Thinkproject: Sechs große Mythen rund um BIM – warum mehr Transparenz nötig ist

Bauvorhaben schneller und günstiger realisieren und dabei Abstimmungsfehler vermeiden, das kann dank intelligenter Ablaufprozesse gelingen – sofern beim Building Information Modeling (BIM) auf dem Weg zum etablierten Planungs- und Realisierungsstandard neben der Software- auch die Management-Komponente stärker mit einbezogen wird, wie Patrik Heider, CEO von Thinkproject, überzeugt ist.

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In Bezug auf BIM kursieren viele Mythen, die ein Grund dafür sind, warum zu wenig Unternehmen aus dem AECO-Sektor (Architektur-, Ingenieurbau, Konstruktion und Betrieb) den digitalen Standard einsetzen. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand, Baukostenreduzierung und eine verbesserte Projektkommunikation helfen bereits, die sich langsam digitalisierende Branche, die für ein globales Bruttosozialprodukt von 13 % und ein jährliches Wachstum von 3 % steht, hin zu mehr Effizienz und Profitabilität zu entwickeln. Damit Beschäftigte und Stakeholder in der Branche in sämtlichen Projektphasen aus vereinfachter Koordinierung und hochautomatisierten Anpassungen Nutzen ziehen können, müssen sie jedoch sechs große Irrtümer hinter sich lassen.

Mythos 1: »Bei BIM geht es nur um 3D-Modellierung«

BIM wird oft mit 3D-Planung und 3D-Modellierungsprogrammen gleichgesetzt. Die Verkürzung übersieht die Informationsschichten »Zeit« und »Kosten«, die zum 5D-BIM zählen. Dabei werden verschiedene Informationstypen eines Bauprojekts interaktiv organisiert: beispielsweise Teilmodelle, 2D-Modelle oder zusätzliche wichtige Dokumente des Projekts. Der Mehrwert von BIM liegt hier in einem transparenten, digitalen Informations-Management. Ziel ist, relevante Informationen für alle Projektbeteiligten mithilfe maßgeschneiderter Software einfach zugänglich und leicht verteilbar zu machen – lückenlos auch über Unternehmensgrenzen hinweg.

Mythos 2: »BIM ist nur ein Trend«

CAD-Software hat die Branche mit 3D-Modellen in eine neue Ära geführt. Unternehmen, die diese Modelle mittlerweile mit 5D-BIM weiter ausgebaut haben, werden weder diese Informationsdichte noch die Möglichkeiten zur unternehmensübergreifenden Kollaboration so einfach aufgeben. Laut Umfragen in der deutschen Baubranche planten bereits vor der Pandemie 85 % der Befragten, die BIM noch nicht einsetzten, ein kollaboratives Arbeiten mit BIM einzuführen. BIM wird also durch intensive Nutzung zum bleibenden Bestandteil des Bauwesens.

Mythos 3: »Für BIM braucht man nur die richtige Software«

Wer mit BIM arbeiten möchte, benötigt die digitale Infrastruktur – idealerweise mit normierten, offenen Schnittstellenstandards – und Prozesse, die eine kollaborative Projektarbeit ermöglichen. Dazu gehört, dass für das konkrete Projekt die Ziele, die organisatorischen Strukturen, die Verantwortlichkeiten sowie die technischen Absprachen festgelegt werden. Die Art des Umgangs mit BIM entscheidet darüber, ob die digitale Lösung tatsächlich zu mehr Effizienz und geringeren Kosten führt.


Mythos 4: »BIM nützt nur dem Hochbau«

Neben Großbritannien und Skandinavien ist BIM auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Hierzulande ist seit 2020 für öffentliche Infrastrukturprojekte der Einsatz von BIM vorgeschrieben. Das zeigt, dass BIM unabhängig von der Art des Bauprojekts einen geradezu essenziellen Beitrag leisten kann. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur arbeitet kontinuierlich daran, die Planungsmethoden mit BIM im Rahmen von Pilotprojekten im gesamten Infrastrukturbereich zu optimieren.

Mythos 5: »BIM lohnt sich nur für die Big Player«

Auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) können durch die Investition in BIM langfristig Kosten sparen. Trotz der anfänglichen Ausgaben verspricht der Einsatz von BIM Einsparungen durch optimierte Arbeitsabläufe und eine bessere Planbarkeit. Ein Blick auf »BIM Deutschland« und die EU-BIM-Task-Group zeigt zudem, dass in einem Projekt der Exekutivagentur für kleine und mittlere Unternehmen (EASME) eine Methodik zur Kosten-Nutzen-Analyse für den Einsatz von BIM in öffentlichen Ausschreibungen entwickelt und validiert wird.

Mythos 6: »BIM kann nur in der Planung eingesetzt werden«

Bei Planung und Realisierung ist ein transparenter und sinnvoll strukturierter Informationsfluss, auf den alle Beteiligten zugreifen können, relevant. Die einzelnen Abschnitte eines Bauprojekts stehen nie losgelöst voneinander – genauso wenig sind es die jeweiligen Daten des Projekts. Die Dokumentation und der erleichterte Zugang zu den Informationen für jeden Projektabschnitt und über den gesamten Projektverlauf hinweg sind somit zentrale Vorteile einer Arbeitsweise mit Building Information Modeling.

Effizienz und Profitabilität durch intelligente Kollaboration

Weltweit gibt es Bestrebungen, den gesamten Lebenszyklus von Bauprojekten von der Ausschreibung über die Planung und den eigentlichen Bau bis hin zum Betrieb komplett zu digitalisieren. Das führt zu grundlegenden Umbrüchen in der Bauindustrie. BIM hat sich in der AECO-Branche als Wegbereiter der digitalen Transformation zum zentralen Werkzeug der Zusammenarbeit für alle großen Infrastruktur- und Bauprojekte entwickelt. Es vereinfacht – vor allem bei vielen beteiligten Parteien – das Management und die Koordinierung, schafft Mehrwert und bündelt Modellinformationen übersichtlich und von überall zugänglich an einem zentralen Ort, einer »Single Source of Truth«.

Thinkproject stellt als SaaS-Anbieter für Bau- und Ingenieurprojekte solche Lösungen zur Verfügung, um Zeit- und Kostenüberschreitungen zu vermeiden. Der hohe Automatisierungsgrad dieser Soft­ware, die Anpassbarkeit für unterschiedliche Zwecke sowie die intelligenten Ablaufprozesse sind dabei auch für Prüfung und Freigaben relevant.  t