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Unternehmensgruppe Geiger: Kiesabbau zwischen Graugans und Gelbbauchunke

Dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der heimische Kiesabbau kein Gegensatz sein müssen, wollte die Geiger-Unternehmensgruppe bei einer Besichtigung ihres Standorts in Herzmanns bei Kempten im Allgäu demonstrieren. Das Bauunternehmen mit Hauptsitz in Oberstdorf betreibt dort nicht nur seit vielen Jahren ein Kieswerk, sondern baut aktuell auch ein neues Verwaltungs- und Lagergebäude, das über 200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen soll.

Das neue Gebäude entsteht, wie der für das Flächen- und Liegenschafts-Management zuständige Pius Geiger ausführt, auf einer früheren Deponiefläche – ein Beispiel für nachhaltiges Flächen-Recycling. Womit Pius Geiger schon beim Thema wäre. Denn den schonenden Umgang mit Flächen sowie die verantwortungsvolle Gewinnung von Rohstoffen hat sich das familiengeführte Bauunternehmen auf die Fahnen geschrieben. Doch der Abbau von Kies, dem wichtigsten Rohstoff für Geiger, wird in der Öffentlichkeit oft kritisch gesehen. Wenn irgendwo eine neue Kiesgrube geplant wird, lässt der Protest örtlicher Bürgerinitiativen nicht lange auf sich warten. Nicht zuletzt deshalb will Geiger zeigen, dass man beim Kiesabbau sehr wohl die Belange des Natur- und Artenschutzes berücksichtigen könne.

Recycelte Sekundärrohstoffe reichen nicht aus

Dazu hat sich das Unternehmen u. a. Fachkompetenz vom Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden (BIV) ins Allgäu geholt. Stephanie Gillhuber, Expertin für Rohstoffsicherung beim BIV, sprach über die Notwendigkeit der regionalen Kiesgewinnung für eine ausreichende Rohstoffversorgung. Rund 150 Mio. t Sand, Kies, Schotter und andere mineralische Rohstoffe würden pro Jahr allein in Bayern benötigt, so Gillhuber. Jede Person verbrauche im Schnitt rund 1 kg/h Steine, rechnete die Geologin vor. Die landläufige Vorstellung, der Bedarf an mineralischen Rohstoffen könne allein durch recycelte Sekundärrohstoffe gedeckt werden, wies Stephanie Gillhuber zurück. Lediglich 13 % der benötigten Rohstoffe kommen derzeit aus dem Recycling. Bayernweit werden für die Primärrohstoffgewinnung gerade einmal 0,013 % der Landesfläche genutzt, und die auch nur temporär. Im Anschluss an die Nutzung müssen die Flächen renaturiert oder rekultiviert werden.


Dies ist das Thema von Christoph Heim, bei Geiger für das Genehmigungs-Management ver­antwortlich. Heim machte deutlich, dass schon während des Genehmigungsverfahrens für eine neue Kiesgrube ein Nachnutzungskonzept vorgelegt werden muss. Für die Genehmigung einer neuen Kiesgrube müssten zudem unterschiedlichste gesetzliche Regelungen beachtet werden – vom Wasserhaushaltsgesetz über das Natur- und Artenschutzgesetz bis hin zum Immissionsschutzgesetz. Die Behörden achten auf jedes Detail, von der Staub- und Lärmbelastung bis hin zu den Auswirkungen auf Flora, Fauna oder Grundwasser. Entsprechend langwierig und teuer können Genehmigungen für den Kiesabbau werden, insbesondere wenn Gutachten vorgelegt oder bestimmte Tierarten umgesiedelt werden müssen. Im Schnitt ziehen sich die Genehmigungsverfahren in Bayern über sechs bis acht Jahre hin.

Das von Geiger in Herzmanns-Eggen betriebene Kieswerk hat eine Abbaufläche von etwa 20 ha, die abschnittsweise abgebaut werden. Jährlich kommen so 120 000 t Kies, Sand und Splitt zusammen, die an eine Mischanlage und ein Betonwerk in Sonthofen sowie an Kleinabnehmer verkauft werden.

Naturschutz und Nachhaltigkeit im Blick

Dass ein Kieswerk nicht nur ökonomischen Zwecken dient, sondern auch einen ökologischen Nutzen hat, erläuterte Jenny Sachwitz, die bei Geiger für die Themen Naturschutz und Nachhaltigkeit zuständig ist. Durch den Kiesabbau entstehe eine biologische Einheit aus vegetationsarmen Kies- und Rohbodenflächen, feuchten Sukzessions­flächen, Flachwasserbereichen, offenen Wasser­flächen, Feldhecken und Feuchtwäldern. Hier tummeln sich viele selten gewordene Arten, die in unserer Kulturlandschaft sonst kaum noch Rückzugsorte finden. Am Standort in Herzmanns konnten bislang mehr als 100 Vogelarten gesichtet werden. Zugvögel, Schwäne und Graugänse nutzen den Standort als Winterquartier oder Aufzuchtstätte für ihren Nachwuchs. Und auch seltene Insekten und Amphibienarten fühlen sich auf den Rohbodenflächen und in den temporären Kleingewässern wohl. Zu nennen sind hier auf der Roten Liste stehende Amphibien wie die Gelbbauchunke, der Laubfrosch oder die Kreuzkröte.

Was die regionale Rohstoffgewinnung wie bei Geiger in Herzmanns zudem auszeichnet, ist ihre Dezentralität – die Transportwege der gewonnenen Rohstoffe betragen im Schnitt lediglich 35 km. Die Wertschöpfung bleibt in der Region und sichert eine autarke Rohstoffversorgung. Und wie sieht es generell mit dem Vorkommen von Sand und Kies bei uns aus? Die Rohstoffknappheit hängt nach Meinung von BIV-Expertin Stephanie Gillhuber daran, dass keine Genehmigungen für deren Gewinnung erteilt werden sowie an Nutzungskonkurrenz und Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung. Geologisch gesehen würden die Vorkommen von Sand und Kies noch über 1 000 Jahre reichen.    p

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