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Cummins: »Es geht um Leistung, egal mit welcher Technologie«

Mit den neuen Stufe-V-Motoren seiner »Performance Series« will Cummins – mit im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen produzierten Dieselmotoren der weltweit größte Motorenhersteller im Bereich von 100 PS bis 4 400 PS – seine führende Position weiter ausbauen. Allerdings setzt das exakt vor einhundert Jahren gegründete US-amerikanische Unternehmen mit Hauptsitz in Columbus (US-Bundesstaat Indiana) in Zukunft auch verstärkt auf alternative Antriebstechnologien. Beim Besuch des bauMAGAZIN im nordenglischen Darlington, wo Cummins in diesem Jahr rund 80 000 Motoren – darunter auch die aus der neuen »Performance Series« – produzieren will, erklärte Marketing Communications Director Steve Nendick: »Wir bleiben ein Unternehmen, das Dieselmotoren herstellt. Aber wir werden künftig auch andere Antriebsarten anbieten. Denn es geht um Leistung, egal mit welcher Technologie. Und unsere Kunden sollen die Antriebslösung wählen können, die sie benötigen oder für die richtige halten.«

Von Michael Wulf

Dass sich das traditionsreiche Unternehmen, das mit weltweit 62 600 Mitarbeitern auf allen Kontinenten 2018 in den fünf Geschäftsbereichen Motoren, Antriebs- und Energiesysteme, Komponenten, Vertrieb und elektrische Antriebe einen Gesamtumsatz von 23,8 Mrd. US-Dollar und einen Gewinn vor Steuern von 3,5 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet hat, sich künftig als »Power-Anbieter« ­versteht, verdeutlichen auch die jüngsten Akqui­sitionen. So hat Cummins Anfang Juli den kanadischen Brennstoffzellen-Hersteller Hydrogenics übernommen, nachdem man bereits in den vergangenen zwei Jahren mehrere Zukäufe im Bereich der E-Mobilität realisiert hat. So übernahm Cummins Ende 2017 den früheren US-amerikanischen Elektromotorrad-Hersteller und Batteriespezialisten Brammo, Anfang 2018 folgte der Kauf des auf Elektro- und Hybridfahrzeuge spezialisierten britischen Geschäftsbereichs von Johnson Matthey, der laut Cummins einer der größten Zuliefererbetriebe für Lithium-Ionen-Batterien in Europa ist. Mitte 2018 übernahm Cummins zudem den im kalifornischen Silicon Valley ansässigen E-Antriebsspezialisten Efficient Drivetrains.

»Dreiteilung« im Bereich der Antriebe

»Alle diese Aktivitäten zeigen deutlich, dass wir in Zukunftstechnologien investieren. Dabei nehmen wir uns aber die Zeit, diese neuen Technologien nach unseren Standards so zu entwickeln, damit unsere Kunden davon auch wirklich profitieren können«, erläuterte Steve Nendick im Gespräch dem bauMAGAZIN, wie Cummins in den kommenden Jahren – neben der Weiterentwicklung der Dieselmotoren – seine Marktposition halten und ausbauen möchte. »Wir investieren jährlich rund 1 Mrd. US-Dollar in Forschung und Entwicklung, und davon fließt derzeit rund die Hälfte in den Bereich elektrische Antriebe.«

Mit einem Anteil von gut 25 % an der Gesamtproduktion ist der Bereich Baumaschinen-Motoren für Cummins ein »sehr wichtiger«, betonte Steve Nendick, gehörten doch nahezu alle renommierten und großen Baumaschinenhersteller zu den OEM-Kunden von Cummins. Dabei habe man vor allem im Bereich der 6-Zylinder-Motoren eine starke Stellung im Markt und strebe dies jetzt auch verstärkt im Bereich der 4-Zylinder-Motoren an. Grundsätzlich ist man bei Cummins der Ansicht, dass es bei den Baumaschinenantrieben in Zukunft zu einer Art »Dreiteilung« im Bereich der Antriebe komme. »Für die großen und schweren Maschinen wird weiterhin der Dieselmotor der bevorzugte Antrieb sein«, so Steve Nendick. »Im Bereich der mittelgroßen Maschinen wird es einen Mix geben mit der Tendenz zum Hybridantrieb, und im Maschinenbereich bis ungefähr 5 t oder 7 t dürfte sich der elektrische Antrieb durchsetzen.« Allerdings sei dies heute immer noch eine Frage der Kosten. Wie schnell sich die neuen Technologien etablieren können, hänge deshalb zu einem nicht unwesentlichen Teil davon ab, in welcher Form diese von staatlicher Seite aus gefördert würden.

Gleichzeitig habe die stetige Weiterentwicklung des Dieselmotors bei Cummins allerhöchste Priorität, erklärte Steve Nendick. Am Standort Darlington beispielsweise, wo Cummins Motoren im Bereich von 3,9 l bis 8,9 l mit einer Leistung von 75 PS bis 430 PS für gut 200 Kunden in mehr als 40 Ländern produziert, offeriert das Unternehmen mehr als 3 000 verschiedene Kundenspezifikationen und gut 10 000 Motor-Varianten. »Diese Vielfalt, das ist eine unserer ganz großen Stärken.«

»Hohe technische Expertise«

Denn Cummins produziere nahezu alle technischen Komponenten selbst – egal, ob es sich um Kraftstoffsysteme handle, um Steuerungen, Lüftungsanlagen, Filtration oder um mechanische Teile. »Wir verfügen weltweit über 80 Produktionsstätten, inklusive der 18 Motorenwerke, sowie über technische Zentren in zehn Ländern«, sagte Steve Nendick und verwies in diesem Zusammenhang auf die »hohe technische Expertise« hin, die Cummins auszeichne.

»Wir haben bei der Entwicklung unserer Motoren immer auch den gesamten Antriebsstrang im Blick, um so eine optimale Abstimmung mit Getriebe, Achsen oder Kühlung zu erreichen.« Dies und die hohe technische Kompetenz auch bei den Komponenten seien einer der Hauptgründe für den weltweiten Erfolg von Cummins, neben dem exzellenten Vertriebsnetz mit gut 600 Distributoren und mehr als 7 600 Händlern in rund 190 Ländern.

Neues Kapitel in der Firmen-Historie

Auch im Bereich Service kooperiere Cummins sehr eng mit seinen OEM-Kunden zusammen und biete unter anderem diverse Telematik-Lösungen an – von kleinen Softwareapplikation auch für ältere Motoren bis hin zu allumfassenden Flotten-Management-Lösungen, erläuterte Steve Nendick. So arbeite man derzeit daran, in Zukunft die Motoren, egal wo sie gerade im Einsatz sind, digital steuern und überprüfen zu können – »so ähnlich wie in der Formel 1«.

Mit den neuen Stufe-V-Motoren der »Performance Series« schlägt Cummins jetzt ein neues Kapitel in seiner Firmen-Historie auf. Die globale Motoren-Plattform, die derzeit sechs Modelle umfasst, deckt den Leistungsbereich von 100 PS (74 kW) bis 675 PS (503 kW) ab. Dabei bieten die neuen 4- und 6-Zylinder-Motoren laut Steve Nendicks mehr Leistung bei geringeren Installationskosten für OEM-Kunden und niedrigeren Betriebskosten für die Betreiber, und das bei einer reduzierten Komplexität.


So erhöht sich die Leistung des neuen 3,8-l-Motors im Vergleich zur Stufe IV von 130 PS (97 kW) auf 173 PS (129 kW) und damit um 33 %. Der 4,5-l-Motor bietet jetzt eine um 16 % höhere Leistung, und zwar 200 PS (149 kW) statt wie zu­vor 173 PS (129 kW). Auch beim maximalen Drehmoment sind die Verbesserungen offensichtlich: Beim F3.8 steigt diese um 31 % auf 620 Nm, beim B4,5 um 11 % auf 780 Nm.«

»Ein Plus an Leistung«

Der F3.8 ist zudem auch Bestandteil des Cummins-Konzepts HPP (Hybrid Power Plug-in). Das Konzept funktioniert wie ein vollelektrischer Antriebsstrang, verfügt aber sowohl über einen Generator (der F3.8 aus der »Performance Series«) als auch über Plug-in-Optionen zum Laden und biete so große Flexibilität, wenn die Ladeinfrastruktur eine größere Herausforderung darstelle. »Die HPP-Lösung senkt die Gesamtemissionen mit der Möglichkeit, emissionsfrei oder nahezu emissionsfrei zu arbeiten«, hatte Alexei Ustinov, Vice President Cummins Off-Highway Engine Business, bei der Vorstellung im Mai gesagt. Zudem würden Lärm und Kraftstoffverbrauch signifikant reduziert.

Der 6-Zylinder-Motor B6.7 aus der neuen »Performance Series« bietet mit seinen bis zu 326 PS ein maximales Drehmoment von 1 375 Nm, ein Plus von 30 % im Vergleich zum Vorgängermodell. Die 9-l-Motoren der »Performance Series« erhöhen die Leistung von 400 PS (298 kW) auf 430 PS (321 kW), das maximale Drehmoment erhöht sich um 13 % auf 1 846 Nm. »Dieses Plus an Leistung ermöglicht es natürlich, dass die Maschinen schneller und damit produktiver arbeiten können«, sagte Steve Nendick. »Gleichzeitig bieten sie unseren OEM-Kunden Möglichkeiten zum Downsizing.«

Alleinstellungsmerkmal »Single Module«

Das geht auch deshalb, weil das von Cummins entwickelte Abgasnachbehandlungssystem »Single Module« um 20 % leichter ist und um rund 40 % weniger Platz benötigt als vergleichbare Stufe-IV-Systeme. Denn die höhere NOx-Umwandlungs­effizienz macht eine Abgasrückführung (AGR) überflüssig. »Mit diesem Abgasnachbehandlungssystem, das DPF-, SCR- und Harnstoff-Dosiertechnologien in einem Gerät kombiniert, haben wir derzeit ein Alleinstellungsmerkmal«, so Nendick.

Außerdem reduziere die Motorkonstruktion ohne Abgasrückführung den Kühlungsbedarf, was für eine geringere Komplexität und niedrigere Kosten bei der Installation sorge. Gleichzeitig seien die Motoren der »Performance Series« als globale Plattform ausgelegt. Da sie für alle Märkte über dieselben Anschlusspunkte sowie über eine hohe Schwefelkraftstofftoleranz von 5 000 ppm verfügten, böten die neuen Motoren den Maschinenproduzenten eine verbesserte Produktionsflexibilität.

Start-Stopp-Automatik als Option

Während Cummins im Bereich der 6-Zylinder-Motoren schon jetzt »stark vertreten« sei, so Steve Nendick, wolle man mit der neuen »Performance Series« vor allem im Bereich der 4-Zylinder-Motoren »angreifen und die Marktanteile erhöhen, auch weil wir in diesem Bereich die größten Leistungssteigerungen anbieten können«. So gebe es schon jetzt mehr Bestellungen für die neuen Stufe-V-Motoren als bei den Modellen der Stufe IV. »Wir stellen fest, dass vor allem in Europa unsere neuen Motoren von diversen Baumaschinenherstellern genauer angeschaut werden, die Cummins bislang noch nicht so im Blick hatten.«

Auch auf dem deutschen Markt, der vom Vertriebszentrum in Groß-Gerau aus betreut wird, rechnet Steve Nendick mit Zuwächsen. »Wir sehen für unsere ›Performance Series‹ gute Möglichkeiten auf diesem sehr anspruchsvollen Markt, genießen doch deutsche Hersteller weltweit eine hohe Reputation.« So biete man unter anderem auch eine Start-Stopp-Automatik – ähnlich wie im Auto – bei den Motoren der »Performance Series« als Option an, was den Kraftstoffverbrauch um bis zu 15 % reduzieren könne.

Und auch der Brexit macht Steve Nendick keine Angst. »Als ein global tätiges Unternehmen kann Cummins bei der Produktion flexibel auf jede Entwicklung reagieren«, sagte er. »Wir haben uns jedenfalls, auch hier in Darlington, darauf vorbereitet, dass wir unsere Kunden immer bedienen und unterstützen können, egal was passiert.«    m

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