Case Construction: »Das Wort der Anwender bitterernst nehmen«

Sieben neue Modelle – ein unmissverständliches Statement: Case möchte mit seinen neuen CX-Raupenbaggern der E-Serie ein »Höchstmaß an Einsatzbereitschaft, Effizienz und Produktivität« bieten. Die Modelle CX130E, CX160E, CX180E, CX210E sowie CX240E, CX250E und CX300E sollen die 13-t- bis 30-t-Klasse abdecken und wurden kürzlich im Rahmen der Markteinführung digital vorgestellt. Im direkten Anschluss daran hat bauMAGAZIN-Chefredakteur Dan Windhorst mit Vladimir Knezevic, Business Director D-A-CH, und Lea Jambon, Marketing-Manager D-A-CH bei CNH Industrial, sowie Case-Produkt-Manager Lars Midderhoff persönlich über die neue E-Serie gesprochen, um zu erfahren, wie es zur Entwicklung der neuen Modelle kam und was es mit dem angepriesenen »Wow«-Effekt auf sich hat.

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Von: Dan Windhorst

Mit mehr als 180 Jahren an Erfahrung in der Erdbewegung kann Case auf eine lange Entwicklungsgeschichte zurückgreifen, die sich auch in der Markteinführung der neuen E-Serie widerspiegelt. Gleichwohl, so Case-Produkt-Manager Lars Midderhoff, sei die Entwicklungsarbeit von Case gerade in den vergangenen Jahren stark durch die konstruktive Kritik ihrer direkten Anwender geprägt worden. »Diejenigen, die tagtäglich acht Stunden in der Fahrerkabine sitzen, sind die tatsächlichen Profis, weshalb Case das Wort seiner Anwender seit einigen Jahren bitterernst nimmt.« In offenen Gesprächen, so der Case-Experte, komme es in erster Linie zu ungefilterter aber konstruktiver Kritik, die über die Produkt-Manager bis in die Zentrale gelangt. »Dort wird dann abgewogen und priorisiert, welche Vorschläge und Wünsche in die schlussendliche Konstruktion miteinfließen.«

Auf den ersten Blick

Ein Beispiel für das umgesetzte Feedback ist laut Case die großzügig gestaltete Fahrerkabine – und damit ein »Wow«-Effekt für den Anwender: Ein erhöhter Bedienkomfort, großzügige Abmessungen, Kameras und deutlich verbesserte Sichtverhältnisse sollen der einfachen Handhabung und einer gestiegenen Sicherheit zugutekommen. »Der Fahrer hat seine Arbeitsumgebung besser im Blick – er kann sehen, was vor, neben und hinter ihm passiert. Komplettiert haben wir das mit übersichtlichen Displays – ähnlich wie bei großen Radladern – über die alle wichtigen Fahrzeugdaten sowie Konfigurationen, etwa Druck- und Mengenbestimmungen, präzise und schnell definiert bzw. festgelegt werden können«, ergänzte Lars Midderhoff. Die neue Kabine verfügt darüber hinaus über eine komfortable Einstiegshöhe sowie einen neuen 10"-LCD-Monitor mit konfigurierbaren Tasten. Dazu gesellen sich laut Case eine neue Anordnung der Bedienelemente, eine gefederte Steuerkonsole, voll verstellbare Sitze und großzügig dimensionierte Ablageflächen.

 »Diejenigen, die tagtäglich acht Stunden in der Fahrerkabine sitzen, sind die tatsächlichen Profis, weshalb Case das Wort seiner Anwender seit einigen Jahren bitterernst nimmt.«  Lars Midderhoff, Case-Produkt-Manager

Neue FPT-Motoren der Stufe V

Auch unter der Haube zeigt sich Case mit Neuerungen: Ausgestattet sind die sieben Modelle mit neukonzipierten Motoren der Stufe V von Fiat Powertrain Technologies (FPT). In der 13-t- bis 18-t-Klasse ist die 4,5-l-Variante N45 verbaut, während der N67 mit 6,7 l aus derselben Motorenfamilie die 21-t- bis 30-t-Modelle mit Leistungskraft versorgt. »Eine Besonderheit dieser Motoren ist, dass es sich um eine Lösung ohne Abgasrückführung (AGR) handelt«, so Lars Midderhoff. »Damit möchten wir eine höhere Effizienz bei der Kraftstoffverbrennung erzielen. Grundsätzlich erreichen wir in Kombination mit der durch den Filter selektiven katalytischen Reduktion (SCR) ein beeindruckendes Einsparungspotenzial bei den Betriebskosten.«


Verbaut ist in den neuen Modellen der E-Serie die FPT-Nachbehandlungslösung HI-eSCR2. Sie soll laut Case wartungsfrei und auf die gesamte Lebensdauer ausgelegt sein, indem keine mechanische Reinigung erforderlich ist. »Ein weiterer wichtiger Aspekt sind in diesem Zusammenhang die Wartungsintervalle: Die konnten wir auf bis zu 1 000 Stunden für Motoröl, Kraftstofffilter und Ölfilter bringen und damit verdoppeln«, fügte Vladimir Knezevic als Business Director D-A-CH hinzu. Bekannt gab Case zudem, dass die FPT-Stufe-V-Motoren sowohl mit regulären als auch alternativen Kraftstoffen betrieben werden können – etwa mit hydriertem Pflanzenöl (HVO). »Auch das wird vom Markt immer häufiger nachgefragt«, ergänzte Knezevic. »Der klassische Straßenbauer oder Kiesgrubenbetreiber wird auch künftig weiter auf seine herkömmlichen Kraftstoffarten setzen, aber grundsätzlich ist die E-Serie dazu in der Lage, beispielsweise mit dem Bio-Kraftstoff zu fahren.«

 »Die Wartungsintervalle konnten wir auf bis zu 1 000 Stunden für Motoröl, Kraftstofffilter und Ölfilter bringen und damit verdoppeln.«  Vladimir Knezevic, Business Director D-A-CH

Mit verbesserten Betriebsarten

In Kombination mit dem intelligenten Hydrauliksystem (CIHS) sollen die FPT-Motoren außerdem Maßstäbe setzen: Vier zusätzliche Betriebsarten, bei denen laut Lars Midderhoff vor allem der neue »Eco«-Modus »E« hervorsteche, sollen künftig zusätzliche anpassbare Hydraulikeinstellungen ermöglichen, um die Durchflussmengen für Stiel, Ausleger- oder auch Schwenkbewegungen anzupassen. Bereits aus anderen Modellen bekannt sind der »Super Power (SP)«-Modus, der für maximale Leistung und Produktivität steht, der »Power (P)«-Modus, der einen zusätzlichen Leistungsschub bietet und der »Lifting (L)«-Modus, der Hubeinsätze gezielt optimieren soll. Im »Eco«-Modus, so Midderhoff, zeige die E-Serie eine deutliche Kraftstoffeinsparung von bis zu 17 % auf. »Das System passt den Leistungsbedarf im ›Eco‹-Modus individuell an und analysiert die Betriebszustände. Die Drehzahl wird bei ›Eco‹ noch weiter herunter geschraubt – die Kraft bleibt aber verfügbar und lässt sich abrufen, sobald sie benötigt wird.«

Ein Generationswechsel

Einen weiteren Zukunftsschritt möchte Case in diesem Zusammenhang allerdings auch mit dem Einsatz digitaler Unterstützungsprogramme machen: Mit Service Solutions unternimmt Case den Versuch, die Kundenzufriedenheit signifikant zu verbessern. Ein bidirektionales Modem soll beispielsweise den Einsatz von SiteConnect sowie dem Flotten-Management-Tool SiteWatch ermöglichen. Zum Ziel haben diese Systeme die Geolokalisierung, Flottenabsicherung durch Geofencing und Warnmeldungen bei unbefugter Nutzung sowie eine flexible Berichterstellung. Letztere ermöglichen eine portalbasierte Nachverfolgung wichtiger Leistungsmerkmale wie Kraftstoffverbrauch, Auslastungsrate, Betriebsstunden oder Leerlaufzeiten.

SiteConnect optimiert hingegen die Telemetriedaten und übermittelt dem Händler im Bedarfsfall Warnmeldungen, etwa, wenn etwas mit der Maschinenleistung nicht stimmt. »Das Ziel ist es, Händlern ein Anzeige-Tool an die Hand zu geben, um zeitnah auf Veränderungen der Maschine reagieren zu können«, stellte Lars Midderhoff klar. Im selben Atemzug nennt Midderhoff jedoch auch einen deutlich erkennbaren Generationswandel: »Auf der einen Seite finden sich in der Bauwirtschaft Baggerfahrer, die ›Old-School‹ auf reine Mechanik setzen und auf der anderen Seite rückt die ›Playstation‹-Generation nach, die sich bestens mit digitalen Tools auskennt und Service Solutions als Unterstützung und eben nicht als modernen Ballast wahrnehmen.« Sowohl SiteWatch als auch SiteConnect gehören zur Standardausstattung der neuen E-Serie.

 »Gerade im Baumaschinenbereich müssen Anwender die Maschinen anfassen und in den direkten Dialog mit unseren Produkt-Managern treten können.«  Lea Jambon, Marketing-Manager D-A-CH CNH Industrial

Trotz Corona am Ball bleiben

Um die neuen Modelle der E-Serie vorzustellen, nutzt Case aufgrund der weiter andauernden Pandemie in erster Linie digitale Kanäle. Zuständig für das Marketing innerhalb der D-A-CH-Region weiß Lea Jambon jedoch, dass das allein jedoch nicht ausreichen wird. »Seit März 2020 hat Case verstärkt auf die sozialen Netzwerke gesetzt, um weiterhin nah am Kunden zu bleiben. Trotzdem wissen wir aus der Erfahrung heraus, dass rein digitale Events ein Face-to-Face-Gespräch niemals restlos ersetzen können. Gerade im Baumaschinenbereich müssen Anwender die Maschinen anfassen und in den direkten Dialog mit unseren Produkt-Managern treten können.« Geplant sei laut Lea Jambon daher beispielsweise eine Roadtour im Juni, um ein wichtiges Signal an die Händler, Kunden und Anwender zu senden. »Fakt ist, dass jedes Feedback unsere Maschinen verbessert – und genau darauf möchten wir nicht verzichten.«    d

Fakten

Die wichtigsten Merkmale der neuen E-Serie-Modelle

Höhere Produktivität: verbesserter Einstieg, geräumige Kabine, konfigurierbare Bedienelemente, schwebende Steuerkonsolen mit Sitz, mehr Stauraum und neue Arbeitsmodi

Optimierte Sicherheitsmerkmale: Bessere Rundumsicht durch neue Kabine sowie aktive Kameras mit Anzeige auf 10"-LCD-Monitor, automatische Hebelverriegelung

TCO- und Effizienzsteigerung: Verringerter Kraftstoffverbrauch, neue FPT-Motoren mit SCR-on-Filter, keine Abgasrückführung für optimierte Verbrennungseffizienz, verlängerte Wartungsintervalle von 1 000 Stunden für Kraftstoff-, Motoröl- und Motorölfilter

Alternative Kraftstoffe: Neben herkömmlichem Diesel lassen sich die FPT-Motoren auch mit Biodiesel B7, Gas-to-Liquids (GTL), Biomass-to-Liquids (BTL), Coal-to-Liquids (CTL) und Paraffine-Kraftstoffen wie Hydrotreated Vegetable Oils (HVO) antreiben

Gesteigerte Zuverlässigkeit: Verbesserte strukturelle Stabilität des Auslegers, weniger Spiel in den Buchsen und Rollen, höhere Stabilität des Unterwagens

Aufgewertete Hydraulik: Neues Hydraulik-Management samt vier neuer Arbeitsmodi, um die Leistung mit jedem Anbaugerät zu optimieren. Neuer Schalter für die Überlaufabschaltung integriert

Ferndiagnose: Case Connected Services mit SiteConnect, SiteWatch und SiteManager für eine erhöhte Maschinenverfügbarkeit, Produktivität, Effizienz und Fernunterstützung sowie Ferndiagnose durch Händler

 

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