Der Einstieg in die Digitalisierung erfolgte zunächst über die Vermessung. Mit einem Rover-stab wurden Gelände, Höhen und Punkte erfasst. „Wir haben unseren Polier damit auf die Baustellen geschickt, um das Gelände abzustecken und Punkte und Höhen zu ermitteln“, berichtet Daniel Dreger. Aus den aufgenommenen Punkten entstanden im Büro digitale Ge-ländemodelle und Planungsdaten. Sie bildeten die Grundlage für die spätere Maschinensteue-rung und sorgten dafür, dass Vermessung, Planung und Bauausführung deutlich enger mitei-nander verzahnt werden.
Als der Umgang mit dem digitalen Modell verinnerlicht war, folgte der nächste Schritt: die Baumaschinen selbst in den digitalen Prozess einzubinden. Zunächst wurden sie mit 2D-Steuerungen ausgestattet. Gemeinsam mit Zeppelin und der Niederlassung Hamm wurden die Systeme schrittweise aufgebaut und auf die Anforderungen des Unternehmens abge-stimmt. Bei den ersten Schritten unterstützte Verkaufsrepräsentant Alf Fischer das Unter-nehmen nicht nur mit der Bereitstellung der Technik; er führte Daniel Dreger auch an die neue Anwendung heran und begleitete die Implementierung in die Praxis. Mit wachsender Routine folgte schließlich der Schritt zu 3D. Eine 3D-Steuerung wurde auf Baumaschinen wie einem Cat Kettenbagger 323 und einem Cat Deltalader 299 installiert. Nun standen den Fah-rern die Planungsdaten direkt in der Kabine zur Verfügung. „Mir war wichtig, dass die Mitar-beiter die Technik nicht nur bedienen, sondern auch verstehen können. Digitalisierung beginnt nicht mit der Software, sondern mit den Mitarbeitern, die damit arbeiten. Erfahrung, Augen-maß und Fachwissen bleiben entscheidend – die 3D-Steuerung hilft dabei lediglich, die Vor-gaben präziser umzusetzen. Denn fällt das System aus, sind die Maschinisten auf sich ge-stellt und müssen trotzdem wissen, was zu tun ist“, so der Unternehmer. Damit neue Technik sinnvoll eingesetzt wird, setzt er konsequent auf Weiterbildung. „Wenn einer kommt und mir überzeugend darlegt, warum er eine bestimmte Weiterbildung machen möchte, dann kriegt er die auch“, sagt er. Denn digitale Werkzeuge können ihre Stärken nur dann ausspielen, wenn die Mitarbeiter die dahinterliegenden Prozesse verstehen und sicher beherrschen.
Die Digitalisierung beschränkte sich damit längst nicht mehr auf Vermessung und Maschi-nensteuerung. Je mehr Daten digital auf den Baustellen erfasst wurden, desto stärker rückte die Frage in den Fokus, wie sich Informationen ohne Medienbrüche bis ins Büro weiterverar-beiten lassen und wie die Mitarbeiter von zeitaufwendigen Verwaltungsaufgaben entlastet werden können. So wurde schrittweise die Zeiterfassung eingeführt. Poliere erhielten ein iPad und erfassen darüber die Stunden für sich und ihre Kollegen auf den Baustellen. Um Aufma-ße einfacher und genauer zu erstellen, investierte das Unternehmen zudem in eine Drohne. Wo früher Flächen und Massen aufwendig vor Ort ermittelt wurden, genügt heute ein Über-flug. Innerhalb kurzer Zeit entstehen digitale Geländemodelle, aus denen sich Mengen be-rechnen, Baufortschritte dokumentieren und Abrechnungen erstellen lassen.
„Digitalisierte Prozesse liefern uns heute eine deutlich bessere Datengrundlage für fundierte Entscheidungen“, meint Daniel Dreger. Das Ziel sei klar: „Wir möchten so weit wie möglich papierlos arbeiten. Doch der Aufwand, bis alles reibungslos funktioniert, wird oft unterschätzt“, beobachtet er. Als die Großbaustelle Digitalisierung in seinem Betrieb richtig Fahrt aufnahm, hat er eine eigene Stelle geschaffen, die seine Partnerin Jennifer Di Gesualdo übernahm. Sie kümmert sich um alle Themen rund um die IT. „In kleinen Schritten versuchen wir die Um-stellung umzusetzen. Wir mussten uns Gedanken machen über Strukturen, Abläufe und Pro-zesse. Bevor man die Informationen miteinander verknüpft, muss man sie bündeln und zu-ordnen. Doch das setzt voraus, dass man auch die gleiche Sprache spricht. Wir haben viel über Begrifflichkeiten geredet, etwa wie Baumaschinen intern bezeichnet werden. Wenn zehn Mitarbeiter dieselbe Maschine unterschiedlich benennen, wird Digitalisierung plötzlich kompli-ziert. Hier mussten wir einen einheitlichen Weg finden. Unser Ansatz war, dass wir gemein-sam lernen, was wir wie am besten verändern“, erklärt sie.
Trotz der Möglichkeiten neuer Technologien oder der Digitalisierung setzt Daniel Dreger wei-terhin auf einen klassischen Erfolgsfaktor: den persönlichen Kontakt. „Wir sind nah am Kun-den, hören genau hin und verstehen die Herausforderungen auf der Baustelle – auch die technischen“, sagt er. Diese Kombination aus technischem Know-how und praktischem Ver-ständnis sei für ihn entscheidend. Digitalisierung macht er nicht zum Selbstzweck, sondern „sie muss das Arbeiten auf den Baustellen einfacher machen und unterstützen.“