Aktuelles Verkehrswegebau – Tiefbau

FAE Group: Investitionen in Millionenhöhe und »eine Reihe von einzigartigen Eigenschaften«

Ob die Gründer der FAE Group vor 30 Jahren Ratgeber-Bücher gelesen haben wie »In der Nische erfolgreich« oder »Nischenstrategien«, das ist nicht bekannt. Fest steht dagegen: Das vom Mitgründer und heutigen Präsidenten Diego Scanzoni geleitete italienische Unternehmen – weltweit einer der führenden Anbieter von Fräsen, Stabilisierern und Mulchern für den Verkehrswegebau sowie für forst- und landwirtschaftliche Anwendungen – ist in seiner Nische außerordentlich erfolgreich. »Seit 2011 wachsen wir jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich«, erläuterten Vertriebsleiter Davide Baratta und Francesca Carlet, zuständig für Kommunikation und PR, beim Redaktionsbesuch des bauMAGAZIN in Fondo. Weshalb die Unternehmensgruppe insgesamt 9 Mio. Euro in die Erweiterung des Firmensitzes im Trentiner Nonstal investiert hat.

Von Michael Wulf

Fast 2 600 m² groß ist der neue Gebäudekomplex, in dem künftig neben der Montage und der Logistik auch Teile der Verwaltung untergebracht sind, und für dessen Realisierung aufgrund der schwierigen Topographie am Rande eines Tobels umfangreiche Erdbewegungsmaßnahmen nötig waren sowie der Bau von meterhohen Stützmauern. Durch diesen Neubau und dank der komplexen Fertigungsverfahren verdoppele die FAE Group ihre Produktionskapazitäten, so Davide Baratta und Francesca Carlet, und könne so auf die Anforderungen des Marktes noch besser reagieren.

Denn die Nachfrage nach den Anbau-Maschinen der FAE Group steigt von Jahr zu Jahr. Vor allem im Bereich »Construction«, in dem FAE mit seinen Multifunktionsfräsen »ein Alleinstellungsmerkmal hat«, betonte Davide Baratta im Gespräch mit dem bauMAGAZIN. »Diese bieten wie unsere Stabilisierer in der Kombination mit einem Traktor als Trägerfahrzeug im Verkehrswegebau eine Ergänzung zu den selbstfahrenden Fräsen.«

»Wir garantieren höchste Qualität. Immer.«

Und weil die Unterschiede zu diesen hinsichtlich der technischen Parameter – wie Frästiefe und -breite, der Korngröße oder der Arbeitsgeschwindigkeit – in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden seien, habe diese zu der gestiegenen Nachfrage geführt. »Zumal die Kombination ›Schlepper und Anbaufräse‹ einen gravierenden Vorteil bietet: Sie ist wesentlich variabler einsetzbar als eine selbstfahrende Fräse.«

Als »einer der Pioniere« in diesem Maschinensegment habe sich FAE zudem früh entschieden, die Bereiche Bauwirtschaft sowie Forst- und Landwirtschaft klar zu trennen und dementsprechend auch zwei verschiedene Vertriebsnetze aufgebaut, erläuterte Davide Baratta. In beiden Bereichen gelte aber das, was seit der Gründung des Unternehmens oberste Priorität hat: »Wir garantieren höchste Qualität. Immer.«

So werden die Rotoren, das Herzstück der Fräsen, Stabilisierer und Mulcher, von einer Tochterfirma in Sterzing produziert. Verarbeitet werden grundsätzlich nur hochqualitative Stähle, die Werkzeuge sind Eigenentwicklungen. »Zu unseren Alleinstellungsmerkmalen gehört auch, wie die Rotoren mit den Werkzeugen bestückt werden«, ergänzte Francesca Carlet.


»Für alle Traktoren geeignet«

Als Trägerfahrzeuge für die FAE-Maschinen dienen in der Regel Traktoren, die über eine Leistung von bis zu 500 PS sowie über ein hydrostatisch stufenloses Getriebe verfügen. »Diese Getriebeart ist die Voraussetzung für den Einsatz unserer Fräsen«, sagte Davide Baratta. »Und da heute alle Traktorenhersteller dieses Getriebe anbieten, sind unsere Fräsen auch für alle Traktoren geeignet, was sich ebenfalls positiv auf die Nachfrage auswirkt.«

Neben den Traktoren können aber auch Bagger oder Kompaktlader als Trägermaschinen genutzt werden, ebenso wie die Raupenfahrzeuge der Marke PrimeTech, die ebenfalls zur FAE Group gehört. Diese Spezialfahrzeuge sind für Einsätze im unwegsamen Gelände unter extremen Bedingungen konstruiert, unter anderem auch für das Räumen von Minen. Darüber hinaus bietet die FAE Group seit 2016 Anbaufräsen für Bagger mit einem Einsatzgewicht von 2,5 t bis 70 t an. Zu dieser RC-Reihe gehören insgesamt acht Modelle.

»Extrem robust und effizient«

Die für FAE wichtigsten Maschinen im Baubereich sind aber zweifelsohne die Stabilisierer Stabi/FRS und Stabi/FRS/HP sowie die Multifunktionsfräse MTH/HP, deren neue Modelle auf der Bauma vorgestellt und die speziell für den Bau und die Instandhaltung von Straßen, Wegen und Infrastrukturen entwickelt wurden. Sie zeichnen sich laut FAE durch »hohe Leistung, extreme Robustheit und Effizienz sowie geringe Wartungskosten aus«. Sie verfügten zudem über »eine Reihe von einzigartigen Eigenschaften« – wie der Rotor mit Doppelspirale, die Werkzeuge mit patentiertem Design oder die Mischkammer mit variabler Geometrie.

So kann die neue MTH/HP – vor zehn Jahren erstmals vorgestellt und konzipiert für Traktoren mit einer Leistung von bis zu 500 PS – Steine zerkleinern, Asphalt fräsen, den Boden stabilisieren und Steinplatten fräsen, und das mit einer maximalen Arbeitstiefe von bis zu 50 cm. Dabei wurden das variable Geometriesystem des Rahmens und die Zerkleinerungskammer komplett umgestaltet.

Zwei Pleuelstangen ermöglichten jetzt dem Rotor, absolut synchron in den Boden einzudringen, während die inneren austauschbaren Schutzeinrichtungen und das einstellbare Gegenmesser am Eingang des Gehäuses optimale Korngrößen gewährleisteten. »Mit diesem Produkt sind wir einzigartig auf dem Markt«, betonte Davide Baratta, der in diesem Zusammenhang darauf hinwies, dass die FAE Group ungefähr ein Drittel ihres Umsatzes im Bereich Bau, zwei Drittel in der Land- und Forstwirtschaft erzielt – und das alles zu 99 % im Exportgeschäft.

Sechs Niederlassungen, mehr als 800 Händler

Deshalb ist die FAE Group mit seinen insgesamt 230 Mitarbeitern weltweit präsent mit mehr als 800 Händlern und sechs eigenen Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, den USA, Russland, Kanada und Australien. Größter Absatzmarkt sind mittlerweile die USA, gefolgt von Deutschland mit der als FAE Central East Europe GmbH firmierenden Niederlassung im brandenburgischen Glindow in der Nähe von Potsdam.

In Zukunft will sich die FAE Group noch stärker als bisher im Segment Bau positionieren, auch auf dem deutschen Markt. »Mit unserem Produktportfolio haben wir gute Chancen«, so Davide Baratta und Francesca Carlet, zumal die Produktpalette – derzeit sind es rund 80 Modelle – jedes Jahr ergänzt werde. »Wir sind eine dynamische Firma, die sich trotz des Wachstums in den vergangenen Jahren ihre Flexibilität bewahrt hat und deshalb immer wieder innovative Lösungen kreiert.«    m

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