Holp GmbH Zwischen Erfindergeist und Machertum

Jubiläum feiern, GaLaBau-Koffer packen und neues Gebäude einweihen: Dieser Tage hat(te) der Anbaugeräte-Spezialist so einiges auf dem Zettel. Für die grüne Messe in Nürnberg setzt Holp auf zwei Schwerpunkte: mehr Effizienz und komfortableres Arbeiten. Im Mittelpunkt stehen der Drehantrieb »RotoTop«, der Tiltrotator »RotoX« sowie verschiedene Löffel. Ein Highlight stellt außerdem die neue »SafetyFork« dar. Hierbei handelt es sich um eine schwerkraftstabilisierte Palettengabel, die den Materialtransport von palettierten Lasten sicherer machen soll – das bauMAGAZIN durfte bereits vorab einen Blick darauf werfen und hat sich in diesem Zusammenhang auch mit dem aktuellen Jubiläum sowie dem Neubau am Stammsitz in Murrhardt befasst.

Lesedauer: min | Bildquelle: Holp
Von: Dan Windhorst

In diesem Jahr darf der Anbaugeräte-Spezialist das 25-jährige Bestehen als Maschinenbauer feiern – die Unternehmenshistorie von Holp reicht allerdings noch viel weiter zurück. Begonnen hat alles im Jahr 1979 mit der Gründung der Holp Erdbau GmbH, erst 2001 verlagerte sich dann endgültig der Schwerpunkt auf die Konstruktion und den Vertrieb von Anbaugeräten. Seither ist erstaunlich viel passiert. Und jeder, der die Holp-Geschichte zwischen den Zeilen liest, weiß, dass nahezu alles, was das Unternehmen heute ausmacht, auf den Erfindergeist, das Durchhaltevermögen sowie den Mut von Franz und Günter Holp zurückzuführen ist. Vater und Sohn verfügen über jahrzehntelange Erfahrung als aktive Maschinenführer – als Gründer hat Franz Holp knapp 65 Jahre seines Lebens auf Raupen und Baggern verbracht, während sein Sohn, Günter Holp, bereits mit 14 Jahren die ersten Runden auf »Kette« drehte und danach als Tüftler kaum mehr aus der »Entwicklerschmiede« zu bekommen war. Tatsache ist, dass die Holp ­GmbH bis heute vom Machertum der beiden profitiert: Die Anbaugeräte gelten als extrem anwendernah entwickelt und zielen, wie Günter Holp bekräftigt, einzig darauf ab, den Arbeitsalltag von Maschinisten zu erleichtern.

Neue Palettengabel: Sicher und kontrollierbar

Ein gutes Beispiel für das praxisnahe Tüfteln ist die »SafetyFork«, eine Palettengabel, die sowohl für Bagger als auch andere Geräteträger konzipiert wurde. Der Clou: Der Umgang mit palettierten Lasten, wie sie beispielsweise häufig im Garten- und Landschaftsbau zum Einsatz kommen, soll noch sicherer und praxistauglicher gelingen. Das bauMAGAZIN durfte die »SafetyFork« bereits im Februar anlässlich der »Anbaugerätetage« in Murrhardt begutachten. Geschäftsführer Günter Holp stieg ­kurzerhand selbst in die Maschine und zeigte die Vorzüge auf. Anders als starre Gabeln ist die ­»SafetyFork« pendelnd aufgehängt – der Ausgleich erfolgt über ein zweiachsiges Kreuzgelenk, wodurch sich das Gerät mithilfe der Schwerkraft eigenständig ausrichtet. »Ruckartige Bewegungen des Baggerauslegers, Schwenkimpulse und Erschütterungen beim Verfahren über unebenes Gelände werden nicht starr auf die Last übertragen«, wie der Hersteller klarstellt. Auf diese Weise soll das Risiko, die Last zu verlieren, gegenüber starren Palettengabeln deutlich reduziert werden. Verwenden lässt sich die »SafetyFork« mit starren Schnellwechslern, Rotatoren oder Tiltrotatoren. Während die Tragfähigkeit rund 2 t beträgt, liegt das Eigengewicht ohne Schnellwechslerplatte bei rund 220 kg.

Die etwas andere »Heckenschere«

Für Nürnberg hat Holp noch weitere Lösungen im Gepäck. Mitunter wird der Hersteller sein »CutWheel« vorstellen und damit ein Anbaugerät, dass die bauMAGAZIN-Redaktion bereits vor Ort in strömendem Regen nahe Murrhardt im Waldeinsatz erlebt hat. Vorwegnehmen lässt sich: Dieses Teil ist wirklich brachial – und hat so gar nichts mit branchentypischen Heckenscheren gemein. Entwickelt wurde das »CutWheel« zwar als variable Wall- und Heckenschere, aber bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass wir es hier mit weit mehr zu tun haben. Ausgelegt ist das Anbaugerät, das bislang in zwei Größen existiert, auf Bagger mit einem Einsatzgewicht von 7 bis 11 t sowie 12 bis 17 t. Ein großer Vorteil ist, dass das »CutWheel« nicht nur schneiden, sondern auch sägen kann. Je nach Baggergröße arbeitet es laut Holp auf einer Höhe von bis zu 10 m, sodass in der Regel auf einen Hubsteiger verzichtet werden kann. Das Gerät wird komplett von der Fahrerkabine aus gesteuert und hat im Rahmen der Vorführung nicht nur mächtig Lärm, sondern auch »Strecke« gemacht: Sowohl bei Sträuchern und Ästen als auch bei Hecken und Bäumen (Buche, bis 20 cm) erzeugte das »CutWheel« ein gutes Schnittbild. Durch die Justierbarkeit der Gegenschneide, was ebenfalls von der Kabine aus gelingt, können laut Holp unterschiedlichste Durchmesser zuverlässig und zügig bearbeitet werden.

Weitere wichtige Exponate für Nürnberg geplant

Im Repertoire hat Holp für die GaLaBau allerdings auch seine Baggerlöffel, darunter den »Vario«- sowie den »Bankett«-Löffel. Beide Modelle sind aus Hardox gefertigt und gelten als robuste wie langlebige Helfer. Bezeichnet wird der »Bankett«-Löffel als »Spezialist für gepflegte Straßenränder« – und genau das erfüllt er auch. Durch seine abnehmbare Abdeckung kann mit dem Löffel nicht nur vor und hinter, sondern auch unterhalb von Leitplanken abgezogen werden. Mehr Stabilität und Langlebigkeit soll der Löffel laut Holp dadurch erhalten, dass er nur zu einer Seite hin offen ist. Gleichzeitig, so der Hersteller weiter, mache der außenliegende Rahmen zusätzliche Verstärkungen im Löffelinneren unnötig, was einen optimalen Materialfluss erlaube und die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhe. Erhältlich ist der »Bankett«-Löffel in den Schnittbreiten 1 200 und 1 400 mm – betrieben wird mit Baggern von 10 bis 14 t im Schleppbetrieb. Beim »Vario«-Löffel wiederum haben wir es mit einem »Alleskönner« zutun – laut Holp sei er der flexibelste Baggerlöffel am Markt. Ausgelegt ist der Universallöffel auf Bagger mit einem Einsatzgewicht von 2 bis 25 t. Zu den üblichen Einsatzbereichen zählen klassische Erd- und Kanalarbeiten, Garten- und Landschaftsbau sowie der Straßen- und Verkehrswegebau. Erklärte Zielsetzung sei es, mit dem »­Vario«-Löffel schnelles und flexibles Arbeiten in alle Richtungen zu ermöglichen – auch und gerade auf beengtem Raum oder entlang von Rohren, Mauerwerk und Randsteinen. Die V-förmige Öffnung ermöglicht laut Hersteller hohe Leistung im Schleppbetrieb und vereinfacht das Versetzen von Bäumen und Sträuchern. Die rechteckige Öffnung soll hingegen das Abziehen von Fahrbahn-Banketten sowie das Nachziehen von Böschungen erleichtern. Aktuell ist der »Vario«-Löffel in fünf Größen verfügbar, von 100 bis maximal 700 l Inhalt.

Mit hohem Aufwand in den Standort investiert

Abseits der Messevorbereitungen, die nun final auf Hochtouren laufen, durfte die Holp GmbH im Juni kräftig feiern. Auf der einen Seite blickte Holp auf das 25-jährige Bestehen als Maschinenbau-Unternehmen zurück und auf der anderen weihte man am Stammsitz in Murrhardt ein neues Gebäude ein. Auch hier durfte das bauMAGAZIN bereits im Vorfeld hinter die Kulissen blicken. Zum einen wurden neue Bürokapazitäten geschaffen, zum anderen investierte Holp in den Neuaufbau sowie die Erweiterung seiner Lager- und Fertigungskapazitäten. Eine Herausforderung war es, das Großprojekt, welches sich aufgrund der Corona-Pandemie deutlich in die Länge zog, im laufenden Betrieb zu stemmen. Das hat am Ende nicht nur viel Geld, sondern auch großen Aufwand gekostet. Großen Charme hat es, dass es sich Günter Holp nicht nehmen ließ, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen: Über Monate hinweg setzte sich der Geschäftsführer in die Fahrerkabine, um das großzügige Außengelände »umzupflügen«, aufzuschütten und neu zu gestalten. »Während andere joggen gehen, setzte ich mich in den Bagger – für mich ist das ein guter Ausgleich zum Schreibtischjob.« Einher geht der Neubau allerdings auch mit der Devise, für weiteres Wachstum zu sorgen. Gerade in der Produktionsabteilung wurde deutlich, dass man in hochmoderne Technik sowie digital gesteuerte Abläufe investiert hat, um die Prozesse zu optimieren und Fertigungszeiten deutlich zu verkürzen. Hinzu kommt, dass der Neubau laut Holp eine Verdoppelung der heutigen Belegschaft von rund 40 Mitarbeitern ermöglicht, wodurch das Unternehmen zeitnah auf Marktveränderungen reagieren und seine Produktivität bei Bedarf massiv erhöhen kann.


Das Unternehmen früher und heute – ein Fazit

Die Zusammenfassung lautet, dass jede Firmengeschichte seine ganz eigenen Wege sowie Ecken und Kanten hat. Ein charmanter Faktor ist, dass wir gerade in der Bau- und Baumaschinenbranche immer wieder Unternehmen erleben, die als klassischer Einmannbetrieb gegründet wurden und trotz ihres späteren Erfolgs ihre Wurzeln nicht verkannt haben. Die Holp GmbH darf man hier getrost dazuzählen. Eine Anekdote, die mir bis heute nicht aus dem Kopf geht, ist, wie Günter Holp mit Bewunderung von den Anfängen der Firma sprach: »Mein Vater hat damals praktisch Tag und Nacht auf seiner Raupe verbracht. Jeder, der diese alten Maschinen noch kennt, weiß, was das für eine Kraftanstrengung bedeutet. Die Bedienung mittels Pedal und Hebel, die permanenten Vibrationen bei Wind und Wetter – heute würde das vermutlich niemand länger als ein paar Minuten durchhalten. Und dieser Mann tut das jetzt seit über 65 Jahren.« Zutreffenderweise heißt es, dass sowohl beim Vater als auch beim Sohn sprichwörtlich Hydrauliköl durch die Adern fließt. Bis heute bringt Holp »selbstgetüftelte« Lösungen auf den Weg, die so gar nichts mit künstlich geschönten Broschürenfloskeln zu tun haben. »Auf dem Papier klingt vieles richtig, aber erst wenn ich mich selbst in den Bagger setze, weiß ich, was die Praxis wirklich braucht.« Festhalten lässt sich, dass eben dieses Machertum der Grund für die Erfolgsgeschichte von Holp sein dürfte. Und nur zur Klarstellung: Es geht in diesem Zusammenhang nicht darum, jemandem blindlings »Honig ums Maul« zu schmieren, sondern vielmehr darum festzuhalten, dass diese Branche von genau diesem Macher-Typus profitiert – und ihn, wie ich finde, heute (mehr denn je) bitter nötig hat.

Firmeninfo

Holp GmbH

Im Beundle 26
71540 Murrhardt

Telefon: Zentrale: 07192-9336-0

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