Die spannende Frage bleibt, ob Bundeskanzler Friedrich Merz sein Versprechen halten kann. Die erklärte Zielsetzung lautet, endlich wieder ins Bauen zu kommen. Helfen sollen milliardenschwere Sondervermögen für die Baubranche und das Militär. Auf dem Papier zeigt sich durchaus, dass wir uns künftig nicht vor Arbeit retten können. Und das hat gute Gründe: Zum einen ist der Baubedarf im öffentlichen Bau aufgrund der vielen maroden Straßen, Brücken und Schienen groß. Zum anderen müssen dieses Jahr viele Wohnungen gebaut werden, um dem Wohnraummangel entgegenzutreten. Hinzu kommt die Bundeswehr: Was über Jahrzehnte an Kasernen sowie Lager- und Übungsplätzen kaputtgespart wurde, muss nun schleunigst wiederaufgebaut oder zumindest ausreichend saniert werden.
Die angepeilte Verteidigungs- bzw. Kriegstüchtigkeit von Verteidigungsminister Boris Pistorius setzt voraus, dass der Staat in den kommenden Jahren massiv investieren muss. Und das viele Geld dafür liegt spätestens seit den Sondervermögen auf dem Tisch. In »Klartext« weisen jedoch diverse Branchengrößen darauf hin, dass die Milliarden nur dann Sinn machen, wenn sie auch tatsächlich im Markt ankommen. Gemeint ist damit, dass die Politik zu zögerlich agiert und die Bauunternehmen ungeduldig darauf warten, dass Genehmigungen erteilt werden. Statt die Prozesse, welche noch immer an zu viel Bürokratie gekettet sind, ins Laufen zu kriegen, wird unnötig viel Zeit darauf verwendet, sich mit lästigen und zuweilen veralteten Detailfragen zu befassen. Zugegeben, mit der Baubranche steht der Politik ein Wirtschaftszweig gegenüber, der für seinen Pragmatismus bekannt ist und daher wenig Verständnis für bürokratisches Schneckentempo aufbringt. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass insbesondere die Bauverbände nicht erst seit gestern »meckern«.
Bereits seit Jahren weist die Bauindustrie darauf hin, dass der Wohnungsbau nur dann funktioniert, wenn Investoren verlässliche Zusagen erhalten, vernünftige Fördertöpfe vorhanden sind und der Staat die Bauherren nicht mit seiner Zettelwirtschaft bremst. Gleiches gilt für den öffentlichen Bau: Statt die marode Straße endlich aufzureißen, müssen monate- und teils jahrelange Genehmigungs- und Prüfverfahren durchlaufen werden. Mehr Vereinheitlichung würde, ebenso wie die rein digitale Abwicklung, dabei helfen, den tatsächlichen Turbo zu zünden. Grundsätzlich zeigt sich in »Klartext«, dass die Baubranche durchaus Hoffnung hat, dass wir dies Jahr ein besseres Baujahr erleben – die klaffende Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung muss jedoch weit schneller geschlossen werden, als es bislang der Fall ist. Letztlich bleibt abzuwarten, ob man in Berlin zeitnah gegensteuert und die Baubranche endlich machen lässt.d