Wo der Untergrund zur Gefahrenzone wird, bleiben Fahrer draußen – neben ihrem Bagger –, wenn Teile der Tiefgarage weichen müssen. Das Messe-, Kongress- und Kulturforum Saar-brücken wird um 3 400 m2 zusätzliche Fläche erweitert und soll bis 2028 zu einem modernen Zentrum für Veranstaltungen werden. Im Zuge des Bauprojekts stehen Rückbauarbeiten an. Bereits im vergangenen Sommer wurde das Gelände aufgrund eines Verdachts auf Kampf-mittel sondiert. Für die Ferraro-Gruppe aus Neunkirchen, ein Familienunternehmen, das seit bald fünf Jahrzehnten im Rückbau und in Industriedemontagen zu Hause ist, war damit die Richtung klar: Die Baggerfahrer sollen konsequent aus der Gefahrenzone herausgehalten werden, während sie sich Schritt für Schritt an den Rückbau der Tiefgarage machen. Zum Einsatz kommen erstmals ein Cat Kettenbagger 352 sowie ein Cat 330, die per Cat Com-mand über eine Konsole gesteuert werden. Cavaliere Damiano Ferraro, der das Unterneh-men 1977 gegründet hat, bringt den Grundsatz dieser unternehmerischen Verpflichtung auf den Punkt: „Technologie bedeutet Fortschritt – und wir wählen für unsere Mitarbeiter immer die besten Maschinen und Technik am Markt aus.“
Auch viele Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden bei Bauarbeiten im-mer wieder Kampfmittel gefunden – vor allem Bomben unterschiedlicher Art und Größe. Zwar können diese Hinterlassenschaften aus der Zeit bis 1945 in der Regel unschädlich ge-macht werden, dennoch entstehen durch Baustillstände und Evakuierungen erhebliche wirt-schaftliche Risiken, wie die BG Bau betont.
Sicherheit ist somit kein Selbstzweck in dem Familienbetrieb, den sein Gründer Cavaliere Damiano Ferraro prägt, sondern bestimmt die zentralen Leitlinien. Entsprechend wird auf die Fernsteuerung gesetzt. Mit Cat Command lassen sich Baumaschinen remote steuern, ohne dass ein Fahrer in der Kabine sitzt. Genau darin liegt jedoch auch eine Herausforderung. „Fahrer müssen sich mit der Technik auseinandersetzen und umgewöhnen, wenn sie ihr Ar-beitsgerät über eine Steuerkonsole bedienen. Es empfiehlt sich, mit Blickkontakt und mit Si-cherheitsabstand zum Arbeitsgerät zu stehen. Das ist eine andere Art zu arbeiten, als Ma-schinisten es bislang kennen. Doch genau das macht Abbruchbaustellen wie hier in Saarbrü-cken deutlich sicherer und motiviert Unternehmen wie die Ferraro-Gruppe, Cat Command einzuführen“, erläutert Christian Berling. Er ist seit dreieinhalb Jahren bei Caterpillar für den Vertrieb der Technologie Cat Command zuständig und begleitet Kunden beim praktischen Einsatz der Fernsteuerung.
„Cat Command ist ein Überbegriff bei Caterpillar für Autonomie und Fernsteuerung. Eine Va-riante ist die Konsole, die sich bei gefährlichen Anwendungen wie im Abbruch einfach und schnell ohne zusätzliche Infrastruktur einsetzen lässt. Wichtig ist, die Implementierung in klei-nen, gut beherrschbaren Schritten anzugehen – und vor allem das Personal mitzunehmen und einzubinden“, rät Christian Berling.
Dabei unterstützte die Zeppelin Niederlassung Illingen die Ferraro-Gruppe. Gemeinsam wur-den Schulungsmaßnahmen definiert und vor Ort die beiden Fahrer Iulian Chirila und Pietro Rivoli mit Cat Command vertraut gemacht. „Das war erst der Anfang. In absehbarer Zukunft sollen rund 15 weitere Maschinisten geschult werden, da zusätzliche Maschinen mit einer Konsole ausgerüstet werden. Sicherheit steht im Fokus der Firmengruppe und stellt eine im-mer größere Herausforderung dar – etwa bei instabilen Bauwerken oder in kontaminierten Bereichen, in denen das Gefährdungspotenzial für die Mitarbeiter zu groß ist“, erklärt Carsten Heinrich.
Als der leitende Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Illingen dem Familienun-ternehmen auf der bauma 2025 die Möglichkeiten von Cat Command vorstellte, stieß die Technologie auf offene Ohren. Die strategische Entscheidung für den Einsatz von zwei Kon-solen fiel auf Führungsebene – umgesetzt wurde sie im Rahmen der langfristigen Investition des Familienunternehmens, die Cavaliere Damiano Ferraro gemeinsam mit seinem Sohn und CEO Giuseppe Ferraro verantwortet. Sie umfasste ein Paket aus 25 Großbaggern sowie fünf Minibaggern bis acht Tonnen inklusive Anbaugeräten. „Mit über 350 Maschinen im Fuhrpark und rund 400 Mitarbeitenden europaweit mag diese Investition beeindruckend wirken – tat-sächlich macht sie jedoch nur etwa acht Prozent unseres bestehenden Maschinenbestands aus“, schrieb CEO Giuseppe Ferraro nach seinem bauma Besuch auf LinkedIn. Die Investiti-onslinie folgt dabei der Technologiestrategie, die im Familienunternehmen seit Jahrzehnten vorgegeben wird.
Dass Investitionen Fortschritt ermöglichen, zeigt sich beim Rückbau der Tiefgarage, wo Prä-zisionsarbeit gefragt ist. Ein Teil der Konstruktion bleibt bestehen, weshalb verschiedene Trennschnitte erforderlich sind. Einzelne Abschnitte werden abgestemmt oder mit einer Sche-re bearbeitet, Bewehrungseisen per Magnet entfernt, Beton zerkleinert und aufgehaldet. Da der Hang entlang der Baugrube als instabil gilt, verschafft die Fernsteuerung mit Cat Com-mand zusätzliche Sicherheit. „Es braucht Vertrauen in die Technik. Wir haben darauf geach-tet, dass die beiden Maschinisten, die mit der Konsole arbeiten, dieses Vertrauen mitbringen. Sie mussten nicht überredet werden – sie waren schnell davon überzeugt, dass ihre Arbeit so deutlich sicherer ist“, sagt Liridon Hoxa, Fuhrparkleiter und verantwortlich für das Gerätema-nagement der Ferraro-Gruppe. Zudem habe sich auch die Produktivität erhöht: „Wir konnten unsere Effizienz um bis zu 15 Prozent steigern.“
„Die Amortisierung einer solchen Investition kann sich mitunter schon nach einem Tag ein-stellen. Gibt es Projekte, die aufgrund des Risikos mit einem Fahrer in der Kabine gar nicht realisierbar wären, stellt sich die Frage der Amortisierung ohnehin nicht“, ergänzt Christian Berling.
Rückbau und Industriedemontagen bilden die Hauptpfeiler des Geschäfts der Ferraro-Gruppe. Hinzu kommen die Revitalisierung von Industrieflächen sowie die Projektentwick-lung. Ein aktuelles Vorhaben ist das Projekt „Coer“ in Homburg, wo auf rund 18 ha einer ehemaligen Industriebrache ein Stadtquartier mit etwa 500 Wohneinheiten entsteht. „Unsere große Stärke ist die Erfahrung aus bald 50 Jahren“, sagt Cavaliere Damiano Ferraro. Seinen Weitblick und Ehrgeiz hat er an seinen Sohn vererbt, der seit 1993 in der Geschäfts-führung tätig ist und das Know-how mittlerweile auch an die dritte Generation weitergibt – die bereits in den Startlöchern steht.