Bohrservice Rhein Main: Feuertaufe für innovatives Recycling-Anlagenkonzept

Um Horizontalbohrungen weiter wirtschaftlich und auf technisch höchstem Niveau anbieten zu können, hat der Horizontalbohrungsspezialist Bohrservice Rhein-Main aus Bodenheim (Rheinland-Pfalz), aufbauend auf der eigenen langjährigen Praxiserfahrung, ein innovatives Konzept für eine neue Recycling-Anlage entwickelt. Alle in vergangenen Projekten gewonnenen Erkenntnisse flossen mit in die Entwicklung eines gleichermaßen an technischen und wirtschaftlichen Parametern orientierten Maschinen-Designs ein. Den Piloteinsatz hat die neue Recycling-Anlage beim Bau eines neuen Rechenzentrums in Frankfurt am Main nach Anbieterangaben mit Bravour gemeistert.

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Rechenzentren gelten in Kombination mit einer Breitbandinfrastruktur als Basis der Digitalisierung. Der Bau solcher Hochleistungskomplexe erfolgt in der Regel in der Nähe zentraler Verknüpfungspunkte der Datenautobahnen wie in Frankfurt am Main.

Grabenlose Autobahnquerung geplant

Weil die örtliche Strominfrastruktur keine weitere Belastung zuließ, entschied sich der regionale Stromversorger, am geplanten und in der Nähe der A66 ge­legenen Rechenzentrum ein neues Umspannwerk zu errichten. Hierfür war eine Anbindung an eine auf der gegenüberliegenden Seite der A 66 befindliche 110-kV-Leitung herzustellen. Dafür sollte die Autobahn grabenlos im Horizontalspülbohrverfahren gequert werden.

In zwei parallel verlaufenden, je 130 m langen Bohrungen im Abstand von rund 5 m, sollten je vier PE-Kabelschutzrohre DA 180 SDR 11 eingebracht werden. Davon waren je drei anschließend mit einer Phase der 110-kV-Leitung zu belegen, das vierte Kabelschutzrohr wurde mit je 3 x PE DA 50-Kabelschutzrohren zur Aufnahme von Glasfaserleitungen bestückt. Zusätzlich sollte in jede Bohrung ein Erdungsseil eingezogen werden.

Den Unterschied machen

Für die Spülbohrarbeiten wurde das Unternehmen Bohrservice Rhein-Main beauftragt, das über eine hohe fachliche Expertise für die durchzuführenden Aufgaben verfügt und mit einer eigenen 40-t-Bohranlage bereits Projekte in der Region durchgeführt hat. Insgesamt wurden im Frühjahr diesen Jahres für die Bohrarbeiten mit einer Ditch Witch JT100 rund vier Wochen veranschlagt.

Bauausführung nach Plan

Die beiden nacheinander durchgeführten Pilotbohrungen erfolgten innerhalb weniger Tage. Trotz der mitunter schwierigen Bodenverhältnisse – im Leistungsbereich waren teilweise bindige Böden wie auch Sand und Kies vorzufinden – verliefen auch die Aufweitbohrungen ohne Komplikationen nach Plan. Dies beinhaltete auch das Verdämmen des Ringraums beider Bohrkanäle sowie den Einzug der DA 50-Kabelschutzrohrbündel in die PE-Rohre (DA 180). Der eigentliche Einzug der 110-kV-Systeme wurde von einem anderen Unternehmen durchgeführt.

Piloteinsatz

Die 130 m langen, auf je etwa 550 mm Durchmesser aufzuweitenden, Bohrkanäle erforderten den Einsatz einer leistungsfähigen Recycling-Anlage zur Wiederaufbereitung der Bohrspülung. Hierfür konnte Bohrservice Rhein-Main erstmals die eigene selbst entworfene Anlage einem Praxistest unterziehen. Als Basis/Geräte­träger für die Eigenkonstruktion dient ein Lkw mit einem festen Aufbau mit Schwenkflügeltüren und einer heckseitigen 2-t-Hebebühne. Als Vorteil des Aufbaus gilt eine kurze Rüstzeit von 70 Minuten für zwei Mitarbeiter vor Ort.

Intensive Erfahrung

Für die exakte Konfiguration aller technischen Merkmale benötigten die Bohrexperten aus Bodenheim – neben ihren »normalen« Arbeiten – rund zwei Jahre. Das Gerät funktionierte ab dem ersten Tag wie geplant, es kam zu keinen Ausfallzeiten auf der Baustelle. Lediglich typische Fein­justierungen und ein geplantes »Personal-Training« waren notwendig, führten aber auf der Baustelle zu keinen Verzögerungen. Für den Anlagenaufbau griff Bohrservice Rhein-Main auf eine L-Team-Recycling-Anlage zurück. Mit dieser wurde es möglich, der maximalen Leistung der Ditch Witch JT100 mit einer maximalen Spülleistung von 870 l/min zu entsprechen.


Alles vollautomatisch

Für die neue Anlage erwarb Bohrservice Rhein-Main eine Zentrifuge mit einer maximalen Leistung von 550 l/min sowie das passende Siebdeck. Herzstück der Anlage ist eine vollautomatische Systemsteuerung und -überwachung, die auch per Tablet/Notebook von der Bohranlage aus zu bedienen ist. Ferner ist eine Bohrspülungsanmischung mit einem auf der Anlage installierten Venturi-System möglich. Nach Anbieterangaben können derzeit am Markt erhältliche Seriengeräte dies nicht leisten.

Als Zusatz wurde eine Flockstation verbaut, die dem Ziel der Komplettlösung dient, mit der Anlage die verbleibende Bohrspülung vollständig wiederaufzubereiten. Als außergewöhnlich gilt die Überwachung der Pufferbehälter, in diesem Fall die Tanks eines üblichen Misch-Lkw. Um Datenverluste zu vermeiden, wurde eine Kabelverbindung zwischen der Recycling-Anlage und dem Misch-Lkw aufgebaut. Die elektronischen Füllhöhenanzeigen können sowohl im Regelbetrieb mit kleineren Bohranlagen und ohne Recycling-Anlage verwendet werden oder – wie in Frankfurt – in Verbindung mit der Recycling-Anlage. Dem Bediener der Bohranlage bietet sich somit der komplette Überblick über das System. Ebenso hat der Mitarbeiter auf der Recyc­ling-Anlage Überblick über die Füllhöhen der Tanks.

Flexibilität ist das Ziel

Nach ausgiebigen Tests mit verschiedenen Systemen als Anhängerversion und Abroll- bzw. Absetzversion entschied man sich für einen Aufbau in einem separaten Lkw. Dies stellt ein höchstmögliches Maß an Flexibilität sicher, um zum Einsatzort zu gelangen oder die Anlage vor Ort schnell und sicher umzusetzen. Auch das hohe Eigengewicht der Recycling-Anlage sprach für einen Festaufbau in einem Fahrzeug.

Ungewöhnlich ist ein am Lkw-Heck installiertes schwenkbares Förderband, mit dem die im Recycling-Prozess abgeschiedenen Feststoffe direkt in Con­tainer, auf Lkw oder in eine Radladerschaufel gefördert wie auch als Haufwerk hinter dem Re­cycling-Lkw abgelagert werden können.     t