafter und Eigentümer Peter A. Lehnhoff Anfang 2016 – der Sohn des Firmengründers Ernst Günter Lehnhoff hatte das Unternehmen seit dem Tod seines Vaters 1980 geleitet – wie gehabt alle Baggerhersteller mit ­seinen Schnellwechselsystemen und Löffeln beliefern kann. »Für uns sind alle Kunden gleich wichtig«, betont Michael Koenig und verweist zum Beleg dafür auf die aktuelle Lehnhoff-Preisliste. »Komatsu ist dort erst auf Seite 128 gelistet und für uns genauso ein Kunde wie alle anderen Hersteller.«

Dass diese nach der Übernahme zunächst zurückhaltend und verunsichert reagiert haben, ist für ihn nachvollziehbar. Aber das habe sich mittlerweile erledigt. Genauso wie die Ressentiments im eigenen Unternehmen. »Auch wir mussten gewisse Ängste abbauen«, erinnert sich Michael Koenig an die Zeit nach dem Eigentümerwechsel. Heute sei das überhaupt kein Thema mehr. Im Gegenteil: »Heute können wir mit Fug und Recht sagen, dass es eine Traumhochzeit ist. Komatsu lässt uns machen und unterstützt uns dabei. Wir arbeiten vollkommen autark, was Entwicklung, Produktion oder Verwaltung betrifft, und fühlen uns richtig gut aufgehoben im Komatsu-Konzern.«


»Ist eine Steilvorlage für uns«

So betonten die Verantwortlichen bei Komatsu immer wieder, wie wichtig es sei, »dass Lehnhoff unabhängig bleibt«, so Michael Koenig. Für ihn zeigt sich diese Wertschätzung auch dadurch, wenn im Konzern der Name Lehnhoff mit dem gleichen Respekt genannt wird wie beispielsweise Joy Global. »Das ist die Mining-Sparte von Komatsu, und die kommt immerhin auf einen Umsatz von 2,5 Mrd. US-Dollar.«

Dass das früher mittelständische, inhaber­geführte Unternehmen heute »weltoffener« ist, gehört für Michael Koenig ebenso zur positiven Entwicklung bei Lehnhoff wie der Umstand, künftig international agieren zu können. »Bislang haben wir oftmals die ›deutsche Brille‹ aufgehabt, sind immer organisch gewachsen. Im Verbund mit Komatsu bieten sich uns jetzt ganz andere Potenziale, vor allem auf den internationalen Märkten.«

Als ein Beispiel dafür nennt er Japan, wo ein Schnellwechsler selbst heute noch nicht zur ­Standardausrüstung eines Baggers gehört. »Das ist doch eine Steilvorlage für uns, auch wenn Märkte grundsätzlich unterschiedlich ticken«, sagt Michael Koenig. »Denn warum sollen wir dort nicht die japanischen Hersteller genauso mit unseren Produkten ausrüsten, wie wir es in Deutschland machen.« Auch der Umstand, dass Komatsu als zweitgrößter Baumaschinenhersteller weltweit rund 700 000 Maschinen im Markt habe, zeige auf, welch’ großes Potenzial es für Lehnhoff-Produkte international gebe.

»Wünschen uns Helac-Standort in Deutschland«

Ein wichtiger Baustein bei den Expansionsplänen ist für Lehnhoff die Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Unternehmen Helac, dem Hersteller von Schwenkmotoren der Marke PowerTilt. »Wir sind seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Kunden von Helac und haben PowerTilt in Deutschland populär gemacht«, so Michael Koenig. Für ihn hat sich an der Zusammenarbeit mit Helac auch nach der Übernahme durch Komatsu nichts geändert. »Wir sind nach wie vor ein ›Tripple-A-Kunde‹ für Helac.« Zumal das Unternehmen seit Anfang 2017 zu Parker Hannifin gehöre, einem der weltweit führenden Anbieter von Antriebs- und Steuerungstechnologie, der wiederum einer der wichtigsten Zulieferer von Komatsu sei.

Zu den Mutmaßungen, dass Helac noch in ­diesem Jahr eine Europazentrale im Westfälischen eröffnen werde, sagte Michael Koenig: »Natürlich wünschen wir uns einen Helac-Standort in Deutschland, am besten mit einer eigenen Produktion. Denn das würde zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lieferfähigkeit von PowerTilt-Produkten führen, ist doch die Nachfrage außerordentlich groß.«

Standort in Steinbach hat oberste Priorität

Ebenfalls »sehr gut aufgestellt« sieht man sich bei Lehnhoff hinsichtlich des Themas Digitalisierung, so Michael Linke. Allerdings sei nach wie vor die Werkzeugerkennung das große Problem, weil es keine Vereinheitlichung der Schnittstellen gebe und keine gemeinsam zu nutzenden Telematik-Plattformen, denn kein Bagger-Hersteller wolle sein Steuerungssystem preisgeben. »Die Hersteller blockieren sich da gegenseitig, was wir bedauern.« Aber auch in dem Bereich biete die Zugehörigkeit zu Komatsu für Lehnhoff ein »deutliches Zukunftspotenzial«.

Oberste Priorität habe bei allen Zukunftsüberlegungen, dass diese am Standort in Steinbach umgesetzt werden, so Michael Koenig. So seien seit 2015 alle Endmontage-Prozesse in die neu gebaute Montage- und Versandhalle verlagert worden, habe man regelmäßig in den Maschinenpark investiert, weshalb es keinen Investitionsstau gebe. »Bei der maschinellen Bearbeitung wollen wir immer ›state of the art‹ sein«, betont Michael König. »Nur so erreichen wir auch eine große Flexibilität in der Produktion, und das ist extrem wichtig für uns.«

Auf der Bauma wieder eine Premiere

Auf der Bauma werde Lehnhoff sich auf seinem neuen Stand im Freigelände (FM 710/2) als innovativer Hersteller von Schnellwechselsystemen und Bagger-Löffeln präsentieren, so Michael Linke. »Der Fokus wird dabei auf vollhydraulischen Systemen liegen, auf unsere Produkte ›rund um den Tilt‹ in den verschiedensten Variationen und auf unsere Großlöffel.« Und natürlich werde es wie auf der GaLaBau in Nürnberg – wo mit dem mechanischen Schnellwechsler MS und dem hydraulischen Schnellwechsler HS-Plus schon zwei Neuheiten für Minibagger von 1 t bis 6 t vorgestellt wurden – auch in München »eine Premiere« geben.

Damit unterstreiche Lehnhoff auf der Bauma seinen Anspruch, sagt Michael Koenig, nicht nur in Deutschland Marktführer bei Schnellwechslern zu sein, sondern in Zukunft auch im internationalen Maßstab. »Diesen Anspruch haben wir eigentlich schon immer gehabt. Nur sind jetzt unsere Möglichkeiten größer denn je. Und die wollen wir nutzen.«    ß

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