Baumagazin-Interview | Westtech: »Zum Glück wachsen Bäume immer weiter«

Als Entwickler und Hersteller professioneller Forsttechnikmaschinen steht Westtech Maschinenbau im oberösterreichischen Prambachkirchen vor einer schwierigen Aufgabe: Die Arbeit mit Bäumen und Sträuchern setzt im Forstbereich wie im GaLaBau oder der Erdbewegung robuste und langlebige Maschinen voraus, die unter rauen Arbeitsbedingungen zuverlässig funktionieren müssen. Seit mittlerweile 17 Jahren ist Westtech am Markt und verfügt über eine große Bandbreite an Maschinenlösungen, die für eben diese hohen Anforderungen konzipiert wurden – begonnen hat alles jedoch mit einer kleinen und zugleich raffinierten Idee: Mit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2005 geht für Firmeninhaber Werner Steininger nämlich die Entwicklung des Woodcracker einher, einer Holzspaltzange, die bis heute Maßstäbe setzt und zu Beginn der Westtech-Reise »nur« als Notlösung im familiären Arbeitsumfeld gedacht war. Im Gespräch mit bauMAGAZIN-Chefredakteur Dan Windhorst berichtet der erfahrene Maschinenbauer über die Entstehung des Woodcracker und zeigt die wichtigsten Neuentwicklungen sowie die aktuelle Marktsituation für Westtech inmitten der Corona-Krise auf.

Lesedauer: min
Von: Dan Windhorst

bauMAGAZIN: Herr Steininger, seit zwei Jahren befindet sich die Weltwirtschaft in einer flächendeckenden Corona-Starre – die Covid-19-Pandemie bleibt überdies hochdynamisch. Viele Branchen, auch hier in Europa, haben die negativen Auswirkungen der Pandemie wirtschaftlich zu spüren bekommen. Wie haben Sie die vergangenen zwei Jahre mit Blick auf den Maschinenbau im Forstbereich wahrgenommen?
Werner Steininger: Zum Glück wachsen Bäume immer weiter – ob mit oder ohne Corona – somit bleiben die Aufgaben dieselben. Ein Umdenken hat inmitten der Krise trotzdem stattgefunden: Um beispielsweise den Netzausbau voran zu treiben, wurde so manch dringende Netzpflege und damit der Bedarf an zuverlässigen Maschinen stärker in den Mittelpunkt gerückt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Auftragslage für uns auch weiterhin gut ist.

bauMAGAZIN: Vor grundsätzliche Probleme stellen allerdings die gestiegenen Materialkosten und Lieferengpässe. Wie sehr war bzw. ist Westtech davon betroffen?
Steininger: Am Ende war und ist im Grunde jeder innerhalb unserer Branche davon betroffen – wir sind davon nicht ausgeschlossen. Westtech produziert österreichische Qualitätsprodukte, weshalb wir kaum von Importen abhängig sind. Durch unseren hohen Eigenfertigungsanteil haben sich deshalb die Preiserhöhungen in Grenzen gehalten, was uns, gerade in Zeiten wie diesen, natürlich zugute kommt.

bauMAGAZIN: Mit der Gründung von Westtech im Jahr 2005 geht die Entwicklung des Woodcracker einher – einer Holzspaltzange, die eigentlich »aus einer Not heraus« entstanden ist: Erzählen Sie unseren Lesern doch bitte, wie genau der Gedanke an den Woodcracker gereift ist.
Steininger: Am elterlichen Hof musste eine Lösung für die natürliche Holztrocknung her. Durch die Verwendung trockener Hackschnitzel wird nicht nur die Lebensdauer des Heizofens erhöht, sondern auch der Hackgutbedarf gesenkt. Das schlägt sich im benötigten Lagerplatz für das Hackgut nieder und zeigt sich auch in weniger auftretenden Problemen wie etwa Schimmel während der Lagerung. Gleich nach der Ernte hat Holz, je nach Baumart, einen Wassergehalt von zwischen 50 % und 60 %. Um es in einer Hackschnitzelheizung jedoch energieeffizient und emissionsarm nutzen zu können, wird ein Wassergehalt zwischen 20 % und 30 % benötigt – abhängig natürlich vom verwendeten Ofen. Nachdem vor der Entwicklung des Woodcracker das Holz in ganzen Großstücken gehackt wurde, musste eine kostensparendere und gleichzeitig effizientere Lösung her, um Schäden an der Heizung zu verhindern. Das war dann der Startschuss für die Entwicklung unserer ersten Holzspaltzange – und eben diese Maschine läuft tatsächlich heute noch! Der damals entwickelte Prototyp ist bis heute in Bayern in Verwendung.

bauMAGAZIN: Seitdem sind mehr als 17 Jahre vergangen. Ausgelegt war das erste offizielle Modell des Woodcrackers auf Bagger der 10-t-Klasse. Wie verhält es sich mit der Holzspaltzange heute?
Steininger: Der Urtyp des ersten Woodcracker wird bis heute in Serie produziert – er läuft nun unter dem Namen Woodcracker W – als Holzspaltzange für Starkholz. Mittlerweile gibt es jedoch Abwandlungen des Holzspalters, etwa für diverse Trägerfahrzeuge wie Bagger oder Rückewagen.


bauMAGAZIN: Abseits des Spaltzangen-Woodcracker tragen heute auch Schneid- und Fällköpfe sowie Roderechen und -scheren diesen Markennamen. Können Sie uns einen kurzen Überblick über die aktuellen Maschinen verschaffen, die aus der Schmiede von Westtech stammen?
Steininger: Zu den neuesten Entwicklungen zählen die Telestufe Woodcracker T4000, die Baumschere CL320 und die kardanische Greifersäge CS510 crane. Die T4000 ist darauf ausgelegt, die Reichweite ohne Umbauarbeiten am Bagger zu erhöhen. An die Telestufe lassen sich individuelle Anbauwerkzeuge anbringen, zum Beispiel Holzzangen, Greifersägen oder Schalengreifer. Gleichzeitig ist dieser Woodcracker an alle handelsüblichen Schnellwechselsysteme koppelbar, was eine hohe Flexibilität mit sich bringt. Bei der Baumschere, dem Woodcracker CL320, lassen sich hingegen Bäume mit einem Durchmesser von bis zu 400 mm schneiden. Sie wird für die schnelle Ernte von kleinen Bäumen und Sträuchern verwendet, lässt sich aber auch im Kleinstwald oder bei landwirtschaftlichen Einsätzen mittels Hoflader wie einem Hoftrac einsetzen. Die Maschine wurde im Besonderen für Landschaftsgärtner, Privatwaldbesitzer, Forst- und Lohnunternehmer, aber auch Gärtner und Profis aus der kommunalen Landschaftspflege entwickelt. Die bereits erwähnte kardanische Greifersäge wiederum wurde für den Anbau an Krane konzipiert und hat einen Schneiddurchmesser von bis zu 540 mm. Zu den Einsatzbereichen zählen Baumpflegemaßnahmen im städtischen Bereich oder die Spezialbaumabtragung und Verkehrssicherung. Für dieses Modell gilt eine hohe Benutzerfreundlichkeit, zudem verfügt es über einen starken 3-Fingergreifer und passt auf jeden Forstkran. Insgesamt ist die Produktpalette von Westtech mittlerweile sehr breit aufgestellt. Trotzdem darf man weiterhin auf das gespannt sein, was die Westtech-Schmiede noch so alles auf den Weg bringt.

bauMAGAZIN: Eine weitere Neuheit ist allerdings auch der sogenannte Fellertruck, ein mobiler Fällkran, der auf einem Lkw montiert wurde. Wie genau kam es zu dieser Neuentwicklung?
Steininger: Ein sehr guter Kunde aus Deutschland hatte schon seit Längerem den Wunsch nach einem zuverlässigen Fäll-Lkw. Das Unternehmen ist im Baumpflege- und Baumfällsektor tätig. In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden entstand dann der Fellertruck. Die Vorteile für diese Lösung liegen klar auf der Hand: Beim Fellertruck stand u. a. die schnelle Übersetzung von einer Baustelle zur anderen im Vordergrund. Hierfür wird kein Tieflader benötigt, um von A nach B zu gelangen. Zudem darf das Fahrzeug mit seiner Straßenzulassung bis zu 80 km/h fahren, was die Rüstzeiten minimiert und die Effizienz der Arbeit maximiert. Am Kran lassen sich vielfältige Anbaugeräte anbringen. In der Standardausführung ist eine Greifersäge montiert. Aufgrund dieser Säge kann ein Schneiddurchmesser von bis zu 750 mm erreicht werden. Sie wird am zugelassenen Hebekran montiert, der eine seitliche Reichweite von bis zu 19 m erreicht. Dadurch werden Arbeiten hangabwärts ein echtes Kinderspiel. Der Felltruck verfügt darüber hinaus über vier Stützen, die variabel ausfahrbar sind und dadurch ein kompaktes Arbeiten ermöglichen.

bauMAGAZIN: Beispielsweise im GaLaBau finden Westtech-Maschinen vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Welche Vorzüge bringen Ihre Maschinen in diesem Segment mit sich?
Steininger: Die Hauptgründe für die Beliebtheit unserer Maschinen im GaLaBau liegen auch hier klar auf der Hand: Die Bedienung unserer Lösungen für den Forstarbeiter und Baggerfahrer ist einfach gehalten. Gleichzeitig weisen die Woodcracker eine enorme Robustheit auf. Der Anbau an Trägerfahrzeuge geht dank »Plug and Play« ebenfalls leicht von der Hand.

bauMAGAZIN: Westtech entwickelt und produziert seine Maschinen ausschließlich in Österreich. Was waren die Gründe für diese Entscheidung?
Steininger: Hier lag die Hauptentscheidung in der Qualitätssicherung. Um den eigenen hohen Ansprüchen zu genügen, fiel die Wahl für die Produktion auf Österreich. Damit einhergehend wird aber auch sichergestellt, dass es möglichst kurze Wege gibt, um schnell Verbesserungen an den Maschinen umzusetzen.

bauMAGAZIN: Mit einer neuen Fertigungshalle investiert Westtech weiter in die Zukunft: Wie sieht es mit den aktuellen Expansionsplänen aus? Gibt es neue Märkte, die Westtech dabei im Blick hat?
Steininger: Für den Bau der neuen Fertigungshalle gab es mehrere Gründe. Wir sind laufend bestrebt, unserem hohen Qualitätsanspruch zu genügen und den Blick auf unsere technologische Weiterentwicklung zu richten. Der hohe Eigenfertigungsanteil soll ebenfalls beibehalten werden. Und ganz grundsätzlich zu unseren Expansionsplänen: die gibt es natürlich immer.

bauMAGAZIN: Ein Blick in die Glaskugel erweist sich dieser Tage zweifelsohne als schwierig. Wie schätzen Sie dennoch die aktuelle Marktsituation für Westtech ein und was sind die gesteckten Ziele für 2022?
Steininger: Wir möchten auch in Zukunft möglichst unabhängig von Zulieferern sein, indem wir in Eigenregie fertigen. Gleichzeitig bleiben wir in der Entwicklungsarbeit am Ball: Ziel ist es, mit neuen Maschinen rund um den Baum zu punkten, um dadurch weiter expandieren zu können.    d