Im Blickpunkt

Das bauMAGAZIN-Interview mit Johann Sailer

Obwohl er für dieses Jahr »keine Höhenflüge erwartet«, ist Johann Sailer als Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen für das Bauma-Jahr 2013 zuversichtlich. »Ich denke, die Messe wird wieder für einen positiven Impuls sorgen«, sagte Sailer im Interview mit bauMAGAZIN-Chefredakteur Michael Wulf. Gleichzeitig ­kritisierte der 52-Jährige, der auch Präsident des Europäischen Baumaschinenverbandes CECE ist, die Regulierungen und Vorschriften für die Baumaschinenindustrie. »Manchmal macht es sich die Politik viel zu leicht. So müssen die Zyklen bei der Einführung von neuen Abgasvorschriften einfach länger werden«, lautet eine seiner Forderungen. »Wenn man jetzt weiter an Stellschrauben dreht, die nur noch für marginale Verbesserungen sorgen, dann kostet uns das massiv Geld und hemmt unsere Branche.« Grundsätzlich sieht Johann Sailer die deutschen Baumaschinenhersteller auch in Zukunft gut aufgestellt im globalen Wettbewerb, obwohl vor allem chinesische Unternehmen mit Macht neue Märkte erschließen wollen. »Ob fair oder nicht fair: Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen«, so Sailer. »Aber wir in Deutschland haben immer noch einen großen Vorsprung hinsichtlich Qualität, Service oder ­Zuverlässigkeit.«


 


bauMAGAZIN:Die deutschen Baumaschinenhersteller haben in 2012 einen Umsatz von rund 7,9 Mrd. Euro erwirtschaftet und damit in etwa das Niveau des Vorjahres erreicht. Was sind Ihrer Ansicht nach die Gründe für diese Entwicklung? Wie lautet Ihre Prognose für 2013?


Johann Sailer: Gott sei dank hat sich die Baumaschinenbranche nach der Finanzkrise wieder schnell erholt. Jetzt gibt es eher eine Art Seitwärtsbewegung und nicht mehr das Wachstum, das man sich erwartet hat. Für 2013 erwarten wir keine großen Sprünge. Es gab schon Rückgänge im vierten Quartal 2012, und auch die ersten Monate in diesem Jahr sind nicht ganz so gut angelaufen. Es gibt unterschiedliche Tendenzen, je nach Maschinensegment. Aber insgesamt gesehen erwarten wir in diesem Jahr keinen Höhenflug. Wobei uns die Bauma grundsätzlich zuversichtlich in das Jahr 2013 blicken lässt.


 


bauMAGAZIN:Aus Ihrer Sicht war es also viel wichtiger für die Branche, mit hohen Zuwachsraten schnell wieder aus der Talsohle herauszukommen, die derzeitige Stagnation hingegen sorgt nicht für allzu große Beunruhigung…


Sailer: Ja, die schnelle Erholung war das Entscheidende. Denn wir haben unsere Facharbeiter und damit auch das Know-how in den Unternehmen gehalten, auch wenn das für das eine oder andere Unternehmen ein Kraftakt war. Wir haben dadurch bewiesen, dass wir zu unseren Mitarbeitern stehen und nicht beim ersten Windhauch die Leute entlassen. Das ist eine ganz wichtige Botschaft unserer Branche.


 


bauMAGAZIN:Wie sehen Sie die deutsche Baumaschinenindustrie grundsätzlich aufgestellt im weltweiten Vergleich?


Sailer: Wir haben uns gut entwickelt, sowohl auf dem nationalen Markt als auch im Export. Aufgrund unserer Innovationen sind wir einfach stark und Vorreiter in vielen Bereichen. Deshalb sind wir gut positioniert. Natürlich gibt es in Europa nach wie vor ein Nord-Süd-Gefälle. Und ich glaube nicht, dass sich diese Situation schnell ändert. Deutschland wird in Europa weiterhin der Motor für die Baumaschinenindustrie bleiben.


 


bauMAGAZIN: Chinesische Unternehmen übernehmen vermehrt deutsche Traditionsunternehmen. Beispiele sind die Übernahme von Putzmeister durch Sany oder die Übernahme von Schwing durch XCMG? Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?


Sailer: Natürlich müssen wir als deutsche Industrie ein wenig aufpassen. Wir brauchen für den westeuropäischen Markt unsere Produktionsstätten. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass diese deutschen Standorte nicht allein für die Entwicklung von Produkten genutzt, sondern das dort auch Maschinen produziert werden. Entwicklung, Produktion und Service – das sehe ich als eine Einheit, die uns so innovativ macht. Also das Gesamtpaket, das den klassischen deutschen Mittelständler auszeichnet. Natürlich bekommen wir mehr Druck aus China. Aber wir in Deutschland haben immer noch einen großen Vorsprung hinsichtlich Qualität, Service oder Zuverlässigkeit. Und die deutschen Unternehmen haben zuletzt auch viel investiert, und zwar nicht nur in Innovationen, sondern auch in neue Technologien, in ihre Fertigung und Organisation. Wir reden alle davon, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, dass uns das Know-how wichtig ist. Und ich glaube, da hat unsere Branche in Deutschland schon einen großen Schritt gemacht, um uns als Industrie in Deutschland zu positionieren. Was wichtig sein wird, wenn wir auf den demografischen Wandel schauen.


bauMAGAZIN:Das Geld für Übernahmen haben Sany und Co. mit geschätzten EBIT-Margen von 14% bis 21% vor allem auf dem in der Krise boomenden Heimatmarkt verdient, dessen Anteil am weltweiten Baumaschinenmarkt innerhalb von zwei Jahren von 15% auf 30% gestiegen ist, obwohl es zuletzt Rückschläge gab. Auch an staatlicher Unterstützung fehlt es den Unternehmen nicht. So hat die politische Führung definiert, in welchen Branchen chinesische Unternehmen vor allem wachsen und global wettbewerbsfähig werden sollen – und dazu gehört auch die Baumaschinenbranche. Ist so Ihrer Ansicht nach noch ein fairer Wettbewerb möglich?


Sailer: Ob fair oder nicht fair: Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen. Wie weit die chinesischen Unternehmen vom Staat subventioniert oder anderweitig unterstützt werden, das wissen wir alle nicht so ganz genau. Diese Dinge kommen nicht klar auf den Tisch. Dass sie subventioniert werden, ist aber klar. Dass auch Zukäufe von Unternehmen unterstützt werden, das dürfte ebenfalls so sein. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass die Chinesen auf diesem Weg versuchen, ihren Markteintritt in Westeuropa zu realisieren. Ich glaube nicht, dass sie heute eine Firma in erster Linie deshalb übernehmen, weil sie deren Technologie unbedingt benötigen. Die entscheidende Frage ist da für mich: Wie sehen die chinesischen Firmen ihre Zukäufe in Deutschland? Wollen sie das Unternehmen ausbluten lassen und so einen Konkurrenten vom Markt nehmen? Oder sehen sie das als zusätzlichen Standort? Und wenn das der Fall ist, kämpfen wir in Westeuropa wieder mit gleichen Waffen.


 


bauMAGAZIN:Auf der Intermat in Paris waren chinesische Hersteller von Komponenten wie Achsen, Getriebe, Hydraulikteilen oder Steuerungen so präsent wie noch nie. Glauben Sie, dass sich dieser Trend auf der Bauma fortsetzt? Oder anders gefragt: Müssen sich die deutschen Hersteller Sorgen machen, dass Chinas Hersteller künftig auch bei High-Tech-Komponenten ein ernst zu nehmender Wettbewerber sein werden?


Sailer: Natürlich werden auch die Chinesen immer besser. Bei uns in Deutschland gibt es Hersteller, die solche Komponenten zukaufen. Und es gibt Hersteller, wie beispielsweise Liebherr, die Achsen, Steuerungen oder Motoren selbst entwickeln und produzieren. Und das macht natürlich einen Unterschied. Aus heutiger Sicht ist aber gerade diese Qualität der Komponenten ein ausschlaggebender Wettbewerbsvorteil. Dabei spielt nicht allein deren Preis eine Rolle, sondern wann in welcher Menge die Teile verfügbar sind. Man muss das als ein Gesamtpaket sehen. Grundsätzlich glaube ich, dass auch bei den Komponenten der Wettbewerb größer wird. Aber ich sehe da schon noch einen Vorsprung für uns. Denn die deutschen Hersteller garantieren eine konstant hohe Qualität und bieten ein exzellentes Servicenetz. Damit werden wir auch in der Zukunft punkten können.


 


bauMAGAZIN: Angesichts der Herausforderungen in der globalisierten Wirtschaftswelt gibt es Klagen aus der Industrie, dass die derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und in Europa wenig hilfreich seien, um in diesem gewaltigen Umwälzungsprozess nicht am Ende als Verlierer dazustehen. Sehen Sie das auch so und falls ja: Was müsste sich in Politik und Wirtschaft ändern?


Sailer: Man muss unterscheiden zwischen deutscher Politik und europäischer Politik. In Deutschland sind wir – was Steuern oder Umweltauflagen betrifft – genug belastet. Wir müssen deshalb schauen, dass wir die Löhne in vernünftigen Größenordnungen halten, dass unsere Produktivität hoch bleibt. Aber man muss auch feststellen: In der Finanzkrise hat die deutsche Politik positive Entscheidungen getroffen, die uns geholfen haben. Durch die Kurzarbeiterregelung konnten wir unsere Mitarbeiter halten. Auch die Konjunkturprogramme haben sich positiv ausgewirkt. Auf der europäischen Ebene machen uns natürlich die vielen neuen Regulierungen schwer zu schaffen. Man muss schon aufpassen, dass die europäischen Gesetze uns nicht weltweit einen Strich durch die Rechnung machen.


 


bauMAGAZIN: Immer mehr deutsche Baumaschinenhersteller bauen Produktionsstätten in den BRIC-Ländern auf, um in diesen wachsenden Märkten ihre Produkte besser absetzen zu können. Ist diese Strategie Ihrer Meinung nach nur etwas für Konzerne, wie beispielsweise Liebherr oder die Wirtgen Group, oder sollte auch ein deutscher Mittelständler dieses Wagnis eingehen?


Sailer: Diese Entscheidung hängt natürlich ganz stark davon ab, mit welchen Stückzahlen will man in diese Märkte gehen. Wir werden uns nicht verschließen können, in bestimmten Ländern zu produzieren, in erster Linie Komponenten. Aber grundsätzlich fällt es einem Mittelständler schwerer als einem Konzern, sich in diesen Märkten mit Produktionsstätten zu engagieren. Aber wenn ich mir zum Beispiel die Hersteller von Erdbewegungsmaschinen anschaue. Aufgrund der Entwicklungen hinsichtlich der Abgasvorschriften können sie die für den europäischen Markt produzierten Maschinen in diesen Ländern überhaupt nicht absetzen, weil dort zum Beispiel die Kraftstoffqualität nicht gegeben ist und diese Maschinen natürlich auch viel zu teuer sind für Emerging Markets. Doch die Neumaschinen sind nur ein Aspekt. Denn was passiert eigentlich in Zukunft mit den Gebrauchtmaschinen? Die können wir nämlich in diesen Märkten auch nicht mehr absetzen. Also wird sich das aufspalten in verschiedene Produktionslinien. Und deshalb müssen natürlich Hersteller in bestimmten Ländern auch für diese Märkte produzieren. Aber wie gesagt, das hängt maßgeblich vom Volumen ab.


 


bauMAGAZIN: Ein großes Thema in der Branche waren in den vergangenen Jahren die neuen Emissionsvorschriften hin zu Tier 4 final/Stufe IV. Wie beurteilen Sie die Diskussionen – auch hinsichtlich beispielsweise der aus Berlin kommenden Forderungen nach zusätzlichen Partikelfiltern oder hinsichtlich der Diskussion über die Belastung beim Einsatz handgeführter Verdichtungsgeräte in Gräben?


Sailer: Also, da macht es sich die Politik manchmal viel zu leicht. Nehmen wir die Nachrüstung mit Filtern. Das ist eigentlich ein kompletter Eingriff in die Maschine. Oder die neuen Motoren, die aufgrund der Emissionsvorschriften neu entwickelt wurden. Es ist nämlich einfach nicht damit getan, einen Motor neu zu bauen. Vielmehr ändert sich dadurch die komplette Konfiguration der Maschine. Das ist also eine Geschichte, bei der wir aufpassen müssen, dass man es nicht übertreibt. Denn rund 70 % der Entwicklungskapazitäten und -kosten entfallen auf die Maschinen, die wir nur in Europa und Nordamerika absetzen können. Das sind aber nur 30 % aller produzierten Maschinen. Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung. Und wenn wir die unterschiedlichen Abgasrichtlinien sehen, dann bauen wir heute eine Maschine, mit der zwei Jahre lang die Vorschriften erfüllt werden, und dann gelten schon wieder neue Grenzwerte. Diese kurzen Zyklen sind meiner Meinung nach das größte Problem, schließlich ist auch die Ersatzteilversorgung davon betroffen. Deshalb sollten wir uns bei der Einführung von neuen Abgasvorschriften auf wesentlich längere Zeiträume einigen. Also: Die Zyklen müssen einfach länger werden! Außerdem muss man doch auch konstatieren, wie Baumaschinen in den vergangenen Jahren technisch weiterentwickelt wurden, und das ohne Berücksichtigung der Abgaswerte. Die Fahrer sind heute wesentlich besser geschult, das ganze Handling der Maschine ist ein anderes, deren Effizienz ist im Vergleich zu früher um ein Vielfaches größer. Da wurden also enorme Fortschritte gemacht, die von der Industrie selbst initiiert worden sind, ohne dass der Gesetzgeber mit Vorschriften Druck ausüben musste. Aber wenn man jetzt weiter an Stellschrauben dreht, die nur noch für marginale Verbesserungen sorgen, dann bringt uns das in der Tat nicht weiter. Die Baumaschinenindustrie hat immer das Interesse, möglichst viel für die Umwelt zu tun – und zwar unabhängig von Regulierungen. Aber diese kleinen Stellschrauben kosten uns jetzt massiv Geld.


 


bauMAGAZIN: Es gab zuletzt von Herstellern auch einige Kritik am VDMA, weil dieser ihre Interessen hinsichtlich der verschärften Emissionsvorschriften in den zuständigen Gremien nicht ausreichend vertreten haben soll. Was sagen Sie zu dieser Kritik?


Sailer: Wer sich mit dem System EU beschäftigt hat, der weiß, was möglich ist und was nicht. Parolen helfen uns hier nicht weiter. Ich denke, wir haben zuletzt vor allem eines gelernt: Wir müssen rechtzeitig dran sein in Europa und uns nicht erst kurz vor Schluss zu Wort melden. Mit dem VDMA betreiben wir in unserem europäischen Dachverband CECE jetzt in Brüssel viel mehr Lobbyarbeit als früher. Wir sind dort viel präsenter und haben dafür die Kapazitäten enorm erweitert. Wir wollen den zuständigen Gremien erklären, dass eine Baumaschine bezüglich der Emissionen eben nicht wie ein Auto oder ein Lkw zu bewerten ist. Wir haben jetzt die sogenannte »High-Level-Group« installiert, bei der die Technikchefs der großen deutschen Hersteller mit im Boot sind, damit wir schon im Vorfeld von Entscheidungen mit Brüssel wirkungsvoll kommunizieren können.


 


bauMAGAZIN:Welche Möglichkeiten hat der VDMA beziehungsweise der ­CECE überhaupt, Einfluss zu nehmen, wenn neue Richtlinien von der EU diskutiert werden?


Sailer: Präsenz ist erst mal das Wichtigste. Und dann Aufklärung. Viele Entscheidungsträger in Brüssel haben nicht unbedingt das dezidierte technische Wissen, um objektiv beurteilen zu können, welche Auswirkungen zum Beispiel die Nachrüstung eines Filters auf die Performance oder die Kosten einer Baumaschine hat. Frühzeitig artikuliert können wir unseren Standpunkt sehr wohl einbringen und im Vorfeld Einfluss nehmen. Dabei verschließen wir uns als Baumaschinenindustrie nicht, Verbesserungen einzuführen. Nur darf es keine Wettbewerbsverzerrung geben, und die Veränderungen müssen Sinn machen. Wir sind einfach dagegen, dass Entscheidungen aus politischen Gründen umgesetzt werden, die eigentlich keinen Effekt haben. Das hemmt unsere Branche.


 


bauMAGAZIN:Ist mit Tier 4 final/Stufe IV vorläufig das Ende der Fahnenstange erreicht? Oder kommt demnächst Tier 5?


Sailer: Das wird kommen, die Frage ist nur: wann? Für uns als Industrie ist es dabei wichtig, dass wir uns in längeren Zyklen bewegen können, damit wir uns besser auf neue Grenzwerte einstellen können. Dabei stellt sich aber immer die Frage: Was bringt eine weitere Stufe und was kostet sie uns?


 


bauMAGAZIN: Was sind die wichtigsten Aufgaben des CECE in der Zukunft? Und wie arbeitet der CECE überhaupt?


Sailer: Eine der wichtigsten Arbeiten ist für uns die Lobbyarbeit…


 


bauMAGAZIN: …wobei dieser Begriff einen eher zweifelhaften Ruf hat…


Sailer: Ich sehe diese Bezeichnung eher positiv. Denn es geht doch darum: Wir wollen als Baumaschinenindustrie mehr wahrgenommen werden in Brüssel, wo der Fokus oft auf der Automobilindustrie liegt. Schließlich werden mit unseren Maschinen die Straßen gebaut, die Brücken oder die Häuser und Wohnungen. Ein weiterer Schwerpunkt ist unsere technische Arbeit hinsichtlich der unterschiedlichsten Normierungsverfahren oder eben im Vorfeld von Gesetzesinitiativen. Und wir wollen in Europa als Baumaschinenindustrie natürlich auch eine einheitliche Sprache sprechen.


 


bauMAGAZIN:Fachleute beklagen, dass es bei der Infrastruktur in Deutschland einen immensen Investitionsstau gibt. So fehlen laut Investitionsplan des Bundes jährlich sechs Milliarden Euro allein für den Unterhalt oder den Bau von Straßen. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat 2008 sogar festgestellt, der Investitionsbedarf der Kommunen in die Infrastruktur belaufe sich bis zum Jahr 2020 auf 700 Mrd. Euro. Was erwarten Sie sich angesichts dieser Zahlen von der Politik, die für eine Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen sorgen muss?


Sailer: Wir haben in der Tat einen Nachholbedarf, was die Infrastruktur in Deutschland betrifft. Das sieht man immer zum Ausklang des Winters. Manche Straßen sind dann in einem beklagenswerten Zustand, einige müssen sogar gesperrt werden. Oder bei Brücken wird die Nutzlast reduziert. Ich denke, wir können es uns absolut nicht leisten, dass wir unsere Infrastruktur so vernachlässigen. Deren Qualität hat einen enormen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Deshalb sollte die Politik Infrastrukturprogramme initiieren.


 


bauMAGAZIN:Was erwarten Sie sich von dieser Bauma?


Sailer: Wir schauen zuversichtlich ins Bauma-Jahr. Mit 570000 m² Ausstellungsfläche und weit über 3000 Ausstellern – und so viel ich weiß, stehen mehr als 300 Unternehmen auf der Warteliste – wird das wieder eine tolle Bauma werden. Als weltweit mit Abstand wichtigste Plattform unserer Branche dürfen wir uns wieder auf zahlreiche Innovationen freuen. Aber auch das Thema Sicherheit wird mit im Fokus stehen, weil dieser Aspekt jetzt in vielen Ländern einen höheren Stellenwert erhält. Ich hoffe natürlich, dass der Vulkan auf Island dieses Mal ruhig bleibt und nicht wieder Asche spuckt. Und ich bin sicher: Die Bauma wird wieder für eine positive Stimmung in der Branche sorgen. Gerade in dieser Phase, in der wir nicht wissen, entwickelt sich das Jahr positiv oder kommt’s zu einer Stagnation, da kann die Bauma für den entscheidenden positiven Impuls sorgen.


 


bauMAGAZIN:Eine persönliche Frage zum Schluss: Wie beurteilen Sie die Debatten um Großbauprojekte in Deutschland, die zuletzt nur für negative Schlagzeilen gesorgt haben – Stichwort Berliner Flughafen, Elbphilharmonie, Stuttgart 21?


Sailer: Ich denke, uns als Industrie tun diese Schlagzeilen nicht gut. Gerade in einem hochtechnisierten Land wie Deutschland, in dem wir in vielen Bereichen ­Vorreiter sind und sein wollen, darf so etwas eigentlich nicht passieren. Wie wollen wir unsere Technik in der Welt verkaufen, wenn es solche Negativ-Projekte gibt?

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