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Oiltesco GmbH Öldiagnose: »Schäden vermeiden, bevor sie teuer werden«

Lesedauer: min | Bildquelle: Oiltesco
Von: Dan Windhorst

Öl ist das Blut jeder Baumaschine – ohne es ist sie schlichtweg nicht überlebensfähig. Ähnlich wie beim menschlichen Körper können Krankheiten in Form von Verunreinigungen, Alterungsprozessen, Verschleiß oder Überlastung zum schlussendlichen »Tod« führen. Als Mensch würden wir deshalb regelmäßig zum Arzt gehen: Ein großes Blutbild liefert uns Informationen darüber, ob noch »gesundes Blut« durch unsere Adern fließt. Was viele nicht wissen: Dieser Test ist auch für Baumaschinen möglich. Genau darüber hat das bauMAGAZIN kürzlich mit Oiltesco-Geschäftsführer Norman Rohrwick sowie Vertriebsleiter Markus Matias gesprochen. Das in den Chiemgauer Alpen ansässige Unternehmen stellt der Baubranche anwendernahe Gebrauchtölanalysen zur Verfügung, um den Zustand des Öls im Labor zu bewerten. Erklärtes Ziel ist es, kostenintensive Stillstände zu vermeiden, Ausfallzeiten zu verringern, Wartungen planbarer zu machen und jeden Kettenbagger, Radlader oder Muldenkipper vor dem »Öl-Tod« zu bewahren.

bauMAGAZIN: Oiltesco ist Spezialist für die Überwachung von Gebrauchtölen. Erklären Sie unseren Lesern bitte, was genau es damit im Detail auf sich hat.

Norman Rohrwick: Maschinen und Anlagen unterliegen im Betrieb einem natürlichen Verschleiß. Deshalb werden sie in regelmäßigen Intervallen inspiziert, gewartet oder instandgesetzt. Diese Intervalle basieren häufig auf Erfahrungswerten oder Herstellervorgaben. Jede Inspektion und jede Instandsetzung verursacht jedoch Kosten — nicht nur durch die eigentlichen Wartungsarbeiten, sondern auch durch Stillstandszeiten und Produktionsausfälle. Gerade diese Ausfallkosten werden in der Praxis häufig unterschätzt oder nicht vollständig berücksichtigt. In vielen Fällen wird im Rahmen solcher Wartungen auch das Öl routinemäßig gewechselt, unabhängig davon, ob es tatsächlich am Ende seiner Einsatzfähigkeit angekommen ist. Genau hier setzt die Gebrauchtölanalyse an. Sie verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele: Zum einen lässt sich der tatsächliche Zustand des Öls bewerten. Auf dieser Grundlage kann entschieden werden, ob ein Ölwechsel notwendig ist oder ob das Öl weiterhin verwendet werden kann. In vielen Fällen lässt sich ein Ölwechsel dadurch gezielt verschieben, beispielsweise um eine weitere Instandsetzungsperiode. Zum anderen liefert die Ölanalyse wertvolle Informationen über den Zustand der Maschine oder Anlage selbst. Vereinfacht gesagt kann man sie mit einer Blutuntersuchung beim Arzt vergleichen: Bestimmte Messwerte geben Hinweise darauf, ob im System etwas nicht stimmt. Auffällige Werte im Öl können beispielsweise auf Verschleiß, Feuchtigkeit, Schmutzeintrag, thermische Überlastung, Ölalterung oder Vermischungen mit anderen Fluiden hinweisen. Die Gebrauchtölanalyse ist damit ein wichtiges Instrument der zustandsorientierten Instandhaltung. Sie hilft, Wartungsmaßnahmen besser zu planen, unnötige Ölwechsel zu vermeiden, Schäden frühzeitig zu erkennen und die Betriebssicherheit von Maschinen und Anlagen zu erhöhen.

bauMAGAZIN: Lassen Sie uns kurz hinter die Kulissen blicken: Seit wann ist die Oiltesco GmbH am Markt vertreten – und wie ist die Idee überhaupt entstanden, sich als Ansprechpartner für Öl-Diagnostik zu etablieren?

Norman Rohrwick: Die Oiltesco GmbH wurde 2024 gegründet. Unsere fachlichen Wurzeln reichen jedoch deutlich weiter zurück. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit Schmierstoffen, Probenahme und technischem Zubehör rund um die Ölanalyse. Unser Ursprung liegt also nicht ausschließlich im Labor, sondern vor allem in der praktischen Anwendung. Als Hersteller und Lieferant von Probenahme-Equipment — darunter eigene Entwicklungen wie unsere Probenahme-Spritze und das »Ultra ­Clean«-Probenglas — hatten wir früh Berührungspunkte mit Kunden aus Industrie, Werkstätten, Fuhrparks und Instandhaltung. Dabei wurde deutlich, dass der Bedarf an Ölanalysen groß ist, die Hemmschwelle für viele Anwender aber ebenfalls. Häufig wirkten Analyseangebote zu komplex, zu technisch oder waren nicht ausreichend auf die praktische Fragestellung des Kunden ausgerichtet. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, Öldiagnostik zugänglicher und praxisnäher zu gestalten. Im Jahr 2020 haben wir begonnen, Ölanalysen so anzubieten, dass sie auch für Anwender ohne tiefes Laborwissen gut nutzbar sind. Der Anspruch war von Anfang an, die technische Tiefe einer professionellen Analyse mit einer klaren, verständlichen Bewertung zu verbinden. Zu Beginn haben wir mit ausgewählten Partnerlaboren zusammengearbeitet. Diese Phase war für uns wichtig, weil wir unterschiedliche Abläufe kennenlernen konnten. Gleichzeitig hat sich unser eigener Anspruch immer weiter geschärft: Wir wollten mehr Einfluss auf Qualität, Geschwindigkeit, Auswertungstiefe und die Verständlichkeit der Befunde nehmen. Deshalb war der Aufbau eines eigenen Labors der nächste logische Schritt. Seit 2024 betreiben wir unser eigenes und können dadurch unsere Erfahrung aus Probenahme, Anwendungstechnik und Laboranalytik deutlich enger miteinander verbinden. Heute verstehen wir uns nicht nur als Labor, sondern als technischer Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Zustand von Öl, Maschine und Anlage.

bauMAGAZIN: Aufgrund der geopolitischen Entwicklung sind die Energiekosten drastisch gestiegen. Die Dienstleistungen von Oiltesco können hier aus meiner Sicht eine wertvolle Hilfe sein. Denn: Die Motoren, Getriebe und Hydrauliksysteme müssen gerade jetzt zuverlässig funktionieren – Maschinen- und Anlagenausfälle, teure Reparaturen sowie zu lange Stillstandzeiten können sich die Unternehmen im Augenblick schlichtweg nicht leisten. Wie beurteilen Sie das?

Norman Rohrwick: Ja, absolut. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten gewinnt die Zustandsüberwachung von Maschinen und Anlagen deutlich an Bedeutung. Wenn Energie, Ersatzteile, Schmierstoffe und Stillstandszeiten teurer werden, steigt auch der Druck, vorhandene Ressourcen möglichst effizient einzusetzen. Für viele Unternehmen bedeutet das: Maschinen müssen zuverlässig laufen, Wartungsmaßnahmen müssen planbarer werden und ungeplante Ausfälle sollten möglichst vermieden werden. Eine regelmäßige Ölanalyse kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, weil sie frühzeitig Hinweise auf kritische Veränderungen liefert — sowohl im Öl als auch in der Maschine selbst. Dabei geht es nicht nur darum, Schäden zu vermeiden. Es geht auch darum, Entscheidungen auf eine belastbare Grundlage zu stellen. Muss ein Öl wirklich gewechselt werden? Gibt es Hinweise auf beginnenden Verschleiß? Ist Wasser oder Schmutz ins System gelangt? Wird das Öl thermisch zu stark belastet? Solche Fragen lassen sich durch Laborwerte deutlich objektiver beantworten als durch reine Erfahrungswerte. Gerade bei teuren Anlagen, schwer verfügbaren Ersatzteilen oder Maschinen mit hoher Auslastung kann eine rechtzeitige Analyse helfen, Risiken besser einzuschätzen und Instandhaltungsmaßnahmen gezielt zu planen. In diesem Sinne ist Ölanalyse kein zusätzlicher Kostenfaktor, sondern ein Werkzeug, um Betriebssicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

bauMAGAZIN: Kommen wir zu Ihrem Fachgebiet, Herr Matias: Wie läuft eine Analyse im Detail ab? Erklären Sie unseren Lesern doch bitte Schritt für Schritt. Und: Welche Verfahren bzw. Analysemethoden werden hierfür genutzt?

Markus Matias: Der Ablauf einer Ölanalyse ist bei Oiltesco bewusst einfach und praxisnah gestaltet.

Auf unserer Homepage bieten wir unterschiedliche Ölanalysensets an, die auf verschiedene Anwendungen und Maschinentypen abgestimmt sind. Der Kunde kann entweder über die Auswahl seiner Maschine den passenden Analyseumfang bestimmen oder direkt zwischen den einzelnen Analysensets wählen. Nach der Bestellung wird das Probenentnahmekit bei uns vorbereitet. In der Regel bearbeiten wir Bestellungen innerhalb von 24 Stunden und versenden sie anschließend mit DHL. Sobald das Set beim Kunden angekommen ist, kann die Ölprobe entnommen werden. Dem Set liegt ein Probenbegleitschein bei, auf dem wichtige Angaben zur Maschine, zum Öl, dessen Einsatzdauer und zu möglichen Auffälligkeiten eingetragen werden. Diese Informationen sind für die spätere Bewertung wichtig, da ein Analysewert immer im Zusammenhang mit der Anwendung und den Betriebsbedingungen betrachtet werden muss. Nach der Probenentnahme wird das befüllte Probengefäß zusammen mit dem Probenbegleitschein an unser Labor zurückgesendet. Sobald die Probe bei uns eingetroffen ist, wird sie registriert und anschließend im Labor untersucht. Je nach gewähltem Analyseumfang kommen verschiedene Prüfverfahren zum Einsatz. Typische Bestandteile einer Gebrauchtölanalyse sind die Bestimmung von Verschleißmetallen, Additivelementen und Verunreinigungen mittels Elementanalyse. Außerdem betrachten wir u. a. die Viskosität, den Wassergehalt, mögliche Kraftstoff- oder Fremdöleinträge, Ruß- oder Partikelbelastung sowie Alterungs- und Oxidationsprozesse. Auch infrarotspektroskopische Verfahren, Partikelzählungen oder weitere spezifische Prüfmethoden können je nach Öltyp und Anwendung Bestandteil der Analyse sein. Die einzelnen Messwerte werden anschließend nicht isoliert betrachtet, sondern fachlich bewertet. Entscheidend ist nicht nur, ob ein Wert erhöht ist, sondern was diese Veränderung im konkreten Anwendungsfall bedeutet. Dazu berücksichtigen wir u. a. den Maschinentyp, das eingesetzte Öl, die Laufzeit, Voranalysen sowie typische Grenz- und Erfahrungswerte aus vergleichbaren Anwendungen. Spätestens 48 Stunden nach Probeneingang erhält der Kunde seinen Analysebericht per E-Mail. Dieser enthält die Messergebnisse, eine verständliche Bewertung des Öl- und Anlagenzustands sowie eine konkrete Handlungsempfehlung. So sieht der Kunde auf einen Blick, ob das Öl weiterverwendet werden kann, ob ein Ölwechsel sinnvoll ist oder ob Hinweise auf Verschleiß, Verunreinigung oder andere Auffälligkeiten vorliegen. Bei Rückfragen zum Bericht oder zur empfohlenen Maßnahme stehen wir unseren Kunden selbstverständlich auch persönlich zur Verfügung.


bauMAGAZIN: Das Einsatzspektrum für Oiltesco-Analysen ist gewaltig: Im Grunde können Sie die Diagnostik für alle mobilen Anwendungen abdecken. Das heißt: Die Baubranche dürfte hier zur idealen Zielgruppe zählen. Gibt es noch weitere Branchen bzw. Wirtschaftsbereiche, in denen Oiltesco unterwegs ist?

Norman Rohrwick: Ja, die Baubranche ist tatsächlich ein sehr typisches Einsatzfeld für unsere Analysen. Dort sind viele Maschinen im täglichen Betrieb hohen Belastungen ausgesetzt — zum Beispiel Bagger, Radlader, Krane, Bohrgeräte oder andere mobile Arbeitsmaschinen. Gerade bei solchen Anwendungen kann eine regelmäßige Ölanalyse helfen, den Zustand der Maschinen besser zu überwachen und Ausfälle planbarer zu machen. Das Einsatzspektrum von Oiltesco geht jedoch deutlich darüber hinaus. Grundsätzlich bieten wir Gebrauchtölanalysen für das gesamte industrielle Umfeld an. Dazu gehören mobile Anwendungen ebenso wie stationäre Anlagen. Ein wichtiger Bereich ist die Überwachung von Hydrauliksystemen. Darüber hinaus analysieren wir Motoren- und Getriebeöle aus unterschiedlichsten Bereichen. Das reicht von Nutzfahrzeugen, Baumaschinen und Landmaschinen über Industriegetriebe bis hin zu Sondermaschinen und Produktionsanlagen. Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Energiesektor, insbesondere Kraftwerksanwendungen. Hier untersuchen wir beispielsweise Turbinenöle, bei denen die Überwachung des Ölzustands eine zentrale Rolle für Betriebssicherheit, Verfügbarkeit und langfristige Anlagenzuverlässigkeit spielt. Zusammengefasst sind unsere Analysen überall dort relevant, wo Schmierstoffe oder Hydraulikflüssigkeiten eine kritische Funktion übernehmen. Das betrifft u. a. die Bauwirtschaft, Industrie, Energieerzeugung, Landwirtschaft, Logistik, kommunale Betriebe, produzierende Unternehmen und Betreiber größerer Maschinenparks.

bauMAGAZIN: Die Ölanalyse ist im Grunde eine Zustandsüberwachung, ohne die Maschine dafür ­öffnen zu müssen. Das heißt also, es ist eine präventive Maßnahme, um Verschleiß frühzeitig zu erkennen oder um Wartungsintervalle besser planen zu können. Um aber die Notwendigkeit solcher Analysen aufzuzeigen, braucht es manchmal auch das »Horrorszenario« quasi als Vorwarnung: Was waren die bislang »schlimmsten« Analyse-Ergebnisse?

Norman Rohrwick: Solche Fälle gibt es in der Praxis leider immer wieder. Typische Probleme sehen wir bei Hydraulikanlagen, insbesondere im mobilen Bereich, durch Verschmutzung des Fluids. Bei Baumaschinen mit häufig wechselnden Arbeitswerkzeugen kommt es immer wieder zu starkem Schmutzeintrag. Wenn Hydraulikkupplungen oder Anschlüsse verschmutzt sind, gelangen Partikel direkt ins System. Diese Verunreinigungen wirken dort wie Schleifmittel und beschleunigen den Verschleiß an Pumpen, Ventilen, Zylindern und Dichtungen erheblich. Auch Fehlbefüllungen sind ein häufiges und ernstzunehmendes Thema. Dabei wird beispielsweise ein ungeeignetes Öl nachgefüllt oder ein Schmierstoff mit einer anderen Additivierung mit dem vorhandenen Öl vermischt. Das kann dazu führen, dass sich die Eigenschaften des Öls verändern, Additive nicht mehr wie vorgesehen wirken oder sich Ablagerungen bilden. Für den Betreiber ist das oft zunächst nicht erkennbar — im Labor zeigen sich solche Auffälligkeiten aber sehr deutlich. Aber auch die Kombination ungünstiger Betriebsparameter kann ungewollte Folgeerscheinungen nach sich ziehen. Ein besonders kritisches Beispiel ist die Verwendung von reinem Biodiesel beziehungsweise FAME in Verbindung mit mineralischen Grundölen. In solchen Fällen beobachten wir immer wieder chemische Reaktionen und Polymerisationseffekte. Das Öl verändert dabei seine Eigenschaften massiv, kann eindicken oder im Extremfall regelrecht stocken. Für die betroffene Maschine bedeutet das ein erhebliches Risiko: Schmierstellen werden nicht mehr ausreichend versorgt, Filter können zusetzen und es kann zu schwerwiegenden Folgeschäden kommen. Diese Beispiele zeigen, warum regelmäßige Ölanalysen so wertvoll sind. Sie liefern frühzeitig Hinweise auf falsche Betriebsbedingungen, Verschmutzung, Fehlbefüllungen oder beginnende Schäden. Im Idealfall wird dadurch aus einem möglichen Maschinenschaden lediglich eine planbare Wartungsmaßnahme. Genau das ist der entscheidende wirtschaftliche Vorteil: Schäden vermeiden, bevor sie teuer werden.

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