Deutscher Abbruchverband Fachtagung Abbruch in Berlin war voller Erfolg

Die »Station-Berlin« wurde im März erneut zum Treffpunkt der Abbruchbranche erklärt – und angesichts erneut guter Zahlen mit über 1 300 Fachbesuchern sowie 125 Ausstellern war sie das auch. Aber längst nicht nur auf dem Papier: Das bauMAGAZIN war vor Ort und hat eine Branche für Abbruch, Recycling und Schadstoffsanierung erlebt, die sich auf die kommenden Jahre einstellt, wissbegierig ist und optimistisch in die Zukunft blickt.

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Von: Dan Windhorst
Von: Norman Zenzinger

In seiner Eröffnungsrede hob DA-Geschäftsführer Andreas Pocha die besondere Stärke der Branche hervor: »Rückbau ist nie ›Standard‹, sondern immer eine maßgeschneiderte Lösung – sowohl technisch als auch organisatorisch und rechtlich. Dabei bleibt eines konstant: die Werte der Branche.« Insgesamt boten die Abbruchtage zwölf Vorträge: Inhaltlich reichte das von innovativen Denkanstößen für die Zukunft der Abbruchbranche bis hin zu anspruchsvollen Rückbauprojekten, die aufzeigten, wie vielfältig, flexibel und individuell die Betriebe letztlich agieren müssen.

Rückbau im Kernkraftwerk

Spannende Einblicke in die Praxis boten mitunter Thomas Wellmann (ERM GmbH) und Markus Brilon (RWE Nuclear GmbH). Sie berichteten von der Sanierung und Entsorgung beim Rückbau des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit asbesthaltigen Bauteilen und die daraus folgenden Anforderungen an Verfahren, Nachweise und Arbeitsschutz. Thematisiert wurden die prüfende Anwendung gesetzlicher Grundlagen und Normen, die abgestimmte Auslegung mit Behörden und ausführenden Unternehmen sowie die Entwicklung und Genehmigung geeigneter Vorgehensweisen – inklusive Probesanierungen, Messungen und messtechnischer Begleitung.

KI für Stoffströme

»Wissen, was drin ist«, darum ging es bei Hannes Berteit (Optocycle GmbH). Sein Punkt: Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im mineralischen Bereich scheitert oft nicht an fehlender Technik, sondern an fehlenden, uneinheitlichen Qualitätsdaten. Genau hier setzt der vorgestellte Ansatz an. Technisch basiert die Lösung auf multispektraler Videoerfassung kombiniert mit KI-gestützter Auswertung. Die Ergebnisse laufen als »Single Source of Truth« in einer Software zusammen.


Vollelektrischer Rückbau

Und das bauMAGAZIN traf in Berlin auch auf »alte Bekannte«: Dass vollelektrischer Rückbau bereits heute machbar ist, zeigten David Porst (MMRHP Metzner Recycling GmbH) und Peter Bauer (Volvo CE Germany GmbH). Im Zentrum stand ein Pilotprojekt, in dem Rückbau, Aufbereitung und Logistik konsequent auf Elektrifizierung ausgelegt wurden – mit dem Ziel, Emissionen und Transporte deutlich zu reduzieren (das bauMAGAZIN hatte darüber bereits in der Ausgabe 08/25 ab Seite 44 berichtet). Das Fazit der Referenten: Erfolgsentscheidend ist ein starkes Netzwerk aus Auftraggeber, Netzbetreiber, Auftragnehmer und Dienstleistern – und gerade im innerstädtischen Umfeld sehen sie großes Potenzial für voll- und teilelektrische Baustellen.

Die Stärke der Branche

Festhalten lässt sich, dass die Abbruchtage, im Übrigen wie auch in den Vorjahren, eine vernünftige Mischung boten – sowohl bei den Ausstellern als auch den Fachvorträgen, die mit aktuellen Themen gespickt waren. Gezeigt hat sich, dass der Abbruch als hochindividuelles Segment innerhalb der Bauwirtschaft zu betrachten ist und eine Standardlösung nicht existiert. Geprägt ist der Rückbau in der Regel von Zeitdruck, baulichen Herausforderungen, Unvorhersehbarkeiten und der Tatsache, dass er auf innovativen Erfindergeist angewiesen ist, um die Effizienz, Präzision, aber auch Sicherheit am Bau zu steigern. Rückbau erfordert zudem Erfahrung, Planungstiefe und die Bereitschaft, sich den Anforderungen neu anzupassen. Die nächste Ausgabe der Fachtagung Abbruch soll laut Veranstalter im März 2027 stattfinden.

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