Aktuelles Verkehrswegebau – Tiefbau

Praxis AG: Zu jeder Zeit ein genauer Überblick

Lassen sich Lieferfahrzeuge, die eine Tagesleistung von 4 000 t Tragschicht und danach 3 500 t Binder zur Baustelle bringen bei der Asphaltherstellung auf einer Autobahn zuverlässig ohne Stillstandszeiten oder Verluste managen?

»Das ist kein Problem«, antwortet Beate Volkmann, Vorstandsmitglied der Praxis EDV-, Betriebswirtschaft- und Software-Entwicklung AG, auf die Fragestellung. Als Zuständige für die Kundenbetreuung weiß sie, wovon sie spricht: Mit »Vegas« hat die Software-Schmiede aus Pferdingsleben eine App entwickelt, mit der sich die genannten und weitere Parameter beim Asphalteinbau punktgenau steuern lassen.

Auf der A 6 in Höhe der Anschlussstelle Wattenheim (Rheinland-Pfalz) hat Faber Bau aus Alzey im August eine Grunderneuerung vorgenommen. Für die 70 000 m² Asphaltbefestigung wurde zuerst eine 18,5 cm starke Tragschicht in zweilagiger Bauweise mit 31 000 t Asphalt hergestellt. Anschließend folgten weitere 15 000 t für eine 8,5 cm dicke Asphaltbinderschicht. »Diese Größenordnung war auch für uns schon etwas Besonderes«, erklärt Mike Herrmann, Bauleiter für den Bereich Straßen- und Tiefbau.

Faber Bau hat hier als eines der größten Bauunternehmen in der Region viel Erfahrung. 1909 gegründet, wurde das Unternehmen 2010 an den französischen Konzern Eiffage verkauft. Neben dem Hauptsitz in Alzey gibt es eine eigenständige Niederlassung in Schlierschied sowie die Eiffage Infra-Ost in Wilsdruff mit weiteren Standorten in Drebach und Trebbin.

Software-Lösungen testen

Der Arbeitsschwerpunkt des Unternehmens liegt im Straßenbau – fast ausschließlich in Rheinland-Pfalz. Aber auch Erd- und Kanalbau, Bauwerksinstandsetzung, Hoch- und Ingenieurbau sowie Recycling und Abbruch gehören mit zum Angebot. Der Jahresumsatz lag 2017 bei rund 140 Mio. Euro. So sind für Bauvorhaben dieser Art durchaus schon Erfahrungen vorhanden. »Wir haben dieses Mal beschlossen, Software-Lösungen zu testen, die den Materialstrom beim Einbau genau steuern können.« Dabei sei man auch auf die Praxis EDV aufmerksam geworden, blickt Mike Herrmann zurück. Da das Vorstellungsgespräch überzeugte, habe man beschlossen, die App Vegas in der Ausbaustufe »Vollautomatisierung« als Pilotprojekt auf dieser Baustelle einzusetzen. So reiste Beate Volkmann mit Soft- und auch einiger Hardware nach Alzey und begann mit der Einrichtung.


Steuerung von allen Beteiligten »angenommen«

Nach der Montage der PxFertiger-Konsole und der App-Installation auf den Smartphones aller Beteiligten wurden die Fahrzeuge mit GPS-Trackern ausgerüstet. »Mit dieser Vollausbaustufe der Vegas-Lösung konnten wir unsere geplanten Tagesleistungen problemlos erfüllen. Der Vorteil liegt darin, dass wir zu jeder Zeit einen genauen Überblick über die bereits eingebaute Menge sowie den Standort aller Lieferfahrzeuge gehabt und sofort gemerkt haben, wenn irgendwo etwas gestockt hat«, berichtet Herrmann.

Wichtig sei gewesen, dass diese Steuerung von allen Beteiligten auch »angenommen« wurde. »Sowohl die Poliere auf der Baustelle als auch die Fahrer haben das System sofort akzeptiert, da es sehr einfach aufgebaut ist und in der Arbeit wenig Zeit kostet. Die Bedieneroberfläche ist übersichtlich und die Eingaben sind völlig unproblematisch.« Ein weiterer Vorteil sei die Einbindung der Lieferscheine, so Herrmann. Die Lieferscheine wurden von beiden Mischanlagen vollautomatisch in Vegas bereitgestellt. So könne genau nachvollzogen werden, welcher Lkw wann an welchem Mischwerk beladen wurde, was beispielsweise bei Reklamationen eine Rolle spiele.

Die Betreuung während der gesamten Testphase sei hervorragend gewesen. »Wenn es doch einmal unerwartete Schwierigkeiten gab, zum Beispiel durch selbst verschuldete menschliche Fehler, wurden die sofort gelöst«, ist Herrmann angetan. Um die Daten auch bei Sonnenlicht noch besser lesen zu können, kam der Wunsch nach einer farblichen Hinterlegung in einer Bedienoberfläche. »Das wurde innerhalb von zwei Stunden umgesetzt«, lobt Herrmann.

Getestet wurden auch die Transponder, mit denen fünf Fahrzeuge ausgerüstet wurden. Diese melden sich bei Annäherung an den Fertiger automatisch über eine dort angebrachte Konsole an, quittieren dann das Ende des Befüllvorgangs und die Abfahrt von der Baustelle. Das habe hervorragend funktioniert, so Herrmann. »Eine komplette Ausrüstung war in diesem Fall jedoch für uns ungünstig, da nicht alle Fahrzeuge regelmäßig jeden Tag hier im Einsatz waren.« Die tägliche Umrüstung wäre zu aufwendig gewesen. Vegas habe sich sehr gut bewährt, lautet das Fazit von Mike Herrmann.

Die optimierte Taktung vorschlagen

Die Baustelle habe die richtige Größenordnung für die Vollversion, um einerseits einen störungsfreien Ablauf zu gewährleisten, andererseits möglichst schnell eine Aussage zu bekommen, ob die Fahrzeuganzahl richtig gewählt wurde und die Lieferkapazität dazu passt. Selbst die Tatsache, dass die Kapazitäten der beiden Mischwerke in Kirchheimbolanden und Lampertheim sowie die Anfahrzeiten unterschiedlich sind, habe die App problemlos verarbeitet. »Es war immer genug Mischgut am Fertiger und die Standzeiten der Fahrzeuge waren minimal.«

Auch die eingesetzte Anzahl von 30 Lkw habe sich als optimal erwiesen. »Wir hatten auch schon andere Baustellen, wo wir dann im Nachhinein relativ spät gemerkt haben, dass wir zu viele Fahrzeuge im Einsatz hatten.« So etwas würde Vegas sehr kurzfristig bemerken und eine neue optimierte Taktung vorschlagen, sieht Mike Herrmann durchaus Potenzial für Einsparungen. Über einen Soll-Ist-Nachweis könnte es aber auch passieren, dass mehr Fahrzeuge berechnet und dann auch eingesetzt werden. So könnte man problemlos eventuelle Mehrkosten nachweisen.

Vergleich mit der »einfachen« App-Version steht an

Um einen Vergleich zu haben, wird noch die einfache Vegas-App-Version ohne GPS-Tracker getestet. Hier lassen sich die Fahrzeuge zwar nicht genau orten, aber die Umlaufzeiten ­zwischen Mischwerk und Baustelle werden automatisch erfasst und für künftige Touren angepasst. Mit diesen Daten kann die App optimale Kreisläufe berechnen, auf Veränderungen in der Fahrzeit oder beim Einbau reagieren und auch Taktungen optimieren.    §

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