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01. Juni 2018

HKS Dreh-Antriebe: »Wollen uns vom Komponentenhersteller zum Systemanbieter entwickeln«

HKS Dreh-Antriebe: »Wollen uns vom Komponentenhersteller zum Systemanbieter entwickeln«

Den Umsatz auf rund 30 Mio. Euro fast verdreifacht, die Produktionskapazitäten von 2 000 auf demnächst gut 11 000 m² erweitert, die Mitarbeiterzahl auf etwas mehr als 200 verdoppelt: Bei der HKS Dreh-Antriebe GmbH mit Hauptsitz im hessischen Wächtersbach, die zum einen hydraulische Drehantriebe und Dreh-Hub-Kombi­nationen für verschiedenste Industriebereiche produziert, zum anderen aber auch seit rund zehn Jahren mit ihren Anbaugeräten XtraTilt, RotoBox und TiltRotator in der Baumaschinenbranche für Furore sorgt, ist seit 2008 »einiges richtig gemacht worden«, wie es Firmenchef Günter Höhn mit fast britischem Understatement formuliert. Jetzt ist das Unternehmen bereit für den nächsten Schritt. »Wir wollen uns vom Komponenten­hersteller zum Systemanbieter entwickeln«, sagte der 66-Jährige im Gespräch mit dem bauMAGAZIN. Operativ dafür zuständig sind seit gut eineinhalb Jahren Daniel Hecker (kaufmännischer Geschäftsführer) und Markus Löhr (technischer Geschäftsführer) sowie seit Anfang des Jahres Dirk Struppe als Vertriebsleiter.

Für Günter Höhn, der in dem vom Vater Walter Höhn 1970 gegründeten Unternehmen der erste Mitarbeiter war, hat vor allem »die positive Entwicklung in der Baumaschinentechnik eines klar gezeigt«: HKS muss künftig den Schwerpunkt verstärkt auf die Entwicklung kompletter Systeme legen, um weiterhin so erfolgreich zu sein. Mitt­lerweile habe sich das Geschäft mit den Bau­maschinen-Anbaugeräten mit einem Umsatzanteil von rund 30 % »von einer Nische zu einem bedeutsamen Geschäftsbereich für HKS« entwickelt. Denn die Anwender hätten erkannt, welche Vorteile XtraTilt, RotoBox und TiltRotator beim Baggern bieten: Sie erhöhten die Produktivität und damit die Rentabilität. Weshalb die Nachfrage nach Tiltrotatoren, egal ob mit oder ohne Zylinder, in den vergangenen Jahren immer größer geworden sei. Und dieser Trend, so Günter Höhn, werde sich in Zukunft weiter verstärken.


Dabei habe HKS von Anfang an darauf gesetzt, mit XtraTilt, RotoBox und TiltRotator drei verschiedene Lösungen anzubieten, um die Produktivität bei Baggerarbeiten zu erhöhen. »Unser Schwenk­rotor XtraTilt ersetzt mehr und mehr den klassischen Schwenklöffel«, so Markus Löhr, »denn er bietet technisch nur Vorteile, während der Schwenk­löffel mit Zylinder eher Stand der Technik von gestern ist.« Grundsätzlich sei man aber be­strebt, mit den drei Varianten alle Kundenbedürfnisse abzudecken. »Wir bieten keine Universallösung an. Wir achten vor allem darauf, die spezifische Arbeitskinematik eines Baggers voll zu erhalten.«

»Können jede Lösung anbieten«

Dass HKS diese drei Systeme anbietet, ist für Günter Höhn eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens. »Diese Bandbreite bietet in dieser Form kein anderer Marktbegleiter. Wir können jede Lösung anbieten, die der Kunde für seine Arbeit benötigt. Und zwar bis zu einem Bagger mit einem Einsatzgewicht von 100 t.« Dabei sei die Erfahrung aus dem Industriebereich »natürlich Gold wert«, zahle sich die außerordentlich hohe Fertigungstiefe aus. »Wir produzieren fast alles selbst«, so Günter Höhn, »das ist eine unserer ganz großen Stärken« und garantiere, so Daniel Hecker, »ein extrem hohes Qualitätsniveau«.

Das sei auch die Grundlage für die Entwicklung des neuen Sensors gewesen, der die Positionsdaten des TiltRotators und damit des jeweils montierten Anbaugerätes direkt an das Maschinen-Steuerungssystem übermittelt, so Markus Löhr. Der Sensor misst die exakte Rotationsposition (± 1°) des Anbaugerätes und ist mittels einer CAN-Bus-Schnittstelle mit dem Bedienpanel im Fahrerhaus verbunden. In einem mit einer 2D- oder 3D-Steuerung ausgerüsteten Bagger sind so die Bewegun­gen des TiltRotators und des Anbaugerätes in Echtzeit zu sehen, können exakte Aushubtiefen oder Markierungen des Geländes vom Baggerfahrer jederzeit abgerufen werden.

»Der neue Sensor ist problemlos nachrüstbar«

»Wir greifen dabei nicht direkt in die Maschinensteuerung ein«, so Markus Löhr. »Vielmehr liefert unser Sensor die Daten, die dann von der Maschinensteuerung des Herstellers verarbeitet werden.« Dabei könnten alle Steuerungshersteller den HKS-Sensor problemlos in ihr System implementieren. Integriert ist der Sensor bereits schon heute in das Steuerungssystem des deutschen Herstellers MOBA, mit dem HKS seit gut einem Jahr kooperiert.

»Das Besondere an dem HKS-Sensor aber ist«, betonte Markus Löhr, »dass man ihn problemlos jederzeit nachrüsten kann. Da sind wir unseren Marktbegleitern mal wieder einen Schritt voraus.« Ebenfalls neu und ebenfalls nachrüstbar ist der HKS-Gripper, der kürzlich als Prototyp vorgestellt wurde und im Laufe des Jahres auf den Markt kommen soll.

Vertrieben werden die HKS-Produkte aus dem Segment Bau in der DACH-Region über Maschinenhändler und über Anbaugeräte-Hersteller, so Dirk Stuppe. Dabei gehörten die absolute Markt- und Kundenorientierung sowie die ausführliche und individuelle Beratung zu den großen Stärken von HKS. »Denn es gibt nicht den klassischen HKS-Kunden«, so Markus Löhr. »Aber immer ist eine Verbesserung der Produktivität das Thema.« Weshalb, so Daniel Hecker, auch angesichts des drohenden Fachkräftemangels, »die Thematik Wirtschaftlichkeitsrechnung in Zukunft immer mehr an Fahrt gewinnen wird.« Und da könne HKS mit seinen Produkten aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten punkten.

Auch in diversen Nischen präsent

So ist HKS mit XtraTilt, RotoBox und Tilt­Rotator in den unterschiedlichsten Branchen präsent. Neben der Bauwirtschaft sind das vor allem die Bereiche Kommunaltechnik, Agrar- und Forstwirtschaft. Aber auch in diversen Nischen findet man die HKS-Produkte – wie auf Bohrinseln, an Bohrmaschinen oder im Handling-Bereich. Bereits seit 2012 ist HKS zudem in einem für einen Hersteller von hydraulischen Drehantrieben oder Dreh-Hub-Kombinationen ziemlich exotischen Markt unterwegs: in dem der medizinischen ­Trainingsgeräte nämlich. Diese werden unter dem Markennamen twoCON vertrieben.
So ungewöhnlich das auf den ersten Blick erscheint, ist twoCON für Günter Höhn ein weiteres Beispiel dafür, dass die Philosophie vom Systemanbieter die zukunftsweisende ist. Denn zunächst war HKS als Komponenten-Zulieferer angefragt worden, doch dann nutzte man die Möglichkeit zum Aufbau einer eigenen Produktreihe. »Grundsätzlich ist es unser Ziel als Unternehmen, krisenfest und unabhängig zu sein. Dazu gehört auch, dass man nicht von einer Branche abhängig ist«, auch wenn der Fokus weiterhin darauf liege, hydraulische Drehantriebe für die unterschiedlichsten Industrien sowie Anbaugeräte für Baumaschinen zu produzieren.

Dementsprechend waren die Investitionen in den vergangenen Jahren, zu denen zuletzt die Erweiterung der Produktionskapazitäten um gut 1 500 m² am Standort Neukirch/Lausitz für rund 4 Mio. Euro gehörte. Aber auch am Firmensitz in Wächtersbach steht mit dem Bau einer 2 000 m² großen Produktionshalle demnächst erneut eine Erweiterung an. »Wir passen unsere Organisation den Marktbedürfnissen an«, so Daniel Hecker, »modernisieren unseren Maschinenpark und stellen weiteres Fachpersonal ein.« Denn man wolle künftig die Möglichkeiten, die sich dem Unternehmen auch außerhalb der DACH-Region bieten, stärker wahrnehmen. »Frankreich und ­Italien sind für uns ganz wichtige und interessante Märkte«, ergänzte Markus Löhr. So sei man inzwischen mit einem bedeutenden französischen Baumaschinenhersteller in Kontakt. Dementsprechend selbstbewusst werde man sich als »etablierte Marke« auch auf der Bauma in München präsentieren.

»Praktiziere den Einstieg vom Ausstieg«

Dort wird dann Günter Höhn, nach jetziger Planung, seinen letzten Auftritt als Inhaber und Geschäftsführer von HKS haben. Denn der 66-jährige ist dabei, »den Einstieg vom Ausstieg zu praktizieren«. Wenn sein Unternehmen im Jahr 2020 das 50-jährige Jubiläum feiert, möchte er dieses noch »in einer gewissen Präsenz« erleben.

Dann aber soll Schluss sein. Günter Höhn wird sich, wie seine Tochter Lena schon heute, auf die Rolle des Gesellschafters beschränken. »Ich habe mich ganz bewusst für diese Geschäftsführer-Lösung entschieden, um diesen Wechsel einzuleiten. Es soll ein geordneter Übergang sein mit dem klaren Ziel: HKS als Familienunternehmen zu erhalten.«     ß

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