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JCB: »Nach sehr schwierigen und traumatischen zwölf Monaten derzeit auf einem Rekord-Niveau«

Am Firmensitz im englischen Rocester hat JCB als einer der weltweit größten Baumaschinenhersteller in einer virtuellen Fachpressekonferenz seine ersten Neuheiten in diesem Jahr präsentiert, zu denen unter anderem die Kompaktbagger in den Baureihen 3,5 t (siehe auch Seite 20) und 4 t bis 6 t oder die Kettenbagger 140X, 150X und 220X gehören. Gleichzeitig kündigte CEO Graeme Macdonald an, dass JCB nach »sehr schwierigen und traumatischen zwölf Monaten« aufgrund der aktuell starken Nachfrage in den europäischen Märkten und der guten Aussichten bis in das kommende Jahr hinein in den britischen Werken insgesamt 850 neue Arbeitsplätze schaffen werde. Zudem werde JCB seine »Nachhaltigkeitsstrategie« mit dem »Road to Zero«-Programm konsequent fortsetzen. Auch in Deutschland hat JCB die Corona-Pandemie bislang gut gemeistert, wie Frank Zander als Geschäftsführer von JCB Deutschland gegenüber dem bauMAGAZIN erklärte: »Die Nachfrage im Segment Baumaschinen ist nahezu ungebrochen. Wir sind mit einem sehr guten Auftragsbestand ins Jahr 2021 gestartet.«

Von Michael Wulf

Graeme Macdonald erinnerte noch einmal an die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, von denen auch JCB stark betroffen gewesen sei. »Im April, Mai und Juni 2020 brach der Baumaschinenmarkt im Vergleich zu 2019 um rund 50 % ein. Deshalb und aus Sicherheitsgründen haben wir unsere 22 Fabriken weltweit zeitweise geschlossen und die Produktion erst von Juli an wieder hochgefahren, als die Märkte sich erholten und die Nachfrage weltweit wieder anzog.«

Dieser Aufschwung habe sich mit Beginn des Jahres 2021 fortgesetzt – und zwar stärker, als man es erwartet habe, so Graeme Macdonald weiter. »So ist der Markt im 1. Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vor Beginn der Pandemie um 6 % gewachsen. Wir sind derzeit auf einem Rekord-Niveau.«

Vor allem in Indien, wo JCB sehr präsent sei, profitiere man von einem außerordentlichen Wachstum in Höhe von 29 % im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres 2020. Aber auch in Europa seien die JCB-Maschinen sehr gefragt. Auch deshalb würden in den JCB-Werken in Staffordshire, Derbyshire und Wrexham insgesamt 850 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Neue Kabinenfabrik in Rocester

In diesem Zusammenhang verwies Graeme Mac­donald auch auf die großen Investitionen von JCB, wie beispielsweise rund 50 Mio. Pfund in den Bau der Kabinenfabrik in Rocester oder 65 Mio. Pfund in den Fabrikneubau im indischen Gujarat. »Dadurch erhalten wir dringend benötigte Fertigungskapazitäten.«

Graeme Macdonald betonte, JCB habe »das große Glück«, in einer »stabilen und robusten« Branche zu arbeiten, denn: »So lange die Regierungen in Straßen-, Eisenbahn- und Wohnungsbau-Infrastrukturprojekte investieren, so lange werden Baumaschinen benötigt.«

Das »Road to Zero«-Programm fortsetzen

Dass der Aspekt der Nachhhaltigkeit dabei eine immer wichtigere Rolle spielt, das war ein weiteres großes Thema in Graeme Macdonalds Präsentation. So werde JCB auch in den kommenden Jahren sein Engagement für Nachhaltigkeit weiterhin unter Beweis stellen und den bereits schon vor zehn Jahren mit dem »Road to Zero«-Programm eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen.

»Dabei lag und liegt unser Hauptaugenmerk auf der Reduzierung der CO₂-Emissionen, die durch die von uns produzierten Maschinen verursacht werden«, betonte Graeme Macdonald. So sei es gelungen, den CO₂-Fußabdruck der Maschinen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 50 % zu reduzieren, indem JCB die Kraftstoffeffizienz signifikant verbessert habe.


»Klimaneutral produzieren«

»Wir haben die Änderungen in der Emissionsgesetzgebung immer begrüßt, um unsere Motoren so sauber wie möglich zu machen«, sagte Macdonald mit Blick auf die neu vorgestellten Stufe-V-konformen Maschinen. »Das alles ist Teil unseres Clean-Diesel-Programms.« Allerdings beziehe sich die Nachhaltigkeitsstrategie von JCB nicht nur auf die pro­duzierten Maschinen. So arbeite man auch eng mit den Lieferanten zusammen, um die CO₂-Belastung schon in der Komponentenproduktion oder in der Logistik zu reduzieren. »Nachhaltigkeit heißt für JCB«, so Graeme Macdonald: »Wir wollen unseren Planeten nicht mit Emissionen belasten und klimaneutral produzieren.«

Das gilt auch für die jetzt in Rocester präsentierten Stage-V-konformen Neuheiten, zu denen – neben den Raupenbaggern 140X, 150X und 220X (die neuen Modelle wird das bauMAGAZIN in einer seiner nächsten Ausgaben vorstellen), den neuen Baggerladern, Bauteleskopladern und Teletruk-Teleskopstaplern sowie dem Mietaggregat G40RS V – auch Kompaktbagger in den Baureihen von 3,5 t (siehe Seite 20) und 4 t bis 6 t gehören.

»Sehr guter Auftragsbestand«

Vor allem auf die Kompaktbagger im 4-t- bis 6-t-Bereich und die Kettenbagger der Serie »X« habe man »mit Spannung gewartet«, erklärte Frank Zander gegenüber dem bauMAGAZIN. Für den Geschäftsführer von JCB Deutschland sind vor allem die Maschinen aus diesen beiden Segmenten wichtig für den deutschen Markt. »Wir sind überzeugt davon, dass unsere kompakten Maschinen stark nachgefragt werden von den Kunden.« Gleiches gelte für die neuen Kettenbagger im Bereich von 14 t bis 22 t. »Mit dem neuen Design und der großzügigen Kabine haben wir leistungsfähige Maschinen am Start, die im Markt richtig gut ankommen werden.«

Für mehr Sicherheit und Produktivität auf der Baustelle sorgen sollen die ebenfalls neuen Teleskoplader und die Teletruk-Teleskopstapler der Stufe V mit neuem Design, neuer Command-Plus-Kabine und vielen weiteren Features. »Nicht zu vergessen sind auch unsere neuen Baggerlader«, so Frank Zander weiter. »Der Markt in Deutschland ist für diese Maschinen zwar begrenzt, aber global betrachtet ist JCB immerhin Weltmarktführer.«

Mehr Lagerkapazitäten geschaffen

Insgesamt gesehen sei JCB Deutschland »mit einem sehr guten Auftragsbestand ins Jahr 2021 gestartet«, sagte Frank Zander und verwies auf die »nahezu ungebrochene Nachfrage« in der Bauwirtschaft. So hätten die deutschen JCB-Händler trotz Corona ihre Vertriebsaktivitäten ohne Unterbrechung aufrechterhalten und den Service auf den Baustellen jederzeit gewährleisten können.

»Was uns am Jahresanfang vor allem beschäftigte, war die Abwicklung der Formalitäten, die uns der Brexit beschert hat«, so Frank Zander. »Aber auch das hat sich nach kurzer Zeit sehr gut eingespielt, sodass hier keine längeren Lieferzeiten entstanden sind. Zusätzlich haben wir mehr Lagerkapazitäten für Ersatzteile im Euro-Raum geschaffen, um auch hier schnelle Lieferungen garantieren können.«

Mehr Sorge bereitet ihm die allgemeine Liefersituation auf den Weltmärkten. »Hier hat die Havarie des Container-Schiffs ›Ever Given‹ im Suezkanal eindrucksvoll gezeigt, wie abhängig die Wirtschaft von den Just-in-Time-Lieferungen von Komponenten ist«, betonte Frank Zander. »Im Vergleich dazu spielen die durch den Brexit verursachten Lieferschwierigkeiten nur eine geringe Rolle.«    M

Die neuen Kompaktbagger 35Z-1 und 36C-1: Effizientere Hydraulik sorgt für höhere Produktivität

Bei der Präsentation der JCB-Neuheiten standen zwei Kompaktmaschinen mit im Mittelpunkt: Der neue 3,5-t-Kompaktbagger 35Z-1 mit Null-Heck-Überstand und das 3,6-t-Modell 36C-1 mit konventionellem Heck. Damit erweitert JCB seine Baureihe »Next Generation«.

Während das neue Modell 35Z-1 als Null-Heck-Variante der Ersatz für das Vorgängermodell 8035 ZTS ist, ist das Modell 36C-1 mit konventionellem Heck ein völlig neues Modell in der JCB-Produktpalette. Der 35Z-1 ist als Null-Heck-Bagger ideal für Arbeiten in beengten Bereichen und bietet mehr Schutz, da das Gegengewicht innerhalb der Maschinenbreite rotiert. Der 36C-1 bietet mit seinem konventionellen Heck eine höhere Produktivität mit mehr Reichweite, Stabilität und Hubleistung.

Automatische Leerlauffunktion

Beide Maschinen werden von einem Dreizylinder-Perkins-Motor der Stufe V/IV Final angetrieben, der 18,4 kW (24,6 PS) liefert. Dieser Motor arbeitet mit mechanischer Kraftstoffeinspritzung und benötigt weder einen Dieselpartikelfilter (DPF) noch irgendeine Form der Abgasnachbehandlung. Der Motor ist für Stufe-V-Regionen geeignet, hat eine EPA-Zulassung für den nordamerikanischen Markt und kann in globalen Stufe-III-Regionen eingesetzt werden.

Eine programmierbare automatische Leerlauffunktion (2 bis 30 Sek.) senkt die Motordrehzahl auf 1 400 min¯¹ ab, wenn die Bedienhebel für die voreingestellte Zeit nicht betätigt wurden. Wenn man den linken Bedienhebel nach oben zieht, um die Hydraulik der Maschine zu isolieren, sinkt die Motordrehzahl wieder auf 1 100 min¯¹, was den Kraftstoffverbrauch und den Geräuschpegel reduziert.


Der 36C-1 mit konventionellem Heck ist ein gänzlich neues Modell in der JCB-Kompaktbaggerreihe.

Verstellbare Hydraulikpumpe

Beide Maschinen verwenden die neueste verstellbare Axialkolben-Hydraulikpumpe von Bosch-Rexroth, Load-Sensing und Elektroproportionaltechnik. Diese neue Technologie verhindert das Abwürgen des Motors und ermöglicht es so, die gesamte Motorleistung zu nutzen. Der zentrale Ventilblock sorgt für einen verbesserten Durchfluss und damit für einen ruhigeren, präziseren Betrieb, insbesondere bei Mehrfachanwendungen.

Die elektroproportionale, doppeltwirkende Arbeitshydraulik mit High-Flow ist jetzt bei beiden Baggern Standard und liefert einen Durchfluss von maximal 70 l/min. Die Steuerung der Zusatzhydraulik erfolgt am rechten Joystick mit einem proportionalen Daumenroller. Die Umschaltung von einfach- auf doppeltwirkend wird jetzt elektronisch über einen Schalter in der Kabine gesteuert, statt wie bei der vorherigen Maschinengeneration über einen manuellen Umschalthebel.

Kompatibilität gewährleistet

Eine doppeltwirkende Hilfshydraulik für den Low-Flow kann ebenfalls spezifiziert werden und liefert einen Durchfluss von 30 l/min. Dieser Kreislauf wird über die Daumenrolle am linken Joystick gesteuert. Wählbare Modi für hohen und niedrigen Durchfluss von 5 % bis 100 % sorgen für die Kompatibilität mit Anbauwerkzeugen unterschiedlichster Hersteller.

Sowohl der 35Z-1 als auch der 36C-1 verfügen über die gleiche neue ROPS/TOPS-Kabine bzw. ein Schutzdach. Rechts vom Bediener sind die Folienschalter übersichtlich in einer Armatur angeordnet und gut ablesbar. Der neue 4"-Bildschirm liefert alle Betriebsinformationen.


Der neue Kompaktbagger 35Z-1 ersetzt das Vorgängermodell 8035 ZTS. Als Null-Heck-Bagger eignet er sich vor allem für Arbeiten in beengten Bereichen und bietet mehr Schutz, da das Gegengewicht innerhalb der Maschinenbreite rotiert.

Mehr Steifigkeit im Fahrwerk

Als Unterwagenkonstruktion für die Kompaktbagger dient ein neuer H-Rahmen – dieser sorgt für mehr Steifigkeit im Fahrwerk. Durch die offene Konstruktion kann Material leichter vom Fahrwerk abgleiten und sich nicht so leicht aufbauen. Verbessert wurde die Konstruktion des Planierschilds. Optional wird jetzt auch die Schwimmstellung für das Planierschild angeboten.

Die Löffelstielgeometrie wurde überarbeitet, um die Hub- und Grableistung zu verbessern. Beide Maschinen verfügen über einen 2 450 mm langen Hauptausleger, und es sind zwei Löffelstieloptionen verfügbar. Ein 1 300-mm-Löffel kann mit einem Standard-Kontergewicht geliefert werden, während ein 1 600-mm-Löffel montiert werden kann, wenn die Maschine zusätzlich mit einem 246 kg schweren Gewicht ballastiert wird. Graphitimprägnierte Bronzebuchsen verlängern die Schmierintervalle an der Grab- und Planierausrüstung auf 500 Stunden.

Hydraulischer Schnellwechsler

Die überarbeitete Geometrie der Löffelbolzen gleicht jetzt denen anderer Hersteller, was es erleichtert, Anbaugeräte in gemischten Flotten zu verwenden. Mit einer Umrüstkupplung können die neuen Bagger auch mit den Löffeln der vorherigen Generation betrieben werden. Außerdem gibt es einen neuen, werkseitig montierten hydraulischen Schnellwechsler von JCB mit zwei Verriegelungsmechanismen und LED-Warnanzeige.    iwu  m

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