Goldhofer AG Erfolgreiche Innovation Days in Memmingen

Im Rahmen seiner Innovation Days gestattete der Spezialist für Schwertransportlösungen kürzlich einen Blick hinter die Kulissen – und stellte gleichzeitig wichtige Neuentwicklungen vor. Verteilt auf zwei Tage, kamen mehr als 600 Gäste, um sich ein Bild vom aktuellen sowie künftigen Produktportfolio von Goldhofer zu machen. Das bauMAGAZIN war ebenfalls vor Ort und hat sich insbesondere mit dem neuen Schwerlastmodul »PST/SL-ES 285«, dem »E-PowerPack« sowie dem neuen »Stepstar MPA« befasst.

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Goldhofer
Von: Dan Windhorst

Die erste Erkenntnis der Innovation Days lautet, dass Goldhofer nicht kleckert, sondern klotzt. Das begründet sich zum einen darin, dass der Hersteller alles an Systemen aufgefahren hat, was Rang und Namen hat. Und zum anderen hat sich da nach langer Abstinenz vieles angestaut: Zwölf Jahre nach den letzten Innovation Days wollte Goldhofer »endlich wieder ein Zeichen setzen« und die Gelegenheit nutzen, um mitunter das aktuell stärkste Schwerlast-Modul des Markts vorzustellen.

»PST/SL-ES 285«

Die eigentliche Grenze moderner Transporte liegt nach Ansicht von Goldhofer heute nicht mehr im Gewicht einer Last. Die Herausforderung entstehe vielmehr durch hohe Lastschwerpunkte, Stabilität, Genehmigungsfähigkeit und Manövrierbarkeit. Genau hier soll der neue »PST/SL-ES 285« ansetzen. Die zentrale Innovation sei laut Hersteller, dass das System eine variable Spurbreite unter Last ermöglicht. Dadurch kann zwischen maximaler Seitenstabilität und hoher Manövrierbarkeit situativ gewechselt werden – ein Ansatz, der neue Möglichkeiten bei Transportkonfigurationen eröffnet. Bereits in der Grundbreite von 3 000 mm weist das Fahrwerk eine Seitenstabilität auf, die eine 1+½-Kombination übertrifft. Durch die Verbreiterung der Spur per Knopfdruck erreicht der »PST/SL-ES 285« eine ähnliche Seitenstabilität wie eine 5,3 m breite 1+1-Parallelkombination mit 2 430 mm breiten Schwerlast-Modulen – und das bei gerade einmal 3 300 mm Kombinationsbreite. Damit, so Goldhofer weiter, kann das Fahrzeug schmal werden, wenn enge Passagen, Kurven oder Ortsdurchfahrten es erfordern.

Starke Leistungsdaten

Bisher mussten viele Transportkonzepte früh festgelegt werden: breiter Aufbau für Stabilität oder schmalere Konfiguration für bessere Manövrierbarkeit. Der »PST/SL-ES 285« verschiebt diese Entscheidung laut Goldhofer in den Einsatz selbst. Getreu dem Grundsatz: »Schmal fahren, wenn die Route eng wird. Stabil werden, wenn die Physik es verlangt.« Der Clou: Durch das maximal verstärkte Biegemoment kann das Modul die Ladungen in einfacher Breite transportieren, für die bislang allein wegen der Rahmenstärke Parallelkombinationen notwendig wären. Hinzu kommt: Mit einer Achslast von 48,4 t und einer Zugkraft von 162 kN erreicht der »PST/SL-ES« bisher nie dagewesene Dimensionen, so Goldhofer. Robert ­Steinhauser, Vice President of Sales Transport Technology, beschreibt den »PST/SL-ES 285« als »das stärkste Schwerlast-Modul, das bislang entwickelt wurde«. Der »PST/SL-ES 285« revolutioniere den Schwertransport, wie er sagt. 

Die wirtschaftliche Bedeutung liege dabei auf der Hand: »Die geniale Konstruktion des Schwerlast-Moduls ermöglicht Fahrten in einfacher Breite, was wiederum die Manövrierbarkeit verbessert. Weniger Infrastrukturmaßnahmen erleichtern die Routenplanung. Durch das hohe Biegemoment können noch schwerere und kompaktere Ladungen realisiert werden Wenn dadurch weniger in Straßen, Kurvenbereiche oder Waldpassagen eingegriffen werden muss oder aufwendige Umwege vermieden werden, kann ein Projekt nicht nur technisch sauberer, sondern auch schneller und wirtschaftlicher umgesetzt werden.«

»Eröffnet neue Spielräume«

Jan Sarens, Director Technical Solutions, Projects & Engineering bei Sarens NV, sagt hierzu: »Der ›PST/SL-ES‹ hat uns nicht wegen eines einzelnen technischen Merkmals überzeugt. Entscheidend war der wirtschaftliche Gesamteffekt. Die Möglichkeit, je nach Situation zwischen Stabilität und Manövrierfähigkeit zu wechseln, eröffnet völlig neue Spielräume bei der Transportplanung. Wir benötigen weniger Achslinien und können Projekte effizienter umsetzen.« So ähnlich war dies auf den Innovation Days immer wieder zu hören: Der »PST/SL-ES 285« sei eine technische Innovation, welche die Wirtschaftlichkeit kompletter Transportkonzepte verändere.

Matthias Ruppel, CEO der Goldhofer AG.
»Innovation entsteht nicht hinter verschlossenen Türen, sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Herausforderungen gemeinsam zu lösen.« 

»E-PowerPack«

Der Ansatz von Goldhofer ist pragmatisch: Nicht jede Anwendung braucht Elektrifizierung. Aber dort, wo sie einen konkreten Vorteil bringt, sollte sie sofort nutzbar sein. Genau daraus entstand das »E-PowerPack«, welches das bauMAGAZIN erstmals zur Bauma 2025 zu Gesicht bekam. Es wurde laut Goldhofer nicht entwickelt, um Dieselantriebe grundsätzlich zu ersetzen. Es soll Probleme lösen, die in bestimmten Einsatzszenarien heute bereits existieren: Lärm, Emissionen, sensible Einsatzumgebungen, Industrieanlagen, Innenstädte oder Bereiche mit strengen Umweltauflagen. Beeindruckend ist dabei weniger die Tatsache, dass das System elektrisch fährt. Entscheidend ist, dass es aus Sicht vieler Anwender erstmals keinen Kompromiss mehr darstellt. Mit rund 260 kW elektrischer Leistung, aktivem Thermomanagement, vollständiger Integration in das Goldhofer-Telemetriesystem »Link« und einer Architektur, die Erfahrungen aus der elektrischen Airport-Technologie nutzt, entsteht ein vollwertiges Arbeitsgerät, welches sich schon in der Praxis bewiesen hat. Greifbar wurde dies am Beispiel eines Transports der Behala, welcher Ende Juli in Berlin stattfand und die europäische Festlandpremiere darstellte. ­Leon Tietz, Leiter Logistik der Behala, war den Innovation Days zugeschaltet: »Wer eine 430 t schwere Gasturbine durch eine lebende Stadt bewegt, trägt Verantwortung – für den Transport, aber auch für die Menschen entlang der Strecke. Genau deshalb hat uns das ›E-PowerPack‹ überzeugt. Mit dem Pack konnten wir den Transport deutlich leiser und lokal emissionsfrei durchführen, ohne Kompromisse bei Leistung oder Bedienbarkeit einzugehen. Gerade in einer Stadt wie Berlin werden Themen wie Lärm, Emissionen und Akzeptanz künftig noch wichtiger.«

Robert Steinhauser, Vice President of Sales Transport  Technology bei der Goldhofer AG.
»Das »PST/SL-ES 285« ist das stärkste Schwerlast-Modul, dass bislang entwickelt wurde – es revolutioniert den Schwertransport.«

Innovation Lab

Zwischen Weltpremieren, Fahrdemonstrationen und Live-Shows gab es einen Bereich, über den ungewöhnlich viel gesprochen wurde. Dort standen nicht die größten Fahrzeuge, sondern wurde sichtbar, wie Innovation bei Goldhofer entsteht. Das Innovation Lab war laut Goldhofer »bewusst kein Produktkatalog in Messeform«. Wer den Bereich betrat, durchlief vielmehr eine Reise durch unterschiedliche Reifegrade einer Ideenschmiede: von ersten Konzepten über Entwicklungsprojekte bis hin zu Technologien, die bereits ihren Weg in Produkte gefunden haben. Das Innovation Lab folgte dem Anspruch, Innovationsfähigkeit sichtbar zu machen: Besucher sollten verstehen, wie Goldhofer aus einer Idee eine markt­reife Lösung entwickelt und dem Kunden zuhört. Zu sehen waren u. a. Digital-Twin-Konzepte, neue Plattform-Architekturen, Datenlösungen, Simulationswerkzeuge sowie Ansätze zur weiteren Vernetzung von Fahrzeugen und Systemen. Manche Konzepte waren bereits kurz vor der Marktreife. Andere befinden sich noch in einem frühen Stadium. 

Neue Weiterentwicklungen

Zwischen den Premieren wurde ebenso die Weiterentwicklungsarbeit von Goldhofer ersichtlich: Die »FT Series« etwa ist längst im Markt etabliert. Entwickelt als immer weiter wachsendes Baukastensystem, welches sich unterschiedlichen Transportanforderungen anpassen kann, wurden nun die neuesten Erweiterungen vorgestellt: Neue Sonderfahrwerke mit Baggerstielmulde für die größten Baumaschinen über flexible Einachs-Fahrwerke für noch höhere Anpassbarkeit an die Einsatzsituation bis hin zu den neuen Split-Fahrwerken. Basierend auf der umfangreichen Grundkonfiguration von Rahmenbreite, Biegemoment, Achszahl, Bereifung und Zubehör lassen sich so individuelle Anforderungen noch besser realisieren. Der Gedanke dahinter ist einfach: Nicht der Kunde soll seine Anwendungen an ein Fahrzeug anpassen. Das System soll sich an die Aufgaben des Kunden anpassen.


Auch der neue »Stepstar MPA« mit Einzelrad­aufhängung als Erweiterung der nachlauf- und zwangsgelenkten Varianten sorgte für intensive Diskussionen. Die Gründe dafür liegen vor allem in einer Kombination von Eigenschaften, die im Alltag vieler Transporteure enorme Auswirkungen haben können: extrem niedrige Fahrhöhe von 790 mm aufgrund der hauseigenen »CargoPlus«-Bereifung, bis zu 12 t Achslast, hohe Wendigkeit durch ±60°-Lenkeinschlag und die bereits bekannte Optimierung von Eigengewicht und Nutzlast der »Starline«. Gerade bei hohen und voluminösen Ladungen im Speditionsalltag entstehen daraus Vorteile, die sich unmittelbar auf Genehmigungen, Streckenauswahl und Wirtschaftlichkeit auswirken.

Innovation Days – ein Fazit

Zwölf Jahre Warten – zwei Tage Ausnahmezustand. »Das Wichtigste war für uns, nicht einfach eine Veranstaltung zu organisieren, sondern einen echten Mehrwert zu schaffen und unseren Kunden zu präsentieren. Die vielen Gespräche auf dem Gelände, die Diskussionen an den Fahrzeugen und die Begeisterung für neue Ideen zeigen, dass genau das gelungen ist: Innovation entsteht nicht hinter verschlossenen Türen, sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Herausforderungen gemeinsam zu lösen. Genau dafür stehen die Innovation Days. Innovationsführerschaft und konsequente Ausrichtung auf unsere Kunden ist und bleibt die DNA von Goldhofer«, so Matthias Ruppel, CEO der Goldhofer AG. Schlussendlich konnte das Unternehmen mit seinen Innovation Days stark punkten: Die vorgestellten Lösungen dürften für große Aufmerksamkeit am Markt sorgen – gleichwohl hat Goldhofer aber thematisiert, dass die Branche vor tiefgreifenden Veränderungen steht und sich angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen sowie gestiegener Anforderungen und der Erwartung an effizientere Transporte anpassen muss. Wichtig sei daher, innovativ zu bleiben, dem Markt aufmerksam zuzuhören und die Entwicklerschmiede nicht ruhen zu lassen.

Firmeninfo

Goldhofer AG

Donaustraße 95
87700 Memmingen

Telefon: +49 8331 15-0

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