Viele Anwender unterschätzen die Gefahren
»Hohe Kosten für die Sonderanfertigung von Stützarmen oder knappe Deadlines sind häufig Auslöser dafür, dass schnelle, selbstgebaute Lösungen zur Anwendung kommen«, erzählt Tobias Hübing, Schraubfachingenieur (DSV) und Leiter des technischen Prüflabors der Heico Group. »Viele Anwender unterschätzen dabei die Gefahren beim Umgang mit Hochmomentschraubern und die enormen Kräfte, die dort wirken. Um eine Schraube M24 der Festigkeitsklasse 10.9 im Sinne der VDI 2230-1 hoch vorzuspannen, wird ein Anziehdrehmoment von knapp 1 000 Nm benötigt. Das entspricht in etwa dem maximalen Drehmoment von zwei bis drei gut motorisierten Mittelklassewagen.«
Versagen der Abstützung kann Folgen haben
Bereits bei einer Nenngröße von M24 muss eine Reaktionskraft von gut 8 000 N in die Umgebung abgeleitet werden. Das entspricht der Gewichtskraft eines älteren Kleinwagens mit einer Masse von 800 kg. Die Reaktionskraft wirkt dabei sowohl auf die Abstützstelle als auch auf die Schraube. Ein Versagen oder Abrutschen der Abstützung kann verheerende Folgen haben.
Für schwere Fingerquetschungen reichen bereits rund 100 kg aus. Ab 100 bis 150 kg treten bereits Knochenbrüche auf. »Eine provisorische Abstützung aus Baustahl mit einem Durchmesser von 6 mm würde unter der oben berechneten Reaktionskraft von 8 000 N abscheren bzw. brechen, aber sich bereits bei einer deutlich geringeren Kraft bzw. Anziehdrehmoment durchbiegen. Gleiches gilt für die Abstützstelle«, so Tobias Hübing. »Heico-Lock«-Reaktionsscheiben ermöglichen laut Unternehmen ein reaktionsarmfreies Anziehen großer Schraubenverbindungen mit leistungsstarken Drehmomentwerkzeugen. Da das Reaktionsmoment des Drehmomentschraubers über die spezielle Dual-Stecknuss an der zahnradförmigen Außenkontur der »Heico-Lock«-Reaktionsscheiben eingeleitet und gleichzeitig abgestützt wird, kann auf zusätzlich stützende Vorrichtungen verzichtet werden.
Hier erklärt der Spezialist im Detail: Durch die rein axiale Einleitung des Anziehdrehmoments über den Schrauber wird die verwendete Schraube beim Anziehen nicht etwa schräg gestellt und es wird gleichzeitig auch keine überlagerte Biegespannung eingeleitet, wodurch sich nicht nur die Anzugsgenauigkeit und eventuell die Tragfähigkeit der Schraube erhöht, sondern auch die Standzeit des Hochmomentwerkzeuges, sagt das Unternehmen Heico an dieser Stelle.
Zuverlässiger Schutz vor selbsttätigen Losdrehen
Wie alle Schraubensicherungen aus der »Lock«-Serie basieren auch die Reaktionsscheiben laut Aussage des Herstellers auf dem sogenannten Keilsicherungsprinzip. Damit sorgt das Zwei-Scheiben-System für hochwirksamen Schutz der Schraubenverbindung vor dem selbsttätigen Losdrehen durch dynamische Belastungen (Vibrationen), wie sie häufig in Maschinen und Anlagen auftreten. Die Radialrippen auf den Außenseiten des Scheibenpaares prägen sich beim Anziehen der Schraube oder Mutter formschlüssig in das Werkstück sowie in den Schraubenkopf- bzw. die Mutternauflagefläche ein. Gleichzeitig verhindern die innenliegenden Keilflächen laut Unternehmensangaben eine durch Vibrationen und Stöße verursachte Losdrehbewegung der Schraube.