Kaeser Kompressoren SE Kompressoren für die Welt

Ehre, wem Ehre gebührt: Das bauMAGAZIN war in Coburg und hat sich ausgiebig mit dem Druckluftspezialisten Kaeser Kompressoren auseinandergesetzt. Und das hat, nicht nur zwischen den Zeilen, durchaus Eindruck hinterlassen. Mit über 8 800 Mitarbeitern weltweit, drei gigantischen Produktionsstandorten in Coburg, Gera und Göttingen sowie Handelspartnern in über 140 Ländern gilt Kaeser als Weltkonzern – und ist trotzdem eine erstaunliche Familienschmiede geblieben, die es sich bis heute nicht nehmen lässt, die Dinge auf ihre ganz eigene »Kaeser-Art« zu machen.

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Kaeser Kompressoren

Ohne Druckluft wäre das Arbeiten im Straßen- und Tiefbau, im Abbruch, im GaLaBau oder in der Betonsanierung eine gewaltige Herausforderung. Und gerade deshalb findet sich Kaeser als Marke auf nahezu allen Baustellen. Auch das bauMAGAZIN beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Lösungen des Herstellers. Zur Wahrheit gehört aber, dass wir erst jetzt einen Blick hinter die Kulissen gewagt haben. Die Redaktion ist seit fast 30 Jahren in der Bau- und Baumaschinenbranche unterwegs: Man kennt nahezu jede »Branchen-Schraube« und hat in dieser Zeit Hunderte Fertigungshallen, Entwicklungsabteilungen und Großbaustellen unter die Lupe genommen. Bei der Ankunft wurde schnell deutlich, dass wir es bei Kaeser Kompressoren mit einem Big Player zutun bekommen: Das Stammwerk in Coburg verfügt über eine, wohlgemerkt, reine Nutzfläche von über 150 000 m2 – die Erkundung zu Fuß hatte, salopp gesagt, qualmende Sohlen zur Folge. Und das Erstaunliche in diesem Zusammenhang war, dass trotz der Tragweite und Größe des Konzerns an allen Ecken und Kanten immer wieder der Familienbetrieb im Mittelpunkt stand.

Eine Familie – und der Weg zum Großkonzern

Mittlerweile hat sich bereits die vierte Generation der Familie Kaeser im Unternehmen etabliert – angefangen hat alles aber im Jahr 1919 mit der Gründung einer Maschinenbauwerkstätte durch den Senior Carl Kaeser. Im Mittelpunkt stand die Produktion von Ersatzteilen für Kraftfahrzeuge und Motoren, insbesondere Zahnrädern. Erst im Jahr 1948 produzierte Kaeser seinen ersten Kolbenkompressoren, den »K30-30«. Und das geschah mehr oder minder aus einer Not heraus. Als Folge der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Kaeser einen Großteil seines bisherigen Markts in Thüringen und war gezwungen, sich auf neue Märkte zu konzentrieren. In der Nachkriegswirtschaft stieg der Bedarf an Kompressoren massiv an, weshalb das Unternehmen sein Know-how aus dem Motorenbau nutzte, um diese Maschinen in das Produktprogramm aufzunehmen. In den Folgejahren konzipierte der Hersteller unter dem Gründersohn Carl Kaeser junior seinen ersten Schraubenkompressor. Die Besonderheit hierbei war das sogenannte »Sigma-Profil«, ein eigens entwickelter Kompressorblock mit energiesparendem Läuferprofil, was das Herzstück dieser Maschinen darstellte. Und nachdem Kaeser seine ersten Tochtergesellschaften eröffnet und den Aufbau einer internationalen Vertriebs- und Serviceorganisation vorangetrieben hatte, startete 1982 das Segment »Mobilair« und damit die Entwicklung und Produktion von fahrbaren Schraubenkompressoren für die Bauindustrie.

Im Jahr 1985 zunächst an der Seite seines Vaters, ab 2009 dann in führender Position, drückte Thomas Kaeser als Enkel des Firmengründers dem Unternehmen seinen Stempel auf. Mit »Sigma Control«, einer damals revolutionären Kompressorsteuerung, sowie mit »Sigma Air Manager« vollzog Kaeser dann die »Computerisierung der gesamten Druckluftstation«. Die Folgejahre waren geprägt von gewaltigem Wachstum auf internationaler Bühne sowie der beständigen Erweiterung der Fertigungs-, Logistik- und Entwicklungskapazitäten. Hinzu kamen ein neues Forschungs- und Innovationszentrum, die Umwandlung zur europäischen Aktiengesellschaft sowie der Bau neuer Produktionshallen in Coburg. Im Jahr 2019 durfte Kaeser Kompressoren dann sein 100-jähriges Familienjubiläum feiern, ein Meilenstein, der in dieser Branche nur selten zu finden ist. Geleitet wird das Unternehmen heute von Thomas Kaeser sowie ­Tina-Maria Vlantoussi-Kaeser, während mit Kristin Katharina Kaeser und Alexander Jan Kaeser, wie eingangs erwähnt, bereits die vierte Generation im Konzern tätig ist.

Viel investiert – in Mensch und Maschine

Zum aktuellen Zeitpunkt modernisiert Kaeser erneut seine Produktionshallen – und Modernisierung ist das perfekte Stichwort: Während das bauMAGAZIN den Stammsitz in Coburg begutachtete, fiel ein Gebäude auf, das gerade abgerissen wurde: »Hier wird im Grunde ständig gebaut«, hieß es – und ein Blick auf die Erweiterungs- bzw. Modernisierungspläne des Konzerns zeigt, dass Kaeser hier tatsächlich nicht zur Ruhe kommt. Es wird gebaut, saniert, modernisiert und erweitert, um einerseits Platz für neue Fertigungsanlagen, Entwicklungsabteilungen, Lagerstätten oder Büroräume zu schaffen, andererseits, um den Marktbedarf zu decken und sich auf neue Anforderungen einzustellen. Im Jahr 2025 verzeichnete Kaeser Kompressoren einen Umsatz von 1,7 Mrd. Euro, was die Marktstellung und Tragweite des Unternehmens nochmals unterstreicht.

Der Fairness halber muss jedoch gesagt sein, dass Kaeser hierfür auch massiv investiert – und das eben nicht nur in seine Maschinen, seine Lagerregale oder schicken Büroräume. Am Standort in Coburg hat das Unternehmen beispielsweise ein eigenes Ausbildungszentrum aus dem Boden gestampft. In diesem mehrstöckigen Gebäude finden sich Schulungsräume, um die notwendige Theorie zu »büffeln«, während in einem anderen Stockwerk komplett ausgestattete Werkstätten zur Verfügung stehen. Aktuell werden mehr als 300 junge Menschen in zwölf verschiedenen Berufen von hauptberuflichen Ausbildern betreut. Bereitgestellt werden hochmoderne Maschinen und Werkzeuge, wie man sie sonst nur in einer hochprofessionellen Fertigungshalle finden würde. Auf diese Weise, und das ist am Markt nun wirklich außergewöhnlich, geschieht das Ausbilden eben nicht »irgendwo in einer freien Ecke« im laufenden Betrieb, sondern in eigens dafür geschaffenen Räumlichkeiten unter der Leitung von versiertem Fachpersonal. Die Krönung des Ganzen dürfte sein, dass Kaeser seinen Auszubildenden, die über keine eigene Unterkunft verfügen, ein firmeneigenes Wohnheim zur Verfügung stellt. Hierfür kaufte das Unternehmen die ehemalige Jugendherberge am Ketschendorfer Schloss in Coburg auf.


Robuste Druckluft-Lösungen für die Baubranche

Während Kaeser mit seinen stationären Schraubenkompressoren eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten in der Industrie, im Handwerk und Gewerbe abdeckt, stehen sowohl mobile als auch stationäre Kolbenkompressoren für Handwerksbetriebe, Werkstätten und Kleinindustrie zur Verfügung. Das reicht von hochkompakten Varianten über Komplettanlagen bis hin zu Nachverdichtern und maßgeschneiderte Druckluftstationen im großen Stil. Für die Baubranche hat Kaeser eine ganz eigene Sparte etabliert – die »Mobilair«-Baustellenkompressoren. Das Repertoire reicht von fahrbaren bis stationären Einheiten, sowohl mit Verbrennungs- als auch mit Elektromotor. Grundsätzlich gilt, dass die Kompressoren auf den Dauereinsatz ausgelegt sind und auch unter rauen klimatischen Bedingungen funktionieren. Am Markt gelten sie als zuverlässig, robust und widerstandsfähig. Vor Ort erhielt das bauMAGAZIN die Möglichkeit, mit Ralf Hereth zu sprechen. Der Produktmanager und Spezialist für mobile Kompressoren ist maßgeblich an der Entwicklung sowie dem Erfolg der »Mobilair«-Baureihe beteiligt und seit über 40 Jahren bei Kaeser tätig: »Die ›Mobilair‹-Kompressoren sind äußerst robuste Maschinen, die zwischen 1 und 48 m³ mobile Druckluft pro Minute liefern. Die Antriebe hierzu reichen vom effizienten Benzinmotor über den emissionsarmen Dieselmotor bis hin zum abgasfreien Elektromotor.«

In diesem Herbst wird das »Mobilair«-Werk stolze 25 Jahre alt und in Kaeser-Kreisen zählen die mobilen Baukompressoren in der über 100-jährigen Firmenhistorie zu den »jüngsten« Sparten. Soll heißen, in die Entwicklung der »Mobilair«-Maschinen flossen Jahrzehnte an Erfahrungswerten: »Früher waren alle Baukompressoren mechanisch geregelt. Heute haben aufgrund der Abgasgesetzgebung und der elektronisch geregelten Dieselmotoren elektronische Steuerungen Einzug gehalten. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie wir im Jahr 2007 die erste Anlage mit der Steuerung ›Sigma Control Mobil‹ eingeführt haben – oder 2012 den ersten mobilen Kompressor mit SCR-Katalysatoren. Damals war es für die europäische Abgasstufe IIIB, heute sprechen wir von Stage V für Europa bzw. Tier 4 für Nordamerika«, wie sich Ralf Hereth erinnert.

Innovativ: pV-Regelung und neue Steuerung

Zurückgreifen können die heutigen »Mobilair«-Varianten auf innovative Technik wie pV-Regelung oder die neue Steuerung »Sigma Control Mobil 2«: »Das sind zwei entscheidende Neuentwicklungen. Mit der pV-Regelung nutzen wir das Motordrehmoment über ein definiertes Drehzahlband perfekt aus, um ein und dieselbe Anlage flexibel zwischen 6 und 14 bar betreiben zu können. Zum einen erhält man bei niedriger Druckeinstellung mehr Druckluftvolumen. Zum anderen kann die Anlage ebenso mit höheren Betriebsdrücken betrieben werden. Somit kann ein Kompressor für unterschiedliche Anwendungen zum Einsatz kommen.

Was die neue Kompressorsteuerung betrifft: Hinter ›Sigma Control Mobil 2‹ verbirgt sich ein dringender Wunsch aus der Praxis: Der Benutzerfreundlichkeit halber wünschte man sich den guten, alten Drehschalter zurück, mit dem Baukompressoren früher ein- und ausgeschaltet werden konnten. Solch einen Drehschalter haben wir jetzt wieder unter dem Touch-Display. Die erforderlichen Zwischenschritte wie Warmlauf, Nachlauf oder Druckentlastung finden automatisch im Hintergrund statt. Ebenso das anschließende Abschalten der Steuerung. Am Touch-Display können der Tankfüllstand oder der aktuell eingestellte Druck direkt abgelesen werden. Aus großer Entfernung ist an einem grünen Balken sichtbar, dass alles in bester Ordnung ist.«

Ein weiterer Vorteil: Geht z. B. der Kraftstoff zur Neige, warnt das System mit einem auffälligen gelben Balken. Wird diese Warnung ignoriert, färbt sich der Balken rot. »Die Bedienung der Funktionen muss simpel und selbsterklärend sein – und genau das haben wir hinbekommen: Mit einem Wisch nach links kommt man (wie beim Smartphone) in das Menü zur Druckverstellung. Hier kann der Druck per Plus- und Minus-Taste reguliert werden. Mit einem Wisch nach rechts erscheinen mehrere Betriebsdaten oder der Countdown zum nächsten Service auf dem Display. Dort können weitere Einstellungen vorgenommen werden«, so Ralf Hereth.

»Mobilair M59«: Stark in der 5-m³-Klasse

Der »Mobilair« des Typs »M59« ist eine Leichtbau-Variante mit gerade einmal 750 kg Gewicht – hinzu kommt die PE-Ausführung mit PE-Flügeltüren. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die »M59« von einer robusten Karosserie profitiert und als besonders flexibel für den Betrieb bei verschiedenen Maximaldrücken gilt. Zur Verfügung stehen im Übrigen mehrere Ausstattungsmöglichkeiten – eine interessante Variante durfte das bauMAGAZIN direkt vor Ort begutachten: Optional lässt sich der »M59« mit integriertem Lichtmast ausstatten. Durch diese Beleuchtungsfunktion ermöglicht die Anlage ein völlig autarkes und sicheres Arbeiten bei schlechten Sichtverhältnissen und eignet sich damit ideal für den Einsatz auf Nachtbaustellen.

Hinzu kommt, und das bescheinigen die bauMAGAZIN-»Redaktionsohren«, dass der »Mobilair« trotz starker Leistungsdaten erstaunlich ruhig und geräuscharm läuft. Jeder, der noch die alten Kompressoren von früher kennt, weiß, dass bereits ein paar Minuten neben einer solchen Maschine fast schon den Hörsturz bedeutet haben. Zur Info: Der verbaute Motor hat die Zulassung für den Betrieb mit dem fossilfreien Bio-Kraftstoff HVO100.

Festhalten lässt sich, dass der »Mobilair M59« durchaus als Alleskönner zu bezeichnen ist. Der fahrbare Kompressor ist aufgrund seiner zahlreichen Ausstattungsoptionen vielseitig und vor allem flexibel auf der Baustelle einsetzbar – ganz gleich, ob er für den Abbruchhammer, für Druckluft oder für das Sandstrahlgerät verwendet wird.

Kaeser Kompressoren – ein Fazit

Zugegeben, an Lob wurde im Rahmen dieser Berichterstattung nicht gespart, es wurde aber auch nicht geschönt. Tatsache ist, dass kein Hersteller, kein Händler, kein Verband und auch kein Bauunternehmen dem anderen gleicht. Jeder »schleppt« seine ganz eigene DNS mit sich herum – mit allen Ecken, allen Macken und allen Kanten. Festhalten lässt sich, dass man bei Kaeser gern unkonventionelle Wege beschreitet. Das zeigt sich beispielsweise bei der Investition in die eigenen Mitarbeiter, die mitunter auffallend lang mit dem Konzern verbunden sind, oder den Auszubildenden, die am Stammsitz in Coburg quasi ein Schlaraffenland vorfinden, das ihnen praxisnahes Lernen ermöglicht.

Hinzu kommt das geradezu stoische Festhalten am Produktions­standort Deutschland – rein wirtschaftlich betrachtet hätte es über all die Jahrzehnte hinweg sicherlich günstigere Fernost-Alternativen gegeben. Aus heutiger Sicht darf man mit Blick auf die geopolitische Entwicklung wiederum festhalten, dass sich Beständigkeit dann eben doch auszahlt, und sei es nur, um seine eigene Unabhängigkeit zu wahren. Die Kompressoren, und das ist hier das eigentliche Kernthema, genießen innerhalb der Branche einen hohen Stellenwert. Man schätzt, so heißt es, dass die Geräte zuverlässig arbeiten und sich neuen Anforderungen anpassen – zuletzt betraf das den geringeren Energieverbrauch, gesteigerte Effizienz oder optionales Zubehör wie etwa den integrierten Lichtmast beim »Mobilair M59«, wodurch sich das Arbeiten auf der Baustelle sicherer und komfortabler gestalten lässt.

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