Bei Kobelco gab es u. a. den »SK850LC-11« mit 382 kW Leistung zu sehen – auf der Messe war der Bagger mit einem 6,6 t schweren Anbauhammer von FRD Furukawa vertreten. Ebenfalls ausgestellt wurde der 50 t schwere Abbruchbagger »SK400DLC-11E«.
Als Veranstaltungsort dient Europas größter Basalt-Steinbruch in Nieder-Ofleiden – die Messe findet im laufenden Betrieb statt.
Immerhin fanden auch dieses Mal wieder regelmäßige Vorführungen in der Live-Arena auf der unteren Ebene statt – und die waren, trotz so manchem Wetterumschwung, gut besucht. In Kritik geriet aber wohl vielmehr die »gähnende Langeweile« auf den einzelnen Ständen. »Keiner hat eine so tolle Kulisse wie die Steinexpo – es werden riesige Bagger, Radlader und Muldenkipper gezeigt, die wir nirgends sonst zu Gesicht bekämen. Und obwohl das so ist, bewegen die meisten nicht mal ihren Baggerarm«, wie diverse Fachbesucher und Aussteller, die an dieser Stelle anonym bleiben möchten, vor Ort kritisierten. Die Rede war davon, dass das Live-Demo-Potenzial trotz gezeigter Action unter seinen Möglichkeiten blieb. Aber genau hier gibt es einen Haken: Zum einen findet die Steinexpo im laufenden Betrieb statt, weshalb nicht nach Lust und Laune rangiert, gebaggert und gehämmert werden kann, ohne dem Steinbruchbetreiber, anderen Ausstellern oder der Messeleitung in die Quere zu kommen. Zum anderen birgt jede Live-Vorführung immer auch Risiken: Umgeben von tonnenschwerem Basaltgestein auf meterhohen Ebenen würden weitere Live-Demonstration ein zu hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Zwar wäre es sicherlich wünschenswert, dass sich der eine oder andere Hydraulikhammer durch das Gestein beißt, während die Sieb- und Brechanlagen den Messeboden zum Zittern bringen. Aber das Ende vom Lied bleibt, dass auch die Steinexpo an Richtlinien gebunden ist. Für die Zukunft dürfte es trotzdem ein Denkanstoß sein, den Ausstellern hier und da etwas mehr »Gestaltungsfreiraum« zu gönnen, um das eine oder andere »Baggerärmchen« schwingen und so manchen Löffel buddeln zu lassen.
Ein vielschichtiges Portfolio
Was die Steinexpo wieder in den Mittelpunkt rückte, war Vielfalt. Auf der gigantischen Ausstellungsfläche von rund 185 000 m2 zeigten die insgesamt 328 Aussteller, was sie aktuell im Köcher haben. Und am publikumswirksamsten war, wie sollte es auch anders sein, vor allem tonnenschwerer Stahl: Hersteller wie Komatsu, Liebherr, Caterpillar, Kobelco, Hitachi, Develon sowie Liu Gong, John Deere, Volvo, Sany und XCMG zeigten Großgeräte aus dem Bagger-, Radlader- und Muldenkipper-Segment. Hinzu kamen Maschinen und Anlagen von Sennebogen, Wirtgen, Kleemann, Rockster, SBM Mineral Processing, McCloskey, Vermeer und Keestrack, die viele Besucher anzogen. Gleichzeitig, und auch das ist ein großer Pluspunkt der Steinexpo, wurde erneut viel Fläche für digitale Tools geboten – das reichte von Flottenmanagementlösungen über integrierbare Wiegetechnik, neueste Assistenzsysteme bis hin zu Fernsteuerungs- und Überwachungseinheiten. Viel Aufmerksamkeit erhielten im Übrigen die Anbaugerätehersteller: Mit FRD, HS-Schoch, Hydraram, Kemroc, MBI, Dappen, FAE und VeRotool, um nur einige zu nennen, waren große Namen vertreten, um Hydraulikhämmer, Löffel, Schaufeln, Abbruchgeräte, Anbaufräsen, Spezialwerkzeug, Schneidtechnik und Verschleißteile aufzuzeigen.
Verschleißteile für die Branche
Und Letzteres ist das Stichwort: Getreu dem Motto »Dem Verschleiß die Zähne zeigen« hat VeRotool neue Zähne- und Zahnsysteme für Bagger und Lader sowie zahlreiche andere Verschleiß- und Verschleißschutzteile vorgestellt. Auffällig ist, dass der Hersteller individuelle Lösungen in der Bearbeitung von hochverschleißfesten Stählen aufbieten kann – und das von der Serien- bis zur Einzelfertigung. Hinzu kommt die hauseigene Reparatur von Anbaugeräten, was den Lebenszyklus der Geräte deutlich verlängert und das Arbeiten trotz hohem Verschleiß innerhalb der Bau-, Gewinnungs-, Recycling- und Abbruchbranche weit kosteneffizienter gestaltet.
Die zwölfte Ausgabe der Steinexpo wurde feierlich von Messechef Dominik Rese (l.) im Rahmen der offiziellen Pressekonferenz »per Knopfdruck« am ersten Messetag eröffnet.
Auf Herz und Nieren geprüft: bauMAGAZIN-Chefredakteur Dan Windhorst begutachtet die ausgestellten E-Radlader von Liu Gong.
Während der Live-Demo zeigte Liebherr, was das aktuelle Knickdumper- Portfolio hergibt.
Smarte Sicherheitsfeatures
Ganz oben auf der Liste standen im Übrigen neue Sicherheitslösungen. Gerade in der Gewinnung, im Abbruch und im Recycling wird mit wahren Stahlkolossen hantiert. Am Stand von Develon durfte das bauMAGAZIN beispielsweise in den 37 t schweren Raupenbagger »DX360-9« steigen, um sich mit »Smart AVM« vertraut zu machen. Das System wurde entwickelt, um eine vollständige Rundumsicht zu gewährleisten. Hinzu kam »E-Stop«, ein KI-gestütztes System, das Personen und Objekte ab einer Entfernung von 10 m erkennt, visuell und akustisch warnt und alle Bewegungen stoppt, sobald die Maschine einen Abstand von 4 m unterschreitet. Gleichzeitig hat Develon die Gelegenheit genutzt, um mit seinem Mobilbagger »DX160WE-7K« auf seine Elektrosparte hinzuweisen: Der 16,8 t schwere Allrounder soll elektrische Power für Einsätze von bis zu zehn Stunden ermöglichen. Hinzu kam der Publikumsmagnet, der knickgelenkte 6x6-Muldenkipper des Typs »DA30-7«, der für Robustheit und Vielseitigkeit steht – auch dieser, so Develon, profitiere von neuen Sicherheitsfeatures, guter Übersicht und einfacher Handhabung.
Zwischen Bagger und Kipper
Das bauMAGAZIN warf im Übrigen auch einen Blick auf das Portfolio von Liebherr. Der Baumaschinenhersteller war mit einer 50 t schweren Weltpremiere, dem Raupenbagger »R 952 G8«, angereist, der mit einer neuen »emCAB«-Kabine sowie »Intusi«-Bedienung ausgestattet wurde. Vertreten waren insgesamt acht Exponate, darunter Muldenkipper und »X-Power«-Radlader wie der »L580«, der in der Live-Demo-Arena begutachtet werden konnte. Dort zeigte Liebherr allerdings auch seine leistungsstarke Planierraupe »PR 756 Litronic«: Dieses Stahlmonster der nunmehr achten Generation gilt als extrem leistungsstark und hat bei den Fachbesuchern offenbar großen Eindruck hinterlassen.
Großbagger im Steinbruch
Nicht zu übersehen war übrigens Kobelco: Klug positioniert, empfang der japanische Baumaschinenhersteller die Steinexpo-Besucher mit seinem über 50 t schweren und mit 24,7-m-Longfront ausgestatteten Abbruchbagger »SK400DLC-11E«. Die Brücke zur Gewinnung schlug hingegen der »SK850LC-11«: Der Gigant mit 382 kW Leistung und, je nach Ausrüstung, deutlich über 80 t Betriebsgewicht gilt als schwerster konventioneller Bagger des Herstellers. Auf der Messe war die Maschine mit einem 6,6 t schweren Anbauhammer von FRD Furukawa ausgestattet, der insbesondere mit hohen Losbrech- und Reißkräften von 432 und 351 kN punkten kann. Aber Kobelco kann auch kleiner: Mit dem »SK10SR-2E« zeigte man einen echten Show-Stopper und unterstrich, dass die Japaner mit Vielseitigkeit in ihrem aktuelle Kettenbagger-Programm auftrumpfen können – mit Modellen, die von 1 bis 140 t Betriebsgewicht reichen.
Stationär und mobil unterwegs
Im Segment der stationären und mobilen Aufbereitung fiel SBM Mineral Processing auf: Der Hersteller war mit einem mobilen Prallbrecher des Typs »Remax 300 Max« sowie einer stationären Einheit, dem Horizontal-Prallbrecher »RHS 13/164«, angereist und hat gleichzeitig seine mobile Mischanlage »Euromix 1600 Nova« vorgestellt. »Die Entscheidung, auch unsere mobile Beton-Technologie in Nieder-Ofleiden zu präsentieren, hat sich ausgezahlt,« resümiert Ernst Stöttinger, SBM-Vertriebsleiter Betontechnik.
Großgerät und Premieren
Als deutscher Händler für den größten Baumaschinenhersteller der Welt hatte Zeppelin wahrlich Großes im Gepäck: Zur Steinexpo fuhr man mit dem Muldenkipper »775-08 Kinetic« die nächste Generation auf – hinzu kam ein eindrucksvoller Großbagger des Typs »395 FS« mit Hochlöffel, der als wahres Kraftpaket der Gewinnungsbranche gilt. Viel Aufmerksamkeit erhielten Zeppelin und Caterpillar allerdings auch durch den Radlader »966XE«, der mit »Cat Command« ausgestattet wurde und so das ferngesteuerte Arbeiten widerspiegelte. Ebenfalls vertreten waren der dieselelektrisch angetriebene Radlader »988 XE«, der knickgelenkte Dumper »730 Next Gen« und der »950 GC Electric«, ein elektrischer Radlader für den Materialumschlag.
Gesamtlösung in den Fokus gerückt
Moderne Aufbereitungstechnik stand auch bei Christophel und Kölsch im Mittelpunkt: Die beiden Spezialisten für Brechen, Sieben und Fördern stellten mit dem »Powerscreen Premiertrak 600 XL« die neue Generation an leistungsstarken Vorbrechern aus. Hinzu kam die »Warrior 2100«, die für robuste Schwerlastsiebung steht und sich aufgrund einer Drei-Wellen-Technik flexibel auf unterschiedliche Materialien einstellen kann. Ebenfalls vertreten war der Prallbrecher »RM 100X« von Rubble Master, der Brechen, Nachsiebung, Windsichter und Überkornrückführung miteinander verbindet. Die Fachbesucher durften außerdem einen Blick auf das Haldenband »CT80«, den Prallbrecher »Dynarox I-120« von Hazemag und die transportfreundliche Sieblösung »Portafill MR-5X« werfen.
Aeolus-Produktmanager Robert Buijs neben einer Auswahl an Reifen aus dem OTR-Programm für Erdbewegung. Die Profile sind auf hohe Traktion und Traglast im anspruchsvollen Gewinnungs- und Baustelleneinsatz ausgelegt.
Daniel Bertagnolli, Area Manager Europe bei der FAE Central East Europe GmbH, vor der »FAE MTH«, dem Spitzenmodell unter den Multifunktionsfräsen der FAE Group. Sie wird über die Zapfwelle von Traktoren im Leistungsbereich von 300 bis 500 PS angetrieben.
Am Stand von SBM Mineral Processing war u. a. der raupenmobile Prallbrecher »Remax 300« mit dieselelektrischem Hybridantrieb zu sehen. Ergänzt wurde das Exponat durch die mobile Betonmischanlage »Euromix 1600 Nova«.
Volvo CE rückte auf der Steinexpo einen Teil seines Maschinenportfolios für anspruchsvolle Einsätze im Steinbruch und in der Rohstoffgewinnung in den Fokus. Zu sehen waren u. a. leistungsstarke Radlader, Bagger und Dumper. Auch digitale Lösungen spielten eine Rolle.
Patrick Kath, Communication Professional & Web Coordinator bei Epiroc Construction Tools GmbH, mit der »Epiroc VC 1400«, einer V-förmigen Anbaufräse (V-Cutter) für Bagger in der Gewichtsklasse von 15 bis 25 t.
Vom schweren Felslöffel bis zum großvolumigen Reißlöffel standen bei der HS-Schoch-Gruppe Lösungen für anspruchsvolle Einsätze in Steinbruch, Gewinnung und Abbruch im Mittelpunkt.
Auch bei grauem Himmel und regnerischen Bedingungen zeigte JCB auf der Steinexpo, was moderne Maschinen im anspruchsvollen Steinbruch leisten können. Der Auftritt mit Radladern, Baggern, Teleskopladern und weiteren Maschinen unterstrich dabei den praxisnahen Charakter der Demonstrationsmesse.
Auf dem Stand von Hoyer zugegen waren (v. l. n. r.) Lennard Henke, Nico Mügge, Michael Luhmann, Sven Blank, Andreas Deul, Chantalle Thiele, Steffi Piede-Walter, Jörg Weidemann und Andreas Hellmann.
Sumit Khare, President ROTR & Port Business Europe, (l.) und Vinay Shankar Pandey, Deputy General Manager CMD Office von Ascenso Tyres, zeigten mit »ROTR Giants« eine eigene Generation von OTR-Mining-Reifen mit E4-Profiltiefe.
GrüLo Coat bietet für die Sanierung von Siloinnenflächen langlebige Beschichtungssysteme. Auf der Steinexpo vor Ort: Berater Sven Gareis (l.) und Geschäftsführer Dirk Loske.
Die Marke Christ Wash Systems war mit den Reifenwaschanlagen »Mars« und »Stars« vertreten. Im Bild (v. l. n. r.): Michael Aigner, Gebietsverkaufsleiter West, Kai Thesing, Gebietsverkaufsleiter Nord / Ost, sowie Mirco Völkl, Geschäftsführer Nutzfahrzeug- / Sonderwaschanlagen.
Kompetente Vertriebspower am Stand der Praxis-EDV (v. l. n. r.): Anna Wirth, Beate Volkmann, Johanna Leonhardt und Judith Pfuch standen den Besuchern für sämtliche Fragen rund um die Systemlösungen des Unternehmens aus Pferdingsleben zur Verfügung.
Viel Stahl und smarte Technik
Ein Muss auf jeder Steinexpo ist erfahrungsgemäß der Messeauftritt von Komatsu – und das nicht nur allein wegen der stählernen Giganten. Ein zentraler Aspekt des Baumaschinenherstellers war es, auf die digitalen Lösungen aufmerksam zu machen, darunter vernetzte Systeme für Flottenmanagement, Vermessung und Datenanalyse – u. a. in Kooperation mit dxbau solutions. Quasi fabrikneu ausgestellt war der neue knickgelenkte Dumper »HM460-6«: Dieser bis zu 74,9 t schwere Muldenkipper gilt als echtes Arbeitstier in der Gewinnung und kann neben einer Nenn-Nutzlast von 42 t eine Motorleistung von 396 kW aufbringen. Auf der Steinexpo zeigte Komatsu außerdem den Radlader »WA485-11«, die Planierraupe »D71PXi-24« sowie den schweren Kettenbagger »PC950LC-11« im harten Praxiseinsatz. Letzterer ist ein Vertreter der 95-t-Klasse und hat mit einem Löffelvolumen von 6,5 m3 sowie 405 kW Leistung überrascht. Eine noch größere Bandbreite an Exponaten erhielten die Fachbesucher dadurch, dass sowohl Kuhn Baumaschinen als auch Schlüter als Mitaussteller am Komatsu-Stand vertreten waren.
Elektrifizierung vorantreiben
Noch am Vorabend des Messestarts war das bauMAGAZIN am Stand von Liu Gong. Der chinesische Hersteller war mit insgesamt neun Exponaten nach Nieder-Ofleiden gereist und hatte gleichzeitig ambitionierte Ziele im Gepäck. In den kommenden Jahren möchte Liu Gong seine Marktposition in Deutschland deutlich ausbauen. Helfen soll hierbei insbesondere das Know-how in der Elektro-Technologie. Zu den Highlights zählten der elektrische Muldenkipper »DR50CE« und der elektrische Motorgrader »4280DE«. Der vollelektrische »DR50CE« bietet 50 t Nutzlast und eine Spitzenleistung bis zu 1 200 kW für anspruchsvolle Einsätze im Bergbau, Tunnelbau und im Steinbruch. Zudem baut LiuGong das Segment an batteriebetriebenen Radladern weiter aus. Der 41-t-Radlader »8110TE« stellt das Flaggschiff dar, während der »870HE« und der »848TE« ein breiteres Spektrum abdecken sollen.
Die Steinexpo – ein Fazit
In der offiziellen Pressekonferenz der Steinexpo war bereits am Eröffnungstag spürbar, dass die Steinbruch-Messe nicht nur nach außen hin ein Mammut-Projekt darstellt. Der Aufwand, fernab jeglicher Infrastruktur eine Großmesse zu veranstalten, ist gewaltig. Hinzu kommt, dass die Ausstellungsfläche alle drei Jahre von Neuem aus dem Basalt-Boden gestampft wird – der Steinbruchbetreiber muss in Absprache mit dem Veranstalter und den Behörden bereits viele Monate im Voraus die notwendigen Ebenen freiräumen, neue Zugänge schaffen und sich minutiös darum bemühen, hohe Sicherheit für die Aussteller und Fachbesucher zu garantieren. Das verlangt nach Wertschätzung. Schlussendlich konnte die Steinexpo mit Vielfalt, starken Exponaten und guter Laune überzeugen. Die nächste Ausgabe der Messe soll laut Veranstalter vom 29. August bis 1. September 2029 erneut im MHI-Steinbruch stattfinden.