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Keestrack: Zero-Emission im hohen Norden

Vollelektrische Keestrack-Großaufbereitung im estnischen Kalkstein

Mitte August wurde im Steinbruch Väo des Unternehmens Paekivitoodete Tehas bei Tallinn eine raupenmobile Keestrack-Anlagenkombination aus Groß-Prallbrecher R6e und Dreideck-Sieb C6e feierlich in Betrieb genommen. Mit bis zu 400 t/h in vier definierten Endkörnungen überzeugen die beiden „e“-Versionen im vollelektrischen Netzbetrieb mit hoher Wirtschaftlichkeit und geringer Umweltbelastung und bieten dennoch die volle Flexibilität des diesel-elektrischen Hybrid-Antriebs.

Wichtige Lieferbasis

Seit 1959 liefert das Unternehmen Paekivitoodete Tehas – zu deutsch „Kalksteinfabrik“ – hochwertige Mineral- und Zuschlagstoffe für den Straßenbau und die estnische Bau-und Baustoffindustrie. Ab 1989 wurde das ehemalige Staatsunternehmen schrittweise in eine private Gesellschaft überführt und entwickelte sich unter der Leitung des langjährigen Direktors, heutigen Vorstandsvorsitzenden und Mehrheitsgesellschafters Vladimir Libman zu einem der führenden Baustofflieferanten Estlands. Bis zu 20 Prozent des estnischen Jahresbedarfs an gebrochenen Mineralstoffen stammen heute aus den beiden, direkt im Einzugsbereich der Hauptstadt Tallinn gelegenen Steinbrüchen Väo und Maardu mit einer Abbaumenge von rund 750.000 Tonnen pro Jahr. Zusammen mit gewaschenen Sanden und Splitten aus Abbau-Restmassen mit hohem Feingut-Anteil bzw. Ton- und Mergel-Verunreinigungen sowie Recycling-Baustoffen liegt die Gesamt-Produktion bei etwa 1,2 Mio. t/Jahr.

Unmittelbar an der Ostseeküste steht der hochwertige Kalkstein oberflächennah in geringen Mächtigkeiten von 5 bis 6 Metern an. Dem schnell voran schreitenden Abbau begegnete das Unternehmen zuletzt mit drei dezentral platzierten stationären Aufbereitungseinheiten (insg. 400 t/h), deren Ausgangsmaterialien, Zwischen- und Endprodukte aufwändig durch SKW verfahren wurden. Problematisch wurde die wenig effiziente Betriebsorganisation zudem, da die Abbauzone mit ihren Staub- und Lärmemissionen immer näher an den ebenfalls stark expandierenden Tallinner Wohndistrikt Lasnamäe mit insgesamt 120.000 Einwohnern heranrückte.

Investition in Effizienz und Umweltschutz

Um die Belastungen durch den bei der heutigen Jahresmenge auf weitere sieben Jahre prognostizierten Abbau zu minimieren, setzt das Unternehmen auf seiner insgesamt 176 Hektar umfassenden Betriebsfläche (Gesamtareal 250 ha) wo immer möglich auf emissionsarme Technologien. Statt durch Sprengungen löst man so z.B. anstehende Massen zu 95 % per Hydraulikhammer – weitere Entlastungen bringen Investitionen in moderne abgas- und geräuscharme Maschinen und Anlagen.


Entsprechend standen bei der umfassenden Modernisierung der Aufbereitungstechnik neben einer Optimierung der Produktionsabläufe, vor allem der Anwohnerschutz sowie eine generelle Reduzierung der Umweltbelastungen ganz oben im Lastenheft. Dabei favorisierte man frühzeitig eine mobile Aufbereitungslinie zur Produktion der wichtigsten Lieferkörnungen und Zwischenprodukte unmittelbar auf der Abbausohle am Hauptstandort Väo sowie bei temporären Einsätzen im rund 10 km entfernten kleineren Steinbruch Maardu (ca. 150.000 t/Jahr).

Nach mehrmonatiger Markt- und Angebotsevaluierung unter Beteiligung aller international führenden Anbieter entschieden sich die Verantwortlichen für die technische Lösung von Keestrack, bestehend aus dem raupenmobilen Großprallbrecher Keestrack R6e mit angeschlossenem 3-Deck-Produktionssieb Keestrack C6e. Betreut wurde das gesamte Projekt durch Ing. Johann Prüwasser, CEO Keestrack Engineering, dem österreichischen Design- und Entwicklungsstandort innerhalb der Keestrack-Gruppe: „Wie wohl alle anderen Anbieter stellten uns die geforderte hohe Durchsatzleistung von 375 t/h von 0/800 auf 0/63 und die optimale Produktkorn-Verteilung bei 0/4, 4/16, 16/32, 32/63 angesichts des hochwertigen, aber sehr zähen Ausgangsmaterials vor echte Herausforderungen. Tatsächlich konnten wir die Brechcharakteristik des schweren 1300er-Prallbrechers im R6e vor allem hinsichtlich der notwendigen hohen Rotorgeschwindigkeit exakt auf das Material abstimmen. Mit Zweideck-Nachsieb und Überkorn-Rückführung erreichen wir jetzt mit 250 t/h hohe Übergabemengen <32 mm auf das angeschlossene Dreideck-Sieb C6e und liefern mit gut 30 % 4/16 auch das vom Kunden gewünschte Hauptprodukt,“ erörtert Ing. Prüwasser die in mehrtägigen Vor-Ort-Versuchen erfolgte Feinabstimmung.

Neben der hohen Zerkleinerungsleistung gab letztlich vor allem das ausgereifte diesel-elektrische Antriebskonzept der Keestrack „e“-Versionen mit Plug-In-Option vom lokalen Stromnetz den Ausschlag. „Wir konnten den vom Kunden angestrebten vollelektrischen Betrieb im Steinbruch Väo mit allen Vorteilen unserer bewährten raupenmobilen Serientechnologie umsetzen“, so Johann Prüwasser. Eine eigens installierte 400-V-Trafostation auf der Steinbruchsohle versorgt über zwei 200-Meter-Kabel den Keestrack R6e, an den direkt das Produktionssieb C6e mit Stromzufuhr und Signalkabel zum Datenaustausch unter den Anlagensteuerungen angeschlossen ist.

Leistungsfähige Elektromotoren für den Brecherantrieb (250 kW) und die Pumpeneinheiten der zentralen Anlagenhydraulik (R6e: 90 kW; C6e: 45 kW) sowie weitgehend elektrische Bandantriebe und Nebenaggregate ermöglichen den vollständig abgasfreien Betrieb. Muss die Anlagenkombination im Zuge des Abbaufortschritts versetzt werden, gehen beide Anlagen kurzerhand vom Netz und folgen via Onboard-Diesel mit angeschlossenem Aufbau-Generator aus eigener Kraft dem Bagger. Der unabhängige Dieselantrieb gewährleistet auch den wirtschaftlichen Einsatz im Zweigbetrieb Maardu, wobei sich hier vor allem das transportfreundliche Gesamtgewicht der Keestrack-Kombination von knapp unter 95 Tonnen rechnet (R6e: ca. 62 t, C6e: ca. 32 t)

Seit etwa Mitte des Jahres erreichen die eingesetzten Drei-Mann-Teams (Bagger/Radlader/Maschinist) das Tagessoll von 3000 Tonnen in einer langen oder alternativ zwei kurzen Schichten, was gegenüber der ursprünglichen 3-Schicht-Konstellation mit insgesamt 15 Mann Personal bereits erhebliche Einsparungen bringt. Liegt der durchschnittliche Treibstoffverbrauch der Gesamtanlage im diesel-elektrischen Kombibetrieb auch unter Volllast bei moderaten 80 l/h bzw. 0,2 l/t, was anteilig zu Gesamt-Betriebskosten von 0,58 EUR pro Tonne Endprodukt beiträgt, fallen im vollelektrischen Betrieb (ca. 1 kwh/t) lediglich 0,42 EUR/t an. Im direkten Vergleich zum diesel-elektrischen Betrieb liegt der Betriebskosten-Vorteil dank günstigerem Netzstrom laut Keestrack bei knapp 100.000 Euro/Jahr. Auch die Reduzierung der Schadstoffemissionen vor Ort ist erheblich: Rund 400 Tonnen/Jahr klimaschädliches CO2 vermeidet alleine die vollelektrische Aufbereitung – den Wegfall des SKW-Verkehrs nicht mit eingerechnet.

Zufriedene Partner

Den Stellenwert des abgeschlossenen Modernisierungsprojekts, das bei einem Investitionsumfang von knapp unter 1 Mio. Euro zu 35 % vom estnischen Environmental Investment Center (EIC) aus Mitteln der EU-Regionalförderung unterstützt wurde, zeigte auch die Anwesenheit zahlreicher hochrangiger Vertreter aus Politik und Wirtschaft bei der offiziellen Inbetriebnahme. Dabei wird der zufriedene Kunde selbst Teil des internationalen Keestrack-Netzwerkes: Zum 1. September übernahm Paekivitoodete Tehas offiziell die neue Vertriebs- und Servicevertretung in Estland und dem benachbarten Lettland.

FIRMENINFO

Keestrack N.V.

Taunusweg 2
B3740 Munsterbilzen

Telefon: +32 89 515851
Telefax: +32 89 515850

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